25.09.2006

KUNSTSCHÄTZEAusverkauf in Karlsruhe?

Heftige Empörung hat der geplante Verkauf bedeutender Teile der einzigartigen Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe ausgelöst. Die Veräußerung ist Teil eines Deals zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Markgrafenhaus Baden, das bislang Ansprüche auf zahlreiche Kunstschätze erhebt. Der erhoffte Erlös von 70 Millionen Euro soll einer Stiftung zum Erhalt des markgräflichen Schlosses Salem am Bodensee zugutekommen. "Wenn die Handschriften in alle Welt zerstreut werden, wäre das eine Katastrophe", klagt Sammlungschefin Ute Obhof. Die Kritiker monieren vor allem, dass das Land die Eigentumsfrage nicht vor Gericht klären ließ, sondern die Kunstschätze "in einer Art vorauseilendem Gehorsam" abgeben wolle, so der Freiburger Mittelalter-Experte Felix Heinzer: "Das ist Staatsbesitz und immer so behandelt worden. Die Fürsten haben die Handschriften als Landesherren von den Klöstern übernommen, nicht als Familien." Käme es zum Verkauf, warnt Professor Eef Overgaauw, Leiter der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, würde zudem die Katalogisierung der Sammlung, über Jahrzehnte aus Steuergeldern in Millionenhöhe finanziert, "mit einem Schlag wertlos".

DER SPIEGEL 39/2006
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