22.04.1964

DICHTER / SHAKESPEARESchwan oder nicht Schwan

Der Herausgeber hatte recht. Auf dem Titelblatt des Schauspiels "Troilus und Cressida", das er im Jahre 1609 dem Londoner Publikum offerierte, war vermerkt, das Publikum möge ruhig den halben Shilling Kaufpreis riskieren; es werde eine Zeit kommen, in der man mit größtem Fleiß den Drucken der Shakespeare-Schauspiele nachjagen werde.
Selten ist ein Werbespruch aus der Verlagsbranche in der Geschichte so rehabilitiert worden wie dieser.
Die gedruckten Exemplare der Shakespeare-Stücke, die zu Lebzeiten Shakespeares (1564 bis 1616) erschienen sind, haben als bibliophile und wissenschaftliche Kostbarkeit auf der Welt nur wenig ihresgleichen. Ob sie autorisiert erschienen oder unautorisiert, ob sie Shakespeare als Verfasser der Stücke nennen oder verschweigen, ob sie ihn als Mitverfasser neben anderen bezeichnen oder ob andere Drucke gar die Initialen W.S. oder den Namen William Shakespeare für fremde Stücke in Anspruch nehmen – in jedem Fall gehören sie zum wertvollsten Material für alle, die sich mit dem Autor der Shakespeare-Dramen beschäftigen.
Sie sind Gegenstand literarischer Fehden ihrer Zeit, sind Kapital für konkurrierende Schauspieltruppen, sie sind Objekt von Bestechungen, Resultat unbeholfener Übungen in Kurzschrift, Diebesgut aus den Händen vertragsbrüchiger Mimen. Sie bieten wertvolle Hinweise für die Shakespeare-Forschung und liefern Indizien für die Shakespeare-Zweifler. Sie sind Ursache zugleich für Fortschritt wie für Konfusion in Sachen Shakespeare.
Vor vierhundert Jahren, am 26. April 1564, wurde William Shakespeare in Stratford-on-Avon getauft (und demnach wahrscheinlich um den 23. April geboren). Für die Londoner seiner Zeit, am Hof der Königin Elizabeth I. (1558 bis 1603) und des nachfolgenden Königs Jakob (James) 1. (1603 bis 1625) war er der meistbeschäftigte und erfolgreichste Dramatiker.
Für Goethe war Shakespeare der Mann mit den "tausend Seelen". Shakespeares Übersetzer August Wilhelm von Schlegel dichtete:
Der erste, der's gewagt auf deutscher Erde mit Shakespeares Geist zu ringen ... wie ihn der Mund der Zukunft nennen werde, ist unbekannt, doch dies Geschlecht erkannte ihn bei dem Namen August Wilhelm Schlegel.
Er vergaß, zweifellos absichtlich, daß vor ihm der erste deutsche Klassiker, Christoph Martin Wieland, bereits zweiundzwanzig Schauspiele Shakespeares ins Deutsche übertragen hatte.
Graf Leo Tolstoi, Verfasser der "Anna Karenina", nannte Shakespeare eine "Erfindung der Deutschen". Der Philosoph Ralph Waldo Emerson (1803 bis 1882), dem die Amerikaner die Kenntnis der deutschen Klassik verdanken, verstieg sich zu der ekstatischen Behauptung, jenseits des Sonnensystems heiße dieser Planet nicht Erde, sondern Shakespeare. Emersons Landsmann, der Journalist Calvin Hoffman, nannte dagegen 1955 Shakespeare einen Betrüger.
Zu seinen Lebzeiten ist der Dichter des Hamlet und des Othello, des Lear und des Macbeth, Romeos und Oberons, Shylocks und Falstaffs ein geschätzter Mann gewesen. Hundert Jahre nach seiner Geburt kannten ihn nur noch wenige. Zweihundert Jahre nach Shakespeares Geburt erkämpfte Lessing unterm Zeichen des süßen Schwans vom Avon gegen Corneille und Racine dem deutschen Drama einen Platz, und dreihundert Jahre etwa waren vergangen, als eine Amerikanerin, Delia Bacon, mit der These herauskam, Shakespeare habe nicht eine Zeile seiner Stücke geschrieben. Drei Jahre später starb Miss Bacon im Irrenhaus, ihre These aber wurde von vielen verfochten, die nicht dort landeten.
Vierhundert Jahre nach Shakespeares Geburt hat sich Stratford am Flusse Avon in ein einziges Museum, in ein Warenhaus für Andenken verwandelt, das sich in diesen Monaten mehr als eine Million zahlungswillige Pilger erhofft, während gleichzeitig überall in der Welt, von Moskau bis New York, von Tokio bis Havana, vom Deutschen Fernsehen wie von den Suahelis in Tanganjika, Shakespeares Stücke nach besten Kräften festlich inszeniert werden. Über eines herrscht globale Einigkeit, der weder in Hitlers Deutschland noch von Stalins Kulturkommandeuren widersprochen worden war: Shakespeares Stücke sind das Werk des größten dramatischen Genies, das bisher in dieser Welt bekannt geworden ist.
Streitigkeiten, ob Goethe bedeutender sei als Dante, Leonardo genialer als Michelangelo, Wagner größer als Verdi, Dostojewski wichtiger als Balzac, Kant einflußreicher als Descartes, könnten so und so entschieden werden; daß sie sinnlos sind, hinderte nicht, daß sie geführt wurden. Der Mann, der die Tragödie des Dänenprinzen Hamlet, das Trauerspiel der Eifersucht Othellos, die Zauberwelt des Sommernachtstraumes und die blutigen Mordserien der englischen Königsdramen mit seinem Namen verband, der den Familienzwist der Veroneser Häuser Capulet und Montague, die Anklagerede des Antonius gegen Cäsars Mörder, den Wahnsinns-Monolog des betrogenen Vaters Lear formulierte, der von Shylock das Geldverleihen verteidigen, von Petruchio die widerspenstige Katharina zähmen, die listigen Windsor-Damen über den verfressenen Sir John triumphieren ließ - der Mann, der in 37 Schauspielen alle Gattungen des Dramas meisterte, ist ohne Vergleich in der Geschichte der Literatur. Er hat keinen Konkurrenten.
Kein Regime und keine Mode kann ihn beseitigen; weder Brecht noch Anouilh oder Beckett, geschweige Rolf Hochhuth können ihn heute von den Spitzenplätzen der Aufführungs-Statistiken verdrängen. Versimpelt zum ernsten ("Othello") und komischen Operntext ("Die lustigen Weiber von Windsor"), verwandelt in bedächtige Prosa ("Romeo und Julia auf dem Dorfe"), zermalmt von der Musical-Industrie ("Kiss me, Kate"), beschwert vom Bleigewicht deutschen Kabarett-Humors ("Schlag nach bei Shakespeare") – weder ungenierte Bearbeitungen, weder respektvolle Anleihen noch opportunistischer Geschäftssinn haben ihm das mindeste anhaben können. Es blieb beim Satz Friedrich Hebbels: "Ohne Widerspruch sei eingeräumt, daß dem Shakespeare das Recht auf alle Dichterkronen der Welt zusteht."
Wo sich doch Widerspruch regte, bezweckte er höchstens eine Modifikation: alle Dichterkronen demjenigen, der die Dramen verfaßt hat, die unter Shakespeares Namen überliefert sind. Denn allerdings: Die allseits unbestrittene Bedeutung des Autors dieser 37 Schauspiele provozierte ein legitimes Interesse an den Lebensdaten jenes Genies, und das Interesse stieß auf magere Fakten, verglichen etwa mit dem über Jahrzehnte fast lückenlos nachweisbaren Tageslauf Goethes.
Ist es möglich, daß vom bedeutendsten Dramatiker der Welt nicht eines seiner Schauspiele im Manuskript, daß kein Tagebuch, kein Brief, überhaupt kein literarisches Zeugnis handschriftlich überliefert blieb? Noch vor wenigen Wochen behauptete die englische Zeitung "Evening Standard", über das "größte Genie aller Zeiten" sei nur so viel bekannt, wie sich mühelos in einem einzigen Absatz aufzählen lasse:
Shakespeare sei in Stratford als Sohn eines örtlichen Händlers geboren worden, habe in London als Schauspieler genug verdient, um sich früh nach Stratford zurückziehen zu können. Er habe 1600 in London John Clayton wegen einer Schuld von sieben Pfund, im gleichen Jahr Philip Rogers wegen einer Schuld von zwei Shilling belangen lassen, danach den gleichen Rogers wegen einer gewissen Menge Malz im Werte von einem Pfund 15 Shilling 10 Pence. 1608 habe er von John Addenbroke eine Schuld von sechs Pfund eingeklagt.
Der "Evening Standard" zitiert den englischen Historiker Hugh Trevor-Roper: "Nicht die mindeste Ehrung gab es bei seinem (Shakespeares) Tode. Den Berichten nach hatte er keine Schulbildung, hatte er keine literarisch gebildeten Freunde, besaß er bei seinem Tode keine Bücher und konnte nicht schreiben. Es ist wahr, daß sechs Unterschriften gefunden wurden, die sämtlich seinen Namen anders buchstabieren, aber sie sind so jämmerlich, daß einige Graphologen meinen, seine Hand sei geführt worden. Außer diesen Unterschriften ist keine Silbe als Handschrift Shakespeares identifiziert worden." Der "Evening Standard" schließt: "Shakespeare starb 1616, und dieser Absatz umfaßt alles, was wir gesichert über den größten Dichter wissen, der je gelebt hat."
Auf dem Boden solcher Anschauungen durften allerdings die Zweifel daran gedeihen, ob der Schauspieler William Shakespeare die Dramen geschrieben habe, die seinen Namen tragen, und ob er dazu überhaupt in der Lage gewesen wäre. Auf dem Boden solcher Anschauungen – und kein Verteidiger Shakespeares darf entgegnen, er wisse so viel über den Stratforder, wie er wissen möchte – konnte die Saat der irren Miss Delia Bacon aufs üppigste gedeihen.
Und sie gedieh: Bis heute ist die Autorschaft an den Shakespeare-Dramen für nicht weniger als 57 Personen (außer William Shakespeare) in Anspruch genommen worden, unter ihnen für den Entdecker Walter Raleigh, für den Seeräuber Francis Drake, für die schottische Königin Maria Stuart und für Shakespeares Regentin Elizabeth I. in Person.
Der weitaus überwiegende Teil dieser Theorien erledigt sich durch Absurdität, historische Unhaltbarkeit, durch Widersinn der Argumentation von selbst. Einige Theorien aber, die den Schauspieler William Shakespeare als Autor der Shakespeare-Dramen entthronen möchten, sind immerhin von der Shakespeare-Forschung diskutiert worden. Sie nennen – die Verfechter jeder dieser Theorien naturgemäß nur einen – als Prätendenten auf die Urheberschaft der Schauspiele Shakespeares
▷ den englischen Philosophen, Juristen und Lordkanzler Francis Bacon (1561 bis 1626);
▷ Edward de Vere, 17. Earl of Oxford (1550 bis 1604);
▷ William Stanley, 6. Earl of Derby (1561 bis 1642);
▷ Roger Manners, 5. Earl von Rutland (1576 bis 1612) und
▷ den Dichter Christopher ("Kit") Marlowe (1564 bis 1593).
So unterschiedlich die miteinander konkurrierenden Theorien begründet werden, allen Anti-Stratfordianern obliegt die Beweislast für drei Sätze. Sie müssen nachweisen,
▷ daß erstens der Schauspieler William Shakespeare aus Stratford die unter seinem Namen überlieferten Stücke nicht geschrieben, wohl aber deren Aufführung und Veröffentlichung unter seinem Namen geduldet hat;
▷ daß zweitens an seiner Statt der jeweils genannte Kandidat Autor der Schauspiele ist und
▷ daß drittens dieser Kandidat zwingende Gründe hatte, seine Urheberschaft zu seinen Lebzeiten und nach seinem Tode unbedingt zu verheimlichen.
Für einen Nachweis des ersten Satzes können alle Anti-Stratfordianer gemeinsame Sache machen und helfen sich tatsächlich untereinander mit Argumenten aus. Shakespeares Stücke beweisen eine gute Kenntnis der römischen Literatur, sie sind voll von Anspielungen auf geographische, historische, mythologische Daten, sie verraten Bekanntschaft mit juristischen und nautischen Begriffen und mit höfischen Sitten. Der Schauspieler aus Stratford, so wird argumentiert, der im Gegensatz zu einigen anderen Dramatikern der Zeit weder Oxford noch Cambridge besuchte, könne schwerlich alle diese Kenntnisse gehabt haben.
Dagegen machen die Bacon-Anhänger geltend, daß dieser prominente Jurist, dessen Ehrgeiz auf ein neues System der Philosophie zielte, sehr wohl den Bildungsfundus hatte, den sie bei Shakespeare vermissen.
Zweifellos war Bacon einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit (wenn er auch die Bedeutung von Kopernikus und Galilei völlig verkannte). Aber Gelehrsamkeit allein macht noch keinen Dramatiker, noch weniger ist sie ein Beweis für Bacons Autorschaft der Shakespeare-Dramen.
So wird daher die These, daß Francis Bacon Shakespeares Schauspiele geschrieben habe, mit mehreren Argumenten begründet. Im Postskriptum eines Briefes, den ein Tobie Mathew vom Kontinent an Bacon geschrieben hat, steht der Satz: "Der außerordentlichste Geist meiner Nation, den ich jemals ... auf dieser Seite des Meeres kennenlernte, führt den Namen Eurer Lordschaft, obwohl er unter einem anderen Namen bekannt ist."
Obwohl, wie immer man ihn dreht, alles andere eher aus diesem Nachsatz herauszulesen ist, als daß Bacon Shakespeares Stücke geschrieben habe, nahmen die Baconisten dieses Postskriptum als Argument, bis ihnen vorgerechnet wurde, daß der (katholische) Briefschreiber einen jesuitischen Denker gemeint hatte, der sich Thomas Southwell alias Bacon nannte.
Ein anderes Argument ist den Baconisten von der Amerikanerin Mrs. Pott geliefert worden, die eine Liste von nicht weniger als 4400 Übereinstimmungen zwischen Texten Bacons und Shakespeare-Schauspielen veröffentlichte. Ein Blick in die Pott-Liste zeigte dem Shakespeare-Biographen Jean Paris, daß die Majorität dieser Übereinstimmungen Worte betrifft wie "Guten Morgen", "Amen", "ich versichere Euch", "glaubt mir".
Das wichtigste Indiz der Bacon-These wurde im vergangenen Jahrhundert von dem amerikanischen Rechtsanwalt Ignatius Donnelly beigesteuert, der meinte, Bacon habe verschlüsselt in den Shakespeare-Texten geheime Botschaften untergebracht; sie sind von Donnelly aus der sogenannten Ersten Folio-Ausgabe, einer 1623 erschienenen Gesamtausgabe der Schauspiele Shakespeares, wieder entschlüsselt worden*.
Eine dieser von Donnelly nach einem abstrusen System entschlüsselten Botschaften lautet "Shak'st spur never writ a word of them", zu deutsch: "Shak'st spur niemals schrieb ein Wort davon". Obwohl schon die willkürliche, inkonsequente Methode der Entschlüsselung ihren amerikanischen Entdecker als fanatischen Kryptomanen entlarvt, hat sich 1888 der Reverend R. B. Nicholson das Vergnügen gemacht, unter genauer Anwendung von Donnellys Methode, aber basierend auf anderen Ausgangswörtern, aus den gleichen Folio-Seiten diese Botschaft zu entschlüsseln: "Master Will-I-am Shak'st-spurre writ th Play and was engaged at the Curtain" – "Master Will-I-am Shak'st-spurre schrieb dies Stück und trat im Curtain(-Theater) auf".
Andere Argumente, die von den Baconisten beigetragen wurden, sind eher noch dürftiger. Den Nachweis, daß Bacon die Shakespeare-Stücke geschrieben hat, blieben sie schuldig; nicht einmal der Verdacht, er könne sie unter Umständen verfaßt haben, läßt sich mit solchen Beweisführungen erhärten. Warum Bacon schließlich, gesetzt, er wäre der Autor gewesen, das Bekenntnis seiner Autorschaft komplizierten Verschlüsselungen einer Buchausgabe anvertraut haben sollte, nicht aber seinem Testament, bleibt Geheimnis der Baconisten.
Den Anspruch, ernst genommen zu werden, haben sich die Baconisten allerdings ohnehin schon längst durch die Maßlosigkeit ihres Ehrgeizes verscherzt. Nach ihren Theoremen nämlich ist Francis Bacon nicht nur ein illegitimer Sohn der Königin Elizabeth und des Earl of Leicester, hat er nicht nur – außer seinen tatsächlichen epochebestimmenden philosophischen Büchern – sämtliche Werke Shakespeares verfaßt, sondern auch die Werke fast aller seiner Zeitgenossen, nämlich
▷ "Euphues" von John Lyly (etwa 1553 bis 1606),
▷ Edmund Spensers (etwa 1552 bis 1599) "Faerie Queene",
▷ das Literaturhandbuch "The Arte of English Poesie",
▷ die "Anatomy of Melancholy" von Robert Burton (1577 bis 1640) sowie
▷ sämtliche Werke von Thomas Nashe (geboren 1567 – letzte Erwähnung 1601) und
▷ sämtliche Dramen von Christopher Marlowe (1564 bis 1593),
▷ George Peele (1556 bis 1596),
▷ Thomas Kyd (1558 bis 1594),
▷ Robert Greene (geboren um 1558, gestorben um 1592),
▷ schließlich als Krönung das bedeutendste Gedankenwerk der Zeit, die "Essais" von Michel Eyquem de Montaigne (1533 bis 1592), unter diesem Pseudonym, auf französisch.
Nicht eben überzeugt von den Argumenten der Baconisten, aber doch angeregt von deren Aktivität, haben sich andere Literatur-Detektive auf die Suche nach Zeitgenossen des Schauspielers Shakespeare gemacht, deren Bildungsweg, deren Reisen und Interessen sie als Kandidaten qualifizieren könnten.
Die Theoretiker, die für Edward de Vere, den 17. Earl of Oxford, die Urheberschaft an Shakespeares Stücken reklamierten, haben allerdings ihre These im Laufe dieses Jahrhunderts modifiziert: Edward de Vere allein sei nicht der Autor gewesen, sondern Mitautor, Mäzen und Oberhaupt einer Gruppe von Intellektuellen, zu der immerhin, als erprobter Praktiker des Theaters, auch der Schauspieler und Theater(mit)besitzer Shakespeare gezählt habe.
Als hauptsächliche Beweismittel bieten die Oxford-Theoretiker zwei Zitate aus zeitgenössischen Büchern an, die Oxfords schriftstellerische Talente bestätigen. In dem 1589 veröffentlichten, wahrscheinlich von George Puttenham verfaßten Buch "Arte of English Poesie" ist genannt "eine Gruppe von Hofpoeten, Adligen und Gentlemen, die ausgezeichnet geschrieben haben, wie sich zeigen würde, wenn ihre Werke herausgefunden und mit dem übrigen öffentlich bekanntgemacht werden könnten, und deren Erster ist der edle Gentleman, der Earl of Oxford".
Das Zitat beweist tatsächlich, daß der Earl of Oxford und eine Gruppe von Adligen aus seiner Umgebung im Rufe standen, ausgezeichnete Dichter zu sein – dies allerdings schon im Jahre 1589, also fünf Jahre bevor das erste Theaterstück Shakespeares gedruckt wurde.
Das zweite Zitat, das die Oxford-Vertreter als Indiz anbieten, ist denn auch neun Jahre jünger und steht in dem Buch "Palladis Tamia" des Kritikers Francis Meres, das 1598 in London erschien. In diesem Buch bestätigt Meres dem Earl of Oxford, daß er Komödien schreibe, und diese Komödien seien "among the best", sie zählten zu den besten. Irgendeinen Titel nennt Meres nicht.
Dieses Zitat beweist, daß Edward de Vere ein Komödienautor von Ruf gewesen ist, es beweist nicht eben, daß er Shakespeares Komödien geschrieben hat. Schlimmer aber für die Oxford-Theoretiker – wie übrigens für alle anderen auch, die Shakespeare als Autor der Shakespeare-Dramen nicht gelten lassen wollen – ist, daß sich der Kritiker Francis Meres im gleichen Buch nahezu hymnisch über den – damals 34jährigen – Dramatiker Shakespeare äußert, und hier nennt er sogar Titel.
Francis Meres 1598: "Wie Plautus und Seneca bei den Römern als die besten Lustspiel- und Tragödiendichter galten, so ist Shakespeare bei den Engländern der hervorragendste Vertreter beider dramatischer Gattungen. Hiervon zeugen für das Lustspiel 'Die beiden Veroneser', 'Die Komödie der Irrungen', 'Verlorene Liebesmüh', 'Ende gut, alles gut', 'Ein Sommernachtstraum' und 'Der Kaufmann von Venedig', für die Tragödie 'Richard II.', 'Richard III.', 'Heinrich IV.', 'König Johann', 'Titus Andronicus' und 'Romeo und Julia'."
Noch dünner ist das Eis, über das andere Theoretiker den 6. Earl of Derby, William Stanley, zum Thronsessel der Dramatik ziehen wollen.
Die einzigen beiden Hinweise, daß Lord Derby, von dem nur einige Geschäftsbriefe erhalten sind, etwas mit Literatur zu tun gehabt habe, stammen beide vom 30. Juni 1599. Sie sind geschrieben von einem Spion namens Fenner, Mitglied der Societas Jesu, wurden von der Polizei abgefangen und lauten: "Therle of Derby is busyed only in penning comedies for the commoun players" und "Our Earle of Darby ist busye in penning commodyes for the commoun players" – zu deutsch etwa: "Lord Derby ist damit beschäftigt, für Schauspieltruppen Komödien zu schreiben."
Gesetzt, es handelte sich dabei nicht, wie wahrscheinlich, um eine chiffrierte Botschaft – das katholische Europa rüstete im Zeichen der Gegenreformation gegen das unabhängige England der Elizabeth, der liberale Lord Derby galt als möglicher Bundesgenosse –, beweist die Nachricht äußerstenfalls, daß William Stanley Komödien schrieb. Sie enthält nicht die Spur eines Nachweises, daß er William Shakespeare dafür gewonnen hatte, für diese Komödien seinen Namen herzugeben.
Da auch den Derbyisten die Dürftigkeit ihrer Argumentation nicht verborgen blieb, fügten sie ihrem Gebäude noch zwei weitere Stützen ein. Die eine: Zum – erhaltenen – Manuskript des Schauspiels "Sir Thomas More", der Gemeinschaftsarbeit mehrerer Autoren, gibt es mehrere handschriftliche Anfügungen, von denen eine – möglicherweise – von Shakespeare stammen soll (der nicht zum Autoren-Team gehörte).
Die Derbyisten nun reklamieren diesen einen handschriftlichen Zusatz für den Earl of Derby. Da aber weder der Nachweis erbracht ist, der Zusatz stamme von Shakespeare, noch eine Identität zwischen dem handschriftlichen Duktus der Geschäftsbriefe Derbys und der Anfügung gesichert werden konnte, ist auch hier der Beweis, Derby sei der Verfasser sämtlicher Schauspiele Shakespeares, alles andere als zwingend.
Dritte Bastion der Derbyisten ist das Schauspiel "Maß für Maß". Ein französischer Wissenschaftler, Professor Lambin, hat entdeckt, daß sich im Jahre 1582 in Paris eine Episode abspielte, die der Handlung von "Maß für Maß" sehr ähnlich sieht. Während der Abwesenheit des Königs Henri III. wurde ein Claude Tonart zum Tode verurteilt, weil er die Tochter des Ratspräsidenten Jean Bailly verführt hatte, Claude wurde später begnadigt.
Während dieses Ereignisses war Lord Derby nachweislich in Paris. Das gleiche Schicksal wie Claude hat in "Maß für Maß" ein Jüngling Claudio. Auch andere Namen des Schauspiels haben gewisse Ähnlichkeit mit den Pariser Beteiligten.
Zum Unglück für die Derbyisten ist aber bekannt, daß als Vorlage für "Maß für Maß" ein Stück des englischen Dramatikers George Whetstone diente, "Promos and Cassandra", das wiederum auf einem noch früheren Buch basierte und das den gesamten Komplex der schuldig gewordenen Liebenden bereits enthält, ebenso den Fall des ungetreuen Richters, der als Preis für einen Freispruch die Unschuld der Schwester des Angeklagten fordert, ebenso den Landesherrn, der in Mönchstracht alles im letzten Moment zum Guten lenkt – kurzum: alle drei Handlungen des Schauspiels "Maß für Maß".
Diese von Shakespeare bearbeitete Vorlage von Whetstone war aber schon 1578 veröffentlicht worden, also vier Jahre vor der Pariser Episode, von der Lord Derby in Paris 1582 immerhin erfahren haben mag. Der Pariser Verführungs- und Kriminalgeschichte von 1582 ähnelt "Maß für Maß" nur in einem Betracht, der Theatervorlage von 1578 aber in allem.
Für die Sache des 5. Earl of Rutland, Roger Manners, ist noch weniger an Argumenten aufgeboten worden, er habe Shakespeares Stücke geschrieben. Roger Manners hat Zürich besucht, war anderthalb Jahre in Padua, kannte Venedig und Verona, er hat eine stürmische Seereise zu den Azoren hinter sich gebracht und eine Gesandtschaft des Königs Jakob I. an den dänischen Hof geleitet.
Wenn es sich dabei weniger um Schauspiele als vielmehr um Reiseberichte handeln würde, ließe sich einiges dafür sagen, daß dieser 5. Earl of Rutland den "Kaufmann von Venedig", "Die beiden Veroneser", "Romeo und Julia", den "Sturm" und den "Hamlet" verfaßt haben könnte.
Das Erstaunlichste: Célestin Demblon, inzwischen verstorbener Professor für französische Literatur an der Universität Brüssel und zu seiner Zeit Verfechter der Rutland-Theorie, behauptet, nachweislich habe es an der Universität Padua zu Rutlands Aufenthaltszeit zwei dänische Studenten namens "Rosencrantz" und "Guildenstern" gegeben. Rosenkranz und Güldenstern heißen die beiden Gentlemen, die der brudermordende König von Dänemark seinem Stiefsohn Hamlet als Begleiter aufnötigt.
Die Übereinstimmung der Namen kann kaum Zufall sein. Sie ist aber auch kein Beweis dafür, daß Roger Manners die Schauspiele Shakespeares geschrieben hat, zumal die Übereinstimmung auch auf harmlosere Weise erklärt werden kann.
Wahrscheinlich ist, daß Shakespeare den Earl of Rutland gekannt hat. Die lustigen Namen Rosenkranz und Güldenstern mag Roger Manners gut und gern als Beitrag dänischen Lokalkolorits dem Mitglied der Königlichen Schauspieltruppe William Shakespeares spendiert haben.
Im übrigen: Roger Manners, der 5. Earl of Rutland, lebte von 1576 bis 1612, er war zwölf Jahre jünger als William Shakespeare und starb, 36jährig, vier Jahre vor ihm. Er müßte bereits als 18jähriger – wenngleich unter dem Pseudonym Shakespeare – zufrieden auf die Premieren der folgenden Stücke haben zurückblicken können: "Heinrich VI.", erster bis dritter Teil, "Richard III.", "Titus Andronicus", Der Widerspenstigen Zähmung", "Die beiden Veroneser", "Die Komödie der Irrungen", außerdem auf die Buchveröffentlichungen der Verswerke "Venus und Adonis" und der "Raub der Lukretia", die beide mit untertänigen Widmungen an einen adligen Gönner, den Grafen Southampton, erschienen waren. Mit zwanzig schrieb er dann den "Sommernachtstraum" und "Richard II.", mit einundzwanzig "Romeo und Julia", den "Kaufmann von Venedig" und den "König Johann", und nach seinem Tode schrieb er noch rasch das Schauspiel "Heinrich VIII."
Da es offenbar keinem seiner Vorgänger gelungen war, die Autorschaft eines Gegenkandidaten zu beweisen, hat der einstweilen letzte in der Kette derer, die William Shakespeare die Urheberschaft an den Shakespeare-Dramen bestreiten, der amerikanische Journalist Calvin Hoffman, überhaupt darauf verzichtet, Beweise beizubringen.
Seit 1955 wiederholt er statt dessen die These, nicht Shakespeare habe die Shakespeare-Dramen geschrieben, sondern ein Toter, der aber gar nicht tot war: Christopher Marlowe. Da alle Welt ihn für tot halten sollte (während er doch im stillen Shakespeares Stücke schrieb), ist klar, daß es auch keine Beweise für sein ferneres Dasein und für seine Autorschaft geben kann.
Das einzige, was sich zugunsten von Hoffmans Theorie nennen läßt, ist, daß der amerikanische Journalist im Gegensatz zu den anderen Anti-Stratford-Theoretikern wenigstens einen Dramatiker zum Autor der Shakespeare-Schauspiele ernennen möchte, und zwar einen brillanten. Christopher ("Kit") Marlowe, 1564 – im gleichen Jahr wie Shakespeare – als Sohn eines Schusters in Canterbury geboren, erwarb sich einen Freiplatz in der King's School in Canterbury, später im Corpus Christi College der Universität Cambridge, wo er die Titel eines Bachelor of Arts (B. A.), später eines Master of Arts (M. A.) erwarb, entsprechend etwa dem deutschen Doktorat.
Als die Universität mit der Verleihung des M. A. zögerte, weil sich Marlowe in Reims aufgehalten hatte, intervenierte der Hof, Marlowes Aufenthalt dort sei in staatlichem Interesse gewesen. Marlowe war in dieser Stadt, der Hochburg katholischer Emigranten-Konspiration gegen die unabhängige Königin Elizabeth, als Spion tätig.
Um die Zeit der Hinrichtung Maria Stuarts kehrte Marlowe nach England zurück und machte sich in London als Dramatiker sofort einen Namen. Seine Schauspiele – "Tamerlan", "Doktor Faustus" (nach dem deutschen Volksbuch von 1587), "Der Jude von Malta", "Eduard II." – beschäftigen sich sämtlich mit Übermenschen an Gewalttätigkeit, Wissensdrang oder Bosheit.
Marlowe war Mitglied des Intellektuellen-Zirkels "The School of Night", der von Sir Walter Raleigh patronisiert wurde. Als 1593 in London Plakate gegen eine Gruppe holländischer Protestanten auftauchten, die sich mit Billigung der Regierung in London angesiedelt hatten, war unter den Verhafteten ein Mitglied der Gruppe, der Dramatiker Thomas Kyd. Bei einer Haussuchung wurde bei ihm ein atheistisches Manifest gefunden - auf Ketzerei stand die Todesstrafe -, und Kyd gab an, das Manuskript habe Marlowe bei ihm liegenlassen.
Daraufhin wurde Marlowe zwar nicht verhaftet, aber doch verpflichtet, sich täglich beim "Privy Council", dem Geheimen Staatsrat, zu melden, bis in seiner Sache eine Verfügung getroffen sei. Während dieser Zeit erreichte den Privy Council der Bericht eines seiner Agenten, in dem Marlowe, Raleigh, der Astronom Thomas Harriott und andere "hochgestellte" Personen, deren Namen nur mündlich mitgeteilt werden könnten, ketzerischer Umtriebe bezichtigt wurden.
Der Privy Council fand die Sache wichtig genug, eine Kopie des Geheimberichts an die Königin zu schicken - auf der allerdings der Name Raleigh nicht mehr genannt wurde. Noch bevor die Königin den Text erhielt, war Marlowe in einem Gasthaus in Deptford erstochen worden. Er hatte sich dort in Gesellschaft von drei Leuten aufgehalten, die im Dienst von Sir Thomas Walsingham standen, einem Cousin von Sir Francis Walsingham, damals Chef des damaligen Secret Service, in dessen Dienst Marlowe nach Reims gereist war.
Calvin Hoffman meint, die Messerstecherei sei nur eine Inszenierung gewesen. Tatsächlich hätten Walsinghams Agenten irgendeinen ausländischen Seemann umgebracht, um den schwer gefährdeten, schwer belasteten Marlowe weiteren Nachforschungen zu entziehen: Marlowe sei dann nach Frankreich, darauf nach Norditalien gereist und habe von da aus Shakespeares Stücke geschrieben. Der Schauspieler Shakespeare sei von Marlowes Gönnern dafür honoriert worden, diese Schauspiele als seine Werke auszugeben.
Nun fand die Messerstecherei in Deptford an einem Tage statt, als sich die Königin mit ihrem Hof in Greenwich aufhielt, etwa fünfzehn Kilometer von Deptford entfernt. Der Fall lag also "within the verge": innerhalb eines um den jeweiligen Aufenthalt der Königin gezogenen Bezirks, für den, nach geltendem Recht jener Zeit, die Zuständigkeit lokaler Gerichtsbarkeit zugunsten der königlichen dispensiert wurde.
Für die Messerstecherei, an deren Folgen Marlowe starb, wurde also automatisch "the Queen's Coroner" zuständig. Tatsächlich ist er auch tätig geworden, tatsächlich konnte ein sehr detaillierter Bericht, unterzeichnet von nicht weniger als sechzehn Mitgliedern des Untersuchungsausschusses, aufgefunden werden.
Christopher Marlowe war Wunderkind der Zeit. Sollte ein anderer an seiner Stelle ermordet werden, so hätte es Walsingham oder welcher Auftraggeber immer kaum weniger geschickt anstellen können, als die Sache "within the verge" vollziehen zu lassen. Ein Provinzrichter mußte den Dichter Marlowe nicht von Angesicht kennen, er hätte sich auf die Aussage der Tatzeugen verlassen dürfen, und er wäre, notfalls, auch leichter von einem Mächtigen zu nötigen oder zu bestechen gewesen.
Daß unter den sechzehn Kollegiums-Angehörigen um den Queen's Coroner wenigstens einige waren, die Christopher Marlowe von Ansehen kannten, mußte als wahrscheinlich vorausgesetzt werden; daß alle bestochen gewesen seien, ist gänzlich unwahrscheinlich.
Überdies: Wenn – wie Hoffman meint – Marlowe ohnehin fliehen wollte und nach Norditalien geflohen wäre, wo er sich die nötigen Lokal- und Literaturkenntnisse für Shakespeares Stücke erwarb, warum hätte dann diese riskante Mordaffäre inszeniert werden müssen, bei der es ohne eine Menge von Mitwissern, ohne eine Unmenge von Bestechungsgeld nicht ausgehen konnte? Fliehen konnte Marlowe auch ohnedem.
Zweifellos ist wegen der politischen Relevanz der Sache nicht auszuschließen, daß der Zwischenfall in Deptford bestellter Mord gewesen sein kann. Die Leute, mit denen sich Marlowe betrank, standen sämtlich in Walsinghams Dienst.
Marlowe war in eine Sache verwickelt, die noch andere betraf, und es besteht wenig Anlaß zu bezweifeln, daß er über vielerlei informiert war. Elizabeth hat sich später nicht geniert gefühlt, Leute wie den Earl of Essex hinrichten zu lassen.
Es gibt also viele Gründe für die Annahme, daß Marlowe tatsächlich ermordet worden ist, obwohl die drei Tatzeugen beschworen, es habe sich um Notwehr gehandelt. Es müßte ungleich schwieriger, wenn nicht unmöglich gewesen sein, den sechzehn Mitgliedern der Jury die Leiche irgendeines Seemanns als die Leiche Marlowes zu unterschieben.
So bleibt Calvin Hoffman auf die Hoffnung angewiesen, nachträglich Indizien aufzustöbern, die seine Theorie retten können. Er erhoffte sich zum Beispiel irgendwelche Bestätigungen seiner Ansicht, die Marlowes Gönner, Sir Thomas Walsingham, mit ins Grab genommen haben sollte, und erreichte tatsächlich nach jahrelangen, peinlichen Bemühungen die Erlaubnis, dessen Grab zu öffnen. Es wurde geöffnet, gefunden wurde Staub.
Neuerdings möchte Hoffman erwirken – und hat sich zu diesem Zweck mit den Verfechtern anderer Theorien verbündet –, daß Shakespeares Grab in der Dreifaltigkeitskirche von Stratford geöffnet werde. Es sieht gegenwärtig nicht so aus, als werde die Genehmigung erteilt. Mit vielen anderen hat sich auch der Literatur-Nobelpreisträger Thomas Stearns Eliot dagegen ausgesprochen.
Aber auch wenn dieser Eingriff gestattet werden sollte, ist die Aussicht, dort irgendwelche Beweise gegen die Urheberschaft William Shakespeares an den Shakespeare-Dramen zu finden, ziemlich gering. Manches spricht dafür, daß sein Grab bereits vor zweihundert Jahren ausgeplündert worden ist.
Jedenfalls hat der Schriftsteller Horace Walpole, Earl of Orford (1717 bis 1797), romantischer Zeitsitte entsprechend, einen Totenschädel auf seinem Schreibtisch gehalten, den er für Shakespeares ausgab. Und Shakespeare-Übersetzer Hans Rothe teilte mit, daß er im British Museum in London auf eine anonyme Schrift gestoßen ist, deren Inhalt – ob authentisch oder nicht – detaillierten Bericht gibt, wie Shakespeares Grab ausgeplündert wurde. Als Honorar habe Horace Walpole 300 Guineen ausgesetzt; auch der zu seiner Zeit berühmte, als Shakespeare-Darsteller höchst erfolgreiche Schauspieler Garrick wünschte den Schädel zu erwerben.
In der Schrift berichtet ein Mittäter: "Als die Steinplatte gehoben und auf ihre Seite gestellt worden war, ließ sich sehr wenig Mauerwerk darunter entdecken. Wir stießen auf eine dicke Lage von feiner brauner Erde, die mit Holzfasern und Glassplittern vermischt war. Ich bemerkte, daß hier schon einmal gegraben worden war. Außer einem Stückchen Metall fanden wir nahe der Oberfläche einen Hüftknochen, einige Fingergelenke und schließlich mehrere Zähne ... bis dann Tom Dyer einen Schädel heraufbrachte. Auch den Kiefer fand er. Endlich hatte ich Shakespeares Schädel in der Hand! Er war kleiner, als ich erwartete."
Bezeichnenderweise sind unter denen, die Shakespeare als Autor für die Shakespeare-Dramen nicht gelten lassen mögen, kaum "Elizabethan scholars", – Wissenschaftler, deren Fachgebiet die Elisabethanische Epoche ist. Sie standen und stehen vielmehr auf der Seite der "Stratfordianer", der Leute, die meinen, Shakespeares Werke stammten von Shakespeare.
Ebenso bezeichnend ist, daß die Autoren der jüngst über Shakespeare veröffentlichten Werke – H. N. Gibson (1962), Peter Quennell (1963) – in den Vorworten zu ihren Büchern mitteilen, sie seien an die Arbeit gegangen in der Meinung, über den Autor Shakespeare sei so wenig bekannt, daß die eine oder andere Theorie, jemand anders habe seine Stücke geschrieben, wohl zutreffend sein könnte. Sie sind sämtlich im Verlauf ihrer Studien belehrt worden.
Schon zu seinen Lebzeiten wurde Shakespeare von Zeitgenossen und Kollegen als Autor gefeiert. Francis Meres lobte die Dramen des Dichters. Thomas Nashe (1567 bis 1600 oder 1601) formulierte über seinen Kollegen: "Ich würde sein Talent weit höher schätzen, wenn ich nicht wüßte, daß er Schauspiele nur schrieb, um zu leben. Seine Schauspiele haben seinem Ruhm mehr geschadet als genützt ... Wie herrlich sind dagegen seine anderen Dichtungen: Venus und Adonis, Tarquin und Lucretia, selbst seine Sonette, die so einfach, so sinnig geschrieben und seinem Freunde Southampton gewidmet sind. Es gibt in ganz London kein Weib von Bildung, das Venus und Adonis nicht besäße.
"In diesen Dichtungen weht der Geist Petrarcas. Alle Gedanken in ihnen sind schön und lieblich, kein gewöhnlicher Ausdruck findet sich darin; aus der Feder, welcher Venus und Adonis entströmte, floß Milch und Honig. Hätte Shakespeare stets in der Manier der Italiener gedichtet, er wäre einer unserer größten Dichter geworden, größer noch als Daniel, der größte Dichter unserer Zeit."
"Venus und Adonis" ist das erste Buch, das unter Shakespeares Namen erschien. Es wurde 1593 von Richard Field gedruckt, einem Mitbürger aus Stratford, der ebenfalls nach London umgesiedelt war, und enthielt eine Widmung Shakespeares an den damals zwanzigjährigen Henry Wriothesly, Träger des Titels Earl of Southampton, um dessen Patronat sich Shakespeare offenbar bewarb. Dem Earl of Southampton widmete er im nächsten Jahre, 1594, auch seine Versdichtung "The Rape of Lucrece", die wiederum von Field gedruckt wurde.
Gewiß stimmt das Urteil von Thomas Nashe über Shakespeare nicht mit dem der Nachwelt überein; von dem nach seiner Ansicht "größten Dichter" der Zeit, Daniel, wissen nur wenige den Namen. Mit dem Geschmack der Zeit aber durfte sich Nashe in schöner Übereinstimmung fühlen. Theaterstücke waren im Elisabethanischen Zeitalter noch nicht Bestandteil der Literatur.
Erste, bescheidene Theaterstücke wurden damals in den Höfen von Gasthäusern aufgeführt, die sonst hauptsächlich Hahnenkämpfen dienten. Noch 1574 verbot der Magistrat von London in einem Edikt sogar, daß Schauspieler in Wirtshäusern tätig werden durften, doch waren sie nach einigen Jahren wieder am Werk.
"Ein Dichter", schrieb Robert Greene (geboren um 1558), "ist ein Vergeuder und Verschwender, dazu geschaffen, den Schankwirt reich und sich selber zum Bettler zu machen." Es ist der gleiche Greene, der den ersten – verschlüsselten – Hinweis auf Shakespeares Wirksamkeit in London gab. In einem Pamphlet warnte er 1592 seine Kollegen Marlowe, Peele und Nashe vor den Schauspielern: "Traut ihnen nicht, denn es ist eine emporgekommene Krähe unter ihnen, die sich mit unseren Federn schmückt, einer, der mit seinem 'Tigerherzen, gehüllt in eine Schauspielerhaut', glaubt, seinen Bombast an Blankversen ebensogut von sich geben zu können wie der Beste unter Euch, und als ein Johannes Factotum sich für den einzigen Bühnen-Erschütterer (Shakescene) im Lande hält."
Dafür, daß Greene mit dieser Sentenz den dichtenden Schauspieler Shakespeare gemeint hat, spricht außer der Anspielung auf den Namen das Zitat vom Tigerherzen; es stammt abgewandelt aus dem dritten Teil des ersten Shakespeare-Dramas, "Heinrich VI.", dort wird vom "Tigerherzen, gehüllt in eine Weiberhaut" gedichtet.
Ohne Zweifel handelt es sich diesmal bei der Annahme, Greene habe Shakespeare gemeint, nicht um eine Konstruktion von der Art, wie sie von Anti-Stratford-Theoretikern benutzt wird. Denn schon in einer drei Monate später, ebenfalls noch 1592, veröffentlichten Schrift entschuldigt sich der Drucker Henry Chettle für Greene, dessen Verhalten ihm "so leid tue, als ob er selber daran schuld sei". Chettle – hier zitiert nach Rothe – lobt dagegen das "höfliche Verhalten" Shakespeares und teilt mit, "einige hochgeborene Herren" hätten Shakespeares Ehrenhaftigkeit anerkannt "wie auch seine heitere Grazie des Schreibens, was seine Kunst bestätigt".
Im Jahre 1576 wird endlich ein festes Haus nur für Schauspiel-Aufführungen gebaut (von James Burbage, dem Vater von Shakespeares späterem Teilhaber Richard Burbage), es bekommt keinen Namen, sondern heißt einfach "The Theatre", das Theater. Als "The Theatre" 1598 abgerissen wird, verwenden die Burbages einige Materialien für ihren Neubau, das "Globe"-Theater, bei dem William Shakespeare bereits Teilhaber ist, ebenso ist er am zweiten Haus der Truppe beteiligt, dem 1608 fertiggestellten "Blackfriars"-Theater. Beide Gebäude dienen der ersten Schauspieltruppe im Staate, den "King's Men".
Dieser Titel ist ihnen von König Jakob I. kurz nach dessen Regierungs-Antritt verliehen worden. Maria Stuarts Sohn, von Elizabeth I. als Thronfolger anerkannt, trifft am 7. Mai 1603 im Triumph in London ein, und bereits zwölf Tage später signiert der König einen Erlaß, "Commissio specialis pro Laurencio Fletcher et Willelmo Shakespeare et alias", in dem er deren Theatertruppe (Fletcher und Shakespeare waren Ko-Autoren) den Ehrentitel "King's Men" verleiht, ihnen die Erlaubnis erteilt, in England, Schottland, Irland und Frankreich aufzutreten – als festes Haus wird das "Globe"-Theater genannt –, und in dem er dekretiert: "Alle Behörden sind angewiesen, die Globeleute zu unterstützen und jede Unannehmlichkeit von ihnen abzuwenden."
Die Truppe soll "zur Erholung Unserer lieben Untertanen und zu Unserem eigenen Trost und Vergnügen" spielen. Acht Mitglieder, unter ihnen Shakespeare und Burbage, erhalten den Titel eines königlichen Kammerdieners – auch Molière bekam ihn später von Ludwig XIV. als Anerkennung für seine Stücke.
Der Erlaß ist ein einzigartiges Dokument für Shakespeares Ruhm unter seinen Zeitgenossen. Er ist zugleich ein Zeichen dafür, daß Theater, Theaterautoren und Schauspieler noch immer zu ihrem Schutz hoher und höchster Patronage bedurften. Kirche und Londoner Magistrat haben mehrmals versucht, Theater-Aufführungen überhaupt zu unterbinden, einige Male sind Schauspiele zu Shakespeares Lebzeiten tatsächlich jahrelang verboten gewesen.
Zwischen zwei und sechs Pfund Sterling erhielt ein Theaterautor nur für ein Stück, am Ertrag von Buchausgaben war er zumeist nicht beteiligt. Es ist bekannt, daß Theaterstücke, für die bezahlt worden ist, in den Besitz der Truppe übergehen. Sie werden, weil durch kein Urhebergesetz geschützt, vor den anderen Schauspiel-Companien sorgfältig verteidigt, existieren oft nur in ein bis drei Exemplaren, die für jede Aufführung ohne Rücksicht auf Autoren-Eitelkeit zubereitet, bearbeitet, umgeschrieben werden.
Eine Drucklegung ist gegen das Interesse der Truppe, sie wird erst geduldet, wenn das Stück ausgespielt ist. Trotzdem erscheinen viele Theaterstücke als Bücher, oft sind sie von Schauspielern gestohlen und an die Verleger verkauft worden, zuweilen hat ein Verleger Spione in Kurzschrift in der Aufführung mitschreiben lassen.
Bei Shakespeares Tod sind siebzehn seiner Theaterstücke im Druck erschienen, dazu mindestens sieben unter seinem Namen, die er mit Sicherheit nicht geschrieben hat. Einige der Drucke bringen es zu einer Auflage, manche zu vier, ja zu acht Auflagen.
Nicht aus Gründen des Urheberschutzes, sondern zum Schutz der Drucker und wegen der Zensur werden alle Druckwerke in ein "Stationers' Register", eine Buchhändler-Liste, eingetragen. Aus ihr ergibt sich, daß Shakespeares Truppe in einigen Fällen die Drucklegung bereits eingetragener Stücke hat verhindern können.
Nicht in einem Falle aber ist konkret der Verdacht geäußert worden, Shakespeare habe diese Stücke nicht geschrieben. Zwar gab es Angriffe auf Shakespeare. Außer Greene hat sich Ben Jonson, Autor der konkurrierenden Admiral's-Truppe, abschätzig über Shakespeare geäußert. Ein John Webster mokierte sich über "the right happy and copious industry of Master Shakespeare", über den florierenden Fleiß Shakespeares.
Daß Shakespeare wirklich seine Schauspiel-Handlungen aus Vorbildern nahm, wo er sie fand, steht außer Zweifel. Für die meisten seiner Schauspiele lassen sich aus zeitgenössischen Stücken, aus antiken römischen oder auch italienischen Büchern die Quellen nachweisen; in jedem Fall handelt es sich um Bücher, die – falls sie nicht ohnehin vorlagen – wenige Jahre zuvor ins Englische übersetzt oder in englischer Sprache veröffentlicht worden waren. In Shakespeares Gesamtwerk sind nicht weniger als 53 Entlehnungen aus dem zu seiner Zeit berühmten Roman "Euphues" von John Lyly (etwa 1553 bis 1606) zu erkennen, während Lyly wiederum für die Komödie "The Maid's Metamorphosis" (falls er, was nicht sicher ist, deren Autor war) den "Sommernachtstraum" Shakespeares plünderte. Die Handlung des Hamlet gleicht bis in Einzelheiten der Geschichte des "Amleth" aus Belleforests "Tragischen Geschichten", viele Gedanken ähneln bis in die Nähe des Zitats Stellen aus Montaignes "Essais", die unvollständig Ende des 16. Jahrhunderts, vollständig 1603 in englischer Sprache erschienen waren.
Nicht nur Shakespeare, sondern auch seine Zeitgenossen bedienten sich als Stückeschreiber irgendwelcher Vorlagen. Daß sich Shakespeare die Handlungen aller seiner Schauspiele ausgedacht habe, kann nicht behauptet werden; was seinen Ruhm ausmacht, sind seine Art, diese Stoffe zu dramatisieren, sein Blankvers und, vor allem, seine bis dahin unerhörte Sprache.
Im Jahre 1599 veröffentlicht John Weever (1576 bis 1632) ein anbetendes Sonett über Shakespeare, in dem er auch einige Personen seiner Stücke nennt, ebenfalls 1599 lobt der Dichter Richard Barnfield (1574 bis 1627) Shakespeares "wie Honig fließende" Sprache, 1598 erwähnen Cambridger Studenten den "süßen Herrn Shakespeare".
In einem in der Universität Cambridge aufgeführten Stück (gedruckt 1600) figurieren als dramatis personae zwei Mitglieder der Shakespeare-Truppe unter ihrem richtigen Namen, sie sprechen diesen Dialog:
Kempe: Aber wir hoben unseren Shakespeare, der schlägt sie alle, Ben Jonson obendrein. O, dieser Ben Jonson, das ist ein abscheulicher Kerl, er hat uns Schauspielern im 'Poetaster' gehörig eingetränkt, aber Shakespeare hat ihn abgeführt, das es eine Pracht ist.
Burbage: Ja, unser Shakespeare, das ist ein geriebener Kerl.
Im Jahre 1614 dichtete Th. Freeman in einem Sonett, Terenz habe weniger von Plautus und Menander abgeschrieben als die Modernen von Shakespeare. Offenbar ist also auch der Hausdichter des Globe-Theaters weidlich von seinen Zeitgenossen ausgeschlachtet worden.
Für den Ruhm seines Namens spricht, daß noch zu seinen Lebzeiten dem Publikum Buchausgaben von sieben Shakespeare-Stücken offeriert wurden, die zweifellos von anderen Autoren stammten. Wie aber immer der literarische Streit ging: Unter mehr als fünfzig Erwähnungen des Dramatikers Shakespeare bei seinen Zeitgenossen findet sich nicht eine, in der Shakespeares Autorschaft an seinen Stücken auch nur angezweifelt wurde. Es ist vollkommen ausgeschlossen, daß sich mehr als zwanzig Jahre lang an der Spitze des Londoner Theaterbetriebs, endlich in der Leitung der königlichen Schauspieltruppe ein Mann als Dramatiker hält, dessen Hand, wenn er seine Unterschrift leisten soll, von einem Fremden geführt werden muß.
1616 stirbt Shakespeare in Stratford, nach dem zu urteilen, was er in seinem Testament vermacht, als reicher Mann. Er wird, wie es ihm als Gentleman zusteht, innerhalb der Kirche von Stratford begraben, an seiner Gruft wird ein Denkmal aufgestellt, das ihn mit Feder und Papier zeigt.
Gleich nach seinem Tod beabsichtigt ein Londoner Drucker, zehn Theaterstücke von Shakespeare als Buch herauszugeben. Diesmal aber gibt es Proteste, zunächst von Verlegern, dann auch von den Angehörigen der Shakespeareschen Schauspieltruppe.
Es kommt zu einer Art Ehrengerichtsverfahren, und der Lordkämmerer verfügt, daß künftig keine Schauspiele, deren Rechte bei den "King's Men" liegen, ohne deren Zustimmung veröffentlicht werden dürfen.
Vier Jahre nach Shakespeares Tod wird eine autorisierte Gesamtausgabe seiner Werke angekündigt, herausgegeben diesmal von den zwei Kollegen Shakespeares, die er in seinem Testament namentlich bedacht hatte. Nach drei Jahren Arbeit kann die Ausgabe erscheinen; es ist die "Erste Folio-Ausgabe" von 1623. Sie enthält, eingeteilt in "Comedies, Histories & Tragedies", die sechsunddreißig Theaterstücke Shakespeares, die auch heute allgemein als seine Werke gelten – einige Anglisten möchten das eine oder andere Stück eliminiert sehen, ein 37. Stück, "Pericles", ist heute zumeist in den Kanon aufgenommen.
Die Folio-Ausgabe ist kulturhistorisches Ereignis. Vor ihr sind überhaupt erst zwei Folio-Bände gedruckt worden - beide in Shakespeares Todesjahr 1616. Die eine enthält Ben Jonsons Werke und wird von den Zeitgenossen weidlich verspottet, weil Theaterstücke als druckfähige Literatur noch immer nicht allgemein akzeptiert sind. Die andere trägt den Titel "Werke des höchsten und mächtigsten Fürsten" - es ist eine Sammlung der Schriften des regierenden Königs Jakob I.
Shakespeares Gesamtausgabe zeigt auf dem Titelblatt ein Porträt Shakespeares (siehe oben) und erwähnt das Shakespeare-Monument in der Dreifaltigkeitskirche in Stratford (siehe Seite 107), das demnach zwischen Shakespeares Tod und dem Erscheinungstermin der Gesamtausgabe aufgestellt worden sein muß.
Die Folio-Ausgabe enthält zwei Vorreden. Die erste ist eine Widmung an den Lordkämmerer (Lord Chamberlain), Earl of Pembroke, und an dessen Bruder, den Earl of Montgomery, in der die beiden Herren gebeten werden, sich der Sammlung mit der gleichen Gnade anzunehmen, wie sie, sich "ihres Autors, solange er lebte", angenommen hätten. Die zweite Vorrede wendet sich an die Leser, warnt vor früheren "gestohlenen und untergeschobenen" Ausgaben der Shakespeare-Werke und lobt die Meisterschaft des Autors.
Außerdem sind der Folio-Ausgabe einige Gedichte vorangestellt worden, davon zwei von Ben Jonson:
Triumph, mein England! Du nennst ihn dein eigen, dem sich Europas Bühnen alle neigen. Nicht nur für unsere Zelt lebt er: für immer!
Nun, nach dessen Tod, holt Jonson zu Shakespeares Preis alle großen Namen vom Dramatikerhimmel, die ihm einfallen:
Würd' ich mit anderen Dichtern dich vergleichen
und zeigen, wie du Lyly oder Kyd
weit überholst, selbst Marlowes mächt'gen Schritt.
Und wußtest du auch wenig nur Latein noch wen'ger Griechisch, ist doch Größe dein,
davor sich selbst der Donn'rer Aischylos, Euripides, Sophokles beugen muß,
gleich wie Pacuvius, Accius, Seneca ...
selbst Aristophanes, so scharf und spitzig,
Terenz so zierlich, Plautus, der so witzig, mißfallen jetzt...
O säh'n wir dich aufs neue, süßer Schwan
vom Avon, ziehen deine stolze Bahn.
Säh'n wir, der so Elisabeth erfreute
und Jakob, deinen hohen Flug noch heute
am Themsestrand! Doch nein, du wardst erhoben
zum Himmel schon, strahlst als ein Sternbild oben ...
Das Pathos dieses bedeutendsten Dramatikers unter Shakespeares Zeitgenossen mag unecht sein. Daß sein Kollege vom Globe-Theater des Schreibens unkundig war, hat Ben Jonson ganz sicher nicht geglaubt. Er ebensowenig wie irgendein anderer von denen, die Shakespeare gekannt haben.
*Folio-Ausgaben sind aus Papierbogen geheftet, die nach dem Druck einmal gefaltet werden. Quart-Ausgaben werden zweimal, Oktav-Ausgaben viermal gefaltet. Shakespeare-Dramen, die zu Lebzeiten des Dramatikers veröffentlicht wurden, sind Quart-Ausgaben ("Quartos"), die sieben Jahre nach Shakespeares Tod gedruckte Gesamtausgabe ist als Folio geheftet ("Erste Folio-Ausgabe", 1623).

DER SPIEGEL 17/1964
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