13.03.2006

PSYCHOLOGIEAnimateur im Kinderzimmer

Allein die Anwesenheit eines Erwachsenen motiviert kleine Kinder zu Lernleistungen. Das hat eine Studie des Psychologen Manfred Holodynski von der Universität Bielefeld ergeben. Der Forscher ließ Jungen von drei bis sieben Jahren puzzeln: Zunächst sollten die Kinder ihre Aufgabe allein bewältigen; in einer zweiten Runde saß ein Erwachsener dabei. Dieser sprach mit ihnen - half ihnen aber nicht, die Teile zusammenzufügen. Holodynski filmte beide Runden mit versteckten Kameras und fand heraus: Puzzelten die Kinder allein vor sich hin, waren sie wenig ausdauernd und von Misserfolgen schnell entmutigt. Ganz anders im Beisein des Erwachsenen: Die Jungen zeigten leistungsbezogen Stolz über Gelingen und Scham über Misserfolge, die Werte für Ausdauer und Misserfolgstoleranz stiegen an. Die Gegenwart von Erwachsenen, folgert Holodynski, scheint Kindern zu helfen, Ausdauer beim Lösen von Aufgaben zu trainieren, weil sie sich von ihnen bewertet fühlen. Die Bielefelder Ergebnisse widersprechen entwicklungspsychologischen Theorien, nach denen sich Kinder bereits mit drei Jahren selbständig zu Leistung motivieren können.

DER SPIEGEL 11/2006
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