03.06.2006

FRANKREICHTragikomisches Finale

Verwickelt in eine politische Verleumdungskampagne, belastet durch Bestechungsvorwürfe und giftige Kabalen im Kabinett, desavouiert durch die Fehltritte seines Premiers und politischen Ziehsohns - Jacques Chirac, einst als dynamischer "Bulldozer" gefeiert, gilt längst als apathische Verkörperung des französischen Verfalls. Und jetzt wird der angezählte Präsident, ein Jahr vor dem Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit, auch noch der Lächerlichkeit preisgegeben. Zwar ließ er sich gerade in Lateinamerika noch als Staatsmann der Grande Nation hofieren; zurück in der Heimat, gibt der Präsident dagegen, wenn auch diesmal ohne eigenes Zutun, die Rolle eines grotesken Polit-Clowns. Der satirische Dokumentarfilm "In der Haut von Jacques Chirac", der jetzt in Frankreichs Kinos anläuft, entlarvt ihn als widersprüchlich, wankelmütig - und vor allem als tragikomische Figur. Der 90-Minuten-Film ist aus Originalaufnahmen und TV-Auftritten Chiracs montiert, die lange in Archiven verschüttet waren. Kommentiert werden die Szenen der Bürgermeister- und Präsidentenkarriere von einem Stimmenimitator im Chirac-eigenen Pathos. Die Kritik lobt den Zusammenschnitt als "maliziöses und leidenschaftliches Werk", dabei sehen sich die Filmemacher durchaus nicht als Trittbrettfahrer einer grassierenden "Chiracophobie". Eine "nichtautorisierte Autobiografie" nennt Regisseur Karl Zéro seine Arbeit und versichert: "Jacques Chirac wird erkennen, dass der Film ehrlich ist."

DER SPIEGEL 23/2006
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