05.05.1965

HOHLSPIEGEL

Weil zu einem Empfang des Staatspräsidenten von Somalia, Aden Abdallah Osman, im Münchner Rathaus nur wenige Stadträte erschienen waren, forderte die Protokoll-Abteilung die Kommunalpolitiker auf, ihre Amtsketten nicht anzulegen, um dem Gast dadurch das geringe Interesse der Stadträte an der Veranstaltung zu verheimlichen. Als Ersatz für die fehlenden Politiker wurden Bedienstete der Stadtverwaltung zur Teilnahme an dem Festakt abkommandiert.
Der "Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands" in einer "Erklärung an die deutsche Presse": "In jüngster Zeit ist es im Zusammenhang mit Pressevertautbarungen über das Buch 'Die bestrafte Zeit' von Henry Jaeger und die hiermit in Verbindung stehende Reformtätigkeit des Freiburger Oberpfarrers Dr. Kühler zu schweren Diffamierungen insbesondere des baden-württembergischen Strafvollzugspersonals gekommen . . . Eine ganze Reihe von Presseveröffentlichungen der jüngsten Zeit erweckt den Eindruck, als seien alle Strafvollzugsbeamte üble Subjekte und brutale Schläger... Es hat in der Fachwelt zu ungläubigem Staunen und bei den Strafvollzugsbediensteten zu großer Bestürzung geführt, daß offenbar die von tiefster Abneigung getragenen freien Erfindungen eines wegen schwerer Verbrechen verurteilten Mannes ausreichen, einen ganzen Berufsstand zynisch zu verhöhnen und ihn mit Schmutz zu besudeln."
Nachdem sich Insassen eines Gefängnisses im südafrikanischen Johannesburg beim Justizministerium darüber beklagt hatten, daß sie bei Vollstreckungen von Todesurteilen durch Erhängen das Geräusch der Falltüren mitanhören müssen, ordnete die Regierung den Bau einer außer Hörweite der Sträflinge gelegenen Hinrichtungsstätte an.
Die Verwaltung eines Jachthafens am St.-Clair-See im US-Bundesstaat Michigan ließ die Boots-Anlegeplätze mit Parkuhren bestücken.
Im Rahmen des Regierungsprogramms zur Bekämpfung des Analphabetentums in Indonesien verfügte Staatschef Sukarno, daß Brautleute künftig erst getraut werden dürfen, wenn sie Kenntnisse im Lesen und Schreiben nachgewiesen haben.
Der Erzbischof des südfranzösischen Erzbistums Aix-en-Provence unterwies die Gläubigen per Hirtenbrief, Kraftfahrer hätten künftig bei der Aufzählung ihrer Sünden im Beichtstuhl auch Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung anzugeben.

DER SPIEGEL 19/1965
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