23.05.1966

„FRAU! FRAU!“

Den immer weiter vordringenden disziplinierten Kampftruppen folgten Horden russischer Soldaten, die jetzt den Siegespreis forderten: die Frauen der Besiegten.
Vier russische Soldaten schlugen in Zehlendorf mit ihren Gewehrkolben die Tür des Kellers ein, in dem Ursula Köster mit ihren Eltern, ihren sechs Jahre alten Zwillingen Ingrid und Gisela und dem sieben Monate alten Bernd schlief. Sie durchsuchten den Keller und verstauten Weckgläser mit Obst, Füllfedern, Uhren und Ursula Kösters Brieftasche in einem leeren Koffer. Einer der Russen fand eine Flasche französisches Parfum. Er öffnete sie, schnupperte daran und schüttete den ganzen Inhalt auf seine Uniform. Ein anderer Russe schob Ursulas Eltern und die Kinder mit vorgehaltenem Gewehr in einen kleinen Nebenraum. Dann vergewaltigten sie alle vier Soldaten, einer nach dem andern.
Als Ursula Köster am nächsten Morgen gegen sechs ihr Kind stillte, betraten zwei andere Soldaten den Keller. Sie versuchte, das Kind im Arm, an ihnen vorbei auf den Gang zu flüchten. Doch sie war zu schwach. Der eine Russe nahm ihr das Kind ab und legte es in seinen Wagen. Der andere sah sie grinsend an. Beide waren völlig verschmutzt; sie trugen Pelzmützen, und in ihren Stiefeln steckten Messer. Dem einen hing das Hemd aus der Hose. Sie wurde von beiden vergewaltigt.
Als sie fort waren, suchte sie alle Decken zusammen, die sie finden konnte, hob das Baby aus dem Wagen, nahm die beiden Mädchen an die Hand und lief in die Schrebergartenanlage auf der anderen Straßenseite. Dort fand sie eine Badewanne, die aus einem der Häuser herausgeworfen oder durch eine einschlagende Granate herausgeschleudert worden war. Sie drehte sie um und kroch mit den Kindern darunter.
In Hermsdorf flüchtete die achtzehn Jahre alte Juliane Bochnik unter ein Sofa an der hinteren Kellerwand, als sie die Russen kommen hörte. Ihr Vater, der russisch sprach, stellte sich den Soldaten entgegen und protestierte gegen ihr Eindringen. Juliane hörte, wie die Russen nach ihr fragten und wie ihr Vater rief: "Ich melde euch dem Kommissar!" Sie führten ihren Vater mit vorgehaltenem Gewehr auf die Straße. Juliane rührte sich nicht; sie hoffte, die Russen würden wieder gehen. Sie hatte
sich ihr Gesicht und ihre blonden Haare geschwärzt, um älter auszusehen. Trotzdem hielt sie es für besser, unter dem Sofa zu bleiben.
In dem anschließenden Keller saßen zwei alte Leute. Plötzlich hörte Juliane, wie die beiden ängstlich schrien: "Dort ist sie! Dort! Unter dem Sofa!" Juliane wurde aus ihrem Versteck gezerrt. Zitternd vor Furcht stand sie da und sah, wie die Russen einen Moment miteinander redeten. Dann gingen alle bis auf einen. "Es war ein junger Offizier", berichtet sie, "und soweit ich das beim Licht seiner Taschenlampe sehen konnte, sah er recht gut und sauber aus." Die Gesten, die er machte, waren unmißverständlich. Sie wich zurück; er folgte ihr. Lächelnd, "mit sanfter Gewalt", begann er Juliane auszuziehen. Sie wehrte sich heftig. "Es war nicht leicht für ihn", erinnert sie sich. "Er hatte in der einen Hand eine Taschenlampe und blickte sich mit typisch russischem Mißtrauen immer wieder um, ob nicht jemand hereinkam."
Trotz ihres Sträubens zog er sie allmählich aus. Sie fiel weinend auf die Knie und bat ihn, sie zu schonen. Der junge Russe sah sie stumm an. Juliane hörte zu weinen auf, nahm sich zusammen und versuchte es auf eine andere Weise: Sie sprach fest und energisch auf ihn ein. "Ich sagte ihm, daß das nicht richtig von ihm sei", berichtet Juliane, "daß man sich nicht so benimmt." Der Russe machte ein beleidigtes Gesicht. Dann, als sie schon fast völlig entkleidet war, verlor sie wieder die Beherrschung. "Ich liebe dich nicht!" schrie sie ihn an. "Es hat doch keinen Zweck! Ich liebe dich einfach nicht!" Plötzlich sagte der Russe angewidert "Ahhh" und stürzte aus dem Keller.
Der Lehrer Gerd Buchwald sah, wie die sowjetischen Soldaten in Reinickendorf außer Rand und Band gerieten. Seine Wohnung wurde von Rotarmistinnen, die von den Kleidern seiner Frau wie magnetisch angezogen wurden, völlig ausgeplündert. "Sie nahmen sich, was sie wollten, und gingen wieder." Er verbrannte, was sie zurückließen, und versteckte seine Pistole im Garten. Am Abend erschien eine Gruppe betrunkener russischer Soldaten. "Frau! Frau!" riefen sie. Buchwald begrüßte sie mit freundlichem Lächeln. "Ich hatte einen zwei Tage alten Bart und war ungekämmt, so daß ich älter aussah. Vielleicht glaubten sie mir deshalb. Ich spreizte die Hände und sagte: Frau kaputt". Während Buchwald sich aufs Sofa legte, durchsuchten sie die Wohnung, steckten ein Paar Hosenträger ein und verschwanden wieder. Als sie fort waren, verriegelte Buchwald die Tür. Er schob das Sofa weg und half seiner Frau aus dem etwa einen Quadratmeter großen Loch hervor, daß sie in den Fußboden gegraben hatten. Sie verbrachte die nächsten Wochen jede Nacht darin.
D. Gerhard Jacobi, der Pastor der Kaiser - Wilhelm - Gedächtnis - Kirche, versteckte ebenfalls seine Frau. Während in seinem Keller viele Frauen vergewaltigt wurden, lag sie unter einer dicken Decke hinter ihm auf seiner Couch.
In Wilmersdorf blieben Ilse Antz, ihre jüngere Schwester Anneliese und ihre Mutter, auf die die Rote Armee anfangs einen guten Eindruck gemacht hatte einige Zeit unbehelligt. Dann wurde Anneliese eines Nachts aus dem Bett gezerrt, in dem sie mit ihrer Mutter schlief. Man trug das schreiende Mädchen nach oben in eine Wohnung, wo es von einem sowjetischen Offizier brutal vergewaltigt wurde. Danach strich ihr der Russe übers Haar und sagte: "Gute Deutsche." Er bat sie, niemandem davon zu erzählen. Am nächsten Tag schickte er ihr durch einen Soldaten ein Paket mit Lebensmitteln.
Kurz danach wurde Ilse das Opfer eines Soldaten, der in jeder Hand eine Pistole hatte, als er auftauchte. "Ich setzte mich im Bett auf und fragte mich, mit welcher er mich erschießen würde, mit der rechten oder der linken." Sie trug in dem kalten Keller Skihosen und mehrere Pullover übereinander. Der Soldat stürzte sich auf sie und zerrte ihr die Pullover herunter. Plötzlich sagte er verblüfft: "Bist du deutsche Soldat?" "Das überraschte mich nicht", berichtet Ilse. "Ich war vor Hunger so abgemagert, daß ich kaum noch wie eine Frau aussah." Doch der Russe bemerkte schnell, daß er sich geirrt hatte, und vergewaltigte sie. Als er ging, sagte er: "So haben es die Deutschen in Rußland gemacht." Nach einer Weile kam er zurück, setzte - sich zu ihrem Erstaunen neben sie auf das Bett und beschützte sie bis zum Morgen vor anderen Rotarmisten, die in den Keller eindrangen.
Während die Russen schändeten und plünderten, häuften sich überall die Selbstmorde. Allein im Bezirk Pankow wurden innerhalb von drei Wochen 215 Selbstmorde registriert, zum größten Teil von Frauen. Josef Michalke und Alfons Matzker, Jesuitenpriester an der St. Canisius-Kirche in Charlottenburg sahen, wie eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern aus der Havel gezogen wurde. Die Frau hatte sich mit Ziegeln gefüllte Einkaufstaschen an die Arme gebunden, unter jeden Arm ein Kind genommen und war ins Wasser gesprungen.
Hannelore von Cmuda, ein siebzehnjähriges Mädchen, das Pater Michalkes Gemeinde angehörte, wurde von einer Horde betrunkener Rotarmisten mehrmals vergewaltigt und danach dreimal angeschossen. Schwer verletzt schaffte man sie mit einem Kinderwagen, dem einzigen greifbaren Transportmittel, ins Pfarrhaus. Pater Michalke war im Augenblick nicht da, und als er kam, war das Mädchen verschwunden. Er suchte Hannelore vierundzwanzig Stunden lang und fand sie schließlich im St.-Hildegard-Krankenhaus. Er versah sie mit den Sterbesakramenten und wachte die ganze nächste Nacht an ihrem Bett. Hannelore blieb am Leben. (Ein Jahr später wurden sie und ihre Mutter von einem Lastauto tödlich überfahren.)
Margarete Promeist, die einen Luftschutzbunker beaufsichtigte, berichtet: "Zwei Tage und zwei Nächte lang kamen die Russen scharenweise in meinen Bunker und plünderten und vergewaltigten. Frauen, die sich zur Wehr setzten, wurden umgebracht. Einige wurden auch so erschossen. Allein in einem Raum fand ich die Leichen von sechs oder sieben Frauen mit eingeschlagenen Schädeln, alle noch in der Stellung, in der man sie vergewaltigt hatte." Auch Margarete selbst wurde geschändet, obwohl sie den jungen Soldaten, der sich auf sie stürzte, anschrie: "Ich bin viel zu alt!" Sie sah, wie eine Krankenschwester von drei Russen festgehalten und von einem vierten vergewaltigt wurde.
Der Hitlerjunge Klaus Küster, der inzwischen Zivilkleider angelegt hatte, wurde von zwei in einem Geländewagen sitzenden sowjetischen Offizieren in eine Unterhaltung verwickelt. Der eine sprach Deutsch und war so gesprächig daß Klaus Mut faßte und eine undiplomatische Frage stellte. "Stimmt es", fragte er, "was die Zeitungen schreiben - daß die russischen Soldaten plündern und vergewaltigen?" Der Offizier steckte ihm eine Schachtel Zigaretten zu und sagte: "Ich gebe dir mein Ehrenwort als Offizier, daß die sowjetischen Soldaten niemandem - etwas tun werden. Alles, was die Zeitungen darüber geschrieben haben, war erlogen."
Am nächsten Tag sah Küster, wie in der General-Barby-Straße drei Russen eine Frau packten und in einen Hauseingang zerrten. Der eine richtete drohend seine Maschinenpistole auf Küster, der zweite hielt die schreiende Frau fest, und der dritte vergewaltigte sie. Dann trat der Soldat, der die Frau geschändet hatte, auf die Straße. Er war stark betrunken, Tränen liefen ihm übers Gesicht, und er schrie: "Ja bolschoja swinja." Küster fragte einen der beiden anderen Russen, was das heiße. Der Mann sagte lachend auf deutsch: "Das heißt: ,Ich bin ein großes Schwein.'"
In einem Keller in Kreuzberg, in dem Margareta. Pröbst Zuflucht gesucht hatte, hielt sich in einem versperrten Raum ein fanatischer Nazi namens Möller versteckt. Die Russen erfuhren davon und versuchten die Tür einzuschlagen. Möller rief heraus: "Laßt mir einen Moment Zeit. Ich erschieße mich." Als die Russen sich wieder gegen die Tür warfen, rief er: "Wartet! Der Revolver klemmt!" Dann knallte ein Schuß.
Immer wieder kamen in den nächsten Wochen Russen in den Keller und sahen sich nach Mädchen um. Margareta hatte, wie viele andere Frauen, versucht, sich so unattraktiv wie möglich herzurichten. Sie hatte ihr langes blondes Haar unter eine Mütze gestopft, eine dunkle Brille aufgesetzt, das Gesicht mit Jod eingeschmiert und ein großes Heftpflaster auf die Wange geklebt. Sie wurde selbst nicht belästigt, sah aber Schreckliches.
"Die Mädchen wurden einfach zusammengetrieben und nach oben in die Wohnungen gebracht", berichtet sie. "Wir hörten die ganze Nacht hindurch ihre Schreie - sie drangen bis in den Keller." Eine achtzigjährige Frau erzählte ihr, daß zwei Soldaten ihr Butter in den Mund gestopft hatten, um ihre Schreie zu ersticken, während mehrere andere sie vergewaltigten.
Dora Janssen und die Witwe des Burschen ihres Mannes, die beim Einzug der Kampftruppen schon erleichtert aufgeatmet hatten, blieben ebenfalls nicht ungeschoren. Inge, die Witwe, wurde von einem Soldaten brutal vergewaltigt; er behauptete, seine Mutter sei nach dem deutschen Überfall auf Rußland nach Berlin verschleppt worden und seither verschwunden. Dora wurde von den Soldaten verschont; sie sagte, sie habe Tuberkulose, und davor hatten die Russen offenbar schreckliche Angst. Inge jedoch wurde noch ein zweites Mal vergewaltigt und dabei so schwer verletzt, daß sie nicht gehen konnte. Dora lief auf die Straße hinaus, entdeckte einen Mann, der wie ein Offizier aussah, und erzählte ihm, was geschehen war. Er sah sie verächtlich an und sagte: "Die Deutschen haben in Rußland viel Schlimmeres getan. Das ist nichts als Rache."
Die siebzehnjährige Elena Majewski und die neunzehnjährige Vera Ungnad lernten die Russen von der guten und von der schlechten Seite kennen. Als im Bezirk Tiergarten die Plünderungen und Vergewaltigungen begannen, legte sich ein junger russischer Soldat die Nacht über vor ihre Kellertür und sorgte dafür, daß die Mädchen von seinen Landsleuten nicht belästigt wurden. Als er am nächsten Tag gegangen war, kamen sieben oder acht Rotarmisten und forderten sie auf, an einer Feier teilzunehmen, die sie im Nebenhaus veranstalteten.
Den Mädchen blieb nichts übrig als mitzugehen, und sie sahen zuerst auch keinen Grund zu irgendwelchen Befürchtungen. Es stellte sich heraus, daß die Feier in einem Schlafzimmer stattfinden sollte, in dem bereits dreißig Soldaten warteten, doch anfangs ging es ganz harmlos zu. Man hatte die Betten an die Wand geschoben, und in der Mitte des Zimmers stand ein großer, weiß gedeckter Tisch mit silbernen Kerzenleuchtern. Ein junger blonder Offizier spielte auf einem Grammophon englische Schallplatten. Er lächelte die Mädchen an und sagte: "Eßt und trinkt, soviel ihr wollt." Elena setzte sich an den Tisch, doch Vera wollte plötzlich wieder gehn. Sie hatte den Verdacht, daß das Ganze nicht so harmlos war, wie es aussah.
Sie wollte das Zimmer verlassen. Einige Soldaten versperrten ihr grinsend den Weg. Dann sagte einer der Russen zu ihr: "Mit dreißig Soldaten du kaputt, mit mir du nicht kaputt." Jetzt gab es für Vera keinen Zweifel mehr, warum man sie zu der Feier eingeladen hatte. Doch sie erklärte sich bereit, mit dem einen Soldaten mitzugehen: Einem konnte man leichter entkommen als dreißig. Aber der Soldat war auf der Hut. Er packte sie am Haar und zerrte sie, obwohl sie wild um sich schlug und schrie, in ein leeres Zimmer. Irgendwie konnte sie sich losreißen und fortlaufen. Sie streifte ihre hochhackigen Schuhe ab und rannte barfuß über den mit Glassplittern und Trümmern übersäten Hinterhof zu einer Ruine an der Putlitzstraße. Dort grub sie in verzweifelter Hast ein Loch in den Schutt und zog sich einen Wassereimer über den Kopf.
Elena, ihre Freundin, saß indessen zwischen den Russen und aß. Ihr Hunger war stärker als ihr Unbehagen. Auf dem Tisch waren Berge von Kaviar, Weißbrot, Schokolade und Rindfleisch, das die Russen roh verschlangen. Dazu tranken sie Wodka aus Wassergläsern und wurden immer betrunkener. Schließlich beschloß Elena, lieber doch zu verschwinden. Sie stand vorsichtig vom Tisch auf und ging hinaus. Niemand folgte ihr. Doch im Nebenzimmer packte sie ein wild aussehender Soldat mit einem riesigen Schnurrbart und zerrte sie in einen kleinen Vorraum. Er warf sie zu Boden und riß ihren Trainingsanzug auf. Sie wurde ohnmächtig. Als sie nach langer Zeit wieder zu sich kam, schob sie den schlafenden Mann weg, kroch unter starken Schmerzen aus dem Haus und versteckte sich in einem Nachbarhaus.
Rudolf Reschke konnte seine Mutter vor einer Vergewaltigung bewahren. Als ein Russe Frau Reschke aus der Wohnung zerren wollte, klammerten Rudolf und seine Schwester Christa sich an sie und schrien so lange "Mammi! Mammi!", bis der Soldat von ihr abließ.
Einige Frauen entgingen der Vergewaltigung, indem sie sich so heftig zur Wehr setzten, daß die Soldaten ihre Versuche aufgaben und sich nach einem anderen Opfer umsahen. Jolenta Koch ließ sich von einem Russen überreden,
mit ihm in ein leeres Haus zu gehen; er erzählte ihr, daß sich darin ein Verwundeter befände, dem man helfen müsse. In dem Haus wartete ein zweiter Rotarmist, der sie packte und auf ein Bett zu werfen versuchte. Sie schlug derart um sich, daß die beiden froh waren, als sie weglief.
Eine Nachbarin von ihr, eine Frau Schulz, kam nicht so glücklich davon. Frau Schulz wurde vor den Augen ihres hilflosen Mannes und ihres fünfzehnjährigen Sohnes mit vorgehaltener Pistole vergewaltigt; sobald die Russen fort waren, erschoß der völlig gebrochene Mann seine Frau, seinen Sohn und sich selbst.
Mutter Superior Kunigunde in Haus Dahlem hörte von einer Mutter dreier kleiner Kinder, die die Russen von ihrer Familie weggeschleppt und eine ganze Nacht pausenlos vergewaltigt hatten. Als sie die Frau am Morgen laufen ließen, eilte sie nach Hause und sah, daß ihre Mutter und ihr Bruder die drei Kinder und sich selbst aufgehängt hatten. Die Frau beging Selbstmord, indem sie sich die Pulsader aufschnitt.
Die Nonnen in Haus Dahlem, das voller Flüchtlinge war, arbeiteten Tag und Nacht pausenlos. Auch sie lernten die russische Bestialität kennen. Ein Russe versuchte Lena, die ukrainische Köchin, zu vergewaltigen. Als Oberin Kunigunde dazwischentrat, wurde er so wütend, daß er seine Pistole zog und auf sie schoß. Zum Glück war er zu betrunken, um zu treffen. Andere Soldaten drangen in die Entbindungsstation ein und vergewaltigten trotz aller Abwehrversuche der Nonnen wiederholt Schwangere und Frauen, die eben erst entbunden hatten. "Ihre Schreie", berichtet eine Nonne, "waren Tag und Nacht zu hören." Laut Oberin Kunigunde wurden in der Nachbarschaft siebzigjährige Frauen und kleine Mädchen von zehn und zwölf Jahren vergewaltigt.
Die Oberin war außerstande, die Überfälle zu verhindern. Sie rief die Nonnen und die anderen im Haus befindlichen Frauen zusammen und erinnerte sie an Pater Happichs Worte. "Vertraut auf die Hilfe des Herrn", sagte sie. Einen anderen Trost vermochte sie ihnen nicht zu geben.
In Wilmersdorf hatten sich der alliierte Spion Carl Wiberg und sein Vorgesetzter Hennings Jessen-Schmidt den Russen sofort zu erkennen gegeben und waren bisher von Übergriffen verschont geblieben, von einem Zwischenfall abgesehen. Als sie einmal mit einem russischen Oberst vor Wibergs Haus standen und sich unterhielten, versuchte ein anderer sowjetischer Offizier, Wibergs Verlobte Inge im Keller zu vergewaltigen. Als Wiberg sie schreien hörte, stürzte er ins Haus. Nachbarn riefen ihm zu, daß der Offizier sich mit dem Mädchen in einem Nebenraum eingeschlossen habe. Wiberg und der Oberst schlugen die Tür ein. Inges Kleider waren zerrissen; der Offizier war halb entkleidet.
Der Oberst packte ihn und führte,ihn hinaus, wobei er "Amerikanski! Amerikanski!" schrie und unbarmherzig mit dem Knauf seiner Pistole auf ihn einschlug. Dann stellte er den Offizier an eine Mauer und wollte ihn erschießen.
Wiberg sprang dazwischen und bat den Oberst, den Mann am Leben zu lassen. Der Oberst gab schließlich nach, und der Offizier wurde abgeführt.
Aus: Cornelius Ryan, "The Last Battle"; Simon and Schuster Verlag, New York; 572 Seiten; 7,50 Dollar; Vorabdruck in "Reader's Digest".
Antisowjetische Parolen, Sowjet-Soldaten in Berlin 1945: "So haben es die Deutschen in Rußland gemacht" Sowjet-Soldaten in Berlin 1945: "Ja bolschoja swinja"

DER SPIEGEL 22/1966
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