23.06.1965

ZITAT

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Kurt Gscheidle in einem Vortrag über "Die politische Aufgabe der Gewerkschaftsjugend In Gegenwart und Zukunft" auf dem 8. Jugendtag der Deutschen Postgewerkschaft in Nürnberg:
Wenn Herr Augstein in den Hörsälen der deutschen Universitäten zu einem Streitgespräch auftritt, kann man davon überzeugt sein, daß der Saal überfüllt ist ... (Er) ist deshalb so populär, weil er die Ansprüche, die von der Gruppe dieser Jugendlichen an die Politik gestellt werden, aus heißem Herzen und mit klarem Verstand zu bejahen scheint. In seinem Magazin werden, oftmals mit schneidender Schärfe, Mißstände angeprangert und Politiker, die bestimmten moralischen Kategorien nicht entsprechen, unmöglich gemacht. Tucholsky, der weiß Gott ein engagierter Demokrat gewesen ist, hat am Ende seines Lebens resignierend bekannt, daß er es mit seinen-Artikeln nicht fertiggebracht habe, auch nur einen einzigen Polizisten abzusetzen. Um wie vieles erfolgreicher ist doch in dieser Beziehung Herr Augstein. Man denke nur an die "Fibag" - und an die SPIEGEL-Affäre. Erst infolge der Bloßstellung durch den SPIEGEL kam die Sache vor den Bundestag. So etwas macht natürlich Eindruck auf jugendliche Stürmer und Dränger. Aber wir sollten auch nicht die Gefahren verkennen, die von dieser Art der Berichterstattung ausgehen können, ich sage: ausgehen können. Sie müßten nicht davon ausgehen, wenn wir es in unserer Demokratie mit gut Informierten und urteilsfähigen Bürgern zu tun hätten. Aber das ist leider noch nicht der Fall.

DER SPIEGEL 26/1965
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