13.02.1967

Der Orden unter dem Totenkopf

18. Fortsetzung Die SS und der 20. Juli 1944
Je verzweifelter die Lage des Reiches wurde, desto gebieterischer stellte sich für SS-Führer die Frage, ob es auch nach einem Ende Adolf Hitlers noch eine Schutzstaffel geben werde. Die SS-Führer hatten längst begonnen, das Undenkbare zu denken. Manchen schien es nicht mehr revolutionär, sich ein Deutschland ohne Hitler vorzustellen.
Der Krieg hatte viele Illusionen der SS-Führer ramponiert, der Regime-Alltag und vor allem das Grauen im Osten hatte die totale Identität zwischen Adolf Hitler und seiner Schutzstaffel beseitigt. Auch SS-Führer konnten sich nicht länger der Frage entziehen, der sich 1944 jeder Machtträger im Deutschen Reich konfrontiert sah -- ob einer verbrecherischen Staatsführung zuliebe das Vaterland vollends zugrunde gehen solle.
Allerdings: Die SS wäre sich selber untreu geworden, hätte sie auf die deutsche Schicksalsfrage einheitlich reagiert. Von der Aufforderung zum Sturz Hitlers bis zur blindwütigen Verteidigung des Regimes reichten die Antworten maßgeblicher SS-Führer. Fünf Gruppen kristallisierten sich heraus:
> ein kleiner Kreis um den Reichskriminaldirektor Arthur Nebe, dessen Gesinnungsfreunde seit Jahren mit dem innerdeutschen Widerstand zusammenarbeiteten, mithin echte Partner der Verschwörer des 20. Juli 1944 waren;
> die führenden Generale der Waffen-SS, die eine Ermordung Hitlers ablehnten, jedoch gemeinsam mit der Wehrmacht Hitler aus der Kriegführung ausschalten und einen Waffenstillstand mit den westlichen Alliierten schließen wollten;
> ein Zirkel um den SD-Chef Schellenberg, der mit zeitweiliger Billigung Himmlers einen Sonderfrieden mit den Alliierten wünschte und Hitler notfalls ausliefern wollte;
> ein großer Kreis hoher SS-Führer von Werner Best bis Otto Ohlendorf, die jede gewaltsame Veränderung des Regimes mitten im Krieg bekämpften, jedoch an die Möglichkeit glaubten, nach dem Krieg das Regime zu reformieren;
> die Bis-zum-bitteren-Ende-Fanatiker um den Heydrich-Nachfolger Ernst Kaltenbrunner und den Gestapo-Chef Heinrich Müller, die auch den leisesten Anflug einer Regime-Kritik rabiat verfolgten.
Die Anti-Hitler-Opposition des Kreises um Nebe reichte bis in das Jahr 1938 zurück, bis in die Hochspannung der Sudeten-Krise, in der antinazistische Generale des Heeres zum erstenmal ernsthaft das Projekt erwogen hatten, durch einen Militärputsch und die Beseitigung Hitlers den Marsch in die Katastrophe zu verhindern.
Damals hatte der oppositionelle Regierungsrat Dr. Hans Bernd Gisevius seinen Freund Arthur Nebe in einen Widerstandszirkel eingeführt, dem auch der verabschiedete Generaloberst Beck und der Abwehr-Offizier Hans Oster angehörten. Der Kripo-Chef Nebe, später SS-Gruppenführer und Amtschef im Reichssicherheitshauptamt (RSHA), kam nicht ohne Mißtrauen und Skepsis, denn was er in den geheimen Zusammenkünften mit Oster und Beck antraf, sah dem gelernten Kriminalisten allzusehr nach konspirativem Dilettantismus aus.
Was Nebe auch in den Widerstand getrieben haben mochte -- Furcht vor der eigenen Zukunft oder Sorge um das Land -, er blieb der Fronde treu. Schon Ende 1941 sah der Einsatzgruppen-Chef Nebe in der Ermordung Hitlers die einzig mögliche Befreiung vom NS-Regime und von eigener Schuld. Seither spornte er die Widerständler zum Attentat auf Hitler an, stellte er für jeden der immer wieder geplanten und immer wieder abgesagten Putschversuche ein Kriminalisten -- Kommando bereit, das die Heeres-Einheiten der Verschwörer am Tag X in die Berliner Ministerien einschleusen sollte.
Solche Vorbereitungen machten notwendig, weitere SS-uniformierte Funktionäre des Polizeiapparates für den Putsch zu gewinnen. Nebe engagierte seinen Freund Hans Lobbes, SS-Sturmbannführer und Exekutive-Leiter des Reichskriminalpolizeiamts, während aus dem Gestapo-Bereich ein anderer NS-Gegner dazustieß: der spätere SS-Brigadeführer Paul Kanstein.
1937 hatte Kanstein die Gestapo-Leitstelle Berlin übernommen und war zu einer Schlüsselfigur der antinazistischen Putschpläne geworden. Er, der SS-Mann, glättete die zunächst gespannten Beziehungen zwischen zwei prominenten Mitverschwörern, dem Berliner Polizeipräsidenten Wolf Graf von Helldorf und dessen Stellvertreter Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg.
Kanstein bewirkte damit, daß die Berliner Polizei zumindest als Gegenspieler der Verschwörer ausfiel. Die Putschisten dankten es ihm: Wäre der Coup des 20. Juli 1944 gelungen, dann hätte der ehemalige Gestapo-Beamte Kanstein die neue Sicherheitspolizei im Nach-Hitler-Deutschland geleitet.
Zu diesem Berliner SS-Zirkel hielten unabhängig voneinander agierende SS-Führer lockeren Kontakt, so Hartmut Plaas, Oberregierungstat in Hermann Görings telephonüberwachendem Luftforschungsamt, der die Verschwörer vor der fortschreitenden Überwachung durch die Gestapo warnte, so der ehemalige Sturmbannführer Hans-Viktor Graf von Salviati, Leiter der Remonteanstalt im SS-Hauptamt und seit 1941 Adjutant des Generalfeldmarschalls von Rundstedt, so der SS-Führer und Alt-Pg Max Frauendorfer, Präsident der Hauptabteilung Arbeit (eine Art Arbeitsministerium) in der Regierung des Generalgouvernements.
Die lautlose Zusammenarbeit mit Führern aus dem Reiche Heinrich Himmlers gab einigen Widerständlern die Idee ein, man müsse versuchen, weitere Funktionäre aus jenem gefährlichen Apparat zu gewinnen, der am Tage des Putsches für Erfolg oder Mißerfolg des Umsturzes entscheidend sein konnte.
Im Herbst 1943 fühlte Verschwörer von der Schulenburg im SS-Hauptamt vor. Er fragte den Obersturmbannführer Riedweg von der Germanischen Leitstelle, mit welchem SS-Führer man offen über die politische Lage sprechen könne. Riedweg benannte den Höheren SS- und Polizeiführer Hildebrandt und zwei Generale der Waffen-SS, die Obergruppenführer Hausser und Steiner.
Seinen ehemaligen Kompaniechef Steiner aus dem Infanterie-Regiment 1 nahm sich Schulenburg zuerst vor. In einem Berliner Café erklärte der Verschwörer dem SS-General, Hitler müsse gewaltsam beseitigt werden, wenn man den Verfall des Reiches noch aufhalten wolle.
Steiner verschloß sich jedoch dem Werben des alten Regimentskameraden. Er hielt von der Schulenburg entgegen: Die Front im Osten krache schon in allen Fugen, jeden Augenblick könne im Westen die Invasion der Alliierten beginnen, da sei ein Systemwechsel nur möglich, wenn die gesamte Wehrmacht hinter einem Putsch stünde, und gerade das sei mehr als fraglich.
Ebenso fruchtlos waren die Bemühungen des Professors der Staatswissenschaften Dr. Jens Peter Jessen, seinen ehemaligen Schüler und Freund Otto Ohlendorf, SS-Gruppenführer und Amtschef III (Inland-SD) im Reichssicherheitshauptamt, für die Verschwörung zu gewinnen.
Einst hatten Jessen und Ohlendorf gemeinsam für den Nationalsozialismus gestritten, aber Hitlers Krieg und das Abgleiten ins staatspolitische Verbrechen brachten sie auseinander. Im Grunde waren sie auf ihre Art Nationalsozialisten geblieben, dennoch schieden sich die Geister an der zentralen Frage: Ob ein Regime noch lebenswert sei, das millionenfachen Mord befohlen habe und nun auch noch das Vaterland dem fanatischen Durchhaltewillen eines morschen Regimes opfere.
Der ehemalige Einsatzgruppen-Chef Ohlendorf bejahte die Frage, obgleich ihm viele Erscheinungsformen dieses Dritten Reiches ebenso zuwider waren wie dem Verschwörer Jessen. Nicht ohne Grund galt der Redakteur der "Meldungen aus dem Reich" in NS-Kreisen, wie der Rundfunksprecher Fritzsche später aussagte, als "Sprachrohr der Opposition, die sonst nicht zu Wort kommen konnte".
Er sammelte kritische Feldpostbriefe junger Frontsoldaten, kontaktierte die Schreiber und ersann sich ein -- Nachkriegs-Regime, geprägt von HJ-Führern und Landsern, ergänzt um eine gereinigte NSDAP, die auf machtpolitischadministrative Befugnisse verzichten und nur noch als ein "Tempel der Weisheit", als politischer Braintrust fungieren sollte.
Trotz solcher Erkenntnisse konnte sich der SS-Gruppenführer Ohlendorf nicht vorstellen, daß Deutschland etwas anderes sein könne als die Domäne der NSDAP und das Reich Adolf Hitlers. Wer daran zweifelte, beging in Ohlendorfs Augen eine schwere Sünde wider Vaterland und "Volksgemeinschaft". Noch in seiner Nürnberger Todeszelle zürnte er 1948 gegen die "vielen Personen, die ihre Vergangenheit verleugnen und den auf den Führer abgelegten Eid mit- einem Gewebe von Verrat und Lüge umgeben".
Sein Zorn galt auch dem vermeintlichen Verrat des einstigen Mitstreiters Jessen. Als der Professor später in die Gewalt der Gestapo fiel, rührte Ohlendorf keine Hand. Nur die schlaflose Nacht, in der Jens Peter Jessen unter den Galgen trat, konnte Ohlendorf nicht vergessen -- und nicht seinen schuldbewußten Schwur, fortan sein Gehalt zwischen den Familien Jessen und Ohlendorf zu teilen.
Wie Otto Ohlendorf, so reagierten auch die SS-Führer Best, Stuckart und Streckenbach: Keiner vermochte sich der noch immer wirksamen Magie Adolf Hitlers zu entziehen, keiner vermochte Katastrophe und Untergang abzuwenden. Mochten sie auch teilweise erkennen, was aus dem von ihnen erträumten völkischen Führerstaat geworden war -- die Abkehr von einem Lehen voll Illusion, Irrtum und Schuld gelang ihnen nicht.
Nur ein SS-Führer war skrupellos und hellsichtig genug, alles zu verbrennen, was er und seinesgleichen einmal angebetet hatten, einer, der jeden Zug der antinazistischen Verschwörer beobachtete und in seine eigenen Pläne einkalkulierte, um am Tag nach der Katastrophe am rettenden Ufer zu stehen: der spätere Brigadeführer Walter Schellenberg, Chef des Ausland-SD.
Ab Herbst 1941 begann er, die Möglichkeiten eines Sonderfriedens mit den westlichen Alliierten zu erkunden, vorsichtig und noch unentschlossen. Dabei bediente sich Schellenberg auch eines Kreises antinazistischer Widerständler, die seit Kriegsausbruch über internationale Kanäle vertrauliche Gespräche mit Alliierten oder proalliierten Ausländern führten.
Mancher seltsame Zufall verband diese NS-Gegner mit der SS-Führung. Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Carl Langbehn, Mitglied der Oppositionsgruppe Beck-Goerdeler, war über die Schulfreundschaft zwischen seiner Tochter und der Himmler-Tochter Gudrun mit dem SS-Chef in Kontakt gekommen, Professor. Jessen verkehrte nach wie vor mit dem SS-Führer Höhn, dem er einst seinen Schüler Ohlendorf empfohlen hatte, und auch Botschafter von Hassell wußte sich einer Gemeinsamkeit mit dem Reichsführer zu rühmen: Sein Butler Schuhknecht war in Himmlers Dienste getreten.
Schellenberg hielt es für opportun, sich in die geheimen Auslandsgespräche der NS-Gegner einzuschalten. Als im Spätsommer 1941 der amerikanische Bankier Stallforth in Berlin auftauchte und deutschen Gesprächspartnern wie Ulrich von Hassell klarmachte, US-Präsident Roosevelt werde den Deutschen erst die Hand reichen, wenn sie Hitler beseitigt hätten, hörte der SD gelassen mit.
Den Herren des SD waren die Geheimverhandlungen der Frondeure so vertraut, daß sie den amerikanischen Unterhändler selber ansprachen. Der Verschwörer von Hassell konnte seine Verblüffung kaum verhehlen, als sich bei ihm der SD-Mann Danfeld mit den herzlichsten Grüßen von Mr. Stallforth meldete.
Hassell notierte sich: "Dieser noch junge SS-Mann zeigte sich außenpolitisch bemerkenswert unterrichtet, nüchtern im Urteil und erstaunlich frei in der Äußerung. Er blieb anderthalb Stunden und betrat Bahnen, auf die ich ihm vorsichtigerweise nicht folgte. Aus allem ging hervor, daß man sich in Himmlers Rayon schwere Sorge macht und über Auswege grübelt."
Als im Hochsommer 1942 die Meldungen von den Fronten immer ungünstiger lauteten, ergriff Schellenberg die Initiative. Bereits im August 1942 will der SD-Chef, wie er in seinen Memoiren erzählt, Himmler in dessen Feldkommandostelle im ukrainischen Winniza die Frage gestellt haben: "Reichsführer, in welcher Ihrer Schreibtischschubladen haben Sie eine Alternativlösung zur Beendigung des Krieges?"
Himmler: "Sind Sie plötzlich verrückt geworden? Haben Sie die Nerven verloren?"
Der SS-Chef -- so berichtet Schellenberg weiter -- habe sich wieder beruhigt und ihn aufgefordert, einen Plan zu entwickeln. Schellenbergs Vorschlag: Man müsse sofort, unter Ausnutzung der starken Spannungen zwischen Rußland und den Westmächten, geheime Friedensgespräche mit den westlichen Alliierten eröffnen; Voraussetzung sei allerdings, daß der Reichsaußenminister von Ribbentrop verschwände, der -- das hatte auch der Amerikaner Stallforth bestätigt -- im Westen als der "Hauptschuldige am Kriege" gelte.
* Am 12. April 1948 vor dem US-Militärgericht in Nürnberg bei der Verkündung seines Todesurteils.
Himmler habe dem Plan seines Spionagechefs zugestimmt. Schellenberg erinnert sich: "Er versprach mir sogar durch Handschlag, daß Ribbentrop bis Weihnachten (1942) seines Postens enthoben werden würde."
Ob das Gespräch nun in dieser oder in einer anderen Form stattgefunden hat -- Tatsache ist, daß Schellenberg und Himmler, assistiert von Himmlers Leibarzt Felix Kersten und dem Chef des Persönlichen Stabes RFSS, Obergruppenführer Karl Wolff, ab Spätsommer 1942 ernsthaft versucht haben, einen Sonderfrieden mit dem Westen herbeizuführen, der auch die Beseitigung Hitlers einschloß.
Himmler ergab sich schon seit geraumer Zeit dem verführerischen Gedanken, ob nicht er berufen sei, bei einer Verschlechterung der Kriegslage an Stelle Hitlers Deutschland und der Welt den Frieden zu bringen. So schnell die Überlegung gekommen war, so hastig hatte er sich ihrer wieder entledigt -- nein, der Reichsführer-SS würde dem "größten Gehirn aller Zeiten" niemals untreu werden.
Aber der verlockende Gedanke war zurückgekommen, wieder und wieder. Bereits im Mai 1941 hatte der Schweizer Burckhardt der Tirpitz-Tochter Ilse von Hassell, Ulrich von Hassells Frau, erzählt, "ein Vertrauensmann von Himmler sei bei ihm gewesen, um ihn zu fragen, ob England wohl mit Himmler statt Hitler Frieden machen würde".
Der Nachwelt erschien es später als eine aberwitzige Vorstellung, der SS-Chef, Exekutor der grauenhaftesten Verbrechen des Jahrhunderts, habe allen Ernstes glauben können, die Welt werde mit ihm einen Frieden aushandeln. Manche Zeitgenossen haben es damals anders gesehen: Gerade weil sie an die Macht Himmlers glaubten, wünschten sie sich ihn an den Verhandlungstisch. Einige Staatsmänner werden insgeheim argumentiert haben wie José Maria Doussinague, der Generaldirektor des spanischen Außenministeriums. Er rechnete Himmler "zu denen, die einen friedlichen Ausgleich mit den Alliierten suchten, um einer sowjetrussischen Invasion zuvorzukommen. Man ging völlig darin einig, daß dazu das Verschwinden Hitlers und seiner engsten Führungsgruppe unerläßlich war. Himmler konnte das bewerkstelligen. In seinen Händen lag folglich der Schlüssel, der die Tür zu Friedensverhandlungen öffnete".
Doch Himmler zuckte vor der garstigen Idee zurück, den Gleichschritt mit seinem Führer zu verlieren: "Ich kann mich doch nicht als Reichsführer der SS, auf deren Koppel die Inschrift steht: "Meine Ehre heißt Treue', gegen den Führer stellen!" Schellenberg aber besaß solche Skrupel nicht. Er leitete eine Operation ein, die über viele Kanäle lief und zwei Ziele verfolgte: mit amerikanischen Stellen ins Gespräch zu kommen und den. Ballast Ribbentrop abzuwerfen.
Der Brigadeführer aktivierte manche schillernde Persönlichkeit für seine Pläne. Den intriganten AA-Unterstaatssekretär Martin Luther spannte er in seinen Kampf gegen Ribbentrop ein, den Widerständler Langbehn schickte er in neutrale Länder, um Alliierte zu kontaktieren, über den ehrgeizigen SS-Oberführer Fritz Kranefuß, Sekretär des "Freundeskreises Reichsführer-SS", nutzte er die internationalen Beziehungen der im Freundeskreis sitzenden Geschäftsleute, und er ließ sich nicht zuletzt von einem Mitglied der europäischen Hocharistokratie beraten, das in Schellenbergs V-Männer-Listen unter der Kenn-Nummer 14417957 geführt wurde: von dem Prinzen Max Egon Hohenlohe-Langenburg.
Den Prinzen, geboren 1897, Leutnant außer Dienst, verheiratet mit der spanischen Marquesa de Belvis de las Navas und seit Jahren in Spanien wohnhaft, veranlaßte die besitzerhaltende Politik seines Hauses, engen Kontakt zum SD zu wahren. Die Hohenlohes besaßen im Sudetenland große Güter, sie galt es vor den Unruhen des Jahrhunderts und dessen wechselnden Akteuren zu sichern.
Das hatte den katholischen Prinzen 1938 bewogen, in der Sudeten-Krise für Hitler zu optieren und dem SD seine nicht geringen diplomatischen Fähigkeiten anzubieten; das ließ ihn aber ebenso im Krieg schon frühzeitig die Chancen eines Verständigungsfriedens ausloten, der .den Hohenlohes ihren sudetenländischen Besitz garantierte.
Der Prinz wußte Schellenberg einen Weg und einen Pfadfinder zu nennen, die den SD-Chef zu amerikanischen Unterhändlern führen würden. Ein Mann, der in den SD-Akten nur Alfonso genannt wird, verfügte über Beziehungen zu Amerikanern in Lissabon, die sich nach kurzer Anfrage für Schellenbergs Offerten interessierten.
Im Dezember 1942 setzte sich Alfonso mit amerikanischen Unterhändlern in Lissabon zusammen und erklärte, seine Auftraggeber seien zu einem Sonderfrieden mit dem Westen bereit, der Deutschland die Möglichkeit lasse, den Krieg im Osten fortzuführen und Rußland von Europa fernzuhalten. Die Amerikaner hielten den SD-Vorschlag für diskutabel, sofern Alfonsos Auftraggeber einen innenpolitischen Umbau in Deutschland garantieren könne, der es den westlichen Regierungen erlaube, die eigene Öffentlichkeit zufriedenzustellen.
Im Laufe der Unterhaltungen konzentrierten sich die Forderungen der Amerikaner immer stärker auf die Person Hitlers. Der Diktator -- das war ihre eherne Bedingung -- müsse den Alliierten lebend ausgeliefert werden; nur so könne man das Entstehen eines posthumen Hitler-Mythos verhindern und einen dauerhaften Frieden sichern.
Schellenbergs Antwort muß so wenig negativ ausgefallen sein, daß die US-Partner in Lissabon den SD-Führer an den "einflußreichsten Mann des Weißen Hauses in Europa" verwiesen wie ihn Prinz Hohenlohe nannte: an den in Bern residierenden Sonderbeauftragten Allen W. Dulles, den späteren Chef des US-Geheimdienstes.
"Er ist ein kräftig gebauter, hochgewachsener, sportlicher Typ von ca. 45 Jahren, von gesundem Aussehen mit guten Zähnen und frischem, einfachem und großzügigem Auftreten", beschrieb ihn Prinz Hohenlohe dem SD-Chef, und ein anderer SD-Bericht vermerkte: "Es ist mit Sicherheit anzunehmen, und durch Nachforschungen erhärtet, daß bei ernsten Partnern Mr. Bull (so der SD-eigene Deckname für Dulles) keine unfaire Handlung begehen würde."
Doch ehe Schellenberg seine Sendboten nach Bern in Marsch setzen konnte, gefährdete die verfrühte Detonation einer von ihm gelegten Zeitbombe das kunstvolle Intrigenspiel des SD-Chefs. Der Schellenberg-Komplice Luther schlug gegen den Reichsaußenminister von Ribbentrop früher los als es Schellenberg lieb sein konnte.
Der ehemalige SA-Mann Martin Luther, eine der ungebildetsten und verhaßtesten Figuren des Auswärtigen Amts, hatte durch seine-Freundschaft zu Joachim von Ribbentrop Karriere gemacht. Luther war zum Unterstaatssekretär und Leiter der Deutschland-Abteilung avanciert, die das Verhältnis des AA zu Partei und SS regelte, zugleich aber auch Hilfestellung bei der Judenvernichtung leistete.,
Trotz anfänglicher Streitigkeiten mit dem RSHA hatte sich Luther immer mehr auf die Seite der SS-Kritiker Ribbentrops geschlagen. Menschlich-allzumenschliche Streitereien zwischen den Ehefrauen Ribbentrop und Luther, der gierige Ehrgeiz des Staatssekretärs und Ribbentrops wachsende Kritik an dunklen Geldgeschäften des Freundes machten Luther den Anti-Ribbentrop-Einflüsterungen Schellenbergs zugänglich. Er erklärte sich bereit, am Sturz des Ministers mitzuwirken.
Luther hätte vermutlich auf das Startsignal Schellenbergs gewartet, wäre im AA nicht eine für den Unterstaatssekretär peinliche Untersuchung eingeleitet worden. Botschafter Curt Prüfer, ehemaliger Leiter der Personalabteilung, erhielt im Dezember 1942 den Auftrag, das suspekte Finanzgebaren der Luther zugeordneten Informationsstelle zu untersuchen.
Der Unterstaatssekretär witterte darin offenbar eine Intrige Ribbentrops und legte gegen seinen Freund los. Luther setzte ein Memorandum auf, in dem er mit vielen Details zu beweisen versuchte, der Reichsaußenminister sei geisteskrank und amtsunfähig. Die Denkschrift sandte der Verfasser an Schellenberg, aber auch an andere Behördenchefs.
Ribbentrop schlug zurück, bevor Schellenberg die Aktion seines Komplicen stoppen konnte. Der Minister berief Luther in sein Hauptquartier und beschuldigte ihn des Verrats; kurz darauf wurde Luther von der Gestapo verhaftet**. Der Urberliner konnte nur noch am Telephon seinem Mitarbeiter Büttner zurufen: "Mit uns ist es aus, bestellen Sie zwei Kränze bei (der Berliner Sargfabrik) Grieneisen!"
Vergebens appellierte Schellenberg an Himmler, Luther vor dem KZ zu bewahren und den Fall zum Sturz Ribbentrops zu nutzen. Himmler lehnte ab.
Schellenberg mußte versuchen, auch ohne die Abhalfterung Ribbentrops mit den Amerikanern im Gespräch zu bleiben. Am 15. Januar 1943 hatten Prinz Max Hohenlohe alias Pauls und ein SD-Führer (Deckname: Bauer) Verhandlungen mit dem US-Beauftragten Dulles eröffnet. Auch Dulles unterstrich, worum es den Amerikanern ging: die Ausschaltung Hitlers.
Dabei verfolgte Dulles offensichtlich das Ziel, Schellenbergs Beauftragten klarzumachen, daß Deutschland mit Hitler verloren sei. Ihm erschiene es, so umschrieb der Prinz Mitte Februar die Dulles-Äußerungen, "schwer vorstellbar, daß sich die aufgeputschte öffentliche Meinung der Angelsachsen mit Hitler als unumstrittenen Herrn Großdeutschlands abfinden würde. Man habe kein Vertrauen in die Dauer und Verläßlichkeit von Abmachungen mit ihm". Gelänge aber -- so argumentierte Dulles weiter -- die Beseitigung Hitlers, dann müsse man eine Friedensordnung herstellen, die weder Sieger noch Besiegte kenne. Dulles zögerte nicht, seinen deutschen Gesprächspartnern die Fata Morgana eines mächtigen Großdeutschlands zu entwerfen.
Prinz Hohenlohe hielt als Dulles-Meinung fest: "Der deutsche Staat müßte als Ordnungs- und Aufbaufaktor bestehen bleiben, eine Aufteilung desselben oder Loslösung Österreichs käme nicht in Frage. Andererseits aber müsse die preußische Macht im deutschen Staate auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden ... Der tschechischen Frage schien Mr. Bull wenig Bedeutung zuzumessen, andererseits glaubte er, durch eine Vergrößerung Polens nach dem Osten hin und der Erhaltung Rumäniens und eines starken Ungarns einen sanitären Riegel gegen Bolschewismus und Panslawismus befürworten zu müssen." Dulles sah "in einem föderativen Großdeutschland ähnlich USA mit einer an dieses angelehnten Donaukonföderation den besten Garanten für Ordnung und Aufbau in Zentral- und Osteuropa". So jedenfalls steht es in dem Bericht des Prinzen Hohenlohe an seine Berliner SD-Freunde.
Immerhin war Dulles bereit, mit Schellenbergs Beauftragten weiterhin zu verhandeln. Dem Prinzen erklärte er, die Amerikanische Botschaft in Madrid sei von ihm angewiesen worden, jederzeit für Seine Durchlaucht zur Verfügung zu stehen; als Kontaktmann empfehle er dem Prinzen den Botschaftsrat Butterworth. Auch der Konfident Alfonso könne ihn, Dulles, zu
* Mitte: SS-Brigadeführer Dr. Walter Stahlecker, Einsatzgruppen-Kommandeur in Rußland, 1942 gefallen.
** Luther lebte als eine Art Ehrenhäftling in mehreren Konzentrationslagern; er wurde erst kurz vor Kriegsende entlassen und starb bald darauf.
jeder Stunde unter Benutzung eines bestimmten Codewortes anrufen.
Bald wurde freilich deutlich, daß die britische Regierung die Gespräche der Amerikaner mit dem SD mißbilligte. SD-Männer waren später davon überzeugt, Schellenbergs Spiel sei nicht zuletzt am britischen Widerstand gescheitert.
Den Mitarbeitern Schellenbergs kam der Einfall, man müsse mit Hilfe neutraler Staaten den britischen Widerstand überwinden. Der Prinz zog die führenden Männer des spanischen Außenministeriums ins Vertrauen und gewann sie für das-Projekt, durch Himmler Hitler zu stürzen. Aber die Briten blieben hart.
Der Mißerfolg in Spanien veranlaßte nun Schellenberg und den ihm nur zögernd folgenden Himmler, ihre Friedensofferten einem breiteren Publikum vorzutragen. Im Auftrage des SD-Chefs schwärmten Sendboten in neutrale Länder und verhießen den Sturz Hitlers durch seinen getreuen Himmler:
> Im Mai und Juni 1943 ließ Himmler den schwedischen Bankier und Goerdeler-Freund Jakob Wallenberg kontaktieren und die Möglichkeiten eines Sonderfriedens erkunden.
> Im Sommer schickte Schellenberg den Widerständler Langbehn nach Stockholm zu Gesprächen mit sowjetischen Diplomaten, nachdem Langbehn dort bereits vorher mit einem britischen und einem amerikanischen Vertreter verhandelt hatte.
> Im Spätsommer konferierte Langbehn in Bern mit dem deutschblütigen Dulles-Mitarbeiter Gero von Gaevernitz.
> Im Oktober besprach Kersten in Stockholm mit dem US-Sondergesandten Hewitt einen amerikanischen Sieben-Punkte-Friedensplan, konnte aber Himmler nicht dazu bewegen, sich persönlich mit Hewitt zu treffen; als sich der SS-Chef endlich am 9. Dezember zu einem Geheimtreffen mit dem Amerikaner entschloß, war Hewitt abgereist.
> Am 26. Dezember 1943 teilte der britische Botschafter in Moskau seinem amerikanischen Kollegen Harriman mit, Englands Regierung sei via Schweden "von Kontaktwünschen Himmlers unterrichtet" worden; Himmler habe seine Bereitschafter
* In ihrem Büro in Bern.
klärt, Vertreter nach Großbritannien zu entsenden, um sich erläutern zu lassen, wie England den Begriff der "bedingungslosen Kapitulation Deutschlands" definiere. Englands Antwort: Der Begriff bedürfe keiner Definition.
Immer wieder aber erhob sich die Frage, wie die SS-Führung Hitler beseitigen könne, um den Weg zum Frieden freizumachen. Hier zeichnete sich deutlich ein Zwiespalt ab: Schellenberg war zu den schärfsten Konsequenzen bereit, Himmler aber erschrak bei dem Gedanken, er oder die SS solle an das Leben des geliebten Führers Hand anlegen.
"Wölffchen", Himmlers Intimus Karl Wolff, fand eine rettende Formel. Seine Vorschläge liefen auf die Überlegung hinaus, man solle sich doch ruhig einmal anhören, was jene Männer mit Hitler vorhätten, die offensichtlich den Sturz des Regimes beabsichtigten. Vielleicht -- es läßt sich nicht beweisen -- verbarg sich dahinter ein raffinierter Plan: Hitler durch die Antinazis beseitigen zu lassen und sie dann selber unschädlich zu machen.
Der Kontakt zum innerdeutschen Widerstand war schnell hergestellt. Parteigenosse Langbehn, Freund des Hauses Himmler und Konfident der Anti-Regime-Verschwörung, verfügte über einen guten Draht zur Berliner "Mittwochsgesellschaft", in der sich die aktivsten Regime-Gegner trafen: Jessen, von Hassell und der militärische Senior des Widerstands, Generaloberst Beck.
Zu dieser Runde gehörte auch der damals noch amtierende preußische Finanzminister Dr. Johannes Popitz, ein energischer Förderer des Umsturzes. Ihn fragte der von Wolff instruierte Konfident Langbehn, ob es sich nicht lohnen würde, Himmler einmal ganz offen die Gedanken der Opposition vorzutragen. Popitz stimmte zu.
Der Zufall wollte, daß sich just zur selben Zeit -- im Sommer 1943 -- die Widerständler ähnliche Gedanken machten wie Himmlers Umgebung, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Da sich die Generale der Wehrmacht dem Drängen der Verschwörer, die befreiende Tat auszuführen, immer wieder entzogen, verlockte die Vorstellung, mit dem anderen großen Machtträger, der SS, gegen Hitler und Partei loszuschlagen.
Es werde, schrieb sich von Hassell auf, zusehends "häufiger die Möglichkeit erörtert, wenn alle Stricke reißen, sich der SS zum Sturz des Regimes zu bedienen, schon um dies Instrument in der Hand zu haben und innere Unordnung zu verhindern. Nachher will man dann natürlich auch die SS ausschalten". Allerdings: "Die Frage ist nur, erstens, ob Himmler und Genossen ein solches Spiel wagen und nachher in dem so freundlich gewünschten Sinne mitspielen, zweitens, welche Wirkung dies Verfahren im Ausland hätte, für das doch gerade die SS mit Recht den Teufel verkörpert."
Die "Himmlerlösung" war denn auch unter Widerstandsführern nicht unumstritten, obwohl ihr Beck, viele Militärs (Olbricht, Witzleben, Tresckow) und auch Goerdeler vorübergehend zustimmten. Finanzminister Popitz machte sich auf, den Regime-Wächter Himmler für den Sturz des Regimes zu gewinnen.
Am 26. August 1943 fand sich Popitz in Begleitung Langbehns im Reichsinenministerium ein; Langbehn blieb mit em Obergruppenführer Wolff, Himmlers Vertrautem, in einem Vorzimmer, während der Finanzminister dem SS-Chef in einem langen Vortrag erläuterte: Der Krieg sei nicht mehr zu gewinnen, Hitler müsse von seinen Posten entlastet werden und eine starke Persönlichkeit (gemeint war Himmler) die Auf habe übernehmen, Frieden mit dem Westen zu machen.
Geschickt appellierte er an den Auserwähltheitswahn Himmlers. Das Volk -- so lasen sich später seine Argumente in der Anklageschrift der Reichsanwaltschaft gegen Popitz -- "frage sich nun, was wolle Himmler, wolle er ein Terrorregiment entfesseln oder wolle er wirklich für Ordnung sorgen. Wenn er das in Ruhe und Vernunft tun wolle, so könne er noch einmal den Staat wieder festfügen". Freilich, mit Hitler könne man das Reich nicht mehr retten. Für die Rettung, so umschrieb Himmler nach dem 20. Juli 1944 Popitzens Vorschläge in einer verwässernden Rede, sei "Voraussetzung, der Führer müßte eigentlich weg und müßte so ungefähr aufs Altenteil gesetzt werden, auf einen Ehrenpräsidentenposten".
Inzwischen bearbeitete im Nebenzimmer Langbehn den Himmler-Adlatus Wolff mit ähnlichen Formulierungen. Es werde Zeit, daß in Deutschland von klugen, sauberen und weitblickenden Männern wieder ein Rechtsstaat errichtet werde, meinte Langbehn und ließ wohl durchblicken, daß zu diesen Männern auch die SS-Führer zählten.
Als es nach dem gescheiterten Putsch Himmler opportun erschien, diese für Hitler-Anhänger recht seltsamen Gespräche mit den Widerständlern hinwegzudisputieren, erzählte der SS-Chef einer Runde von Gau- und Reichsleitern, er sei sofort zum Führer gegangen und habe alles gemeldet; von Hitler aber sei die Weisung ergangen. er solle noch nicht zuschlagen, sondern den Popitz-Kreis weiterhin beobachten.
Tatsächlich reagierte Himmler anders, als er es später der Parteiprominenz weismachen wollte. Er vereinbarte noch am 26. August eine neue Zusammenkunft mit Popitz, der seinerseits zu dem Generalfeldmarschall von Witzleben reiste und ihn -- man kann es wiederum in der Anklageschrift gegen Popitz nachlesen -- "fragte, ob er (Popitz) ihn, wenn sich die geplante Kombination mit dem Reichsführer-SS als möglich erweisen sollte, als bereit zur Übernahme der obersten militärischen Führung nennen dürfe".
Und Wolff bestellte Langbehn bereits am 27. August wieder zu sich und besprach mit ihm Details für weitere Zusammenkünfte mit führenden Widerständlern. Die Gespräche waren hoffnungsvoll genug, um Langbehn einige Tage später im Auftrag Wolffs zu einer Reise in die Schweiz aufbrechen zu lassen.
Langbehn traf sich mit dem Dulles-Berater Gero von Gaevernitz und berichtete ihm, ein hoher SS-Führer aus dem Stab Himmlers (er spielte auf Wolff an) habe sich in eine Aktion eingeschaltet, die das Ziel verfolge, die unbegrenzte Macht Hitlers einzuschränken: damit hoffe man, Voraussetzungen zu schaffen, die das Gespräch mit den Westmächten erleichterten.
Just in diesem Augenblick traf die Verschwörer und Himmler ein Schlag, der ihre Pläne vereitelte. Anfang September 1943 entschlüsselte die Gestapo, in der die schärfsten Regime-Schützer saßen, einen Funkspruch, der (laut Dulles) "von einer alliierten Steile, weder amerikanisch noch britisch" stammte und Langbehns Schweizer Gespräche enthüllte, und leitete den Text sofort an das Führerhauptquartier weiter, ohne ihn zuvor Himmler vorzulegen.
War es Zufall oder eine Intrige gegen den schwankenden Reichsführer -- die Meldung zwang Himmler, sofort seine Verbindungen zu den Widerständlern abzubrechen, ehe Hitler reagierte. Der SS-Chef ließ Langbehn verhaften und in ein Konzentrationslager überführen, Popitz aber erhielt keinen Zutritt zu Himmler mehr.
Jetzt trieb wieder Schellenberg die Pläne über eine radikale Ausschaltung Hitlers voran. Schon im Sommer 1943 hatte er dem Prinzen Hohenlohe Andeutungen über eine von ihm projektierte Liquidierung des Diktators gemacht. Der Prinz, der sich heute keine aktive Rolle in den Schellenberg-Plänen beimißt, erinnert sich: "Er erklärte mir, er hoffe, Hitler würde genug Patriotismus haben, um seine Person hinter das Interesse des deutschen Volkes zurückzustellen. Wenn das nicht geschehe, müsse er mit Gewalt ausgeschaltet werden. Als voraussichtlichen Termin solcher Veränderungen bezeichnete Schellenberg ... den März 1944."
Fast zur selben Zeit kam der SD-Chef in Spanien mit amerikanischen Militärkreisen in Kontakt und erörterte mit ihnen ein phantastisches Projekt, dem die Madrider Zeitung "Pueblo" 1958 den Namen "Operation KN" (Kidnapping) gegeben hat: die Entführung Hitlers und seine Auslieferung an die Alliierten.
Zwischen der SS-Führung und dem amerikanischen Militär, so behauptete die spanische Zeitung, habe "enges Einvernehmen darüber bestanden, den Entführungsplan zu verwirklichen. Einzelheiten der technisch-organisatorischen Maßnahmen waren festgelegt, es bestand bereits eine ganze Organisation mit Stützpunkten in Madrid, Lissabon und an der Mittelmeerküste unweit Valencia". Das Unternehmen kam jedoch niemals über das Stadium der Erörterungen hinaus.
Schellenbergs Verhandlungen in Spanien verbreiteten gleichwohl in Kreisen der Alliierten immer stärker das Gefühl, allein Himmler und die SS könnten das Hitler-System stürzen. Auch britische Stellen zeigten jetzt Neugier für die sogenannte Himmlerlösung.
SS-Brigadeführer Kranefuß registrierte am 3. April 1944, "daß angeblich der Reichsführer-SS und die Schutzstaffel in englischen Kreisen oft der Gegenstand vielfacher Gerüchte und Kombinationen" seien, und ein in Lissabon stationierter Konfident des SB, dessen Name nicht bekannt ist, meldete: Die Briten versprächen sich nur noch von der SS, nicht aber mehr von der Wehrmacht einen Umsturz in Deutschland.
Der Konfident schrieb: "Hingegen hat sich im Laufe des letzten Jahres die Aufmerksamkeit dieser (britischen) Kreise immer mehr auf die SS und neuerdings insbesondere auf die Waffen-SS konzentriert."
Vor allem die Generale der Waffen-SS, 50 ließ sich der Konfident aus britischen Kreisen berichten, würden zusehends kritisch gegenüber Hitler; "die Ursprünge dieser Tendenz gingen auf die Beurteilung der Kriegslage zurück". Anfang Januar 1944 sei bereits in Lissabon "die Meinung verbreitet worden, Generale der Waffen-SS hätten mit Engländern verhandelt".
Der Verfasser wird vermutlich nicht geahnt haben, daß sich sein Bericht als prophetisch erweisen sollte. Denn: Die Führer der im Westen eingesetzten SS-Verbände formierten sich drei Monate später zu der ersten offiziellen ss-Gruppe, die geschlossen Adolf Hitler den Gehorsam aufkündigen wollte. Und entscheidend war für sie eben jenes Motiv, das der Lissaboner SB-Mann den 55-Generalen unterstellt hatte: die Beurteilung der Kriegslage.
Die Invasionsschlacht -- seit dem 6. Juni 1944 -- hatte auch die letzten Illusionen der Waffen-SS-Führer über Hitler und die wahre Lage des Reiches zerstört. In der Normandie verblutete ein SS-Regiment nach dem anderen -- hingeopfert von einem Führer, den kein Rückzug, keine materielle Überlegenheit des Gegners, keine Erschöpfung des deutschen Landsers aus seiner gespenstischen Wunschwelt in der Wolfsschanze aufschrecken konnte.
Die Gardetruppen der Sig-Runen drohten vollends aufgerieben zu werden, denn im Westen war das Gros der Waffen-SS eingesetzt: sechs Divisionen einschließlich der Leibstandarte, gegliedert in Sepp Dietrichs I. und Paul Haussers II. SS-Panzerkorps. Die Aussicht auf das sichere Ende ihrer Verbände machte auch die SS-Generale für die Sache der Anti-Hitler-Frondeure reif.
Sie hätten vielleicht noch gezögert, wäre ihnen nicht in dem Generalfeldmarschall Erwin Rommel, dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, ein Soldat gegenübergetreten, der wie die Generale der SS Höhen und Tiefen des Glaubens an Hitler durchlebt hatte.
Die Zeit drängte: Rommel schätzte, die deutsche Abwehrfront in der Normandie werde noch drei Wochen halten, dann sei mit dem Durchbruch der amerikanischen Verbände und dem Verlust Frankreichs zu rechnen. Die bittere Erkenntnis gewann ihn für ·einen Plan, den oppositionelle Offiziere im Stab der Heeresgruppe B schon vor Beginn der Invasion ausgearbeitet hatten.
Unter der Federführung von Rommels Stabschef, Generalleutnant Dr. Hans Speidel, war ein "Mobilmachungskalender" entworfen worden, der die kampflose Räumung der -- besetzten Westgebiete, die Rückführung des deutschen Heeres hinter den Westwall und die Übergabe der Besatzungsverwaltung an die Alliierten vorsah. Wichtigster Punkt: "Festsetzung Adolf Hitlers, um ihn vor ein deutsches Gericht zur Aburteilung zu stellen."
In den ersten Julitagen war Rommel entschlossen, das Programm auszuführen. Am 9. Juli gab er dem führenden Planer der Militäropposition im Westen, dem Oberstleutnant und Stauffenberg-Vetter Dr. Caesar von Hofacker, den Auftrag, in seinem, Rommels, Namen ein Schreiben an die Alliierten zu entwerfen, in dem mitgeteilt werden sollte, das deutsche Westheer werde die Feindseligkeiten auf eigene Faust einstellen und sich ins Reich zurückziehen.
Doch wie würde sich die Waffen-SS verhalten, jene sechs Divisionen, die das Rückgrat der Heeresgruppe B ausmachten? Rommel wollte ganz sichergehen. Unermüdlich bereiste er die Front und befragte die Kommandierenden Generale und höheren Kommandeure. Einer nach dem anderen erklärte sich für den Abfall von Hitler.
Auch die Generale der Waffen-SS machten darin keine Ausnahme. Selbst der Parteiveteran Sepp Dietrich konnte sich der Wirklichkeit nicht länger entziehen; Dietrich habe, so bezeugt Speidel, "seinen Unwillen über die höchste Führung bekundet und "selbständige Maßnahmen im Falle eines Zerreißens der Front' gefordert". Auch Hausser, der inzwischen den Befehl über die 7. Armee übernommen hatte, stimmte Rommels Hitler-Kritik zu.
Am schärfsten äußerte sich der Obergruppenführer Wilhelm Bittrich, der als Nachfolger Haussers mit der Führung des II. SS-Panzerkorps beauftragt worden war. Er hatte soeben -- in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1944 -- den eingebrochenen britischen Gegner
* An der Westfront, 1944. Links: Oberbefehlshaber West Generalfeldmarschall Model.
im Raum südwestlich Caen mit seinen Einheiten zurückgeworfen und war in seinen Gefechtsstand zurückgekehrt, als ihm Rommel gemeldet wurde.
Der Obergruppenführer, wegen seiner scharfen Zunge in der Waffen-SS gefürchtet, legte los: "Oben kennt man die Gefahr nicht, weil man keinen Einblick besitzt und die Lage deshalb auch nicht richtig beurteilen kann. Ich selbst sehe tagtäglich, wie die jungen Menschen nutzlos fallen müssen, weil sie von oben schlecht geführt werden. Deshalb werde ich zukünftig widersinnige Befehle nicht mehr ausführen und so handeln, wie es der Lage entspricht."
Rommel hakte ein und informierte den SS-Führer über seine eigenen Pläne. Rommel: "Auch ich weiß, daß es so nicht mehr weitergehen kann. Aber es sind Verbindungen mit dem Gegner geschaffen, die mich hoffen lassen, daß eine Räumung des besetzten Frankreichs bis zum Westwall planmäßig durchgeführt werden kann."
Der SS-Führer zögerte nicht lange, in den Pakt wider Adolf Hitler einzuwilligen. "Herr Feldmarschall", sagte er, "wenn dieses Wort gilt, dann stehe ich mit dem II. SS-Panzerkorps hinter Ihnen und Ihrer Führung. Meine Kommandeure denken genauso wie ich."
Indes, die Anti-Hitler-Koalition zwischen der Führung der Waffen-SS und dem Westheer zerbrach ebenso schnell wie sie zustande gekommen war. Am 17. Juli wurde Rommel auf einer Autofahrt hinter der deutschen Front in der Normandie von einem britischen Tiefflieger schwer verwundet -- die Militäropposition im Westen verlor ihre Führerfigur.
Drei Tage später zerstörte die Tat des Obersten im Generalstab Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Chef des Generalstabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres, die Gemeinsamkeit, die SS-Generale und oppositionelle Generale des Westheeres miteinander verband. Der Anschlag auf Hitler sprengte die Bedingung auseinander, von der Rommel und die SS-Generale die Rebellion des Westheeres abhängig gemacht hatten: daß Hitler nicht ermordet werden dürfe.
Das Attentat im Führerhauptquartier überraschte die frondierenden SS-Generale nicht weniger als die politische SS-Führung. Himmler und Schellenberg waren von dem Militärputsch wie gelähmt -- es dauerte Stunden, ehe sie sich zur Gegenwehr aufrafften und den längst mißglückten Staatsstreich erbarmungslos niederschlugen.
Die Ratlosigkeit der SS-Führer, die noch Monate zuvor mit Männern des Widerstandes verhandelt hatten und zahlreiche Geheimnisse der antinazistischen Opposition kannten, hat die Historiker vor ein schweres Rätsel gestellt. Wie war es möglich, daß die Mitwisser der 20.-Juli-Bewegung von der Stauffenberg-Aktion derartig überrascht wurden?
Manche Theoretiker haben die naheliegende Version akzeptiert, die Überraschung der SS-Führung sei nur gespielt gewesen -- in Wirklichkeit hätten Himmler und seine engsten Mitarbeiter nur abwarten wollen, um sich im Falle eines Gelingens der Stauffenberg-Aktion den Rebellen anschließen zu können. Die Vertreter dieser Theorie können sich freilich nur auf Vermutungen stützen, über konkrete Beweise verfügen sie nicht.
Dagegen lassen die Akten der SS-Führung die Annahme zu, daß weder der Persönliche Stab Reichsführer-SS noch das Reichssicherheitshauptamt den engeren Verschwörerkreis um Stauffenberg jemals verdächtigt hat. Von den drei Gruppen der 20.-Juli-Bewegung:
> dem Kreis konservativer Beamter und meist pensionierter Militärs (Beck-Goerdeler-Gruppe),
> dem Zirkel christkonservativer Intellektueller und sozialistischer Politiker (Kreisauer Kreis)
> und dem erst seit Herbst 1943 aktiven Grafen Stauffenberg,
kannte die Gestapo nur die beiden ersten Gruppen.
Über Mitglieder der Gruppe Beck-Goerdeler wurden in der Gestapo detaillierte Akten geführt. Namen wie Beck, Goerdeler, Langbehn und Oster waren Gestapo-Müller geläufig. Schon 1943 hatte Himmler den Abwehrchef Canaris gewarnt, er wisse jetzt, wer hinter der regimefeindlichen Opposition im Heer stehe, und er werde "Leuten wie Beck und Goerdeler rechtzeitig das Handwerk legen".
Auch der Kreisauer Kreis bot der Gestapo keine Geheimnisse mehr, seit deren Oberhaupt, Helmuth James Graf von Moltke, und andere Mitglieder Anfang 1944 verhaftet worden waren. Nur Stauffenbergs Offiziersgruppe blieb dem RSHA unbekannt, denn sie wirkte im Schutz der Wehrmacht, die den Fahndern der Gestapo versperrt war.
Dem SS-Chef erschien der Oberst von Stauffenberg so wenig suspekt, daß er dem schwerbehinderten Generalstabsoffizier Mitte Juni 1944 bei einem Besuch im Führerhauptquartier aus dem Mantel half und dem späteren Attentäter eine schwere Aktenmappe trug, in die Stauffenberg das Dynamit gelegt hatte, mit dem er eines Tages Hitler ermorden wollte.
Der Graf galt Himmler -- die beiden Männer kannten einander erst seit Anfang Juni 1944 -- als ein fähiger Stabsoffizier, der gefördert werden sollte. Als der Panzergeneraloberst Guderian dem Reichsführer Mitte Juli erklärte, der Generalstab müsse endlich mit fronterfahrenen Offizieren besetzt und Stauffenberg Generalstabschef werden, war Himmler sofort bereit, Stauffenberg bei Hitler zu empfehlen.
Nein, Heinrich Himmler wußte nichts von den Plänen des Grafen Stauffenberg. Er hatte ihn auch noch keineswegs im Verdacht, als Himmlers Fahrer, Sturmbannführer Lukas, am 20. Juli 1944 gegen 13 Uhr in den Schlafwagen der Feldkommandostelle Reichsführer-SS stürmte und in alle Zimmer hineinbrüllte: "Attentat auf den Führer! Attentat auf den Führer!"
Um 12.42 Uhr war Stauffenbergs Bombe in Hitlers Gartenbaracke bei der Lagebesprechung explodiert, kurz zuvor hatte sich der Attentäter eiligst entfernt. An der Außenwache des Führerhauptquartiers war Stauffenberg kurz nach der Explosion noch einmal von dem mißtrauischen Wachhabenden aufgehalten worden, aber ein Telephonanruf hatte dem Chefverschwörer das Tor zum Putsch geöffnet.
Himmler ahnte noch immer nichts. Auch als er einige Minuten danach im nahegelegenen Führerhauptquartier dem geretteten Hitler gratulierte, weilte seine Kombinationsgabe auf einer falschen Spur: Er verdächtigte eine im Hauptquartier eingesetzte Bauarbeitergruppe der Organisation Todt, die Bombe im Fußboden des Lagebunkers eingebaut zu haben.
Erst nach geraumer Zeit schenkte Himmler der Aussage eines im Telephondienst der Lagebaracke arbeitenden Feldwebels Aufmerksamkeit, dem sofort die Blitzabfahrt des Obersten von Stauffenberg aufgefallen war. Den mutmaßlichen Attentäter bei seiner Landung in Berlin zu verhaften, unterließ Himmler jedoch.
Bei RSHA-Chef Kaltenbrunner rief schließlich ein Mann aus dem Führerhauptquartier an und riet ihm, er möge sich doch einmal bei dem Herrn Oberst von Stauffenberg in der Berliner Bendlerstraße, dem Sitz des OKW, erkundigen, warum er so hastig die Wolfsschanze verlassen habe, doch Kaltenbrunner reagierte nicht.
Die Berliner SS-Führung sah sich von den Putschisten der Bendlerstraße, deren Macht vom RSHA grotesk überschätzt wurde, am Nachmittag des 20. Juli gelähmt. Während Nebes Kriminalisten-Kommando ausschwärmte, den von Stauffenberg alarmierten Heereseinheiten bei der Zernierung des Berliner Regierungsviertels zu assistieren, hielten sich die Kompanien der Leibstandarte in ihren Lichterfelder Kasernen vorsichtig zurück.
Keine Einheit der Waffen-SS oder der Ordnungspolizei eilte dem Reichssicherheitshauptamt in der Prinz-Albrecht-Straße zu Hilfe, deren Herren irritiert an den Fenstern standen und den Aufmarsch der vom Verschwörer-Stichwort "Walküre" herbeigerufenen Bataillone der Wehrmacht beobachteten. Noch hilfloser agierten die SS- und Polizeiverbände in den Provinzen des deutschen Herrschaftsbereiches.
Um 18.20 Uhr erreichte den Oberst Heinrich Kodré, Chef des Generalstabes im Wehrkreis XVII (Wien), ein Fernschreiben der Bendlerstraße, das ihn praktisch hieß, die gesamte Partei- und Polizeiprominenz in Österreich zu verhaften. Begründung: "Eine gewissenlose Clique frontfremder Parteiführer hat es unter Ausnutzung dieser Lage (Hitler-Attentat) versucht, der schwerringenden Front in den Rücken zu fallen und die Macht zu eigennützigen Zwecken an sich zu reißen."
Kurz darauf tickten die Fernschreiber eine neue Order der Putschisten: "Ohne Verzug ihres Amtes zu entheben und in besonders gesicherte Einzelhaft zu nehmen sind: sämtliche Gauleiter, Reichsstatthalter, Minister, Oberpräsidenten, Polizeipräsidenten, Höhere SS- und Polizeiführer, Gestapoleiter und Leiter der SS-Dienststellen."
Kodré las die Berliner Befehle nicht ohne Beklemmung, denn er mußte die ganze Verantwortung übernehmen, da sein Kommandierender General verreist und dessen Stellvertreter abwesend war. Aber mit einiger List und Wiener Charme konnte er die Gewaltigen des SS- und Polizeiapparates bewegen, sich in das Unvermeidliche zu fügen.
Die Militärs baten die Spitzenfunktionäre des Regimes für 20 Uhr zu einer dringenden Besprechung in das Zimmer des Kommandierenden Generals und ließen die Geladenen sämtlich arretieren, dabei stets die militärische Höflichkeit wahrend. Und alle, alle kamen: der Höhere SS- und Polizeiführer Querner, der Polizei-Generalleutnant Schumann, der stellvertretende Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD, der Standortkommandant der Waffen-SS.
Die Herren wußten ihre Überraschung zu meistern. Obergruppenführer Querner und der Polizeipräsident Gotzmann stellten sich sofort dem neuen Regime zur Verfügung, fast war Querner ein wenig indigniert, als ihm Kodré beteuerte, er handle nur gemäß einem Fernschreiben der Bendlerstraße, der Obergruppenführer könne gern Einblick nehmen. Querner winkte ab: "Wenn Sie mir das sagen, glaube ich Ihnen doch!"
Auch als sich gegen 21.30 Uhr durch ein letztes Telephongespräch mit Berlin erwies, daß der Putsch gescheitert war, zeigten die SS-Führer keinerlei Grimm. Die Militärs entschuldigten sich bei ihren Gefangenen, wiesen auf die leidigen Berliner Befehle hin und komplimentierten die SS-Prominenzen hinaus. Kodré erinnerte sich später, "daß sich auch nachher keiner von den Anwesenden irgendwie beschwerte oder nun jetzt das Gefühl zum Ausdruck brachte, im Recht gewesen zu sein und zu Unrecht festgenommen worden zu sein
Ähnlich ließ sich auch der SS- und Polizeiapparat im besetzten Paris von den Putschisten überrumpeln. Etwa zur selben Stunde, da sich in Wien Oberst Kodré von seinen Gefangenen verabschiedete, rüsteten sich Stoßtrupps des Sicherungsregiments 1 unter Oberstleutnant von Kraewel zu dem entscheidenden Schlag gegen die Pariser Dienststellen der Gestapo und des SD.
Alt-Pg und Blutordenträger Brehmer, Generalmajor und stellvertretender Stadtkommandant von Paris, übernahm es persönlich, die höchsten SS-Führer in Frankreich zu verhaften: den Höheren SS- und Polizeiführer Carl-Albrecht Oberg und den Standartenführer Hellmut Knochen, Chef der Sicherheitspolizei.
In wenigen Minuten war auch in Paris der Regimewechsel perfekt. Um 23 Uhr saßen Obeng und Knochen bereits bei Kognak und Radiomusik in einem versperrten Zimmer des Hotels "Continental", während 1200 Mann der Sicherheitspolizei im Wehrmachtsgefängnis Frésnes und in den Kasematten des alten Forts de l'Est untertauchten.
Die Offiziere der Pariser Garnison feierten gerade im Hotel "Raphael" den Sieg über den schwarzen Orden, als eine Rundfunkrede Hitlers und die Befehle des Oberbefehlshabers West, des Generalfeldmarschalls Günther von Kluge, allen Hoffnungen auf einen Umsturz ein Ende setzten.
Kluge hatte früher einmal enge Kontakte zur Opposition unterhalten, war dann aber wieder der Suggestion Hitlers verfallen. Als er von der Verhaftung der Sicherheitspolizisten in Paris erfuhr, setzte er den Militärbefehlshaber Frankreich, den antinazistischen General Carl-Heinrich von Stülpnagel, ab und befahl die sofortige Freilassung der Oberg-Leute. Um 1.30 Uhr am frühen 21. Juli machte sich der Pariser Stadtkommandant, der Generalleutnant Freiherr von Boineburg-Lengsfeld, auf den Weg, um die SS-Führer freizulassen.
In ihrem Hotelzimmer hatten Obeng und Knochen inzwischen ebenfalls die Hitler-Rede gehört, Als der General den beiden SS-Führern erklärte, sie seien wieder frei, sprang Oberg auf und schrie: "Was haben Sie da für eine Schweinerei gemacht, Boineburg!" Der General bat die beiden Herren, sich alles von Stülpnagel im "Haphael" erklären zu lassen.
Oberg stapfte erregt durch die Bar des "Raphael" und wollte eben den sich von seinem Platz erhebenden General von Stülpnagel anfahren, da schob sich der ebenfalls anwesende Botschafter Otto Abetz dazwischen. Abetz beschwor die Herren: "In Berlin mag vorgefallen sein, was immer; hier in Frankreich tobt die Normandieschlacht, da müssen alle Deutschen eine geschlossene Front bilden."
Der SS-Gruppenführer Oberg maulte noch etwas, aber er ließ sich allmählich besänftigen. In jener Nacht geschah, was der Militärhistoriker Wilhelm Ritter von Schramm zu den menschlichen Wundern des 20. Juli 1944 zählt: Es entstand eine geheime Front zwischen SS und Wehrmacht gegen die rüden Verfolger aus dem Reichssicherheitshauptamt. Gegenüber der Außenwelt und nicht zuletzt gegenüber Himmler fand der Sipo-Chef Knochen eine Sprachregelung: Die Verhaftung der Sicherheitspolizisten, so hieß es nun, sei nur eine Übung gewesen, vorher abgesprochen zwischen SS-Gruppenführer Oberg und dem General von Stülpnagel.
Ein paar Stunden lang konnten Oberg und die Militärs die gefährdeten Putschisten von Paris vor dem Zugriff des RSHA bewahren. Selbst als die ersten Befehle Himmlers eintrafen, versuchte der Höhere SS- und Polizeiführer zu helfen; an der Untersuchungskommission, die das Verhalten der Offiziere zu überprüfen hatte, beteiligte er korrekt denkende Militärs.
Er ließ sich von einem Mitwisser der Verschwörung, dem General Blumentritt, Generalstabschef des Oberbefehlshabers West, beraten und engte damit von vornherein die Inquisition ein. Als Stülpnagel -- durch eine Meldung des Generalfeldmarschalls von Kluge dem Führerhauptquartier als einer der wichtigsten Putschisten genannt -- zur Berichterstattung nach Berlin befohlen wurde und auf der Fahrt einen Selbstmordversuch unternahm, reiste ihm Oberg nach und versprach dem später hingerichteten General, er werde Stülpnagels Familie vor jeder Sippenhaft schützen.
Zwar konnte der Gruppenführer nicht verhindern, daß die führenden Männer des Putsches in Frankreich -- Hofacker, die Obersten Finckh und von Linstow, Dr. Ernst Röchling, Geheimrat Kreuter -- in die Gewalt der Gestapo fielen, aber den meisten Verschwörern und Mitwissern blieb dank Obergs Haltung der tödliche Weg in die Prinz-Albrecht-Straße erspart.
Ritter von Schramm bezeugte: "Die Führer der Überraschungsaktion gegen den Pariser Sicherheitsdienst am 20. Juli sind sämtlich mit dem Lehen davongekommen. Den verantwortlichen Offizieren wurde kein Haar gekrümmt."
Auch Führer der Waffen-SS beteiligten sich an der Rettungsaktion für gefährdete Putschisten. SS-Generale befreiten drei führende Generale der späteren Bundeswehr: Sepp Dietrich erreichte durch Intervention im RSHA die Freilassung Speidels, der SS-Obergruppenführer Lombard erlöste den Generalstabsobersten Graf Kielmansegg aus Gestapo-Haft, auch Generalmajor Heusinger kam durch Waffen-SS-Fürsprache frei.
Als Obergruppenführer Bittrich, Rommels einstiger Partner, im Rundfunk hörte, das Todesurteil gegen seinen alten Oberbefehlshaber im Ostfeldzug, den Generalobersten und 20.-Juli-Teilnehmer Erich Hoepner, sei durch Erhängen vollstreckt worden, sprang er von seinem Sitz auf und tobte: "Das ist das Ende der deutschen Armee! So etwas hat es in der Geschichte der deutschen Armee noch nicht gegeben, daß ein Offizier wegen Hochverrats aufgehängt wurde -- früher hat man ihn füsiliert."
Bittrichs Stabschef, ein zur Waffen-SS abkommandierter Heeresoffizier, zischte ihm zu: "Herr General, ich muß Sie bitten, hier nicht derartige Erklärungen abzugeben." Der Obergruppenführer machte eine Handbewegung: "Ach, lassen Sie doch."
Der Ausfall des SS-Obergruppenführers wurde Himmler hinterbracht, der sofort Befehl gab, Wilhelm Bittrich habe unverzüglich sein Kommando niederzulegen. Doch der Bittrich übergeordnete Heeresbefehlshaber, General Eberbach, Oberbefehlshaber der 5. Panzerarmee, lehnte die Absetzung des Obergruppenführers unter Hinweis auf die kritische Frontlage ab, was möglich war, da die Waffen-SS an der Front dem Heer und dessen Führern unterstellt, mithin die Autorität Himmlers in seiner eigenen Truppe nicht unbegrenzt war.
Himmler ließ jedoch nicht davon ab, den Sturz des unbotmäßigen SS-Generals zu erzwingen. Während der Schlacht bei Arnheim, einige Wochen später,
* Besichtigung durch Hitler und Mussolini am Nachmittag des 20. Juli 1944.
sah er eine neue Chance. Himmler entsandte seinen Jugendfreund Karl Gebhardt, Reichsarzt-SS und Polizei sowie Oberster Kliniker und Generalleutnant der Waffen-SS, zu Bittrich mit dem Befehl, der Obergruppenführer habe sich beim Reichsführer-SS zu melden.
Wieder stellte sich das Heer gegen Himmlers Disziplinargewalt. Generalfeldmarschall Model, der neue Oberbefehlshaber West, erklärte sich gegen jedwede Absetzung Bittrichs und hielt auch nach dem Rückzug aus Frankreich an Bittrich fest. Himmler gelang es nie, den SS-General zu stürzen.
Die Schlappe im Kampf gegen Bittrieb war freilich nur eine der wenigen Niederlagen, die Himmler in seinem Ausrottungsfeldzug gegen die Verschwörer und Mitwisser des 20. Juli 1944 erlitt. Erbarmungslos schlug der SS-Chef auf die Verschwörer und deren Familien ein -- die grausigste Blutjustiz deutscher Militärgeschichte begann.
Verzweifelt hatte Leibarzt Kersten schon um die Mittagszeit des 20. Juli erkannt, daß Himmler wieder zum Fanatiker seines Führers geworden war -- jenes Führers, den Himmler noch kurz zuvor mit Hilfe der Widerständler hatte entmachten wollen. Die Erinnerung an solchen Wankelmut wollte er nicht mehr gelten lassen, er rief Kersten zu: "Jetzt ist meine Stunde gekommen. Ich werde die reaktionäre Brut ausheben und habe bereits Befehl gegeben, die Verräter zu verhaften."
Als Kersten bezweifelte, ob die Rettung des Diktators eine Wohltat für Deutschland sei, fuhr Himmler auf: "Was sagen Sie da, Kersten? Ist das Ihre wirkliche Überzeugung? Das dürfen Sie nicht glauben, noch weniger sagen. Die Vorsehung hat uns mit der Errettung des Führers ein Zeichen gegeben. Der Führer lebt, er ist unverwundbar, die Vorsehung will, daß er uns erhalten bleibt, daß wir unter seiner Führung den Krieg siegreich zu Ende führen."
In pseudoreligiöser Besessenheit war er dann ins Führerhauptquartier gestürzt und hatte die Todesmaschine der Geheimen Staatspolizei gegen die Verschwörer auf höchste Touren gestellt. Er witterte, daß ihm die Stunde günstig war. Keinen Augenblick wich er von der Seite seines Ersatzgottes und hatte doch trotz aller Verzückung die Gelassenheit, Hitler Dokumente vorzulegen, die ihn, Heinrich Himmler, zum zweitmächtigsten Mann des Reiches stempeln sollten.
Als sich Hitler am Nachmittag des 20. Juli über Meldungen erregte, die eine Ausweitung der Aufstandsbewegung anzeigten, legte ihm Himmler ein Papier vor, durch das der Reichsführer-SS zum Befehlshaber des Ersatzheeres ernannt wurde. Hitler unterschrieb, er hätte in dieser Lage alles unterschrieben, was ihm die Vernichtung der Verschwörer garantierte.
Hitler schrie: "Erschießen Sie jeden, der Widerstand leistet, ganz gleich, wer es ist ... Es geht um das Schicksal der Nation ... Seien Sie unerbittlich." Himmler schlug die Hacken zusammen. Er tönte: "Mein Führer, Sie können sich auf mich verlassen!" Und stürzte hinaus, ein treuer Wachhund seines Herrn.
Himmler fuhr nach Berlin, um 16.30 Uhr traf er in der Reichshauptstadt ein. Der Inquisitor des Führers war freilich besonnen genug, die Verschwörer erst durch Kameraden aus den eigenen Reiben liquidieren zu lassen. Kaum aber hatten die Telephonanrufe des OKW-Chefs Keitel die Befehle der Verschwörer konterkariert, da entfesselte Himmler den Terror eines Gegenputsches.
Er ließ die in Berlin verbliebenen Einheiten der Leibstandarte und Truppen der SS-Standarte Saarow in das Berliner Regierungsviertel vorrücken, gründete die Sonderkommission "20. Juli" und ergriff Besitz von dem ihm anvertrauten Ersatzheer.
Hexenjäger der Gestapo durchkämmten jeden Winkel, schon der leiseste Verdacht genügte, einen Deutschen in die Verhörzelle der Prinz-Albrecht-Straße zu werfen. Selbst unschuldige Familienmitglieder waren rabiatester Polizeiwillkür ausgesetzt.
Kaum einer der prominenten Widerstandsführer entging der Rache des Regimes. Die engere Stauffenberg-Gruppe hatten noch Hitler-treue Offiziere in der Bendlerstraße am Abend des 20. Juli erschossen, die anderen Widerständler aber zogen den Märtyrerpfad durch Gestapo-Gefängnisse, Konzentrationslager, Schauprozesse mit dem keifenden Tribun Roland Freisler bis zur letzten Station unter dem Galgen Hitler-Deutschlands.
Die Todeswalze des Reichssicherheitshauptamts erfaßte auch die SS-Führer, die sich mit den Widerständlern der Gruppe Beck-Goerdeler verbündet hatten. Am 24. Juli floh Kripo-Chef Nebe, weil er sich -- irrigerweise -- von der Gestapo durchschaut glaubte, und ließ sich monatelang von der eigenen Kriminalpolizei jagen, bis er im November 1944 durch den Verrat einer eifersüchtigen Freundin entdeckt und verhaftet wurde.
Die in Schellenbergs "Amt Mil" übernommenen Abwehr-Obersten Hansen und Freiherr von Freytag-Loringhoven wurden als Verschwörer ebenso hingerichtet wie der SS-Sturmbannführer Plaas, der schon vor Ausbruch des Putsches festgenommen und am 19. Juli exekutiert worden war.
Ein verräterisches Tagebuch lieferte auch den ehemaligen SS-Reiterführer von Salviati den Hinrichtungskommandos aus. Besonders gegen ihn richtete sich die Rachsucht Himmlers. Er ließ gegen Salviati beim Oberreichskriegsanwalt ein Ermittlungsverfahren einleiten, weil der Reiter -- so der SS-Personalchef von Herff -- "ein unbelehrbarer Feind des Nationalsozialismus und des Führers ist". Himmler: "Wenn das Volksgericht ihn nicht verurteilt, lasse ich Herrn Salviati als treulosen SS-Mann erschießen."
Von den antinazistischen SS-Verschwörern konnte nur der Brigadeführer Kanstein der Hinrichtung entgehen. Der designierte Sicherheitspolizei-Chef der Verschwörer wurde im RSHA pausenlos verhört, doch dank einer eigenmächtigen Order des Staatssekretärs im Reichsinnenministerium und SS-Obergruppenführers Stuckart erhielt Kanstein die Freiheit zurück -- der wütende RSHA-Chef Kaltenbrunner konnte dem Kameraden Stuckart diese Einmischung nie verzeihen.
Doch je blindwütiger Himmlers Schergen unter den Widerstandsführern wüteten, desto zurückhaltender wurden die Kommentare des Großinquisitors. Seine Zuversicht in Adolf Hitler dauerte nicht lange an. Schon meldeten sich die alten Zweifel, die ihm die Treue zu seinem Führer erschwert hatten. Eine wahnwitzige Idee bemächtigte sich seiner: Konnte man vielleicht gemeinsam mit den todgeweihten Verurteilten des 20. Juli 1944 doch noch den Frieden gewinnen?
In Himmler reifte der Plan, mit den internationalen Freunden der Beck-Goerdeler-Gruppe ins Gespräch zu kommen. Er ließ die Hinrichtung der Todeskandidaten hinausschieben und eröffnete einen gespenstischen Dialog mit seinen Opfern. Goerdeler, Popitz und der Graf von der Schulenburg erhielten die Genehmigung, in ausführlichen Expertisen zu beschreiben, was sie einst zum Widerstand gegen Hitler bewogen hatte.
Hinter so kaltblütiger Lebensverlängerung verbarg sich die Überlegung, die SS könne in die Kleider des Widerstandes schlüpfen. Im Oktober 1944 ließ Himmler seinen SD-Chef Schellenberg mit dem schwedischen Bankier Wallenberg Verbindung aufnehmen, dessen Freundschaft zu Goerdeler dem angeklagten Widerstands-Chef als todeswürdiges Verbrechen angelastet worden war.
Jetzt aber wollte sich Himmler der Goerdeler-Wallenberg-Freundschaft bedienen, um mit den Alliierten wieder ins Gespräch zu kommen. Doch Wallenberg entzog sich dem Werben Schellenbergs. Himmler gab nicht auf. Er kontaktierte Goerdeler in dessen Todeszelle und drängte ihn, dem Vaterland noch einen letzten Dienst zu leisten.
"Eines Tages", so erzählte Goerdelers Bewacher Wilhelm Brandenburg, "wurde Dr. Goerdeler von höchster Stelle -- Himmler -- das Angebot gemacht, man kann es auch einen Antrag nennen, seine engen persönlichen und natürlich auch politischen Beziehungen und Freundschaften zu dem schwedischen Finanzmann Wallenberg in Stockholm und dem Zionistenführer Dr. Weizmann und über diesen weiter an den schwedischen König ... auszuspielen und also jetzt das zu tun, was Goerdeler und sein Kreis höchstwahrscheinlich, nach einem erfolgreichen Staatsstreich sicher, getan hätten, nämlich ... die Verbindung zum englischen Premierminister Churchill anzubahnen und auf diesem Wege zu einem schnellen und noch erträglichen Kriegsschluß zu kommen."
Goerdeler war dazu bereit, wenn Himmler ihn nach Schweden reisen ließ. Doch das wagte der SS-Chef nicht. Er traf noch einmal mit dem Widerstands-Chef zusammen, aber man konnte sich nicht einigen.
Himmler brach den Dialog mit Goerdeler ab. Am 2. Februar 1945 mußte der Märtyrer des deutschen Widerstandes den letzten Weg antreten, Heinrich Himmler aber konnte sich nicht mehr von dem Regime befreien, das er verteidigen und zugleich beseitigen wollte. Er und der schwarze Orden blieben Gefangene ihres Wunschdenkens und ihres Fanatismus -- bis zum bitteren Ende.
IM NÄCHSTEN HEFT
Höhepunkt und Niedergang der SS-Macht: Himmler wird Oberbefehlshaber einer Heeresgruppe -- Die SS beseitigt das ungarische Horthy-Regime -- Barmann stoppt Himmlers Machtaufstieg
Von Heinz Höhne

DER SPIEGEL 8/1967
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