14.08.2006

„Nur die ganz Dummen“

Der Molekularbiologe Werner Franke über Jan Ullrichs angeblichen Hormon-Cocktail, die leeren Versprechungen der Funktionäre und seinen jahrzehntelangen Kampf gegen Doping
SPIEGEL: Herr Franke, Doping-Vorwürfe überall in den vergangenen Wochen: erst Jan Ullrich, dann Tour-Sieger Floyd Landis, schließlich 100-Meter-Olympiasieger Justin Gatlin. Gibt es einen Grund, dass plötzlich so viele Sportler unter schwerem Verdacht stehen?
Franke: Zufall. Solche Wellen gab es immer wieder. Das Einzige, was auffällt, ist die Akkumulation von Prominenten.
SPIEGEL: Sind die Tests vielleicht besser geworden?
Franke: Unsinn. Die Art und Weise der Tests ist nach wie vor lückenhaft, dilettantisch und unintelligent.
SPIEGEL: In den jüngsten Fällen spielt Testosteron eine Rolle. Dabei ist das Sexualhormon schon lange auf dem Markt und leicht nachzuweisen.
Franke: Dass Landis aufgeflogen ist, war wohl ein blöder Unfall. Es gibt in den USA eine richtige Hinterhofindustrie, in der Testosteron-Gels gemischt und anschließend Pflaster damit beschichtet werden, die man sich dann auf den Hodensack oder
sonst wohin klebt. Die Dosierung mit den Pflastern ermöglicht es eigentlich, unerkannt mit Testosteron zu dopen.
SPIEGEL: Was hat Landis falsch gemacht?
Franke: Es war wohl Leichtsinn. Landis wollte am Tag nach seinem Einbruch auf Teufel komm raus von den Toten auferstehen. Da dachte er wohl: Es hat früher geklappt, nehme ich das Zeug wieder. Wenn er richtig eingestellt gewesen wäre, von einem fachkundigen Betreuer, wäre er nie überführt worden. Kein Mensch hätte etwas gemerkt. Nur die ganz Dummen werden noch im Wettkampf erwischt.
SPIEGEL: Inzwischen gibt es so etwas wie einen Generalverdacht. Bei den Europameisterschaften in Budapest schwamm Britta Steffen drei Weltrekorde, positiv getestet wurde sie nicht. Was glauben Sie?
Franke: Als Naturwissenschaftler sage ich: Der Zweifel ist etwas Gutes. Natürlich weiß ich, dass neue Anzüge und Schwimmtechniken die Sportler schneller gemacht haben. Aber Schwimmen ist vor allem eine Ausdauerdisziplin, also ideal für Epo und vergleichbare Substanzen.
SPIEGEL: Was dem Radfahrer guttut, kann dem Schwimmer nicht schaden?
Franke: Richtig. Die Frage ist: Wie und wann werden Sportler kontrolliert? Wenn ich nicht eng und überraschend teste, vor allem während der Trainingshöhepunkte, etwa fünf, sechs Wochen vor den großen Wettkämpfen, dann kann ich es gleich ganz sein lassen. Man muss da kriminalistisch ran, ihnen auflauern und in überraschenden Abständen an der Haustür klingeln.
SPIEGEL: Der Telekom-Radprofi Linus Gerdemann erklärte neulich, er sei in diesem Jahr noch nicht einmal im Training getestet worden. Wie kann das sein?
Franke: Vielleicht wollten sie nicht.
SPIEGEL: Oder sie können es nicht.
Franke: Oder sie sind doof. Größer kann die Blamage jedenfalls nicht sein für unser ach so tolles Anti-Doping-System.
SPIEGEL: Ist sauberer Sport ein Mythos?
Franke: Sauberen Sport gibt es wohl am ehesten noch in motorisch anspruchsvollen Disziplinen, beispielsweise Hochsprung. Ansonsten bin ich pessimistisch. Der Radsport jedenfalls ist völlig verseucht: Seit 1960 hat es 22 Tour-de-France-Sieger gegeben, nur 3 davon sind in ihrer Karriere nicht positiv getestet oder zumindest ernsthaft des Dopings verdächtigt worden.
SPIEGEL: Wann hat der Sport für Sie seine Unschuld verloren?
Franke: 1968. Meine heutige Frau ...
SPIEGEL: ... die ehemalige Leichtathletin Brigitte Berendonk ...
Franke: ... war bei den Olympischen Spielen in Mexiko. Sie war mit Liesel Westermann in ihrer Disziplin Diskuswerfen eine der wenigen aus dem Westen zwischen Ostblock-Athletinnen und bekam mit, dass im Ostblock nun wohl auch Anabolika bei Frauen ein Thema war. Das gab es vorher nur im Männersport. Ihr war klar geworden, dass da mit hormoneller Muskelmast virilisierte Monster geschaffen werden. Und dann passierte es ihr bei einem anderen Wettkampf, dass sie eine Konkurrentin aus Rumänien nicht mehr erkannte. Acht Monate Doping hatten aus ihr einen anderen Menschen gemacht.
SPIEGEL: Wie sah die Frau aus?
Franke: Sie war plötzlich superkräftig, hatte einen Damenbart, üppige Akne und eine tiefe Stimme. Brigitte hat erlebt, was Kugelstoßerinnen und Diskuswerferinnen aus dem Osten im Kraftraum bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb für Gewichte draufpacken. Die waren alle Miss Universum, die konnten 160 Kilogramm und mehr auf der Bank drücken. Meine Frau schaffte an sehr guten Tagen 80, was auch schon eine Menge ist. Sie hat mich dann gefragt: "Was macht ihr Wissenschaftler, was machen Menschen wie du da für einen Mist aus unserem Sport?"
SPIEGEL: Sie wurden dann wissenschaftlicher Berater Ihrer Frau, die die Rolle der Anklägerin übernahm.
Franke: Wir galten als Verräter, Nestbeschmutzer. Nach den Doping-Spielen von Montreal 1976 gab es wieder eine dieser Anti-Doping-Versprechungswellen, aber der deutsche Sport und seine Funktionäre stellten sich dumm. Ich kann mich noch gut an einen Auftritt von uns im "Aktuellen Sportstudio" erinnern, ein Streitgespräch, an dem auch der Freiburger Professor Joseph Keul teilnahm, der inzwischen verstorben ist. Brigitte sagte zu Keul: "Herr Professor, Sie sind gegen die Verabreichung von anabolen Steroiden, aber Sie verschreiben sie trotzdem an Sportler." Da war er sehr ausweichend. Er schien zu ahnen, dass Moderator Harry Valérien ein entsprechendes Rezept von Keul in der Tasche hatte für den Fall, dass er abstreitet.
SPIEGEL: Und?
Franke: Keul sagte, es gebe Fragen, die könne man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Meine Frau antwortete: "Professor Keul, schon in der Bibel steht, deine Rede sei ja, ja oder nein, nein." Das Publikum lachte. Der Mann war schließlich Olympia-Arzt. Alle waren damals gegen uns, auch die Parteien. Wolfgang Schäuble, damals Mitglied des Sportausschusses, wollte Doping in bestimmten Disziplinen erlauben, um in der Welt mithalten zu können. Es war eine offene Feldschlacht.
SPIEGEL: Wie viele Prozesse haben Sie und Ihre Frau in Ihrer Karriere führen müssen?
Franke: 26.
SPIEGEL: Alle gewonnen?
Franke: Praktisch alle, manchmal gab es kleine Vergleiche oder Minikorrekturen.
SPIEGEL: Viele dieser Prozesse standen im Zusammenhang mit Ihren Enthüllungen 1991 über die Doping-Praktiken in der DDR. Wie sind Sie an die geheimen Informationen aus den Archiven gekommen?
Franke: 1990 sollte ich im Auftrag des Wissenschaftsrates dabei helfen, die Wissenschaftsinstitute der DDR zu evaluieren. Ich wusste, dass es einige Doktorarbeiten zum Staatsdoping geben muss. Ich habe zu meiner Frau gesagt: "Wir müssen nach Bad Saarow."
SPIEGEL: Dort befand sich die Militärmedizinische Akademie der Nationalen Volksarmee. Wie sind Sie dort reingekommen?
Franke: Das waren ja noch wilde Zeiten. Brigitte hatte Schiss, wir haben eine ganze Nacht lang diskutiert, ob wir es wagen. Ich habe dann von einem General-Arzt eine Zugangsberechtigung zur Einsicht in geheime Doktorarbeiten bekommen. Aber der Nachrichtendienst funktionierte noch. Aber es ging dann, dank einiger Bluffs. Bingo!
SPIEGEL: Was haben Sie gefunden?
Franke: Acht Dissertationen. Zum Beispiel die Doktorarbeit von Hartmut Riedel, dem ehemaligen Chefarzt des DDR-Leichtathletikverbandes: "Zur Wirkung anaboler Steroide auf die sportliche Leistungsentwicklung in den leichtathletischen Sprungdisziplinen". Das gab es nicht mal bei den Nazis, dass jemand mit so einem kriminellen Dreck zu akademischen Würden kommt.
SPIEGEL: Als der Läufer Dieter Baumann positiv getestet wurde, haben Sie ihn verteidigt. Man hat Ihnen vorgeworfen, Sie seien Ost-Ankläger und West-Verteidiger.
Franke: Ja, zum Beispiel die Ost-Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss, die ich eigentlich für eine intelligente Frau gehalten habe. Der Vorwurf stimmt nicht, wir hatten schon vor der Wende viele Einsätze im Westen, gegen den Münchner Wurftrainer Christian Gehrmann zum Beispiel oder den Hammer Lauftrainer Heinz-Jochen Spilker, der Mädchen das Anabolikum Anavar gegeben hat, ein Mittel, das nicht zugelassen war, unter anderem wegen seiner das Krebswachstum fördernden Wirkung.
SPIEGEL: Und Baumann halten Sie immer noch für unschuldig?
Franke: Ich bin sicher, dass es ein Anschlag war. Baumann hat sich sehr für den Kampf gegen Doping engagiert. Seine Zahnpastatuben waren verseucht, erwiesenermaßen eine alte Stasi-Methode. Baumann hat zu viele Leute an sich rangelassen.
SPIEGEL: Es gibt Menschen, die Ihr Engagement fanatisch nennen.
Franke: Fanatisch ist ja kein Schimpfwort. Für mich bedeutet das: sehr engagiert. Und das bin ich tatsächlich.
SPIEGEL: Andere sagen, Sie wollen nur ins Fernsehen.
Franke: Nichts würde ich lieber vermeiden. Ich habe keine Lust auf solche Auftritte. Mein Beruf ist Molekularbiologe, ich bin jetzt 66 und schon in der Verlängerungsrunde, um ein paar Dinge nachzuarbeiten, die über all die Jahre liegengeblieben sind, vor allem in den Neunzigern, in der Zeit der Prozesse. Eigentlich hatte ich schon im vergangenen Jahr meinen Rückzug aus der Doping-Geschichte angekündigt - und dann kam dieser Radprofi-Wahnsinn.
SPIEGEL: Wenn man den spanischen Ermittlern im Fall Ullrich glaubt, scheinen sich die Methoden im Vergleich zum DDR-Plandoping kaum geändert zu haben.
Franke: Vor allem die Vorgehensweise ist verblüffend ähnlich. Natürlich gibt es ein paar moderne Mittel, aber die neue Qualität liegt darin, dass sich DDR-Wissen und West-Wissen gegenseitig befruchtet haben.
SPIEGEL: Welche Präparate soll Ullrich laut Bericht genommen haben?
Franke: Den ganzen Cocktail. So viel Dreck habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Ullrich hat 35 000 Euro jährlich an den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gezahlt.
SPIEGEL: Ullrich bestreitet das alles. Was soll er sich laut Akte alles einverleibt haben, und was bewirkt es?
Franke: Also: Wachstumshormon zum allgemeinen Muskelaufbau. Dann den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor 1, der ebenfalls dem allgemeinen Physis-Aufbau dient - synthetisch, sehr teuer, in der direkten Anwendung habe ich das in diesem Ausmaß noch nie gesehen; ich dachte immer, das machen nur Freaks. Dann gibt es diese Blutbeutel, tiefgefroren und auch im Kühlschrank, für das Doping mit Eigenblut - gefährlich, denn meistens wird das Blut, bevor es in den Körper kommt, nicht noch mal untersucht. Dazu Testosteron-Pflaster für die schnellere Regeneration und die Aggressivität im Wettkampf sowie das Schwangerschaftshormon Gonadotropin zur allgemeinen Leistungssteigerung. Diese Substanz wurde übrigens auch in der DDR angewandt, hier schließt sich der Kreis. Und schließlich erhielten viele, und das ist der Hammer, Synacthen.
SPIEGEL: Warum ist das ein Hammer?
Franke: Erstens wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass mit dieser Arznei gedopt wird. Und zweitens ist es ziemlich gefährlich. Es wird normalerweise bei Multipler Sklerose verabreicht.
SPIEGEL: Wieso ist das Produkt gefährlich?
Franke: Die deutschen Arzneimittelverzeichnisse brauchen fast eine ganze Seite, um die Nebenwirkungen aufzuzählen. Ein besonderer Warnhinweis bezieht sich auf einen Schockzustand für allergische Asthmatiker. Jan Ullrich ist ein solcher. Die Schamgrenze beim Doping ist noch einmal gesunken.
SPIEGEL: Was glauben Sie, was weiß Ullrich über diese Mittel?
Franke: Ich fürchte, nicht viel. Das Interessante ist, dass das Doping-Labor in Madrid dieses Medikament heimlich aus Deutschland importiert hat. Deswegen werde ich auch diese Woche bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige gegen unbekannt stellen wegen Körperverletzung. Wobei sich "unbekannt" eingrenzen lässt: Es muss jemand sein, der hier bei uns mit Spanien zusammengearbeitet hat, ein Mediziner, der das Zeug ausgegeben hat; die Spanier haben es im Auto abgeholt.
SPIEGEL: Ullrich wird von vielen Radsportfans immer noch verteidigt. Überrascht?
Franke: Ich habe noch nie erlebt, dass ein Sportler eine so treue, aber auch blinde Fangemeinde hat. Im Internet werde ich als "seniler Trottel" beschimpft, als "frustrierter Selbstdarsteller" und "geistiger Tiefflieger", der in den Knast gehört. Inzwischen gibt es 2500 Beiträge.
SPIEGEL: Das reizt Sie dann erst richtig, oder?
Franke: Das amüsiert mich. Und ich staune immer wieder, wie blöd Teile der Menschheit sind. Aber ich habe keine Angst, ich kann mich wehren. Bei mir herrscht auch kein Mangel an direkter, proletarischer Sprache.
SPIEGEL: Anders als in den siebziger Jahren gibt es jetzt immerhin viele Sportfunktionäre, die aktiv werden. Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, will eine Art genetischen Fingerabdruck als Lizenzauflage für Radfahrer. Das klingt doch gut?
Franke: Ich bin Molekularbiologe, ich verstehe einiges von der Materie, aber ich habe immer noch nicht kapiert, was Scharping damit meint.
SPIEGEL: Die Schwimmer wollen die Umkehr der Beweislast einführen.
Franke: Wissen Sie, was das heißt: Umkehr der Beweislast? Dann können sich die Athleten gleich den Scheiterhaufen bauen.
SPIEGEL: Wieso?
Franke: Wie soll ein Sportler beweisen, dass etwas Verbotenes auf einem fremden Weg in seinen Körper gekommen ist? Außerdem gibt es die Beweislastumkehr auch nicht im Strafrecht. Nein, im Normalfall muss es einem Sportler bei positivem Urin schon bewiesen werden, dass er betrogen hat, und das mit Absicht.
SPIEGEL: Genau darauf beruft sich Ullrich. Trotzdem sind Sie gegen ein Anti-Doping-Gesetz?
Franke: Das jetzige Strafrecht und das Arzneimittelgesetz reichen aus, wenn man sie richtig anwendet. Die Verantwortlichen des DDR-Dopings sind so verurteilt worden. Warum soll das jetzt nicht auch funktionieren? Aber es hat bis zum Sommer 2004 gedauert, dass ein Sportverband Strafanzeige stellt wegen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz oder wegen Körperverletzung durch Doping. Und das ist der Skandal, es gibt da immer noch eine Kumpanei.
SPIEGEL: Strafanzeige gegen wen? Gegen Sportler?
Franke: Nein, nein, die Öffentlichkeit will immer an die Sportler ran, ich will nur die Hintermänner: Trainer, Dealer, Mediziner. Der gedopte Sportler sollte sich eine Reduktion der Sperre verdienen, wenn er ein Geständnis ablegt und bei den Ermittlungen als Kronzeuge hilft. Ich sehe den Sportler als Opfer am Ende der mephistophelischen Kette. Wie bei Suchtkranken.
SPIEGEL: Kann es sein, dass Sie einen Kampf führen, der nicht zu gewinnen ist?
Franke: So ein Kriterium darf es nicht geben. Ich kann nicht gegen meine ethischen, moralischen oder wissenschaftlichen Prinzipien handeln, bloß weil es schwierig ist. In einer Schweizer Zeitung stand mal, das Problem werde sich bald dadurch lösen, dass die Doping-Gegner müde werden. Ein entlarvender Satz. Das hoffen wirklich viele.
SPIEGEL: Und eine Freigabe von Doping?
Franke: Das höre ich immer wieder, und ich kann mich nur wundern über den Aberwitz dieses Gedankens. Soll man das deutsche Arzneimittelgesetz abschaffen, damit mit Radfahren weiterhin viel Geld verdient wird? Oder das Strafrecht ändern? Laut einer australischen Studie sind seit 1998 28 Radfahrer durch Blutdoping gestorben, junge, talentierte Leute, im Schnitt Anfang 20. Und was hat der internationale Radsportverband gemacht? Nichts. Die Leute sind verscharrt worden, die meisten, ohne jemals fachlich obduziert worden zu sein. Eine Zivilisationsschande ist das. Junge Athleten sterben nachts still an Epo, und dann heißt es: Todesursache ungeklärt. Und alle sind zufrieden.
SPIEGEL: Bei Olympischen Spielen sind noch nie so viele Doper überführt worden wie 2004 in Athen. Was erwarten Sie in Peking?
Franke: Ich habe erst kürzlich gehört, dass es bei Provinzsportfesten Mädchen geben soll, 14 oder 15 Jahre alt, die da Weltrekordzeiten schwimmen. Es gibt sogar erste Hinweise auf Gen-Doping.
SPIEGEL: Ist das medizinisch möglich?
Franke: Man kann ein Gen so manipulieren, dass etwa Muskeln wachsen, aber es ist schwer, dieses Gen gezielt ein- und auszuschalten. Gen-Doping ist gefährlich, weil es bisher nur bei Tieren erfolgreich war. Bei Menschen müsste man es am lebenden Objekt ausprobieren.
SPIEGEL: Herr Franke, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Werner Franke
gilt weltweit als führender Fachmann in Doping-Fragen und schärfster Kritiker des Sportbetrugs mit leistungssteigernden Mitteln. Franke, 66, ist Molekularbiologie und Professor am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Er ist einer der meistzitierten deutschen Forscher in wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Für sein Engagement im Kampf gegen Doping erhielt der gebürtige Paderborner zusammen mit seiner Frau Brigitte Berendonk im Jahr 2004 das Bundesverdienstkreuz.
Das Gespräch führten die Redakteure Lothar Gorris, Maik Großekathöfer und Udo Ludwig.
Von Lothar Gorris, Maik Großekathöfer und Udo Ludwig

DER SPIEGEL 33/2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 33/2006
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„Nur die ganz Dummen“

  • Unwetter in Österreich: Lage entspannt sich, Gefahr bleibt
  • Hongkong: Wie ein SPIEGEL-Reporter den Protesttag erlebt
  • Nach Pokal-Aus in Peru: Fans und Spieler greifen Schiedsrichter an
  • Smoggeplagtes Neu-Delhi: Zuflucht in der Sauerstoffbar