13.05.1964

DER ZYPERN-KONFLIKT

DER ZYPERN-KONFLIKT
hat den Vereinten Nationen eine neue Last aufgebürdet. Seit Ende März tun auf der vom Bürgerkrieg gepeinigten Insel Uno-Blauhelme Dienst - bisher freilich mit so geringem Erfolg, daß Griechenlands Ministerpräsident Papandreou im Gespräch mit dem SPIEGEL für eine Erweiterung der Uno -Vollmachten eintrat.
Am 4. März hatte der Weltsicherheitsrat beschlossen,
- eine Uno-Friedensstreitmacht für die Dauer von drei Monaten auf Zypern zu stationieren und
- einen Vermittler zu ernennen, der in Zusammenarbeit mit den Vertretern der griechischen und der türkischen Volksgruppe Zyperns sowie den Regierungen von Zypern, Griechenland, Großbritannien und der Türkei eine Änderung der Zypern-Verfassung sowie der Zypern-Verträge vorbereiten soll.
Die Uno-Streitmacht bestand zunächst aus 7000 britischen und 1000 kanadischen Soldaten. Die Zahl der Briten wurde erheblich vermindert, als irische, schwedische, österreichische und finnische Kontingente eintrafen. Der Befehlshaber der jetzt 6300 Mann starken Uno-Streitmacht, der indische Generalleutnant Prem Singh Gyani, zuvor jahrelang Chef der Uno-Truppen
im Gaza-Streifen (Palästina), wurde von Uno-Generalsekretär U Thant mit geringen Vollmachten ausgestattet.
Gyanis Truppen dürfen nur zur Selbstverteidigung schießen. Sie haben nicht das Recht, Zwangsmaßnahmen gegen die irregulären Kampftrupps der beiden Volksgruppen zu ergreifen, und dürfen sie nur in Notwehr entwaffnen. Die Kämpfe auf Zypern gehen deshalb gleichsam unter Uno-Aufsicht weiter. Der britische Labour-Führer Wilson nannte das "kontrollierten Völkermord".
Der von der Uno bestellte Vermittler, der finnische Diplomat Sakari Tuomioja, sieht sich ebenso wie General Gyani vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Den Hellenen erscheint die Vereinigung Zyperns mit Griechenland, wie Premier Papandreou dem SPIEGEL bestätigte, als die beste Lösung; die Türken streben eine Teilung der Insel an.
Beides verbieten die Verträge von Zürich und London aus dem Jahre 1959, denen Zypern seine heutige Verfassung und seine Unabhängigkeit verdankt. Verfassung und Verträge müssen revidiert werden - wie Griechenlands Regierungschef hofft, durch eine Volksabstimmung auf Zypern noch langer Uno-Besetzung.

DER SPIEGEL 20/1964
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