23.06.1965

Der SPIEGEL berichtete ...

... in Nr. 18/1965 AL CAPONES ERBEN HALTEN TÄGLICH EINE SITZUNG über die von Momo Salvatore Giancana geleitete amerikanische Verbrecher-Vereinigung "Cosa Nostra" ("Unsere Sache"). Die nach dem Vorbild der italienischen Mafia aufgebaute Nachfolge-Organisation des Gangster-Syndikats Al Capones kontrolliert gegenwärtig fast alle Lebensbereiche Chicagos und ist mit einem Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar größter Unternehmer der Stadt. Trotz zahlreicher polizeilicher Untersuchungen konnte dem Syndikat bislang keine ungesetzliche Geschäftspraxis nachgewiesen werden. - Im letzten Monat wurde Giancana des Wahlbetrugs und Rauschgifthandels sowie eines Steuervergehens beschuldigt und vor ein (von der amerikanischen Bundesregierung mit der Untersuchung gegen den Syndikatschef eingesetztes) Bundesgericht geladen. Giancana weigerte sich mit dem Hinweis, nach dem Gesetz könne niemand gezwungen werden, in einem Strafverfahren gegen sich selbst auszusagen, auf Fragen der Richter zu antworten. Anschließend lehnte er ein Angebot der Regierung ab, daß er straffrei bleiben werde, falls er aussage. Als Richter Campbell daraufhin den Beschuldigten unterwies, er würde wegen Mißachtung des Gerichts verhaftet, wenn er weiterhin schweige, wiederholte Giancana seinen Entschluß. Danach wurde der "Cosa Nostra"-Chef festgenommen. Richter Campbell: "Sie besitzen den Schlüssel zu Ihrer Zelle. Wenn Sie sich entschließen sollten, der rechtmäßigen Anordnung dieses Gerichts zu gehorchen, lassen Sie es den Polizeichef wissen, und er wird Sie vor das Gericht führen lassen."

DER SPIEGEL 26/1965
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