13.05.1964

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Professor Dietrich Goldschmidt, Freie Universität Berlin, im britischen Rundfunksender BBC:
Die Gefahr, daß nationalistisches Anti -Status-Quo-Denken zur Unterminierung der demokratischen Regierungsform oder zu militaristischen Abenteuern führt, besteht (in der Bundesrepublik) gegenwärtig im Ernst nicht. Ein beträchtlicher Teil der Öffentlichkeit ist gegen eine solche Tendenz auf der Wacht, und mehrere Radio- und Fernseh-Programme sowie einige wichtige Wochenblätter, wie "Die Zeit" und der SPIEGEL, bekämpfen sie mit Erfolg. Die Rolle, die sie bei einigen Affären spielten, die die westdeutsche Politik der letzten Jahre kennzeichneten - insbesondere bei der, die zum Sturz des Verteidigungsministers Strauß und den Diskussionen über die Legalität der Briefkontrolle und des Abhörens von Telefonverbindungen führte -, hat bewiesen, daß sie recht leistungsfähige Hüter der Demokratie sind.
Der britische Historiker und Hitler-Biograph Alan Bullock in der Zeitschrift "Spectator" über die englische Ausgabe des Buchs "Der Reichstagsbrand" von Fritz Tobias:
Als seine Schlußfolgerungen 1959 zum erstenmal im SPIEGEL veröffentlicht wurden, stießen sie auf ärgerlichen Unglauben. Selbst wenn sie Tobias recht geben mußten, so fiel es doch vielen Menschen schwer, ihm die Entlastung der Nazis nachzusehen. Diese war weder Tobias' Absicht noch war es die Konsequenz aus seinen Untersuchungen darüber, ob die Nazis den Reichstag angesteckt hatten oder nicht. Von politischer Bedeutung war der Nutzen, den sie (die Nazis) daraus zogen, um sich mit größter Macht auszustatten und die Kommunisten ein für allemal zu zerschlagen.
Tobias' Buch ist nicht nur eine faszinierende Rekonstruktion der Ereignisse, sondern auch eine heilsame Lektion für alle Historiker. Es sollte Pflichtlektüre für alle Geschichtsstudenten sein. Ich für meinen Teil werde ihm einen hervorragenden Platz in meinen Bücherregalen geben, als Mahnung an die elementarste aller Regeln der Geschichtsforschung: Nimm nichts als gewiß an, solange du nicht selbst die Beweise geprüft hast.
Der britische Historiker Hugh Trevor-Roper ("Hitlers letzte Tage") in der Londoner "Sunday Times" über das Tobias -Buch:
Es schien unmöglich zu sein, die Wahrheit festzustellen - bis 1959, als Tobias eine Artikel-Serie im SPIEGEL veröffentlichte. Unter den Orthodoxen lösten diese Artikel einen Aufruhr aus. Sie überzeugten (den Historiker) A. J. P. Taylor, so wie sie auch mich überzeugt hatten. Aber sie überzeugten nicht jeden. Ich war erstaunt, als 1960 ein so sorgfältiger Autor wie Herr Shirer die alte Legende in seinem "Aufstieg und Fall des Dritten Reiches" sorglos wiederholte. Es war klar, daß Tobias' Werk einer weiteren Verbreitung bedurfte. Ich freue mich, daß es nun durch dieses Buch dazu kommt.

DER SPIEGEL 20/1964
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