20.03.1967

BANKEN / ROTHSCHILDPump à la carte

Frankreichs Geld-Aristokratie, gewohnt, in Luxus, Glanz und Überfluß zu leben, tanzt um einen neuen Fetisch. Er ist rechteckig, fünf mal acht Zentimeter groß und besteht aus Plastik.
Das Plastikkärtchen in den Farben Schwarz-Weiß-Gelb ist ein Kreditausweis, trägt auf der linken Vorderseite ein reichverziertes Wappen (Inschrift: "concordia, industria, integritas"*) und wird nur einem kleinen Kreis verliehen: ausgewählten Kunden der exklusiven Pariser Rothschild-Bank.
Seit Baron Guy de Rothschild in der vorletzten Woche "zunächst einige tausend" Luxuspässe an Konteninhaber verteilen ließ, rätselt das vornehme Paris, wer dazugehört. "Wir haben da keine objektiven Maßstäbe", erklärte ein Rothschild-Direktor, zu dessen Prinzipien es gehört, weder die Namen seiner Kunden noch den eigenen zu nennen. "Wir gehen individuell vor, nach dem Namen, dem Titel oder dem Kontostand."
Die Manager der Rothschild-Bank betrachten ihre Kreditkarte -- die erste eines kontinentaleuropäischen Geldinstituts -- als zusätzlichen Service für ihre vornehmen Kunden. Auf keinen Fall wollen sie in einem Atemzug mit amerikanischen Kreditorganisationen wie "Diners' Club", "American Express" oder Hiltons "Carte Blanche" genannt werden. Gleichwohl ist ihr Prinzip dasselbe: Der Kunde zeigt die Karte in einem Geschäft, Restaurant oder Hotel vor. Die Bank rechnet ab.
"Wir haben nur Geschäfte, Hotels und Restaurants verpflichtet", grenzt der Rothschild -- Sprecher seine Kreditkarte gegenüber den amerikanischen Pump-Pässen ab, "wo Rothschild-Kunden eben zu kaufen oder zu speisen pflegen."
Eine Liste, die dem Kreis der Privilegierten zusammen mit dem Bezugschein ausgehändigt wurde, nennt unter anderem
> die Luxus-Boutiquen der Haute Couture: Christian Dior, Pierre Cardin und Guy Laroche;
> die Schlemmerlokale französischer Meisterköche: Maxim's, Tour d'Argent, Drouant und Lasserre;
> die Renommier-Absteigen der internationalen Snobiety in Paris und Cannes: Prince de Galles Meurice und Carlton.
Dem Rang der Vertrags-Etablissements entspricht der Service in der Rothschild-Bank. Für Plaudereien über den Pomp auf Pump stehen an der Rue Laffitte nahe der Pariser Oper intime Geschäftsräume im Stil viktorianischer Salons zur Verfügung. Weiblichen Kunden küßt ein Empfangschef im Cut die Hand. * Eintracht, Fleiß, Unbescholtenheit.

DER SPIEGEL 13/1967
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