10.04.1967

PERSONALIENLyndon Baines Johnson, Wilhelm Witten, Hubert Horatio Humphrey, Hans-Christoph Seebohm

Lyndon Baines Johnson, 58, US-Präsident, der am vorletzten Wochenende 29 lateinamerikanische Diplomaten zu Barbecue. Buffalo-Bill-Schauspielen und Besprechungen auf seine Ranch geladen hatte, hockte sich während der Vorführung der historischen texanischen Volksbräuche mit seiner Frau, Claudia Alta ("Ladybird"), 54, in Rancherpose auf den Zaun. Vor dem Weekend hatte Johnson seine Gäste gebeten. ihre Hutgrößen anzugeben. Einige Diplomaten, die annahmen, sie würden Texas-Hüte zum Geschenk erhalten und in ihren Heimatländern Ungelegenheiten bekommen, wenn sie diese Hüte beim Präsidenten tragen müßten und dabei photographiert würden, gaben ihre Maße erst preis, nachdem ihnen versichert worden war, daß der Gastgeber sie nicht zum Aufsetzen der Cowboy-Hüte animieren werde.
Wilhelm Witten, 46, Dr. med. und Chef der CDU-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft, verhielt sich am letzten Mittwoch bei einem Frühstück, das Bürgermeister Weichmann (SPD) anläßlich eines Hamburg-Besuchs des Bonner Sowjet-Botschafters Semjon Zarapkin gab, protokollwidrig. Grund: Dem Christdemokraten mißfiel die Tischrede Zarapkins, der zunächst Weichmanns Bereitschaft zu vernünftigen deutsch-russischen Beziehungen gelobt, anschließend an das Bonner Röhren-Embargo erinnert und die Bundesrepublik aufgefordert hatte, ihren Osthandel zu entpolitisieren. Während der Ansprache Zarapkins machte Witten, der zwei Plätze neben dem Russen saß, mit hochrotem Kopf ständig mißmutige Randbemerkungen. Als sich die Tischrunde dann zu einem Toast des Sowjet-Diplomaten auf Weichmann, Hamburg und die Beziehungen zwischen der Hansestadt und der UdSSR erhob, blieb der Christdemokrat demonstrativ sitzen. Begründung: "Es ist eine ausgesprochene Unverschämtheit, gegen das Gastland zu polemisieren. Herr Zarapkin dreht doch die Dinge völlig um. wenn er behauptet, wir politisieren den Handel. Wenn das jemand tut, dann ist es der Osten." Zarapkin nach dem Essen: "Das Benehmen dieses Mannes bestätigt die sowjetische Meinung über CDU-Politiker, daß sie die Wahrheit nicht vertragen können und fremde Meinungen nicht gelten lassen." Elke Sommer, 26, im kalifornischen Beverly Hills lebende deutsche Filmschauspielerin ("Die Sieger"), die in ihrem nächsten Lichtspiel, einer Komödie mit dem Titel "Die schlimmen Träume der Paula Schultz", eine DDR-Leichtathletin darstellt, die nach intensivem Stabhochsprung-Training über die Berliner Mauer springt, übte in den letzten vier Wochen täglich drei bis vier Stunden lang auf dem Sportplatz der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Unter Leitung des Hochschulsportlehrers Jim Bush betrieb sie Hürdenlauf, Hochsprung, Weitsprung. Diskuswerfen, Kugelstoßen und Stabhochsprung; den 100-Meter-Lauf trainierte sie mit ihrem Mann: "Er fuhr mit dem Motorrad, und ich rannte hinterher." Im Film wird Elke Sommer nur beim Anlauf auf die Mauer zu sehen sein -- in die Freiheit springt ein männliches Double.
Hubert Horatio Humphrey, 55 (r.), US-Vizepräsident, der während seines Europabesuchs am Montag letzter Woche mit dem britischen Außenminister George Brown, 52. konferierte. spielte mit Browns Pudel "Jenny". Brown in Anspielung auf eine Angewohnheit Johnsons, der 1964 von der Weltpresse kritisiert wurde, weil er seine Hühnerhunde "Him" und "Her" im Garten des Weißen Hauses an den Ohren in der Luft gehalten hatte, zu seinem Gast: "Heben Sie Jenny ja nicht an den Ohren hoch." Über diesen Scherz "brüllte Humphrey vor Lachen" ("Daily Express"). Heinrich Lübke, 72, Bundespräsident, besuchte am Montag letzter Woche, obwohl er an einer Stirnhöhlenvereiterung litt ("Nach meiner Asienreise hat mich die frische, rauhe Luft des Sauerlandes umgeschmissen"), das von 250 Jungen bewohnte Jugenddorf in Dortmund-Oespel und besichtigte während seines Rundgangs auch Hobby-Arbeiten der Dorf-Jugend. Lübke vor einem überlebensgroßen holzgeschnitzten Kopf: "Wer hat denn den Dickkopf gemacht? Der kann sich sehen lassen." Der Präsident beim Betrachten einer abstrakten Holzplastik: "Da weiß man ja gar nicht, in welcher Richtung man das hinstellen muß. Wo hat denn der sein Gehirn?" Wenig später unterwies Lübke die Jungen: "Jeder, der diese Dinge nicht in der Jugend übt, hat im Alter seine Phantasie verloren."
Hans-Christoph Seebohm, 63, CDU-MdB und ehemaliger Bundesverkehrsminister (1949 bis 1966), berichtete am letztun Donnerstag anläßlich einer Wahlkampfreise durch Schleswig-Holstein im Kieler Hotel "Astor" Journalisten über den Personalaufwand seines Nachfolgers Georg Leber (SPD): "Ich habe mich zusammen mit meinem Staatssekretär in einen Referenten geteilt. Wir hatten vier Sekretärinnen. Jetzt gibt es außer dem bisherigen Staatssekretär noch einen parlamentarischen Staatssekretär, die zusammen mit Herrn Leber drei Referenten und acht Sekretärinnen beschäftigen." Anschließend monierte Seebohm, daß er kritisiert worden sei, wenn ein Polizeiwagen seinem Ministergefährt vorausgefahren sei, hingegen noch niemand berichtete, daß Leber einmal sich und zwei ausländische Besucher von fünf Polizeiwagen eskortieren ließ. Ihn, Seebohm, verwundere das alles wenig, "denn es ist ja bekannt, daß die Herren dieser Seite gern einen gewissen Aufwand treiben".

DER SPIEGEL 16/1967
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