14.08.2006

SLOWAKEIHetze gegen Ungarn

Kurz nach dem Regierungsantritt der Koalition aus Sozialdemokraten und Nationalisten ist das Verhältnis Bratislavas zum Nachbarn Ungarn angespannt. In einer scharfen Note protestierte Budapest vergangene Woche bei der slowakischen Regierung gegen ein anti-ungarisches Hetzvideo, das im Internet verbreitet wurde und als Zeichen eines gefährlichen Trends in dem Fünf-Millionen-Einwohner-Staat gewertet wird. Seit der neue sozialdemokratische Regierungschef Robert Fico die radikale Slowakische Nationalpartei nach seinem Wahlsieg im Juni als Mehrheitsbeschaffer ins Boot geholt hat, sorgt sich Budapest um das Wohl der rund 500 000 Ungarn in der Slowakei. Tatsächlich habe sich das Klima für die ungarische Minderheit verschlechtert, bestätigt Bela Bugar, Chef der Ungarn-Partei SMK, Schmähbriefe gingen neuerdings bei der SMK-Zentrale ein: "Extremisten glauben, sie hätten nun grünes Licht." Verantwortlich dafür sei Premier Fico, der sich bisher nicht von den notorisch Ungarn-feindlichen Sprüchen seines Koalitionspartners distanziert habe. Er habe zum Beispiel geschwiegen, als Nationalistenchef Jan Slota öffentlich bedauerte, dass die Slowaken die Ungarn nach dem Krieg nicht vertrieben hätten - so wie die Tschechen die deutsche Minderheit verjagten. Bisher galten die Ungarn als gut integriert und hatten in der Regierung geholfen, die Slowakei zum neoliberalen Reformmusterland Europas zu machen.

DER SPIEGEL 33/2006
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