12.05.1965

DIE RUSSEN IN BERLIN 1945

1. Fortsetzung
Sofort nach Beginn der sowjetischen Berlin-Offensive am 16. April 1945 war Oberst Antonow mit seiner 301. Division zum Angriff angetreten. Schon am Nachmittag des 16. April stand er auf den Seelower Höhen, blieb dann aber an der Straße von Seelow nach Werbig hängen.
Noch heute findet er es eine kluge Maßnahme, daß in diesem Augenblick der Korpskommandeur die Reserven in den Kampf eingreifen ließ.
Was jedoch Antonow als eine Besonderheit in seinem Angriffsstreifen ansieht, war eine allgemeine Erscheinung: Die Offensive entwickelte sich nicht so zügig, wie sie geplant war. Und was ihm eine vernünftige Maßnahme zu sein schien, die Alarmierung der Reserven nicht nur im Gefechtsstreifen seiner Division, sondern im Operationsgebiet der ganzen Heeresgruppe, das hält der Armeeführer Tschuikow für grundfalsch - damals wie heute.
Wassilij Tschuikow ist ein gewichtiger Zeuge: Er wurde zweimal "Held der Sowjet-Union", er besitzt vier Lenin -Orden, vier Rotbanner-Orden, drei Suworow-Orden Erster Klasse und einen Orden des Roten Sterns, er war von 1949 bis 1953 Vorsitzender der sowjetischen Kontrollkommission in Deutschland und trägt seit 1955 den Titel eines Marschalls der Sowjet-Union.
Dieser Mann wollte zwar zusammen mit Schukow und allen übrigen Armeeführern der Heeresgruppe die Hauptstadt Berlin Anfang Februar im Sturm nehmen, aber das ist ungefähr der einzige Punkt, in dem er während der ganzen Operation mit seinem Oberbefehlshaber Schukow einig war. Besonders wenig hält er von der Art, wie der Angriff an der Oder vorgetragen wurde.
Die Offensive hatte sich zunächst am Kanal, der sich unterhalb der Steilhänge des westlichen Odertals entlangzieht, festgefahren. Die wenigen noch intakten Brücken beschossen die Deutschen mit Artillerie aus Stellungen, welche sich teilweise hinter den Seelower Höhen befanden, teilweise aber auch im Steilhang selbst gut getarnt eingegraben waren und so ihr Ziel direkt unter Feuer halten konnten.
Die Straßen waren verstopft. Die Unmengen an Menschen und Material, welche die Sowjets aufgeboten hatten, waren in diesem Augenblick kein Vorteil für die Angreifer, zumal sie nicht in das Gelände- neben den Straßen ausweichen konnten, solange sie sich im Tal befanden: Es war versumpft und
vermint. Tschuikow schreibt: Man brauchte nur mit einem Spaten in die Erde zu stoßen, und das Wasser kam.
In dieser Situation griff die sowjetische Luftwaffe ein. Sie hielt die deutschen Schlachtflugzeuge von der Front fern und schaltete die deutsche Artillerie in der Tiefe des Kampffeldes aus. Da holte Tschuikow seine Artillerie so nahe wie möglich an die "Alte Oder" heran, die sich ebenfalls als schmaler Wasserlauf durch das weite Tal schlängelt, und befahl für zwölf Uhr mittags ein 20 Minuten langes Trommelfeuer auf Seelow, Friedersdorf und Dolgelin.
Er wollte auf einer Straße, die durch diese Orte führt, dort auf die Höhen hinaufkommen, wo die Hänge nicht so steil waren. "Niemand zweifelte an dem Erfolg dieses Angriffs", meint er rückblickend mit Bitterkeit.
Denn: Bevor er angreifen konnte, intervenierte Schukow, der gerade wieder einmal mit Stalin telephoniert und dessen höchstes Mißfallen erregt hatte, weil er ihm hatte melden müssen, seine Truppen befänden sich noch immer im Tal.
Stalin, die imposanten Zahlen seiner Streitmacht im Kopf, verstand im fernen Moskau nicht, warum der Angriff nicht besser lief. "Ich weiß nicht", berichtet Tschuikow, "was Stalin zu Marschall Schukow gesagt hat, ich weiß nur, was dann geschah: Der Oberbefehlshaber zog Katukows 1. Garde -Panzerarmee in den Kampf."
Es marschierte also eine weitere Armee, eine Panzerarmee zudem, über die Straßen, auf denen sich schon die erste Welle zwischen Sumpf und Minenfeldern staute - nicht aber eine kleine Korpsreserve, wie Divisionskommandeur Antonow angenommen hatte.
Kaum hörte Tschuikow von diesem Plan, da beschwor er Schukow, nichts an den ursprünglichen Absichten zu ändern und Katukows Panzer erst einzusetzen, wenn die Infanterie die Höhen genommen hätte. Aber, so bemerkt der Armeeführer ziemlich süffisant: "Marschall Schukow liebte es nicht, einmal erteilte Befehle zurückzunehmen."
Die Wirkung dieses "einmal erteilten Befehls" war katastrophal. Ab zehn Uhr vormittags erschienen in dem schmalen Angriffsstreifen der 8. Gardearmee die Panzerkolonnen dreier Korps und wollten durch die Infanteriedivisionen hindurch nach vorne. Danach hatten nur noch die vordersten Teile der kämpfenden Truppen etwas Bewegungsfreiheit.
Im übrigen entstand ein vollkommenes Chaos. Wenn die Deutschen in diesem Augenblick genug Artillerie und Flugzeuge besessen hätten und wenn sie überhaupt noch Luftaufklärung hätten treiben können, durch die ihnen bekanntgeworden wäre, was sich am Fuße der Seelower Höhen abspielte, dann wären den Sowjets an diesem Vormittag schwere Verluste entstanden. Wie die Kräfteverteilung aber nun einmal war, hatten sie ihr Chaos sozusagen ganz für sich allein.
Die Russen kamen schließlich trotz aller Führungsfehler allmählich aus dem Tal heraus, und zwar gerade dort, wo Schukows Reservepanzer - wie Tschuikow spöttelt - nicht waren: nämlich nördlich der Straße Küstrin - Berlin.
Dort erklomm nun auch die 47. und 57. Infanteriedivision die Hänge, besetzte einige beherrschende Höhen, durchschnitt die Eisenbahnlinie Seelow -Wriezen und die Straßen, die von Seelow nach Buschdorf und Gusow führen. Seelow selbst wurde am Abend genommen. Mit der Einnahme der Seelower Höhen war der Erfolg des Angriffs an diesem Abschnitt entschieden.
Andere Armeeführer hatten jedoch weit weniger Erfolg.
Die 69. sowjetische Armee, links von der 8. Gardearmee eingesetzt, war den ganzen Tag über keinen Schritt vorangekommen, und General Bersarin, der seine 5. Stoßarmee rechts von der 8. führte, hatte sich so mit Mühe und Not bis an die "Alte Oder" durchgeschlagen, als es dunkel wurde und die Kampftätigkeit allgemein einschlief.
Das Ergebnis des ersten Angriffstages stand in einem krassen Mißverhältnis zu dem grundsätzlichen Operations-Befehl, der besagte, die 8. Gardearmee habe am ersten Angriffstag die Linie Alt-Rosenthal - Neuentempel - Lietzen zu gewinnen. Nach diesem Befehl sollten die Sowjets am fünften Tag in Berlin und bereits am sechsten auf dem Ostufer der Havel stehen. Nichts davon wurde in der Praxis erreicht.
Was immer die Führungsfehler sein mochten, erstaunlich bleibt der geringe Anfangserfolg angesichts der ungeheuren Übermacht der Sowjets. Man wird dieses bescheidene Ergebnis des ersten Tages nur richtig beurteilen können, wenn man sich den gesamten Ablauf der Operation zwischen Oder und Berlin vergegenwärtigt:
Am 16. April brach die Offensive los, erst eine volle Woche später, am 23. April, besetzten die Sowjets die östlichen Vororte Berlins - darunter Köpenick -, Frohnau und Pankow und erreichten ihr letztes Ziel am 2. Mai. Man muß sich fragen, was die Sowjets eigentlich unterwegs machten - auf einer Strecke, die ein Panzer bequem in einem halben Tag hätte bewältigen können, einschließlich Mittagspause, Tanken und Ölwechsel.
Die Antwort lautet: Die Sowjets bewegten sich vorsichtig, ganz ungeheuer vorsichtig. Sie unterschieden sich während dieser letzten Kriegshandlungen in nichts von den Soldaten Eisenhowers und Montgomerys, die im Rest-Reich ebensowenig daran dachten, sich noch in größerer Zahl und unnötigerweise umbringen zu lassen.
Die Truppen der Alliierten, das Aufgebot der ganzen Welt von Sibirien bis Kalifornien, auf deutschem Boden stehend, waren sich einig in der Überzeugung: Nichts mehr wagen, wenn doch bereits sicher ist, daß der Feind am Boden liegt und man nur noch seinen letzten Atemzug abzuwarten braucht.
Die wehenden Fahnen, die pathetischen Befehle, der Zauberglanz des Wortes: Berlin! Berlin! - alles konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß der geheime Befehl, unter dem diese Armeen standen, lautete: Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht!
Es hat seine eigene Ironie, die von Schlachtenlärm und Kriegsgeschrei, von Kampfgetümmel und Fanatismus geradezu berstenden Kriegsberichte und Kriegserinnerungen einmal kritisch auf ihren tatsächlichen Gehalt an Kampfhandlungen, an Sterben und Tod hin zu untersuchen.
Dann bleiben nur die Hitlerjungen übrig, die mit Panzerfäusten durch die Gegend radelten, und die sowjetischen Offiziere, die aus den obersten Etagen Berliner Mietshäuser von SS-Scharfschützen mit Kopfschuß umgelegt wurden - worauf diese Häuser im direkten Panzerbeschuß zusammenstürzten, die Scharfschützen mit sich reißend.
Der Genosse Marschanow, Kriegsberichter der "Prawda", schreibt am 22. April 1945: "Nachdem wir viele Hügel, Seen und unzählige kleine Flüsse und Kanäle bei Seelow passierten, malte man auf die Kanonenrohre: 'Wir feuern als erste auf Berlin'." Oder: "Es wurde noch beim Städtchen Hirschfeld gekämpft, da verkündete die Stimme des Divisionskommandeurs, Gardemajor Demidow, bei allen Batterien: 'Feuer auf Berlin!' Das war am 21. April, um 13.10 Uhr."
Oder: "Plötzlich sprangen etliche sonderbare Gestalten in Ziviljacken, aber in graugrünen Hosen und Militärstiefeln heraus. "'Seid ihr Soldaten?'
"'Nein!'
"Aus den frechen, besoffenen Visagen kommt einem die saure Fuselfahne entgegen. Das sind die Rotzbuben von der Hitler-Jugend. Einer schluckt und weint. Sie schossen auf unsere Einheiten aus dem Hinterhalt. Nachdem man sie stellte, versuchten sie sich schnell umzukleiden und zu fliehen. Aus anderen Kellern kommen Polizisten in tadellosen Mänteln gekrochen. Sie grüßen zackig und verraten sofort die Namen der ganzen Polizeiführung."
In der "Iswestija" vom 17. April findet sich ein Aufsatz unter dem Titel "Die Hitlermeute" von den Sonderkriegsberichterstattern Gebrüder Tur:
"Ihre Überzeugungen lassen sich zusammenklappen wie ein Taschenmesser, sagte treffend einer unserer Leutnants über die vielen Hitleranhänger in den von uns besetzten Gebieten. Jedoch: Auch ein zusammengeklapptes Messer bleibt ein Messer. Seine vergiftete Klinge bleibt im harmlos aussehenden Griff versteckt.
"Wir sind durch viele deutsche Städte gefahren, und wir haben uns mit vielen Hitleranhängern unterhalten. Was uns dabei am meisten verblüffte, war das gänzliche Fehlen jeglicher Menschenwürde bei ihnen. Sie gaukeln heute Reue vor, sie setzen die Aschermittwochmienen auf, sie kehren die Demut eines Mönchs hervor. Aber das alles ist nur ein Spiel.
"Wir können uns an die gefangenen Offiziere erinnern, die uns mit ihrer einmaligen Unbildung erschüttern, so zum Beispiel an den deutschen Flieger Quad, der in München die Fachschule für Malerei besucht haben will, jedoch außer Albrecht Dürer keinen einzigen deutschen Maler zu nennen vermochte."
In einem Bericht der "Times" vom 27. April 1945 über den Kampfgeist der sowjetischen Armee steht: "Die Russen singen jetzt so vor sich hin, während sie im allgemeinen lautlos kämpfen oder im Chor singend in den Angriff gehen."
Die vor sich hin singenden Sowjets zwischen Frankfurt an der Oder und dem Berliner Reichstag erklären bis zu einem gewissen Grade, warum die Sowjets für diesen Weg statt ein paar Stunden eine Woche brauchten.
Auch der damalige Oberst und heutige General Antonow weiß über die Schwierigkeiten des sowjetischen Vormarsches einen eigenen Bericht zu liefern. Am späteren Nachmittag des 16. April stand Antonow mit seiner
Division bei Wulkow vor der schwach ausgebauten und noch schwächer besetzten zweiten deutschen Linie der Oderfront. "Dort machten wir zwischen Gusow und Wulkow", erzählt Antonow, "die Bekanntschaft mit der HJ."
SPIEGEL: "Ein sowjetischer Kriegsbericht besagt, die Jungens seien betrunken gewesen. Ist das richtig, Herr General?"
Antonow: "Es ist wahr, sie standen unter Alkohol. Ich sage nicht, sie seien betrunken gewesen, aber sie waren angetrunken. Sie gingen ohne jede artilleristische Vorbereitung in den Kampf, und es kam an einigen Stellen zu Nahkämpfen. Die HJ besaß Ausweise, deren vorderer Umschlag an der Innenseite ein Hitlerbild zeigte. Wir nahmen, die Burschen gefangen, und als sie am nächsten Tag wieder einigermaßen zu sich gekommen waren, verlangte einer ihrer Offiziere ..."
SPIEGEL: "... SS-Offiziere?"
Antonow: "Gewiß ... mit mir zu sprechen. Er wollte wissen, wie sich die jungen Soldaten benehmen sollten, um zum Ausdruck zu bringen, daß sie keine Feinde mehr seien. Sie hätten eingesehen, daß der Zusammenbruch unmittelbar bevorstünde, und sie seien so jung und wollten das Ihre zu der Organisation neuen Lebens beitragen.
"Ich war zu sehr damit beschäftigt, meine Truppe zu führen, als daß ich mich um die Probleme der HJ hätte kümmern können. Ich schickte die Gefangenen mit ihren Offizieren ins Hinterland, schrieb jedoch eine ziemlich ausführliche Meldung über diese Begegnung mit den SS-Offizieren an meinen Korpskommandeur. Es war auch in dieser Gegend, daß ich auf das erste Lager mit Fremdarbeitern traf - so nannten Sie diese Leute doch?"
Tatsächlich quollen den Sowjettruppen Menschenmassen entgegen, die - unbewaffnet - nach Osten drängten: die Vorhuten der 800 000 Fremdarbeiter, die in und um Berlin als Industriearbeiter konzentriert waren und das Ende der Kampfhandlungen nicht abwarten wollten, sondern bereits zwischen den kämpfenden Truppen hindurch ihren Heimatländern entgegenwanderten.
Die Existenz dieser Massen auf dem sogenannten Schlachtfeld sagt auch etwas darüber aus, mit welcher "Härte" hier der Krieg geführt wurde.
Der vortrefflich deutsch sprechende, in seinem Äußeren an einen baltischen Baron erinnernde Sowjetschriftsteller Guss, der beobachtend und beschreibend auf dem Kriegsschauplatz herumwanderte, notierte sich: "Auf der Chaussee ein dichter Autostrom nach Westen: unsere Truppen. Ihnen entgegen ein dichter Strom von Fußgängern, die Hand- und Schubkarren, Wägelchen und sogar bespannte Fuhrwerke mit sich führen. Der große Auszug der Völker aus Berlin.
In der reinen Morgenluft wehen Fahnen aller Nationen über der viele Tausende zählenden Menge. Die französische Trikolore, die holländische und jugoslawische längsgestreifte, die belgische dreifach gestreifte Fahne! Dann eine italienische, eine polnische, wieder eine französische und so fort.
"Es kommen junge Männer und Greise, es kommen Frauen und Kinder. Eine Gruppe von Holländern zieht einen bis oben vollbepackten Karren. Die Männer tragen Arbeitskleidung, einer nur einen Pyjama, und alle haben auf den Köpfen glänzende, schwarze Zylinder. Sie singen und tanzen, während sie sich vorwärtsbewegen. "Ein Huhn, angebunden, thront auf dem Wagen den eine französische
Familie zieht. Ein kleines Mädchen, das auf einem von drei Männern gezogenen Karren sitzt, hält eine riesige Puppe auf dem Schoß. Ein Hündchen ist sorgfältig in eine Plaidhülle eingewickelt, es wird von einem italienischen Mütterchen getragen. Und da ist auch eine Katze in einem Papageienkäfig."
General Antonow erinnert sich ebenfalls an eine Begegnung mit Fremdarbeitern in einem Lager bei Wulkow: "Meine Leute hatten gerade die Deutschen aus dem Gebiet um das Lager vertrieben. Nun sah ich, wie die Arbeiter mit bloßen Händen den Stacheldraht an vielen Stellen auseinanderrissen, mit allmählich blutenden Händen, und durch die Löcher ins Freie strömten. Sie waren entsetzlich mager und erschöpft.
"Sie kamen schreiend und Arme schwenkend auf mich zu, als sie in mir einen Kommandeur erkannten. Ich wollte ihnen entgegengehen, aber mein Arzt verbot es mir."
SPIEGEL: "Ihr Arzt?"
Antonow: "Der Divisionsarzt. Er war in meinem Stab. Hören Sie, Genosse Oberst, sagte er, das ist lebensgefährlich für Sie. Man muß diese Lager und seine Insassen erst desinfizieren, man weiß nicht, an welchen Krankheiten diese Menschen leiden. So sah ich aus der Ferne zu, wie sie aus dem Lager heraus zu einem kleinen Teich gingen und sich dort am Ufer ein wenig zu reinigen suchten.
"Viele kamen aber doch näher zu uns heran und riefen: Klib, klib! Sie wußten wohl, daß chleb das russische Wort für Brot ist. Ich ließ eine Feldküche meiner Division beim Lager abstellen."
Am nächsten Tag aber, am 17. April, kam der sowjetische Angriff in Fluß. Die zweite Verteidigungslinie an der Oderfront wurde an diesem Tag von dem XI. Panzerkorps im Raum Werbig durchbrochen.
Um zehn Uhr trat das Korps in Verbindung mit der 35. Garde-Schützendivision, die ihm unterstellt worden war, nach einem starken Feuerschlag zum Angriff an. Inzwischen hatten die Sowjets bereits ihre Artillerie auf die Höhen nachgezogen. Da wurde nordwestlich von Werbig, so erzählt der Korpskommandeur J. J. Juschtschuk, die 65. Panzerbrigade von 42 deutschen Panzern, einer Sturmgeschützabteilung und Infanterie angegriffen.
Die Brigade holte die schweren Panzer des 50. Garde-Panzerregiments zu Hilfe und schlug den örtlichen deutschen Gegenangriff ab. 20 deutsche Panzer blieben im Gelände liegen, die Zahl der sowjetischen Verluste kennt Juschtschuk nicht. Zugführer Gnilomedow und Oberleutnant Kostjuk wurden an Ort und Stelle zu "Helden der Sowjet -Union" ernannt, sie durften künftig den Goldenen Stern am Roten Band tragen.
Um 10.30 Uhr waren die Sowjets schon in Neu-Werbig und marschierten nun nördlich von Seelow weiter, während die 36. Panzerbrigade südlich Seelow Gelände gewann. Die sowjetischen Kräfte hatten um zwölf Uhr mittags freies Gelände hinter der sogenannten zweiten deutschen Linie erreicht.
Von da an bis Berlin gab es keine "Linien" mehr, sondern nur noch Stützpunkte, Stellungen, von schwachen Einheiten verteidigte Dörfer, Gehöfte, Waldstücke, Hügelkuppen, Bachläufe, Flüßchen und Geländefalten.
Mit einem gewissen Bedauern registriert Juschtschuk, es sei seinen Panzern tagelang nicht gelungen, sich von den Schützen-Verbänden Tschuikows zu lösen und das bei Panzern übliche Tempo anzuschlagen. Seen, Flüsse und Kanäle hätten die Bewegungsfreiheit beengt, die Panzer seien mit der Infanterie, die teilweise aufsaß, nur langsam vorangegangen.
So rückte die Rote Armee über das Flüßchen Fliess und kam nach Wulkow hinein; der Versuch, Görlsdorf (südlich von Wulkow) aus der Bewegung heraus zu nehmen, scheiterte. "Die Brigade", schreibt Juschtschuk, ohne sich wohl darüber klar zu sein, was er damit über die Kampfweise der Sowjets aussagt, "erlitt unbedeutende Verluste und zog sich in den Wald zurück, 0,5 Kilometer ostwärts von Görlsdorf."
Und wenig später heißt es: "Die erfolgreiche Kampftätigkeit des Korps am Lauf der Fliess und das schnelle Erreichen des Raumes von Wulkow und Trebnitz sind dadurch zu erklären, daß das Korps an seinem rechten Flügel eine sehr schwache Stelle in der Abwehr des Gegners gefunden hatte."
Was der Kommandeur eines Panzerkorps als "erfolgreiche Kampftätigkeit" bezeichnet, enthüllt zugleich einen Erfolgsmaßstab, der auf ein Minimum herabgesunken war. In allen ihren früheren Offensiven seit Stalingrad legten die sowjetischen Heerführer durchaus andere Maßstäbe an.
Die bei Seelow - und zuvor hundertmal gegenüber größeren Objekten - erfolgreiche Methode, einen verteidigten Ort beiderseitig zu umgehen und die dadurch eingeschlossenen Kräfte erst einmal sich selber zu überlassen, wurde auch gegenüber den an Buckow angelehnten deutschen Kräften angewendet:
Das Panzerkorps teilte sich in zwei operative Gruppen - in die von Buckow aus vorgehende Gruppe Nord, die aus zwei Brigaden, zwei Regimentern, zwei Batterien Flakartillerie und zwei Werferabteilungen bestand und vom Korpskommandeur persönlich geführt wurde; und in die südlich vorgehende Gruppe, zusammengesetzt aus zwei Panzerbrigaden unter dem Befehl des Korps-Stabschefs Gritschenko.
Bei dieser Zangenoperation im Dorfmaßstab, die mit enormen Kräften ausgeführt wurde, fiel die kleine Siedlung Eggersdorf an die Sowjets. Wie Leutnant Kraslijnikow die Siedlung eroberte, wird so beschrieben:
"Auf gedeckten Wegen und getarnt näherte sich der Aufklärungstrupp von Nordwesten den vordersten Häusern der Ortschaft. Durch Befragen der Ortsbevölkerung und persönliche Beobachtung stellte der Leutnant fest, daß in Eggersdorf viel Hitler-Infanterie, aber keine Panzer standen. Er entschloß sich, die Stärke des Gegners angriffsweise aufzuklären. Mit Höchstgeschwindigkeit drang er mit seinem Panzer in die Ortschaft ein.
"Seinem Beispiel folgten auch die übrigen Besatzungen. Die Vernichtung der Hitler-Infanterie begann. Die Faschisten gingen zurück, aber überall wurden sie von unseren Panzern und Sturmgeschützen gefaßt. Einige Geschütze der Faschisten eröffneten noch ein regelloses. Feuer. Bald waren die Geschütze der Faschisten von unseren Panzern vernichtet."
Aus dem Bericht geht auch her vor, wie stark die deutschen Kräfte in dieser Dorfschlacht waren: drei Panzerabwehrkanonen, Kaliber 7,5 Zentimeter, und 70 Soldaten. Es ist angesichts dieser Streitmacht schwer, nicht zu glauben, es sei eine Parodie über den Krieg beabsichtigt gewesen.
Der Bericht aber ist in seiner Übertreibung typisch für die veröffentlichte und nicht veröffentlichte Literatur über die letzten Sowjetoperationen um die Reichshauptstadt.
Zerlegte man den Vormarsch der Ersten Weißrussischen Heeresgruppe in seine Phasen, so ergäbe sich allenthalben ein ähnliches Bild. Nur unkritische Leser könnten den Berichten entnehmen, hier sei noch einmal ein Kampf auf Leben und Tod entbrannt.
In Wahrheit war es ein Kampf auf Leben, und man findet in der Geschichte moderner Kriege kaum so viele vernünftige Soldaten vereinigt wie unter Schukow in der sogenannten Schlacht um Berlin, es sei denn die Soldaten Eisenhowers und Montgomerys östlich des Rheins. Keiner hatte es eilig.
Hinzu kam freilich, daß der Befehl für die Einnahme Berlins - wie Tschuikow vermerkt - "leider etwas hastig ausgearbeitet worden" war.
Die sowjetische Heerführung hatte eine doppelte Zangenbewegung geplant. Die eine wurde von den Armeen der Ersten Weißrussischen Heeresgruppe allein ausgeführt. Ergebnis: Berlin wurde im Osten und Norden, von Karlshorst bis Siemensstadt, von zwei Panzerarmeen und mehreren Schützenarmeen umschlossen.
Als sich am 24. April das auf dem linken Flügel kämpfende 28. Korps der 8. Gardearmee mit Voraustruppen der 3. Garde-Panzerarmee von Konjews Erster Ukrainischer Heeresgruppe beim Flugplatz Schönefeld vereinigte, umfaßte dieser innere Ring die Reichshauptstadt nun auch im Süden und wies nur noch im Westen ein Loch auf.
Dieses Loch wurde durch eine noch viel weiter ausgreifende Zangenbewegung geschlossen, und zwar von den Truppen Schukows, die von Norden, und von den Truppen Konjews, die von Süden heranmarschierten und sich im Raum Potsdam begegneten. Sie berührten sich zum erstenmal bei Ketzin am 25. April: Die Falle Berlin klappte zu.
Im ursprünglichen Plan war die Teilnahme der Heeresgruppe Konjew an der Einschließung Berlins nicht vorgesehen, ja man hatte Schukow gerade mit der Versprechung, er werde Berlin allein besetzen, aus dem Hauptquartier in Moskau zur Übernahme des Frontkommandos weggelockt.
Konjew sollte südlich Berlins zur Elbe vorstoßen - was er auch tat und was zu der berühmten ersten Begegnung zwischen amerikanischen und sowjetischen Truppen bei Torgau am 25. April führte.
Aber Stalin, nach wie vor höchst unzufrieden mit den Fortschritten der Schukow-Armeen nach dem 16. April, befahl ohne Benachrichtigung Schukows der Ersten Ukrainischen Heeresgruppe, mit Teilen nach Norden einzudrehen und sich in die Operation gegen Berlin einzuschalten. Die erste Nachricht davon erreichte Schukow auf dem Dienstwege: Tschuikows Armeestab meldete der Heeresgruppe die Berührung mit Konjews Truppen bei Schönefeld.
Am Abend des 24. April klingelte auf Tschuikows Gefechtsstand der Apparat, der ihn über eine Direktleitung mit dem Oberbefehlshaber verband. Bevor Tschuikow auch nur ein Wort sagen konnte, hörte er die herrische und in diesem Augenblick bitterböse Stimme Schukows: "Woher haben Sie die Nachricht, daß die Truppen des Marschalls Konjew vom Süden her auf Berlin vorrücken?"
Tschuikow antwortete: "Genosse Marschall, die auf dem linken Flügel des XXVIII. Schützenkorps kämpfenden Truppenteile haben heute morgen sechs Uhr iii der Gegend des Flugplatzes Schönefeld mit den Panzern der 3. Panzerarme des Genossen Rybalko Verbindung aufgenommen."
"Wer hat das gesehen? Wer hat das gemeldet?"
"Der Korpskommandeur, General Ryschow."
Schukow wollte es nicht glauben. Ihm war, als bräche vor ihm sein eigenes Denkmal zusammen, war er doch nun nicht mehr der alleinige Herr auf dem Schlachtfeld Berlin. Und weil er es nicht glauben wollte, befahl er, Tschuikow müsse zuverlässige Stabsoffiziere "in einige Ortschaften südlich Berlins" schicken, um festzustellen, welche Truppen Konjews sich dort in Richtung Stadt Berlin bewegten.
Mit anderen Worten: Der große Marschall betrieb eine Art Feindaufklärung im Bereich der Sowjetarmee. Da erst dämmerte Tschuikow, was eigentlich vorgegangen war: daß Stalin den Marschall Schukow gar nicht gefragt hatte, als er Konjew aus Ärger über die geringen Fortschritte der Schukow-Armeen befahl, auf Berlin einzuschwenken.
Tschuikow kommentiert: "Daher also das schlechte Wetter! Zum Teufel mit dieser verfluchten Ruhmsucht!"
Doch dem Marschall Schukow blieb eine Genugtuung: Gerade im Bereich von Konjews Heeresgruppe gelang den Deutschen der einzige größere Erfolg in der ganzen Berlin-Operation - der Durchbruch der 9. Armee. Sie schlug sich bis in die amerikanisch besetzten Gebiete hinter der Elbe durch.
Das unübersichtliche, wald- und wasserreiche Spreegebiet hatte Konjew beiderseits umgangen und damit die 9. Armee eingeschlossen, die von Hitlers Befehlen an diesen Platz festgenagelt worden war. Der Befehlshaber, General Busse, beschloß, nach Westen auszubrechen.
Außerhalb der Einschließung, Berlins südlichem Stadtrand am nächsten, befand sich das zum Verband der 9. Armee gehörende LVI. Panzerkorps unter dem Befehl von General Weidling. Weil Hitler den eingeschlossenen, aber ausbruchsbereiten Busse nicht zu sich in den Bunker befehlen konnte, ließ er Weidling zitieren, in der Absicht, ihn erschießen zu lassen, weil Weidling angeblich ohne Befehl seinen Gefechtsstand nach Westen verlegt hatte.
Statt aber erschossen zu werden, verließ Weidling seinen Führer mit dem Befehl, sein LVI. Korps den Verteidigungskräften der Reichshauptstadt einzufügen und selbst den Befehl im Osten und Südosten Berlins zu übernehmen. Erst mit dem Tod bedroht, dann befördert - diese Szene kennzeichnet den Zustand der deutschen Führung.
Nur im Abschnitt dieses LVI. Korps berührten die Bewegungen der 9. Armee die Verteidigungsfront von Berlin. Immerhin gelang es der Armee, mit ihrem Gros die sowjetischen Stellungen erst auf der Linie Zossen - Baruth und dann noch einmal bei Beelitz zu durchbrechen und sich dort mit der 12. Armee zu vereinigen.
Damit rettete sie sich, wenn schon nicht ins Freie, so doch wenigstens in westliche Gefangenschaft, und darin ist auf deutscher Seite die einzige militärische Handlung in der "Schlacht um Berlin" zu sehen, die noch einen gewissen Offensivgeist verrät.
Daß sie sich im Bereich von Konjews Truppen abspielte, muß Schukow späterhin, als er den Sachverhalt überblickte, mit tiefer Befriedigung erfüllt haben. Allerdings war der deutsche Durchbruch gerade deshalb möglich, weil starke Kräfte Konjews auf Stalins Befehl Schukow in Berlin unterstützen mußten.
Mit dem 24. April, mit der Einschließung Berlins, beginnt der letzte Akt, wiederum nicht ohne Pomp und Pathos. In Moskau schossen die dortigen Garnisonen für die Soldaten der beiden auf Berlin vorrückenden Heeresgruppen Ehrensalute von 20 Artilleriesalven. Als sich amerikanische und sowjetische Soldaten am 25. April bei Torgau in die Arme fielen, schoß Moskau zu Ehren der Ersten Ukrainischen Heeresgruppe sogar einen Salut von 24 Artilleriesalven.
"Salut" war auch das Kennwort für zwei Großangriffe der sowjetischen 16. Luftarmee, die am 25. April mit 1486
Flugzeugen geflogen wurden. Von da an beherrschten die Sowjets auch den Himmel über Berlin, von dem die Amerikaner und Engländer verschwanden.
Am 20. April, zu Ehren des Geburtstages Hitlers, lag das Artilleriefeuer der Sowjets zum erstenmal auf dem eigentlichen Stadtgebiet. Die Russen hatten eigens zu diesem Zweck einige weittragende Langrohrgeschütze ganz nahe an die Stadt herangefahren, mit denen sie einige Salven ins Zentrum setzten, darunter auch auf den Potsdamer Platz.
Die Bevölkerung wurde davon wenig beeindruckt. Da die Bombenangriffe schon seit Tagen ohne jede Vorwarnung auf die Stadt niedergingen, war es den Berlinern gleichgültig, ob es sich um
Bomben oder Granaten handelte. Desto stärker war die Wirkung dieses Artilleriebeschusses auf die Führung und auf Hitler selbst.
An seinem Geburtstag scheint ihm in der Tiefe des Bunkers das Artilleriefeuer noch entgangen zu sein, aber in der Frühe des 21. April zeigte er sich alarmiert. Er telephonierte mit General Koller, dem Generalstabschef der Luftwaffe, der mit seinem Stab in Wildpark-Werder westlich der Stadt lag. Hitler sprach vom Bunker aus.
Hitler: "Wissen Sie, daß Berlin unter Artilleriefeuer liegt? Das Stadtzentrum."
Koller: "Nein."
Hitler: "Hören Sie denn nicht?" Koller: "Nein! Ich bin in Wildpark -Werder."
Hitler: "Starke Aufregung in der Stadt über Artilleriefernfeuer. Es soll eine Eisenbahnbatterie schweren Kalibers sein. Die Russen sollen eine Eisenbahnbrücke über die Oder haben. Die Luftwaffe hat die Batterie sofort auszumachen und zu bekämpfen."
Koller: "Der Feind hat keine Eisenbahnbrücke über die Oder. Vielleicht hat er eine schwere deutsche Batterie nehmen und herumschwenken können. Wahrscheinlich aber handelt es sich um mittlere Kanonen,des russischen Feldheeres, mit denen der Feind bereits in die Stadt reichen muß."
Der Führer hätte die Eisenbahngeschütze weitaus lieber vor Berlin gesehen. Beschuß durch Feldartillerie zeigte ihm, wie die Sache wirklich stand. Alles ging dem Ende entgegen. Die Panzer des sowjetischen XI, Korps drangen in die Vorstädte ein. Wieder sahen die sowjetischen Soldaten Schilder am Straßenrand stehen. Darauf war zu lesen: Stadt Berlin-Teufelsstadt.
Die Sowjets hatten das Bedürfnis, den Krieg als große Oper zu spielen. Selbst die Memoiren ihrer Militärs lesen sich zuweilen wie Textbücher zu Wagner -Musik. Hingegen ist ihnen das glitzernde Selbstlob fremd, das man in deutschen Kriegserinnerungen findet.
Der Chef eines sowjetischen Panzerkorps berichtet: "Da ist sie, die Höhle des faschistischen Ungeheuers! Die Stadt, in der die hirnverbrannten Pläne zur Niederwerfung der Völker Europas geboren wurden. Der Panzer von Plechanow war der erste. Die Panzermänner vernichteten an der Ecke Frankfurter Straße ein faschistisches Panzerabwehrgeschütz und hielten an. Der Fahrer, Sergeant F. N. Samotes, öffnete die Luke, und Plechanow stieg aus dem Panzer. Leute umringten die furchterregende sowjetische Maschine.
"'Seid gegrüßt, Ihr Teuren!', 'Unsere Panzer sind gekommen!', 'Es lebe Rußland!', erklangen Rufe. Diese russischen Mädchen und Burschen, die in die hitlerische Unfreiheit verschleppt worden waren und jetzt von der Sowjetarmee befreit wurden, kamen unseren Panzerschützen entgegen.
"Sie boten ihnen all das, womit die lieben Soldaten-Befreier beschenkt und bewirtet werden konnten: Blumen, Süßigkeiten, Früchte, Bier. 'Entschuldigt, Genossen, aber wir haben keine Zeit!', rief Plechanow den sich Versammelnden zu. Die Panzer rollten erneut vorwärts."
Das Bier wurde nicht nur von befreiten Sowjetbürgern den Sowjetsoldaten kredenzt. Sie gingen in den Vororten und in der Stadt schon während ihres Vormarsches zuweilen in die nächste Kneipe, ließen sich Gläser vollschenken, tranken sie unter Späßen aus und bestiegen wieder ihre Fahrzeuge. Sowjetsoldaten erzählen sich von diesem gemütlichen Krieg, der in ihrer offiziellen Literatur nicht einmal andeutungsweise vorkommt, untereinander mit Behagen.
Der einzelne Sowjetveteran, unter dem man sich 1965 durchaus keinen alten Herrn vorzustellen hat, denn viele Soldaten waren damals sehr jung (zwischen 20 und 25), ist im Gespräch alles andere als pathetisch. Eine Geschichte, ohne Heldentat weiß der ehemalige Panzerleutnant Viktor Bojew in Moskau zu berichten.
Er befand sich mit seiner Truppe am 26. April 1945 in Siemensstadt, wo nicht mehr gekämpft wurde. Die Russen waren über Tegel und Jungfernheide in die Stadt gekommen. 1965 erzählte Viktor Bojew, der zum XXII. Panzerkorps gehörte, dem SPIEGEL:
"Wir lagen in einem Quartier in Siemensstadt, die Straßen waren wie ausgestorben. Wir saßen in Bunkern, denn der ganze Bezirk lag unter Feuer. Es sah nach einer Überraschung aus, und ich hatte den Eindruck, daß unsere Führung äußerst vorsichtig operierte. Wir rührten uns eine ganze Weile nicht aus Siemensstadt heraus.
"Wir gingen durch die Häuser. Alle Wohnungen standen offen. Keine Menschen waren zu sehen. In einem Schlafzimmer sah ich ein Bild, das ich nicht vergessen werde. In ihren Ehebetten lagen zwei ältere Leute, die sich vergiftet hatten. Auf einem Nachttisch standen die Gläser, die sie ausgetrunken hatten; daneben lagen, sich berührend, ihre Eheringe. Hinter den Gläsern stand das gerahmte Bild eines gefallenen Sohnes.
"Da besuchten uns zwei Kriegsberichterstatter, der eine von der 'Prawda' und der andere von der 'Iswestija'. Sie stifteten mich, weil ich deutsch sprach, zu einer Sache an, die sich nachher als keine sehr gute Idee erweisen sollte. Wir kamen nämlich auf den Gedanken, über das noch funktionierende Telephon Goebbels anzurufen. Es lag an mir, das Gespräch zu führen.
"Der Apparat stand im ersten Stock des Hauses, in dessen Keller wir kampierten. Ich wählte zunächst die Nummer der Auskunft und erkundigte mich nach dem Anschluß des Propagandaministeriums. Dann bekam ich die Vermittlung des Ministeriums und verlangte Dr. Goebbels. Es kamen verschiedene Personen nacheinander an den Apparat und sagten: 'In welcher Angelegenheit?' Ich erklärte, ich spräche aus Siemensstadt, und es handle sich um eine dringende persönliche Sache.
"Zuletzt erreichte ich eine Frau, die wahrscheinlich seine Sekretärin war und die mich wiederum nach dem Zweck meines Anrufes fragte. Ich machte die Sache so dringend, daß sie sagte, der Herr Reichsminister befände sich zwar in einer Sitzung, aber sie bäte ihn ans Telephon.
"Tatsächlich hatte ich wenige Minuten später Goebbels am Telephon, und ihm gegenüber erklärte ich nun, ich sei ein russischer Offizier, der aus Siemensstadt telephoniere.
"Diese Mitteilung schien Goebbels nicht weiter in Verwunderung zu versetzen, und er führte das Gespräch in einem ruhigen und selbstverständlichen Ton. Wenn wir von vornherein gewußt hätten, daß unser Plan gelänge, hätten wir uns natürlich darauf vorbereitet.
"So aber wurde es von meiner Seite aus ein ausgesprochen dummes Gespräch, zumal mir die beiden Korrespondenten fortwährend neue Fragen ins Ohr flüsterten und mich aufforderten, undruckbare Beschimpfungen ins Telephon zu sprechen. Das tat ich jedoch nicht. Was ich Goebbels fragte, sehen Sie hier."
Viktor Bojew holte aus seiner Brieftasche ein etwas vergilbtes, doppelt gefaltetes Papier hervor, das mit Blaustift beschrieben ist.
SPIEGEL: "Ist das eine Notiz, die Sie sich damals machten?"
Bojew: "Nein, das ist die Meldung selbst. Sie müssen wissen, daß die beiden Korrespondenten sofort nach dem Gespräch weggelaufen sind, um ihrerseits die Sache aufzuschreiben und zu berichten. Durch sie verbreitete sich die Nachricht, daß ein Gespräch mit Goebbels stattgefunden habe; die Nachricht erreichte auch den Generalobersten Bogdanow, den späteren Marschall der Panzertruppe. Nach einer halben Stunde war bereits ein Melder bei mir, der mir in großer Aufregung befahl, ich solle sofort eine Raspiska schreiben.
"Raspiska heißt auf russisch eigentlich Quittung und nicht Meldung. Das Wort hat in diesem Zusammenhang wenig Sinn. Der Melder war ein Provinzler und hatte seinen Auftrag wohl nicht ganz richtig verstanden: Die handschriftliche Niederschrift meiner Meldung, eben jene, die vor Ihnen liegt, überschrieb ich jedoch mit dem Wort 'Raspiska', weil es der Melder gebraucht hatte. Ein Soldat tut, was man ihm befiehlt.
"Diese Niederschrift wurde für den Generalobersten mit der Maschine abgeschrieben, und ich bekam meine Urschrift zurück. Sie verstehen, daß ich sie aufgehoben habe.
"Der Generaloberst tobte über meine Meldung, weil in diesem Augenblick für uns durchaus, noch nicht feststand, ob die Deutschen wirklich nichts mehr hatten; außerdem waren er und unser ganzes Armeekommando der Ansicht, daß man ein solches Gespräch auf ganz andere Weise für eine Kapitulationsverhandlung hätte benutzen müssen. Ich bin überzeugt, daß die Sache für mich schlecht ausgegangen wäre, wenn der deutsche Widerstand tatsächlich noch länger angehalten hätte. Mich rettete nur der rasche Erfolg unserer Truppen:"
Hier ist der Wortlaut dieser Meldung: Raspiska
Ich bin von dem Chef des Operationsstabes aufgefordert worden, über mein Telephongespräch mit Dr. Goebbels zu berichten. Die Verbindung gelang, und ich führte über das Berliner Telephonnetz ein Gespräch mit dem Reichspropagandaminister Dr. Goebbels. Das Gespräch verlief wie folgt:
G.: Dr. Goebbels.
V. B.: Hier spricht ein russischer Offizier. Ich möchte ein paar Fragen an Sie stellen.
G.: Bitte.
V. B.: Wie lange sind Sie imstande und willens, um Berlin zu kämpfen?
G.: Mehrere ... (das weitere war für mich unverständlich).
V. B.: Was mehrere? Wochen?
G.: O nein, Monate. Warum nicht Monate? Ihr habt Sewastopol neun Monate verteidigen können. Warum wir nicht unsere Hauptstadt?
V. B.: Noch eine Frage: Wann und in welcher Richtung wollen Sie aus Berlin fliehen?
G.: Diese Frage ist viel zu unverschämt, um beantwortet zu werden.
V. B.: Sie müssen im Auge haben, wir werden Sie ausfindig machen, und sei es auch
am Ende der Welt. Und einen Galgen für Sie halten wir schon bereit.
Hier wurden einige unverständliche Stimmen im Hörer laut.
V. B.: Möchten Sie mich auch etwas fragen?
G.: Nein.
Aufgelegt.
Für solche Soldatenschnurren zeigten freilich die sowjetischen Armeeführer wenig Verständnis. Sie fühlten Stalins Mißvergnügen über das langsame Tempo.
Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe drückte auf die Armeeführer, diese auf die Korpskommandeure, die wiederum auf die Divisionskommandeure. Auch Oberst Antonow und seine 301. Division standen unter Pression. Es war am 26. oder 27. April, genau erinnert sich Antonow des Datums nicht mehr, als sein Korpskommandeur bei ihm anrief und zu ihm sagte: "Was ist eigentlich bei dir los? Warum kommst du nicht schneller vorwärts?"
Antonow reagierte auf diese Frage ärgerlich und erklärte: "Genosse General, vielleicht kommen Sie einmal auf meinen Gefechtsstand in der Neuen Jakobstraße." Der General konnte sich davon überzeugen, daß es in jenen letzten Tagen in Berlin schwierig war, Krieg zu führen.
"Wir rückten vor", berichtet Antonow, "und plötzlich ..."
SPIEGEL: "Eine Zwischenfrage, Herr General. War Ihre Division motorisiert oder bespannt?"
"Wir hatten auch motorisierte Teile in der Division", erklärte Antonow ausweichend. Er wollte offenbar nicht zugeben, daß er eine jener Divisionen befehligt hatte, deren Pferde nachher das Gras der Berliner Parks fraßen und am Kurfürstendamm auf die Weide gingen.
Das Erscheinen weidender Militärpferde mitten in Berlin machte einen so nachhaltigen Eindruck, daß sich bis heute im deutschen Urteil über die Sowjetarmee der Satz gehalten hat: "Die hatten ja nichts." Die 40 000 Geschütze an der Oder, die Abertausende von Werferbatterien, die unübersehbaren Panzer-Herden konnten es in der Optik mit den dienstverpflichteten Russenpferden nicht aufnehmen.
Ob Pferd oder Panzer - die Russen kamen in Berlin nur mühsam voran. Antonow erzählt: "Da hatten wir uns wieder um einen Häuserblock vorgekämpft. Die Geschütze wurden nachgezogen und währenddessen lag eine Straße wie ausgestorben vor uns."
SPIEGEL: "Was machten Sie eigentlich mit den Geschützen in der Stadt ohne Schußfeld?"
Antonow: "Wir konnten nicht viel mit ihnen machen. Wir schossen vor allem mit den Katjuschas (Werferbatterien). Die montierten wir von ihren Fahrlafetten ab und trugen sie auseinandergelegt in die obersten Stockwerke erhaltener Häuser, bauten sie auf den Speichern auf und schossen durch das abgedeckte Dachgerüst hindurch.
"Was ich aber eigentlich erzählen wollte und wovon sich auch der Korpschef überzeugte, als er mich auf meinem Gefechtsstand besuchte, war folgendes: Die Straße lag wie ausgestorben vor uns. Aber sie war nicht ganz ausgestorben. Auf den Dächern und hinter den obersten Fenstern lagen Scharfschützen, und wer sich zeigte, dem pfiffen die Kugeln um die Ohren. Am Ende der Straße sah ich plötzlich ein paar Leute auftauchen. Soldaten? Nein. Alte Leute, Frauen, Kinder. Es wurden mehr und immer mehr, und plötzlich war die Straße voll.
"Aber ein paar Augenblicke später, als dieser Menschenzug nur noch hundert Meter von uns entfernt war, begannen die Deutschen aus ihren Verstecken heraus zu schießen, und zwar nicht nur auf uns, sondern auch auf die Zivilmassen. Es spielten sich entsetzliche Szenen ab."
SPIEGEL: "War das ein einmaliges Ereignis, Herr General?"
Antonow: "Wir erlebten Ähnliches immer wieder in dem Streifen, in dem wir vorrücken sollten. Die Zivilbevölkerung verließ die Keller und strömte uns entgegen in dem Bestreben, den Krieg wenigstens in ihrer Straße, in ihrem Viertel zu beenden. Das erklärt warum wir so langsam vorankamen. Aber schließlich näherten wir uns doch dem Zentrum, und mein letzter Gefechtsstand lag am 29. April im Hauptquartier der Gestapo beim Anhalter Bahnhof."
SPIEGEL: "War die Einrichtung bei der Gestapo noch in Ordnung - waren noch Akten vorhanden?"
Antonow: "Nichts, alles war eine Trümmerstätte. Papier lag in Massen herum, vielleicht waren es wichtige Akten. Wir hatten kein Interesse dafür. Unser Auftrag lautete, die Reichskanzlei zu stürmen. Darauf bereiteten wir uns nun vor."
Die Reichskanzlei wurde nicht erobert, sie wurde schließlich besetzt. Erobert werden mußte der Reichstag. Er, nicht Hitlers Amtssitz, wurde wirklich verteidigt, hier entbrannte der Kampf, wenn auch keine Schlacht.
Es mußte seltsam berühren, daß den Sowjets gerade der Reichstag, von den Abgeordneten nach dem Brand im Jahre 1933 verlassen und nur noch ein leeres Gemäuer mit zugemauerten Fensteröffnungen und Türen, als Sinnbild Deutschlands galt. Aber für die Sowjetkommunisten war und ist mit dem Brand des Reichstages im Februar 1933, den sie selbstverständlich einzig und allein den Naziführern anlasten, die Vorstellung verbunden, damit habe das Dritte Reich begonnen und die Weimarer Republik geendet. Auch die mit dem Namen Bismarck und also mit "seinem" Reichstag verbundenen Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland spielen hier herein: Eine weit zurückreichende Tradition, die auch für die Kommunisten lebendig war.
Das "Glück" der Reichstags-Eroberung fiel drei Schützenbataillonen zu, wie Mednikow erzählt, ein Kriegsberichter, der den historischen Sturm auf den Reichstag detailliert beschreibt. Mednikow berichtet:
"Gegen Mittag des 28. April rückte ein Bataillon in Richtung Spree vor. Zur gleichen Zeit erhielt der Kommandeur des Regiments, Oberst F. M. Sintschenko, das rote Banner, eines von jenen ... Bannern des Armee-Kriegssowjets, die eigens für das Aufpflanzen auf der Kuppel des Reichstags bereitgestellt worden waren.
"Nachdem er das Banner erhalten: hatte, benachrichtigte Sintschenko davon die Kommandeure aller seiner Bataillone, darunter auch den 23jährigen Hauptmann Stepan Andrejewitsch Neustrojew, geboren in der Stadt Berezowsk. Neustrojew betrachtete den Ort, an dem er- sich befand. Er sah vor sich mindestens drei Stützpunkte des Gegners, die ihn am Vordringen zum Reichstag hinderten. Es waren die Spree, das Haus Himmlers (ein Amt des Reichsinnenministeriums) und der Königsplatz
"'Das sind also drei Nüsse', sagte er zu dem Vertreter der Politabteilung, Leutnant Berest. 'Ich meine, sie sind ganz schön hart.'
"Berest, ein junger Offizier von heiterem und ruhigem Wesen, legte den Feldstecher an die Augen. 'Wir werden sie knacken, Andrejewitsch! Wir müssen uns als erste zum Reichstag durchkämpfen. Ich würde es als Auszeichnung für den Dienst in diesem ganzen Krieg ansehen.'
"'Einverstanden. Dort wird es sich herausstellen. Jetzt alles der Reihe nach. Vor uns liegt die Spree!' schloß der Bataillonskommandeur das Gespräch.
"Neustrojew sieht vor sich eine Brücke über den Fluß, die den Namen Moltkes trug. Bald sprengten die Deutschen selbst die Moltkebrücke, aber umsonst: Die Mitte der gebrochenen Brücke hing noch über dem Wasser durch. Und diesen Umstand wollte Neustrojew sich zunutze machen. In den ersten Stunden gelangten die Soldaten Neustrojews an einem Stahlseil der mächtigen Brücke über die Spree. Bis zum Reichstag blieben ihnen nicht mehr als 500 Meter, aber was waren das für Meter!
"Vor ihnen, den Weg versperrend, erhob sich ein großes, düsteres Gebäude mit Erdwällen vor den unteren Etagen, mit Wänden von zwei Metern Dicke, mit Fenstern und Türen, die durch Ziegelsteine versperrt waren, mit Schießscharten in den Fensteröffnungen. Das war es also, das 'Haus Himmlers'.
"Am Morgen des 29. April begann die Attacke auf diese Nebenstelle des Innenministeriums mit einem Artillerieangriff. Danach schlichen sich Sturmtrupps des Bataillons Neustrojew an das Gebäude heran. Gegen Mittag besetzten sie den Eckteil des Hauses, der in Richtung Schlieffenufer liegt, und drangen in den Hof ein. Es begann ein Kampf um jedes einzelne Zimmer, ein langer, zäher und erbitterter Kampf.
"Das zur Festung gewordene Gebäude brannte. Der dichte Rauch nahm den Atem, machte blind und störte beim Vorankommen. Den ganzen Tag des 29. April und in der Nacht zum 30. führten die Bataillone von Neustrojew und Dawydow den Kampf von verschiedenen Seiten um dieses eine Gebäude. Erst gegen vier Uhr am 30. April war das Haus Himmlers erobert.
"Neustrojew richtete sich in einer unteren Etage ein, in einem Zimmer, dessen Fenster zum Königsplatz zeigten. Dieser Platz war durch kreuz und quer angelegte Schützengräben völlig aufgewühlt. Soviel der Bataillonskommandeur sehen konnte, erhoben sich unmittelbar neben dem Gebäude Verteidigungsnester des Gegners aus dem Boden. Die einzelnen Stellungen waren untereinander verbunden. Neustrojew rief den Chef einer Kompanie, den Sergeanten Sjanow, zu sich. Er sagte: 'Ilja Jakowlewitsch, kannst du dieses Haus da gut sehen?'
"'Die Hütte Hitlers', lachte Sjanow. "'Man kann es auch so bezeichnen, obwohl Hitler jetzt in einem anderen Haus sitzt.'
"'Es geht also um den Reichstag!?'
"'Ich stelle dir die Aufgabe, dich bis zu diesem Gebäude durchzukämpfen. Deine Kompanie wird vorangehen. Spürst du, was das für eine Aufgabe ist?'
"'Wird erfüllt, Genosse Hauptmann', antwortete Sjanow ruhig.
"'Laß dir Zeit, Ilja Jakowlewitsch, hör dir erst mal die Lage an. Dort ist eine Garnison - viele sind mit Faustniki (Panzerfäusten) ausgerüstet. Du kannst selbst sehen, wie sie feuern. Der Reichstag eignet sich gut für eine Rundumverteidigung. Also nicht umsonst Menschenleben aufs Spiel setzen.'
"Zur selben Zeit kam bei Neustrojew im 'Hause Himmlers' eine Gruppe von Kundschaftern des Bataillons an Sie wurden von Oberst Sintschenko geschickt. Die zwei jungen, kräftigen und gut trainierten Kundschafter trugen das Banner des Kriegssowjets. Es waren die Sergeanten Jegorow und Kantarija. Neustrojew betrachtete sie mit Zufriedenheit. 'Ihr werdet euch zur Kompanie Sjanow durchschlagen, überbringt meine Anordnung, daß sie euch mit Feuer unterstützen, wenn ihr mit dem Banner losstürmt. Ihr selbst rückt nicht weiter vor als die Kompanie, sonst werdet ihr umkommen.'
"Bald überwand dann das Bataillon den vor ihm liegenden Graben und drang zu der breiten Treppe vor, die in den Reichstag führt. Als erste kamen dort Pjatnizki, Jakomowitsch, Prygunow und Schtscherbina an. Pjotr Pjatnizki fiel.
"Die Kompanie Sjanow kämpfte sich ins Gebäude vor, wo ein Kampf um jedes Zimmer und jeden Korridor begann. Im Innern des Reichstages bildete sich eine 'Zimmerfront'. Sie zog sich bis in die oberen Etagen hinauf und reichte bis in die Kellerräume, wohin sich ein großer Teil der Verteidiger zurückgezogen hatte. Später, als er sich erinnerte, wie er über den Königsplatz geschlichen war, sagte Neustrojew: "Irgendeiner erzählte uns, daß am 30. April in Berlin ein Sonnentag gewesen sei. Das ist durchaus möglich. Aber uns schien, als ob wir in der Abenddämmerung kämpften. Ein solcher Rauch war über dem Platz, daß wir die Sonne nicht gesehen haben.'
"Zu dem Staub des Mauerwerks, das unter den Granaten zusammenstürzte, und zu dem Qualm aus benachbarten Häusern kam noch der Rauch aus dem Reichstag. Die Hitlersoldaten hatten ihn angesteckt. Es loderte in Dutzenden von Zimmern. Dennoch hielten sich unsere Soldaten in der ersten Etage.
"Neustrojew nahm telephonische Verbindung mit dem Kommandanten des Regiments auf, jetzt schon aus dem Reichstag: 'Ich habe kein Wasser mehr und nur noch wenig Munition', sagte er. Der Kommandant: Halte dich mit allen Kräften, ich schicke dir Leute mit Verpflegung und Munition.'
"Die von Sintschenko entsandten Soldaten konnten jedoch nicht bis zum Reichstag vordringen. Um 12.25 Uhr hingen Jegorow und Kantarija das Banner in der zweiten Etage auf und begaben sich zu Neustrojew, um ihm dies zu melden.
"Daraufhin stellte der Bataillonschef eine Sturmtruppe zur Begleitung der Bannerträger ab. An ihrer Spitze stand Leutnant Berest. In den oberen Etagen war weniger Rauch, es war auch nicht so heiß. Dennoch benötigte der Sturmtrupp Berest fast einen halben Tag, ehe er mit dem Banner bis zur Kuppel des Reichstages gelangte. Um 22.50 Uhr am 30. April wehte über dem Reichstag das Banner des Sieges."
Diese wichtige Zeitangabe erinnert den Chronisten daran, daß die berühmte Aufnahme (SPIEGEL -Titel 19/1965), auf der die Soldaten Jegorow und Kantarija die Rote Fahne am Dach des Reichstages befestigen, am hellen Tag gemacht worden ist. Die auf der Straße sichtbaren Soldaten bewegen sich frei und aufrecht, ihr Verhalten beweist mithin, daß in diesem Augenblick nicht mehr gekämpft wurde.
Auch zeigt eine nähere Betrachtung, daß der von dem Architekten Wallot entworfenen Kitschsäule jegliche Vorrichtung fehlt, an der die Fahne befestigt werden könnte. Der Soldat hält sie nur in dramatischer Pose schräg in die Luft. Mit anderen Worten: Die Bannerträger wurden am nächsten oder am übernächsten Tage nach Beendigung des Kampfes
noch einmal in Begleitung der Photographen auf das Reichstagsdach geschickt. Das weltberühmte Bild ist gestellt.
Es war Nacht, als die Fahne zum erstenmal wehte, aber damit war der Reichstag noch nicht vollständig in sowjetischer Hand. Die Verteidiger saßen im Keller. Als die Kellerbesatzung zur Kapitulation aufgefordert wurde, war es schon wieder hell. Die Deutschen aber kamen nicht heraus.
Es fand eine Art Kapitulationsverhandlung zwischen einem deutschen Oberstleutnant und dem Polit-Offizier Berest statt. Der Oberstleutnant verlangte, die Sowjets sollten sich aus dem Reichstag wieder zurückziehen, dann erst würden sie freiwillig den Keller verlassen: "Aber wir werden nicht durch Ihre Gefechtsordnung gehen."
Berest nahm den Vorschlag nicht an. Er sah, die Deutschen wollten Zeit gewinnen, sie hofften auf Entsatz von außen. Sie kannten die inzwischen entstandene Lage nicht. Mit Handgranaten gingen die Sowjets noch einmal im Keller vor. Dann kam ein anderer deutscher Offizier heraus und kapitulierte.
Aber nicht nur sowjetische Chroniken, auch deutsche Zeugen erzählen vom Sturm auf den Reichstag. Der ehemalige Unteroffizier zbV der 3. Schweren Flakbatterie der Abteilung 211, Gerhard Zilch, heute Oberpostinspektor, bestätigt, daß Mednikows Tatzeugen nicht übertreiben; der Reichstag war tatsächlich einer der ganz wenigen Punkte, an denen in Berlin gekämpft wurde.
Die Schilderung Gerhard Zilchs ist kennzeichnend für die Stimmung in einigen Truppenteilen während der allerletzten Tage:
"Der erste sowjetische Stoßtrupp, der in der Nacht zum 29. April in den
Reichstag eindrang", so berichtet Gerhard Zilch, "wurde von SS-Pionieren mit Flammenwerfern erledigt." Am Morgen wird das eine von den zwei noch brauchbaren Flakgeschützen seiner Batterie so weit vorgezogen, daß es die gesprengte, aber nicht gänzlich zerstörte Moltkebrücke unter Feuer halten kann, über die Neustrojews Soldaten klettern.
Auch Panzer waren dort, und einige schießt der 45jährige Oldenburger Groter mit seiner Kanone kampfunfähig. Dann bekommt sie einen Volltreffer, Groter stirbt durch Kopfschuß. Gleich darauf fällt auch das dritte und letzte Geschütz der Batterie aus. Krieg zu Ende, dachten die noch übrigen Flaksoldaten von Zilchs Batterie, und das dachte er selbst auch.
Zilch erinnert sich: "Aber nein, wir hatten wieder eine falsche Rechnung
gemacht. Jetzt traten die Nahkampfspezialisten in Aktion. Ihr Führer war der SS-Obersturmführer Babick, Kampfkommandant des Reichstages. Ich diente als Verbindungsmann zwischen den verbliebenen Flaksoldaten und dieser SS-Kampfgruppe. Sie gehörte zur SS-Division Nordland, die ihr Hauptquartier im Europa-Haus am Anhalter Bahnhof hatte.
"Babick machte jetzt Krieg, wie er ihn sich vorstellte. Unsere beiden Batteriechefs, Radloff und Richter, hatten keine Befehlsgewalt mehr. Sie waren nur noch Befehlsempfänger. Der Gefechtsstand von Babick befand sich nicht im Reichstag, sondern im Keller des Hauses Dorotheen-, Ecke Hermann-Göring-Straße, und zwar auf der Seite, die der Spree zugewandt ist. Dort war er in einem zivilen Luftschutzkeller, einem etwa 25 Quadratmeter großen Raum.
"An der Wand stand ein altes Sofa, davor ein Wohnzimmertisch, auf dem ausgebreitet die Karte vom Stadtzentrum Berlin lag. Auf dem Sofa saß ein älterer Kapitänleutnant, ihm zur Seite zwei Marine-Unteroffiziere. Außerdem befanden sich in diesem Keller ein paar SS-Angehörige, und im Zentrum von allen, über die Karte gebeugt, SS-Obersturmführer Babick.
"Er spielte den Feldherrn und ließ alle in diesem von Kerzen notdürftig erhellten Raum anwesenden Männer an seiner Kampfschulweisheit teilnehmen. Er sprach vom Endsieg, er verdammte die Feiglinge und Volksverräter und ließ niemanden darüber im Zweifel, daß er alle, die den Führer jetzt verlassen würden, standrechtlich erschießen werde.
"Dieser Gefechtsstand war für mich leicht durch einen Kellereingang zu erreichen, der vom Reichstag unter der Hermann-Göring-Straße hindurch in den Keller des Eckhauses der Dorotheenstraße führte. Durch diesen Gang lief auch ein dickes Heizungsrohr, das vermutlich im ehemaligen Herrenhaus des Preußischen Landtages endete. So ist es mir in Erinnerung.
"Ich hatte die Aufgabe, von Babick Befehle über den Einsatz unserer Leute entgegenzunehmen. Das Trommelfeuer auf den Reichstag hielt unvermindert an. Bei meinen kurzen Aufenthalten im Stabe Babick erfuhr ich immer das letzte über die Lage und vernahm, es sei wieder ein russischer Stoßtrupp in die oberen Geschosse des Reichstages eingedrungen, aber vernichtet worden. Babick war ungeheuer stolz auf die Erfolge seiner Männer.
"Er hoffte auch auf Verstärkung. Von irgendwoher waren in der Nacht zum 29. April noch Marine-Infanteristen nach Berlin gekommen, an ihrer Spitze jener Kapitänleutnant, der im Keller saß und nichts zu sagen hatte. Babick stand vor der Karte und zeichnete ein, von wo er Truppenverstärkung erwartete. Er erzählte sogar, in Kürze würden Königstiger eintreffen.
"Babick fühlte sich in dieser Stunde noch sehr zuversichtlich. Ihm konnte im Keller nichts passieren. Vor der Kellertür standen SS-Posten, vor dem Gang zum Reichstag standen wieder Posten, und nun sollten sogar noch Königstiger kommen, unsere feinste Waffe.
"Er hatte seine Leute in Gruppen von fünf bis zehn Mann rings um den Reichstag verteilt. Eine Gruppe wurde von dem SS-Untersturmführer Undermann (oder so ähnlich, genau verstand ich den Namen damals nicht) geführt, er saß südlich der Moltkebrücke im Innenministerium (in dem Gebäude, das die Sowjets 'Das Haus Himmlers' nannten), und zwar in einem Keller mit Schußfeld zur Brücke.
"Von dort kam ein etwa 19jähriger SS-Junker und meldete Babick, Undermann und seine Männer hätten im Keller Alkohol gefunden und sich besoffen. Der Junker sagte, er hätte vorsichtshalber den Undermann gleich mitgebracht, er stünde draußen.
"Babick tobte und sein Urteil stand fest: Erschießen! Der Junker, hackenknallend, lief hinaus, Sekunden später hörten wir einen Feuerstoß aus der MP, der Knabe erschien wieder und meldete: Befehl ausgeführt. Babick befahl ihm, den Trupp Undermann zu übernehmen."
Zilch und seine Kameraden trafen am 1. Mai, als Babick und seine Leute plötzlich verschwunden waren, im Keller des Reichstages zwei belgische Arbeiter, die sich dort versteckt hatten. Der Keller war ein Labyrinth, es gab auch Ecken, wo nicht gekämpft wurde.
Die Belgier zeigten den Flaksoldaten einen Garderobenraum, dort fanden sie Zivilsachen und zogen sich um. Sie verbrannten ihre Soldbücher und warfen Uniformen und Ausrüstung in den noch fünf Meter tiefer liegenden Heizungskeller. SS-Streifen kämmten den Keller durch, die Belgier versteckten die nun in Zivilisten verwandelten Flaksoldaten in einem Lüftungsschacht.
Sie hatten den Eindruck, der Kampf sei zu Ende und wagten, die Tür des Waschraumes zu öffnen, als jemand mit Schlägen gegen das Holz Einlaß begehrte. Drei uniformierte Männer erschienen, vorweg ein sowjetischer Soldat mit einer weißen Fahne, an zweiter Stelle ein älterer Offizier in einer unbekannten Uniform, zuletzt wieder ein Russe. Einer der Belgier sagte dem russischen Trupp in gebrochenem Deutsch, hier seien nur Belgier. Daraufhin zog die Gruppe mit der weißen Fahne weiter.
"Wir dachten, nun kann nichts mehr schiefgehen", erzählte Oberpostinspektor Zilch. Er glaubt, später gehört zu haben, der deutsch sprechende Parlamentär in der unbekannten Uniform sei ein in sowjetische Gefangenschaft geratener deutscher Oberstabsarzt gewesen, den man gezwungen habe, dem Reichstagskommandanten die Übergabebedingungen zu verlesen.
Doch schon wenige Stunden später drangen Sowjetsoldaten in den Reichstagskeller. Sie trieben den verkleideten Zilch und seine Kameraden aus dem Keller quer über den Königsplatz in die Schweizer Botschaft. Dort wurde Zilch von einem gut deutsch sprechenden Sowjetoffizier verhört.
Zilch: "Ich gab mich als Postbeamter aus, der auf dem Weg zur Arbeit von deutschen Soldaten kassiert worden sei. Ich weiß nicht, ob man mir glaubte. Ich wurde abgeführt. Als ich aus dem Haus trat, sah ich, daß sich auf dem Königsplatz zahlreiche Russen versammelten.
"Wir marschierten zur Lüneburger Straße, Ecke Alt-Moabit. Dort wurde ich zum zweitenmal in einem Eckhaus -Keller verhört. Ich weiß auch den Namen dieses perfekt deutsch sprechenden Offiziers, mindestens den Vornamen: Walter. Denn während er mich vernahm, hatte er eine betrunkene deutsche Dame auf dem Schoß, die ihn
abküßte und ihn auch sonst in keiner Weise in Ruhe ließ. Sie nannte ihn Walter.
"Auch Walter glaubte mir wohl nicht, daß ich kein Soldat sei. Es ging zur Strafanstalt Pötzensee. Dort strömten Tausende von Gefangenen zusammen." Zilch kam in ein Gefangenenlager, wurde abermals verhört und dann einem Gefangenentransport eingegliedert, der für die Sowjet-Union bestimmt war. Doch Zilch gelang, die Flucht. Bei einer Marschpause außerhalb Berlins konnte er sich beiseite schlagen und unerkannt, als Eisenbahner getarnt, nach Berlin zurückkehren.
Zilch erfuhr erst durch den SPIEGEL, daß Babicks Kameraden noch aus dem Keller des Reichstages schossen, als die Sowjets bereits anfingen, mit Farbe und spitzen Gegenständen ihre Namen an die Wände zu schreiben.
Binnen einer Woche waren die Reichstagsmauern bis zu einer Höhe vollgeschrieben, die ein Mann gerade noch mit ausgestreckter Hand erreichen kann. Nach einer weiteren Woche bis zu einer Höhe, die ein Mann mit ausgestreckter Hand gerade noch erreichen kann, wenn er auf den Schultern eines anderen steht.
Inmitten der vielen Namen war einer mit großen schwarzen Buchstaben besonders auffallend in diesem "Gästebuch" vermerkt der Name. Miroschnikow. Er war kürzlich auf einem Reichstagsphoto zu sehen, das die "Prawda" veröffentlichte.
Einige Tage später, Ende März, schrieb ein unbekannter Sowjet-Soldat des Zweiten Weltkriegs in einer sowjetischen Provinzstadt einen Brief an einen Freund:
"Lieber Jewgenij Aronowitsch! Sowas muß es geben: Treffe ich da gestern ein paar Freunde. Sie lächelten anzüglich und fragten: Du warst in Berlin? Was hast du da gemacht? Oh, sagte ich, ich war da, und wir haben gerade nicht wenig getan. Wir stürmten Berlin, wir nahmen den Reichstag, und wir machten dann Garnisonsdienst. Soso, sagten die Freunde, und was hast du sonst noch in Berlin getan? ... Dann schlugen sie die 'Prawda' vom 21. März auf. Ich traute meinen Augen nicht: Unter einer Menge Unterschriften prangte mein Name in der Mitte mit großen Buchstaben, mein Schriftzug Miroschnikow.
"Ich geriet in Erregung. Ich erinnerte mich jenes Tages, des 30. April 1945, als wir mit unseren Geschützen den Reichstag unter Feuer nahmen, und als sich unser Regimentskommandeur Oberstleutnant Semljanski heiser schrie: Mit dem Regiment ... auf den Reichstag ... tausend Schuß ... Im Laufschritt ... Feuer!!! Ich drücke heftig Ihre Hand. Mit aufrichtiger Verehrung I. Miroschnikow."
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Bannerträger*: Nach dem Sturm noch einmal aufs Dach
Miroschnikow-Namenszug an der Reichstagsmauer (1945). "Wir haben in Berlin
... nicht gerade wenig getan": Miroschnikow-Brief (1965)
* In seinem Befehlsstand während der
Schlacht von Berlin.
* Die Sowjetsoldaten Jegorow (r.) und Kantarija hißten am 30. April 1945 das Rote Banner auf dem Dach des Reichstagsgebäudes
Von Erich Kuby

DER SPIEGEL 20/1965
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