30.09.1964

GENERALEVom Stein getroffen

Drei Generale im aktiven Dienst sollen sich einen zivilen Geldpreis teilen.
Den Preis stellt die vom Hamburger Getreidegroßhändler und Mäzen Alfred Toepfer 1931 gegründete "Stiftung Freiherr vom Stein" bereit. Die Prämie - 25 000 Mark steuerfrei - bringen hanseatische Kaufleute auf. Die Preisgekrönten, denen das Geld zu je einem Drittel zugedacht ist, sind:
- Wolf Graf von Baudissin, 57, Drei -Sterne-General - und Kommandeur des Nato-Defence College in Paris.
- Johann Adolf Graf von Kielmansegg, 57, Vier-Sterne-General und Befehlshaber der Landstreitkräfte im Nato -Kommando Mitteleuropa.
- Ulrich de Maiziere, 52, Zwei-Sterne -General und ab 1. Oktober Inspekteur des Heeres.
Alle drei gehörten bereits zu jenem Planungsstab, der Anfang der fünfziger Jahre unter dem Kommando des späteren Verteidigungs- und jetzigen Arbeitsministers Theo Blank den Aufbau der Bundeswehr vorbereitete.
Dabei entwarf Baudissin die an Fortschritt und Humanität orientierte Kategorie der "Inneren Führung", der das Erziehungsideal eines "Staatsbürgers in Uniform" entsprach (siehe SPIEGEL -Gespräch Seite 47): Und Kielmansegg wie Maiziere halfen ihm, das Mißtrauen alter Krieger gegen solche demokratischen Neuerungen zu überwinden.
Die Anstrengungen wurden belohnt. Baudissin, Kielmansegg und de Maiziere machten eine steile Bundeswehr-Karriere. Und die Reputation der drei Wehrreformer in der Öffentlichkeit gewann noch, als der Wehrbeauftragte des Bundestags, Vizeadmiral a.D. Heye, im vergangenen Sommer darüber klagte, daß in der Truppe manches Mal gegen die Grundsätze der "Inneren Führung" gesündigt werde.
Auf Vorschlag ihres Vorsitzenden, des hannoverschen Landesbischofs, Lilje, entschlossen sich deshalb die Kuratoren zur Verleihung des "Freiherr-vom -Stein-Preises" an die drei Generale.
Unter den bisherigen Preisträgern finden sich Männer wie Otto A. Friedrich (Generaldirektor der Phoenix-Gummiwerke), Alfred Flender (langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer) und August Schmidt (erster Nachkriegs-Boß der Industriegewerkschaft Bergbau).
Diese Mischung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern erklärt sich aus den Verleihungsbedingungen. Der Preis ist bestimmt "zur Auszeichnung von Schöpfern beispielhafter, zeitgemäßer sozialer Betriebsordnungen und Betriebsverhältnisse oder auch eines zeitgemäßen Sozialprograms".
Im Falle, Baudissin - Kielmansegg - de Maiziere bleibt angesichts der von Admiral Heye monierten Führungsmängel in der Bundeswehr fraglich, ob das Kuratorium die "Innere Führung" schon zu den preiswürdigen "sozialen Betriebsordnungen" zählt oder nur als "zeitgemäßes Sozialprogramm" begreift. Der Kuratoriums-Geschäftsführer Hans -Joachim Riecke meint: "Da würde ich schon sagen: Programm."
Generale Kielmansegg, de Maizière, Baudissin: Preis vom Toepfer

DER SPIEGEL 40/1964
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