16.09.1964

„Herr Hitler will den Frieden retten“

3. Fortsetzung
Der Aufstand des Gewissens
Sonnabend, den 2. September: Die erste Nachricht, die an diesem Morgen im Foreign Office eintraf, stammte von Botschafter Kennard aus Warschau. Der britische Diplomat berichtete, daß am Freitag insgesamt 300 deutsche Flugzeuge Polen überflogen hätten. 17 deutsche und polnische Maschinen seien abgeschossen worden. Unter den von den Deutschen abgeworfenen Bomben hätten sich "Sprengbomben von 250 Kilogramm und auch Brandbomben" befunden.
Ein weiteres Telegramm traf bald darauf von Botschafter Henderson aus Berlin ein. Henderson schrieb, manche Leute meinten, in Deutschland gäbe es eine starke Opposition gegen den polnischen Krieg Würde der Krieg, ohne daß es zu einer Einmischung des Westens komme, noch ein paar Tage dauern, könnte mit einer Machtübernahme durch die Kriegsgegner gerechnet werden
Außenminister Halifax gab nichts auf diese Vermutungen. England dürfte sich nicht, war seine Überzeugung, auf Berichte über eine "Unzufriedenheit oder Unschlüssigkeit" in Deutschland selbst verlassen. "Nur ein entschlossenes und sofortiges Vorgehen unsererseits
kann die Situation noch retten." Doch trotz seiner kühnen Worte schwankte der Minister immer noch.
Dem französischen Außenminister Bonnet, der ebenfalls noch auf eine Lösung durch Verhandlungen hoffte, gelang es, Halifax für den Gedanken einer Konferenz zu gewinnen. Bonnet und die anderen Politiker, die trotz des Krieges eine friedliche Lösung anstrebten, taten an diesem Sonnabend alles. um Gespräche zustande zu bringen. So bat der italienische Außenminister Ciano den britischen Botschafter in Rom. Loraine, um 14 Uhr, ihn sofort aufzusuchen. Der französische Botschafter, Francois-Poncet, war auf "ähnliche Art" ins italienische Außenministerium bestellt worden. Die beiden Männer sollten Ciano bestätigen, daß die "Warnung" ihrer Regierungen an Deutschland vom vorigen Abend in keiner Weise ein "Ultimatum" darstelle. Die Diplomaten konnten das bestätigen. Loraine schickte sogar einen Boten in die Britsche Botschaft, um eine Kopie der Anweisungen zu bringen, die Halifax seinem Botschafter in Berlin, Henderson, erteilt hatte.
Nachdem er die Kopien gesehen hatte, war Ciano über "diesen Punkt beruhigt". Während die Anweisungen geholt wurden, überredeten Francois -Poncet und Loraine den Minister, bei Bonnet in Paris telephonisch anzufragen. Bonnet erklärte bereitwillig, daß die Note an Berlin kein Ultimatum sei.
Ciano erläuterte dem französischen Außenminister am Telephon, Hitler brauche bis Sonntag mittag Zeit, "um die Frage eines Waffenstillstandes und einer Konferenz auszuarbeiten und zu überprüfen". Diese Aussicht, konstatierte Ciano, "rief in Paris eine lebhafte Befriedigung hervor".
Der italienische Minister setzte sich dann mit Halifax in Verbindung. Er wollte erfahren, ob die Engländer die Festsetzung einer Frist für den Abzug deutscher Truppen aus Polen so lange aufschieben würden, bis die Deutschen eine Konferenz entweder akzeptiert oder abgelehnt hätten. Der britische Außenminister erwiderte, die Zurücknahme der deutschen Soldaten sei die "unerläßliche Bedingung" für eine Konferenz mit Hitler. Daraufhin gab Ciano zu bedenken, die Deutschen würden höchstens einem Waffenstillstand zustimmen, wobei die Truppen blieben, wo sie gerade standen. Außerdem wären sie wohl zu einer Konferenz bereit, die
am Tage nach dem Waffenstillstand (Montag) zusammentreten könnte.
Halifax lehnte eine Konferenz nicht ab. Er war auch noch nicht so weit, die britische Warnung zu befristen. Aber das britische Kabinett hatte darauf bestanden, daß er die Zurücknahme der deutschen Truppen zur wesentlichen Bedingung machte.
Den Franzosen waren Bedingungen nicht so wichtig. Uni 16 Uhr erfuhr Halifax von Bonnet, Paris sei dafür, "eine Konferenz in Erwägung zu ziehen". Dabei sei der "wirklich wesentliche Punkt" nicht die Zurücknahme von Truppen, sondern die Vertretung Polens*bei den Verhandlungen. Halifax versprach, "so bald wie möglich" auf Bonnets weitere Bitte, man solle den Deutschen gestatten, ihre Erwiderung auf die Warnung bis Sonntagmittag zu verschieben, zu antworten. Er versprach, er wolle auch "die endgültigen und klaren Ansichten" der britischen Regierung hinsichtlich einer Konferenz in Erfahrung bringen.
Um 16.20 Uhr unterstrich Botschafter Kennard in einem Telegramm aus Warschau, man müsse jetzt endlich handeln, schöne Worte genügten nicht mehr. "Ich hoffe ernstlich, daß alles; was möglich ist, getan wird, um Kriegsmaterial zu schicken. Das wurde sowohl vom moralischen als auch von rein militärischen Gesichtspunkten aus eine hervorragende Wirkung haben." Kennard wußte nicht, daß man in London und Paris den Gedanken einer Konferenz und nicht einer wirksamen militärischen Aktion in Erwägung zog. Als "über Warschau der Rauch aufstieg", schienen ihm weitere Verhandlungen absurd. Aber die Franzosen unterstützten sie, und Halifax wollte es ihnen gern gleichtun.
Das britische Kabinett trat um 16.30 Uhr wieder zusammen. Der Außenminister teilte den Ministern mit, die Franzosen wollten die Warnung vom Vortage nicht befristen. Er setzte hinzu, die Deutschen sollten bis Sonntag Zeit erhalten, den Konferenz-Plan anzunehmen oder abzulehnen.
Der polnische Botschafter in London, Raczynski, wurde hereingerufen. Er sagte dem Kabinett, daß der deutsche Angriff an jenem Morgen "mit erneuter Heftigkeit eingesetzt habe" und Städte seit Mittag "aus der Luft schwer bombardiert" würden. Er drängte auf die Erfüllung der englisch-polnischen Garantie. Man schenkte seiner Forderung Gehör.
Kriegsminister Hore-Belisha sagte zu seinen Kabinettskollegen: "Ich war entschieden gegen einen weiteren Aufschub, der, wie ich dachte, die Einmütigkeit des Landes zerstört. Die öffentliche Meinung wollte auch keinen Zoll nachgeben."
Der Kehrreim der Argumentation Hore - Belishas war: Da die Warnung weder beantwortet noch beachtet wurde, sollte England ein Ultimatum stellen, das um Mitternacht ablaufen würde. Das Kabinett besprach den Vorschlag; es "wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß das Ultimatum um 24 Uhr enden würde".
Das Kabinett war sich einig Es war nun an Halifax, die Einstimmigkeit in die entsprechende Form zu kleiden und den Deutschen mitzuteilen, die Warnung sei jetzt ein Ultimatum, das um Mitternacht ablaufen würde.
Aber trotz der einstimmigen Entscheidung drang der Beschluß nie aus den Räumen des Regierungschefs in der Downing Street Nr. 10 hinaus, wenn man von einem telephonischen Anruf in Paris absieht. Als die Kabinettssitzung zu Ende war, telephonierte Staatssekretär Cadogan mit dem französischen Außenminister und sagte ihm, daß die Briten, wenn Hitler seine Truppen nicht zurückzöge, ihr Ultimatum schicken würden. Diese Nachricht erreichte weder die Deutschen noch das Unterhaus noch Botschafter Kennard in Warschau.
Bonnet erwiderte, die Franzosen seien sich noch nicht darüber schlüssig, ob der Abzug der deutschen Truppen eine wesentliche Bedingung für die Konferenz bilden sollte. Das französische Kabinett "wollte darüber beraten". Frankreich wollte nichts von einem Ultimatum wissen, das um Mitternacht ablaufen sollte. Die Franzosen waren der festen Meinung, das Ultimatum müßte eine Frist von 48 Stunden haben. Die Unruhe in der britischen Bevölkerung stieg zusehends. Premierminister Chamberlain sollte an jenem Nachmittag im Unterhaus sprechen. Sein Auftreten, das für 15 Uhr erwartet worden war, hatte sich bereits verzögert, da man sich vorher über die französische Haltung informieren wollte. Diese Haltung war jetzt bekannt. Es war also Chamberlains Aufgabe, die Entscheidung so bald wie möglich bekanntzugeben.
Inzwischen war es 17 Uhr geworden. Man konnte von Minute zu Minute gewärtig sein, daß der Premier dem Unterhaus mitteilte, die Regierung habe sich zu einem sofortigen Ultimatum an Deutschland entschlossen. Parlament und Nation warteten auf diese Erklärung. Man hoffte, England würde seine Verpflichtung gegenüber Polen mit der größten Eile erfüllen. Die deutsche Wehrmacht rückte vor. Es durfte keine Verzögerung eintreten.
Der konservative Unterhaus-Abgeordnete Edward Spears hatte das Unterhaus noch nie "so erregt und tief bewegt gesehen wie an jenem Nachmittag".
Ein Ultimatum würde, so nahm man jedenfalls allgemein an, eine militärische Aktion der Engländer und Franzosen zur Folge haben. Nur eine solche Aktion konnte Polen helfen. Botschafter Henderson teilte dem Foreign Office mit, "ein unerwarteter polnischer Anfangswiderstand (habe) den deutschen Zeitablauf durcheinandergebracht". Hier bot sich eine Möglichkeit für einen heilsamen Eingriff der Briten.
Die deutschen Truppen hatten trotz des Bombardements aller polnischen Großstädte den polnischen Verteidigungsgürtel noch nicht durchbrochen. Es war noch immer Zeit, die Deutschen durch eine Aktion an der Westfront zu zwingen, das Tempo ihres Angriffs im Osten zu verringern. Wenn das gelänge, würde es einige Wochen dauern, bis Hitler einen wirklichen militärischen Vorteil erringen könnte. Der bevorstehende Oktober würde das polnische Gebiet für einen Eindringling immer schwieriger machen. Regen und Schlamm hielten seinen Vormarsch auf.
Kennard stellte fest, daß die deutsche Luftüberlegenheit von den Polen auf "unsere verzögerte Kriegserklärung" zurückgefuhrt wurde. Die deutschen Angriffe würden immer schwerer. Die Polen glaubten, ein britischer Kriegseintritt würde die Deutschen zwingen, große Truppenkontingente von der Ostfront abzuziehen. Aber weder die Logik der militärischen Situation noch Kennards Plädoyer noch die Einmütigkeit des Kabinetts konnten den Bann der Beschwichtigungspolitik brechen.
Halifax verheimlichte ohne Wissen seiner Kabinettskollegen der Welt diese Einmütigkeit. Er hoffte noch immer auf Verhandlungen. Obgleich er um 18 Uhr den britischen Botschafter in Paris, Phipps, gebeten hatte, sich zu erkundigen, ob Ministerpräsident Daladier einem Mitternachts-Ultimatum zustimme, gab er eine halbe Stunde später in einem Telephongespräch mit dem italienischen Außenminister Ciano seine Absicht bekannt, einer Konferenz den Vorzug zu geben.
Halifax sagte, die Zurücknahme der Truppen sei "eine wesentliche Bedingung" für eine. Konferenz. In diesem Punkt blieben die Briten fest. Ciano glaubte nicht, daß Hitler das annehmen würde. Halifax bat ihn dringend, "sein Bestes zu versuchen". Denn, wenn die Truppen zurückgenommen würden, wäre alles gut.
"Es würde möglich sein, zur ursprünglichen Verhandlungsbasis zurückzukehren", das heißt, zum Status quo von "vor zwei oder drei Tagen", dem dann unter der Voraussetzung, daß Danzig an Deutschland käme, polnisch-deutsche Gespräche folgen könnten. England würde seine Dienste als Vermittler anbieten. Halifax wiederholte, daß die britische Warnung "kein Ultimatum darstelle". Das Kabinett war verraten worden.
Aber der Minister gestand auch ein, daß die britische Regierung "verpflichtet sei, dem eigenen Volk über die Lage völlig reinen Wein einzuschenken". Diese Verpflichtung war in den letzten Wochen häufig unbeachtet geblieben. Jetzt, da eine nicht mehr so gefügige Öffentlichkeit ein Ende des geheimnisvollen Herumtastens und "Schluß mit München" forderte, konnte es die Regierung nicht wagen, noch länger zu schweigen.
Halifax meinte, er müsse erklären. daß er eine Konferenz noch immer für möglich halte, so unpopulär eine derartige Klarheit auch sein mochte. Von der alten Unaufrichtigkeit war jedoch noch immer etwas übriggeblieben. Denn obgleich das Unterhaus von dem Konferenz-Plan informiert werden müßte, beruhigte Halifax den italienischen Außenminister, würde er das "auf eine zurückhaltende Weise tun". Halifax versprach, von einer Befristung werde noch abgesehen. Er beendete seine Unterredung mit der Bitte, Ciano möge in Berlin "sein Bestes tun".
Der italienische Außenminister ließ sich die Vorschläge, die Halifax am Telephon gemacht hatte, durch den Kopf gehen und versank wieder in seinen früheren Pessimismus. Die Briten bestanden auf einen Rückzug vor der Konferenz, wenn sie auch bereit waren, vorerst von einer Befristung nicht zu reden. Ciano wußte, daß Hitler diese Bedingung nicht annehmen würde. Zum Botschafter Seiner Majestät in Rom, Loraine, bemerkte er, wegen der britischen Forderung habe es wenig Sinn, die Deutschen um ihre Einwilligung zu einer Konferenz zu bitten.
Doch Loraine ließ sich durch den italienischen Defätismus nicht entmutigen. Er bat Ciano, in Berlin den Konferenz-Vorschlag zu unterbreiten und dann die Dinge auf "gut Glück" ihren Lauf nehmen zu lassen. Der Minister wiederholte, seiner Meinung nach bestünden "keinerlei Aussichten", daß Hitler annähme. Aber er versprach dem Botschafter, mit Mussolini und den Franzosen zu sprechen.
Die Franzosen begriffen ebenfalls, daß Hitler die Rückzugsbedingungen ablehnen würde. Um 19.30 Uhr trat-das französische Kabinett zusammen. "Als wir auseinandergingen", schrieb de Monzie. Minister für öffentliche Arbeiten. "drang ich in Bonnet, über das britische non possumus hinwegzusehen." Es sei "nicht zu verteidigen". Ein Rückzug der deutschen Truppen sei undenkbar. "Könnte es nicht auch eine dritte Lösung geben ... einen symbolischen Rückzug von ein paar Kilometer?"
Ohne zu wissen, daß Ciano dem Konferenz-Plan keine Aussichten mehr gab und die Franzosen eine Zurücknahme der deutschen Soldaten für unmöglich hielten, begab sich der britische Premierminister Chamberlain um 19.30 Uhr ins Unterhaus. Der Premier mußte die Haltung seiner Regierung erklären. Der Abgeordnete Spears schrieb: "Die Sitze waren gedrängt voll. Die unerträgliche Spannung stand vor ihrer Lösung. Jedermann war innerlich auf die Mitteilung vorbereitet, daß der Krieg erklärt worden war."
Man wußte, daß ein Ultimatum gestellt werden würde. "Die meisten wollten ihrem befreienden Gefühl über das Ende der Spannung durch stürmische Beifallskundgebungen Ausdruck geben. Aber als wir zuhörten, verwandelte sich Erstaunen in Verblüffung und unsere Verblüffung in Erbitterung." Chamberlain sprach noch immer über die Möglichkeit von Verhandlungen.
Der Premier gestand, die Deutschen hätten noch nicht auf die englisch-französische Warnung geantwortet. Aber er führte ihr Schweigen auf die Möglichkeit zurück, daß sie den italienischen Vorschlag zu einer Konferenz in Erwägung zögen. Das Unterhaus war empört bei dem Gedanken an weitere Diskussionen. Daß Chamberlain den Konferenz-Plan offensichtlich mit Wohlwollen betrachtete, ließ ihn als Helfershelfer bei der Vernichtung Polens erscheinen.
Die Briten bestanden auf der Zurücknahme der Truppen. Aber sie hatten ihre Forderung noch immer nicht zeitlich befristet. Chamberlain erklärte: "Wenn die deutsche Regierung einer Zurücknahme ihrer Streitkräfte zustimmen sollte, dann würde die Regierung Seiner Majestät bereit sein, die Position als dieselbe anzusehen, die sie war, bevor die deutschen Truppen die polnische Grenze überschritten."
Unter der Bedingung einer Zurücknahme der Truppen würde "der Weg zur Diskussion" zwischen Deutschland und Polen offenstehen. England war bereit, sich diesen Verhandlungen "anzuschließen".
Halifax hatte gesiegt: Nicht Krieg, sondern weitere Verhandlungen. "Das Haus atmete Feindseligkeit", kommentierte Spears. Ex-Minister Duff Cooper hatte "alle heitere Gelassenheit verloren".
Der Abgeordnete Amery, ein prominenter Gegner der Beschwichtigungspolitiker, schrieb: "Das Haus war entsetzt. Seit zwei vollen Tagen wurden die unglücklichen Polen bombardiert und hingemordet, und wir überlegten uns noch immer, innerhalb welcher Frist Hitler gebeten werden sollte, uns mitzuteilen, ob er Lust habe, seine Beute fahrenzulassen ... War dieses ganze Geschwätz das Vorspiel zu einem neuen München?".
Amery und Duff Cooper "waren rot im Gesicht und konnten vor Wut kaum ein Wort hervorbringen". Duff Cooper "hatte sich noch nie so erregt gefühlt". Chamberlain setzte sich "ohne einen Beifallsruf" hin. Der Labour-Abgeordnete Dalton glaubte, eine freie Abstimmung hätte die Regierung Chamberlain gestürzt: "Es herrschte eine schreckliche Unruhe."
Chamberlains Erklärung alarmierte das Kabinett. Kriegsminister Hore -Belisha hatte den Eindruck, "daß wir, was unsere Verpflichtung gegenüber Polen betraf, schwach zu werden begannen und daß die Franzosen sich zu drücken suchten". Angesichts der Kabinettsentschließung von vor drei Stunden waren er und seine Kabinettskollegen "völlig entsetzt".
Nach Chamberlain sprach der stellvertretende Vorsitzende der Labour -Party, Greenwood. Amery, der sich der Dringlichkeit des Augenblicks bewußt war und von dem Mitglied der Opposition eine "reine Parteirede" zu hören befürchtete, rief aus: "Sprechen Sie für England!"
Greenwood tat sein Bestes, aber die Erregung des Augenblicks war zu groß, und er stolperte über seine Worte:
"Morgen kommen wir um zwölf Uhr zusammen. Ich hoffe, daß der Premierminister dann - imstande sein wird, eine weitere Erklärung (Abgeordnete: 'endgültige') abzugeben. Und ich muß das von ihm verlangen. Jede Minute der Verzögerung bedeutet jetzt den Verlust von Menschenleben, die Gefährdung unserer nationalen Interessen ..."
Abgeordneter Boothby: "Unserer Ehre."
Greenwood: "Lassen Sie mich zu Ende sprechen. Ich wollte sagen, die Gefährdung der wesentlichen Grundlagen unserer nationalen Ehre."
Die Debatte war bitter. Greenwood sprach davon, daß unsere Verhandlungen "von Groll, Furcht und Zorn beherrscht wurden". Das Parlament vertagte sich, laut Amery, "in Verwirrung und Bestürzung". Wie Spears schrieb, "wußte Chamberlain jetzt ganz genau, daß das Haus ein weiteres Hinauszögern nicht mehr hinnehmen wurde".
Die Forderungen der Abgeordneten konnten nicht abgelehnt werden. Chamberlain ging in sein Zimmer im Parlamentsgebäude. Greenwood suchte ihn dort auf und sagte ihm, würde "die unvermeidliche Entscheidung für einen Krieg" nicht vor dem Zusammentreten des Parlaments am Sonntag gefaßt werden, lehne sich das Unterhaus gegen ihn
auf.
Finanzminister Simon hatte sich nach der Debatte mit Kriegsminister Hore -Belisha, Unterrichtsminister de la Warr und Gesundheitsminister Elliot in sein Zimmer begeben. Nach sorgfältiger Überlegung kamen sie überein, Simon sollte als ihr Wortführer darauf bestehen, den früheren Beschluß des Kabinetts auszuführen.
-Die Minister gingen zum Regierungschef. Simon "führte Chamberlain sehr zwingend" vor Augen, daß der Krieg erklärt werden müsse. Es dürfe keine weitere Verzögerung eintreten. Der Premier sollte sofort eine Erklärung über ein britisches Ultimatum abgeben. Seien die Franzosen nicht einverstanden, müßte ohne sie gehandelt werden.
Während die Minister den Regierungschef aufforderten, zu ihrer gemeinsamen Entscheidung zu stehen, lief von Botschafter Kennard eine eindrucksvolle Depesche aus Warschau ein: Der polnische Außenminister Beck vertrete die Ansicht, daß die Polen durch die deutsche Luftüberlegenheit behindert seien, und habe "sehr besonnen vorgeschlagen, im Westen so bald wie möglich Ablenkungskämpfe einzuleiten". Für Beck sei es wesentlich, daß britische Flieger "einen beträchtlichen Teil der deutschen Luftstreitkräfte" von der Ostfront fernhielten.
Kennard stimmte mit Beck überein. Es sollte, schrieb er, "jeder Versuch unternommen (werden), an der Westfront mit Kampfhandlungen zu beginnen". Der Botschafter betonte nachdrücklich: "Ich hoffe, ich, werde so bald wie möglich über unsere Kriegserklärung in Kenntnis gesetzt."
Halifax ignorierte die Bitte Kennards. Die Möglichkeit von Verhandlungen lockte ihn noch immer. Er wies Henderson in Berlin an, er sollte "sofort gewissen Stellen" (Dahlerus, Göring) den Text der Unterhausrede Chamberlains zu lesen geben. Halifax wollte der deutschen Regierung "soviel Zeit wie möglich lassen, um ihre Antwort zu bedenken".
Der Minister hoffte auf eine günstige Antwort; Ciano und Bonnet hatten beide gemeint, daß damit bis Sonntag mittag zu rechnen sei. Das Unterhaus wollte nicht so lange warten.
Botschafter Henderson schickte eine Kopie der Rede Chamberlains an Dahlerus. Er legte auch seine Visitenkarte bei auf der er Anweisungen notiert hatte: "Beiliegender Text der Rede Mr. Chamberlains dürfte Sie interessieren: besonders wenn Sie diese der
Kenntnis einer gewissen Stelle zugänglich machen würden. N.H.2/10 (!) 39."
Die Diplomatie tändelte noch immer mit den Methoden des Kriminalromans. Dahlerus entdeckte, daß die Rede "von dem Wunsch durchdrungen war, eine Katastrophe zu verhüten". Aber konnte der Schwede irgend etwas tun, was das krisengeschulte Foreign Office nicht hätte tun können? Er rief Göring an und verabredete sich mit ihm für Sonntag vormittag. Dann fuhr er in die britische Botschaft und sprach mit dem Geschäftsträger Ogilvie Forbes, der alle Hoffnung verloren hatte.
Ogilvie Forbes war zu der Überzeugung gekommen, daß die Politik der britischen Regierung "gegen das Hitlersystem gerichtet sei". Die Danziger Frage sei nicht das wirkliche Problem. Den Deutschen müßte klargemacht werden, daß sie "in ihren Methoden eine radikale Änderung vorzunehmen" hätten. Es käme nicht in Frage, Hitler zu gestatten, seine "skrupellose Politik fortzusetzen".
Duff Cooper speiste mit seiner Frau im Savoy Grill. Der Unterstaatssekretär für das Luftfahrtwesen, Balfour, ging an ihrem Tisch vorbei, und Duff Cooper fragte ihn, ob er noch der Regierung angehore. Er machte eine Geste "der Scham und Verzweiflung".
Anschließend fuhr Duff Cooper in die Wohnung Churchills. Dort traf er die konservativen Politiker Eden, Boothby und Bracken. "Wir befanden uns alle in einem Zustand wütender Bestürzung." Sie brachten ihre "tiefe Sorge" darüber zum Ausdruck, daß England seine Verpflichtungen gegenüber Polen bisher nicht erfüllt hätte.
Boothby meinte, Chamberlain könnte nicht mehr länger Premierminister bleiben, wenn er es unterließe, binnen weniger Stunden den Krieg zu erklären. Churchill sollte am nächsten Tag ins Unterhaus gehen und ihn "niederzwingen". Die Gruppe war sich darüber einig, daß, wenn sich Churchill gegen Chamberlain wandte, die Regierung stürzen wurde.
Aber Churchill weigerte sich. Chamberlain hatte ihm angeboten, ihn zum Ersten Lord der Admiralität zu machen, Und er hatte angenommen. Churchill konnte entweder "das Land spalten" oder "Chamberlain den Rücken stärken". Churchill hatte sich für das zweite entschieden. Er wollte gegen den Premierminister keinen Aufstand inszenieren.
Später an jenem Abend schrieb Churchill an Chamberlain: "Im Parlament herrschte ein Gefühl, als sei dem Geist der nationalen Einigkeit Schaden zugefügt worden." Aber Churchill sollte den Schaden nicht wiedergutmachen.
Duff Coopers Frau empfand: "Eine Verschwörung lag in der Luft... Der Himmel selbst kündigte an, daß etwas zum Sterben reif sei, während Brutus und die anderen ihr nächtliches Komplott schmiedeten." Aber Cäsar Chamberlain hatte noch ein gut Stück Weges vor sich, und Brutus Churchill "und die anderen" blieben noch viele-Monate lang von der Macht ausgeschlossen.
Der Regierungschef teilte seinem Außenminister um 20.30 Uhr telephonisch mit, daß es ihm mit seiner Erklärung "sehr schlecht ergangen" sei. Halifax eilte in die Downing Street Nr. 10: "Ich hatte Chamberlain noch nie so verstört gesehen."
Die beiden Männer aßen zusammen. Chamberlain sagte, das Haus habe getobt. Wenn es ihnen am nächsten Tag nicht gelänge, "die Situation zu klären", glaube er nicht, daß sich die Regierung "am Ruder halten" würde.
Gegen 21 Uhr trafen die Minister Simon, Hore-Belisha, Elliot und de la
Warr wieder in Simons Zimmer zusammen "und sandten dem Premierminister einen Brief, in dem wir unsere Punkte nochmals aufführten".
Eine halbe Stunde später erfuhr Halifax, daß "die Italiener es nicht für möglich hielten", die Deutschen um die Annahme einer Konferenz zu bitten. Die Rückzugsbedingung war zuviel gewesen. Wenn Hitler "aus freien Stücken" seine Truppen zurückzöge, meinte Ciano, "wäre alles gut". Aber die Italiener "sahen sich nicht imstande, ihn dazu zu bringen".
Kurz vor 22 Uhr telephonierte Chamberlain mit dem französischen Ministerpräsidenten. Auch ihm erzählte er, es habe "im Unterhaus eine ärgerliche Szene gegeben: Seine Kollegen im Kabinett (seien) ebenfalls beunruhigt". Wenn die Franzosen auf einem 48-Stunden-Ultimatum bestünden, das Sonntag mittag beginnen sollte, "würde es für die (britische) Regierung unmöglich sein, hier Herr der Lage zu bleiben".
Chamberlain wollte, daß Frankreich und England am Sonntag, um 8 Uhr, zusammen ein Ultimatum stellten, das Sonntag mittag abliefe. Daladier wollte bis Sonntag mittag auf die deutsche Antwort warten, bevor er ein Ultimatum auch nur in Erwägung ziehen wollte.
An jenem Abend versuchten die Deutschen, eine britische Kriegserklärung zu verhindern. Der Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros (DNB), Hesse, und Botschaftsrat Kordt telephonierten mit dem Berater des Regierungschefs, Wilson. Sie fragten ihn, ob die Engländer im Falle eines deutschen Rückzugs bereit wären, Deutschland Danzig und eine Straße von Danzig nach Deutschland durch den Korridor zuzugestehen. Das, sagten sie, wäre ein "Vorschlag".
Wilson wiederholte die britischen Bedingungen: Vor einem deutschen Rückzug könnte es keine Verhandlungen geben. Aber er machte klar, daß, wenn die Deutschen sich zurückzögen, "die britische Regierung bereit wäre, das Kriegsbeil zu begraben". Man könnte dann "sofort" mit englisch-deutschen Verhandlungen beginnen.
Ein bösartiger militärischer Angriff, der ohne Kriegserklärung erfolgt und unter Bombardierung von Städten 48 Stunden lang fortgesetzt worden war, sollte auf diese Weise zwecks Herbeiführung einer englisch-deutschen Annäherung einer bereits der Vergangenheit angehörigen Bagatellsache gleichgesetzt werden.
Um 22 Uhr sprach der polnische Botschafter Raczynski mit Halifax im Foreign Office. An jenem Nachmittag war das Zentrum Warschaus bombardiert worden. Raczynski fragte, welche Frist in der 24 Stunden zuvor erlassenen Warnung gesetzt worden sei. Der Minister war "nicht in der Lage", dem Botschafter etwas über eine Befristung zu sagen. Es gab noch keine. Aber die Engländer "seien sich sowohl der grimmigen Belastung, der sein Land (Polen) ausgesetzt war, als auch der dringenden Notwendigkeit bewußt, so bald wie möglich und nach allen Kräften hier Abhilfe zu schaffen".
Raczynski gab sich nicht zufrieden. In einem Bericht an Kennard in Warschau über sein Gespräch mit dem polnischen Botschafter faßte Außenminister Halifax zusammen: Er konnte "mir nicht verheimlichen ... daß die imoralische Wirkung dieser Verzögerung für Polen vernichtend war".
Bevor Simon ah diesem Abend nach Hause ging, fuhr er noch einmal zu Chamberlain. Er sagte ihm, der Kabinettsbeschluß könne nicht beiseite geschoben werden. England müsse sofort ein Ultimatum stellen.
Der Aufstand des Gewissens versetzte der Beschwichtigungspolitik einen vernichtenden Schlag. Halifax unterrichtete den französischen Außenminister davon, "infolge der schwierigen Lage, die im Unterhaus entstanden war", sei eine Befristung der Warnung an Hitler nun nicht mehr zu umgehen. Es erschien ihm "sehr zweifelhaft", ob die britische Regierung "Herr der Lage" bleiben könnte, wenn es zu einer weiteren, Verzögerung käme. Wenn die Franzosen ihr Ultimatum nach 8 Uhr (3. September) überreichen wollten, müßten sie das allein tun. Die englischfranzösische Solidarität war eines unrühmlichen Todes gestorben.
Halifax legte den Telephonhörer auf. Er ging vom Foreign Office in die Downing Street Nr. 10. Dort redeten einflußreiche Parteifreunde auf Chamberlain ein und warnten ihn, "daß, wenn wir nicht am nächsten Tag handelten, es im Parlament zu einer Revolte kommen würde".
Das Kabinett trat um 23 Uhr zusammen. Es war klar, daß der letzte Termin, an dem das Ultimatum abgelaufen sein mußte, der Mittag des folgenden Tages war, da sich zu diesem Zeitpunkt das Parlament wieder versammeln würde. Ohne Krieg würde die Regierung gestürzt werden.
Die einzige Frage, die übrigblieb, war die Bestimmung des genauen Zeitpunktes, zu dem das Ultimatum abgesandt werden und enden sollte. Kriegsminister Hore-Belisha drängte darauf. das Ultimatum um 2 Uhr abzusenden und es bis 6 Uhr zu befristen. Mit seinen Argumenten hatte er vorübergehend Erfolg. Halifax teilte Henderson um 23.50 Uhr mit: "Es kann sein, daß ich Ihnen heute nacht noch Anweisungen zu erteilen habe ... Bitte halten Sie sich bereit."
Aber die Verzögerungstaktik starb nicht leicht. Obgleich Hore-Belisha beharrlich behauptete: "Je früher, desto besser", wurde am Schluß entschieden, daß das Ultimatum am nächsten Morgen um 9 Uhr abgehen und um 11 Uhr ablaufen sollte.
Die Deutschen sollten noch eine Nacht und einen Vormittag lang weder von einer britischen Kriegserklärung noch von der militärischen Aktion, die einer solchen Erklärung voraussichtlich folgen würde, in ihrem Vormarsch gestört werden.
Die Abneigung dagegen, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, zeigt sich am besten in dem Telegramm, das Halifax einige Minuten vor der Kabinettssitzung an den britischen Botschafter in Warschau sandte. Trotz allem, was er' von Beck, Raczynski und Kennard über die deutschen Luftangriffe erfahren hatte, meinte er, müßte man zugunsten der Deutschen gelten lassen, sie hätten offene Städte nur versehentlich bombardiert. Während er Kennard um Informationen darüber bat, wo die Bomben gefallen waren, schrieb er: "Inzwischen gilt, daß die Deutschen lediglich militärische Ziele angriffen."
Krieg mit Deutschland
Sonntag, den 3. September. Die britische Entscheidung war gefallen. Halifax ging ins Foreign Office zurück. Botschafter Henderson wurde angewiesen; für 9 Uhr um eine Begegnung mit Außenminister Ribbentrop nachzusuchen.
Der britische Außenminister hatte nichts mehr zu tun. Es bestand keine Notwendigkeit, Henderson den Text des Ultimatums vor dem nächsten Morgen zu schicken. Halifax "schien erlöst", daß die Entscheidung gefallen war. Er bestellte Bier, das von einem verschlafenen Angestellten, der im Hause wohnte, im Pyjama gebracht wurde. Wir lachten und machten Witze..."
Halifax ging zu Bett. Während er schlief, unternahmen die Franzosen einen letzten Versuch, um eine Konferenz zustande zu bringen und die britische Bedingung zu umgehen. Außenminister Bonnet, der de Monzies Gedanken eines begrenzten Rückzugs aufgriff, rief Ciano an und fragte, ob sich ein "symbolischer Rückzug deutscher Truppen erreichen ließe".
Bonnet erkundigte sich nicht, wie die Briten auf diesen Schritt reagieren würden. Wie er früher an die Italiener herangetreten war, ohne sich mit den Engländern darüber zu verständigen, so tat er es auch jetzt.
Der französische Vorschlag wurde den Deutschen nie unterbreitet. Ciano selbst entschied, Hitler wünschte von einem solchen Gedanken nichts zu hören: "Es läßt sich nichts mehr machen. Ich werfe den Vorschlag in den Papierkorb, ohne den Duce zu informieren."
Der letzte Versuch, die Starken auf Kosten der Schwachen zu beschwichtigen, war gescheitert.
Das britische Ultimatum wurde um 9 Uhr gestellt. Es lief um 11 Uhr ab. Ein offizieller deutscher Versuch, darauf zu antworten oder seinen Bedingungen zu entsprechen, wurde nicht gemacht.
Nur der Schwede Dahlerus, der vielleicht von den Hoffnungen, die er selbst so beharrlich erweckt hatte, hypnotisiert war, versuchte den britischen Beschluß abzuwenden. Er war noch am Vormittag überzeugt, daß, wenn man auf beiden Seiten "nehmen und geben könnte, sich eine Konferenz einberufen ließe". Er teilte dem Foreign Office telephonisch mit, der deutschen Seite sei "sehr viel daran gelegen... die britische Regierung zufriedenzustellen und befriedigende Zusicherungen abzugeben, die Unabhängigkeit Polens nicht zu verletzen".
Selbstverständlich sei eine Zurücknahme von Truppen unmöglich, sagte Dahlerus: "In der Weltgeschichte hat sich noch niemals eine Armee zurückgezogen, bevor verhandelt wurde." Wenn die Briten an Verhandlungen dächten, die von den "Hintergründen des Versailler Vertrags erleuchtet werden würden", dann, so meinte er, werde "es eine gute Möglichkeit des Weltfriedens" geben.
Dahlerus kündigte an, eine deutsche Antwort auf das Ultimatum sei "unterwegs". Sie traf nie ein.
Um 10.15 Uhr telephonierte Dahlerus noch einmal. Er schlug als "letztes Mittel" vor, daß Göring "nach London fliege, um dort die Dinge zu besprechen". Halifax, der ohne Zweifel der Vorstellungen dieses unermüdlichen Optimisten überdrüssig war, erwiderte, auf Englands "definitive Frage" müsse eine "definitive Antwort" gegeben werden. Bis zu ihrem Eintreffen blieben noch zehn Minuten übrig.
Um 11 Uhr befand sich England im Krieg mit Deutschland.
Mittags trafen sich Henderson und Dahlerus zum letztenmal. Der Botschafter war nicht fähig, "seinen tiefen Schmerz und seine Enttäuschung" zu verbergen. All das, wofür er während zweier Jahre emsiger diplomatischer Tätigkeit gekämpft hatte, war ein Trümmerhaufen.
Henderson hatte so stark für eine englisch-deutsche Einigkeit gewirkt, daß ihn, wie Dahlerus schrieb, "gewisse Kreise, in England mit Mißtrauen betrachteten und für den Einfluß der Nazis empfänglich hielten". Das sed ein ungerechtes Urteil. Dahlerus meinte, "daß er den Deutschen nie auf den Leim gegangen' wäre. Aber Henderson suchte in der Politik Hitlers Elastizität und Vernunft, die es nicht gab.
Der Krieg war erklärt. Aber die Beschwichtigungspolitik lebte weiter. Der Druck der Öffentlichkeit hatte England in den Krieg getrieben. Aber die Öffentlichkeit sollte erst noch erfahren, daß es schwierig war zu definieren, was "Unterstützung und Beistand" bedeuteten, und wie leicht es war, sich zu drücken.
IM NÄCHSTEN HEFT
Der Schwarzwald darf nicht bombardiert werden-Deutsche Truppen besetzen Warschau - Halifax will noch immer mit Hitler verhandeln - Die Regierung Chamberlain muß zurücktreten
Deutscher Luftangriff auf die polnische Festung Modlin: "Hat Hitler Lust..
Briten-Minister Halifax, Hore-Belisha
... die Beute fahrenzulassen?"
Außenminister Ribbentrop, Botschafter Henderson: "Die Warnung ist kein Ultimatum"
Deutsche Truppen auf dem Vormarsch in Polen: "Symbolischer Rückzug von ein paar Kilometer?"
Appeasement-Gegner Simon
"Wenn wir nicht handeln ...
Appeasement-Gegner Churchill
... kommt es im Unterhaus ...
Appeasement-Gegner Greenwood
... zu einer Revolte"
Premierminister Chamberlain': "Noch nie so verstört"
Demonstration in Warschau nach Englands Kriegseintritt: "Heilsamer Eingriff möglich"
* Am 3. September 1939, dem Tag der britischen Kriegserklärung, mit seinem parlamentarischen Sekretär, Lord Dunglass, der jetzt unter dem Namen Douglas Home britischer Premierminister ist.
Von Martin Gilbert und Richard Gott

DER SPIEGEL 38/1964
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„Herr Hitler will den Frieden retten“

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