14.04.1965

BELGIEN / LUFTWAFFEFür ein Taschengeld

Der Nato-Staat Großbritannien nutzte ein wertlos gewordenes Nato-Geheimnis, um den Nato-Partner Belgien zu schröpfen.
Belgiens Luftwaffe war vor sechs Jahren mit 144 Düsenjägern vom Typ "Hunter Mark VI" des britischen Flugzeug-Konzerns "Hawker Siddeley" in London ausgerüstet worden. Die Briten kassierten für jede der im belgischen Haren in Lizenz nachgebauten Maschinen eine Gebühr von 18 Millionen belgischen Franc (1,5 Millionen Mark).
Vier Jahre später, 1963, wurde Belgiens Luftwaffe auf den moderneren amerikanischen "Starfighter" umgerüstet.
Da verlangten die Engländer ihre Hunter zurück. Denn die Belgier hatten dem britischen Werk - um die Nato -Geheimhaltung sicherzustellen - vertraglich ein Rückkaufrecht auf die Hunter-Maschinen zusichern müssen. Der Vertrag sah für diesen Fall den Schrottpreis vor: 4000 Mark pro Düsenjäger.
Die Belgier protestierten bei Hawker Siddeley gegen die Schrott-Klausel: Die belgischen Maschinen waren noch neuwertig und hatten zum Teil weniger als 200 Flugstunden absolviert.
Nach zähen Verhandlungen erklärten sich die Briten bereit, die Hunter "für ein Taschengeld" (so das Brüsseler Verteidigungsministerium) zurückzukaufen. Sie zahlten zwischen 40 000 und 60 000 Mark, je nach Zustand der Maschine.
Kaum in England, wurden die schrottbillig zurückgekauften Jagd-Jets von den Briten an die Nahost-Staaten Kuwait, Saudiarabien, Irak und nach Venezuela weiterverkauft - zum fünf bis zehnfachen Preis.
"Hunter"-Düsenjäger: Schrottpreis reklamiert

DER SPIEGEL 16/1965
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 16/1965
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

BELGIEN / LUFTWAFFE:
Für ein Taschengeld