17.07.1967

GESTORBENFERDINAND FRIEDRICH ZIMMERMANN

FERDINAND FRIEDRICH ZIMMERMANN, 68. "Ein wandelndes Lexikon der deutschen Wirtschaft" nannte ihn die "Welt", für die er eineinhalb Jahrzehnte lang als Ferdinand Fried weitschweifige wirtschaftspolitische Kommentare verfaßte. Seine Karriere begann der 25jährige nach dem Studium der Nationalökonomie in den Handelsredaktionen des Ullstein-Verlags, schrieb für die antidemokratische Zeitschrift "Die Tat" seines lebenslangen Weggefährten Hans Zehrer und avancierte 1933 dank guter Kontakte zu Heinrich Himmler nacheinander zum" Chefredakteur der Berliner "Täglichen Rundschau" und der "Münchner Neuesten Nach richten". Buchautor Fried ("Das Ende des Kapitalismus", "Aufstieg der Juden") trat im September 1934 als Obersturmführer der SS bei und wurde zwei Jahre später zum Sturmbannführer befördert. Doch, so die "Welt" in einem Nachruf auf den am Herzinfarkt gestorbenen Journalisten, "Böses kann er nicht getan haben".
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VIVIEN LEIGH, 53. In England gingen die Lichter an den Theaterfassaden aus, als der Tod die Diva angetreten hatte. Als ein Mirakel an Grazie" Witz und Temperament war die Elevin in den dreißiger Jahren ins Rampenlicht gekommen. und bald war sie in der ganzen Welt bekannt -- als die Südstaaten-Lady Scarlett O'Hara im Hollywood-Rührstück "Vom Winde verweht" und als die abgewrackte Blanche DuBois in der "Endstation Sehnsucht"-Verfilmung. 1940 hatte sie den britischen Bühnen-Heros Laurence Olivier geheiratet. Das glänzende Paar regierte das englische Theater der Nachkriegszeit, aber als die Ehe nach 20 Jahren brach, sank auch der Stern Vivien Leighs. Im "Narrenschiff"-Film spielte sie noch eine geschiedene Frau und letztes Jahr auf dem Broadway eine Schwindsüchtige. Vergangene Woche starb sie an Tuberkulose.
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ALBERTINE SARRAZIN, 29. Diebstähle und Prostitution, Ein- und Ausbrüche brachten dem verwaisten Gossen-Talent acht Jahre Gefängnis. Stadtverbot für Paris und Meldepflicht bei der Polizei von Montpellier ein.
Zwei hinter Gittern geschriebene, Argot-gespickte Gefängnis-Romane ("Der Astragal". "Kassiber") brachten ihr den Titel "weiblicher Genet", den "Prix des Quatre Jurys" und einen Bestseller-Ruhm ein, der sie kaum lange überleben wird. Sie starb nach einer Nierenoperation.

DER SPIEGEL 30/1967
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