13.10.1965

FRANKREICH / PRESSEEinfluß statt Geld

Marcel Dassault baute das Düsenflugzeug "Mystère" und de Gaulles Atombomber "Mirage". Jetzt, mit 73 Jahren, will der Flugzeugkönig Zeitungskönig werden. Seit dem 5. Oktober wirft er eine neue Tageszeitung mit dem Titel "Vingt-quatre Heures" ("24 Stunden") in 300 000 Exemplaren auf den Markt.
Chefkonstrukteur und Chefredakteur Dassault gilt neben dem Finanzmagnaten Edmond de Rothschild als Frankreichs reichster Mann. Als Abgeordneter der Staatspartei UNR ist er zumindest Frankreichs reichster Gaullist.
In seiner "Société Générale Aéronautique Marcel Dassault" beschäftigt er 8000 Arbeiter. Er betreibt die "Banque Commerciale de Paris" und betätigt sich als Groß-Immobilienhändler. In Nizza baute er für das Pariser Wohnungsbauministerium Pavillons des Typs "Maisons Dassault F 4".
1954 gründete der vielseitige Mann die Illustrierte "Jours de France", die heute eine Auflage von 585 000 Exemplaren und pro Monat Anzeigenplantagen im Wert von 6,5 Millionen Mark hat. Haus-Devise: "Dassault ist immer erfolgreich."
Erfolgreich verlief sogar die Suche nach Frau Madeleine, die im vorigen Jahr von Erpressern entführt worden war. Als Gendarmen die unversehrte Madame in einer Ferme aufstöberten, versprach ihr der passionierte Häuserbauer Dassault eine neue Residenz. Sie steht heute in der vornehmen Pariser Avenue du Maréchal-Maunoury am Bois de Boulogne.
Das Pariser Tageszeitungsgeschäft dagegen verspricht kaum einen so glücklichen Ausgang. Zwölf Gazetten sind seit Kriegsende eingegangen. Selbst der Gigant "France-soir" sackte im April dieses Jahres erstmals unter die Millionengrenze. Aber eine Marktanalyse ließ Dassault gar nicht erst anfertigen. Wie Frankreichs, Wolle-Fürst Prouvost und Frankreichs Zucker-Prinz Beghin, denen unter anderen die Illustrierte Paris Match" gehört, sucht der Flugzeugbauer im Zeitungsgewerbe mehr den Einfluß als das Geld.
Den Lesern seiner "24 Stunden" verspricht er Halt in jeder Lebenslage und ungetrübten Optimismus: "Katastrophen und andere Hiobsbotschaften werden auf die letzten Seiten verbannt." Den Hauptteil füllt der "Mirage"-Vater mit Roman, Feature, Comic-Strips, Horoskop, Mode und Schönheitspflege. Auf die Frage, ob ihm bei der Neugründung Axel Springers "Bild"-Zeitung vorgeschwebt habe, entgegnete Dassault: "Ich habe weder von einer 'Bild'-Zeitung noch von einem Herrn Springer je etwas gehört."
Zeitungsgründer Dassault: Katastrophen auf der letzten Seite

DER SPIEGEL 42/1965
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