22.01.2007

FILMIm Getriebe

Der Linkspolitiker und Anwalt Gregor Gysi hat dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" unfreiwillig zu weiterer Popularität verholfen. In der DVD-Fassung des preisgekrönten Werks hatte Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck in einem Audiokommentar unter anderem erklärt, dass es laut Birthler-Behörde einen Verdacht der Stasi-Mitarbeit gegen Gysi gebe. Gysi jedoch bestreitet nach wie vor jede Tätigkeit für die Stasi. Er forderte eine Unterlassung und wollte den Kommentar notfalls gerichtlich verbieten lassen, woraufhin die Vertriebsfirma Buena Vista die DVD aus dem Verkehr zog und gegen eine neue Fassung austauschte. Seit Bekanntwerden der Auseinandersetzungen erzielt jedoch die Ursprungsfassung der DVD bei Internet-Börsen Höchstpreise, selbst Raubkopien werden zu begehrten Sammlerstücken. Das dürfte im Sinne des Hauptdarstellers sein: Ulrich Mühe hat vergangene Woche eine Unterlassungserklärung unterschrieben, weil er ebenfalls im Zusammenhang mit dem Film über eine vermeintliche Stasi-Tätigkeit seiner inzwischen verstorbenen Ex-Frau Jenny Gröllmann gesprochen hatte - was diese immer bestritten hatte. Gröllmanns Anwalt war Hardy Langer, ein Kanzleikollege Gysis. Mühe erklärte, er tröste sich mit einem Zitat seines Freundes Heiner Müller: "Die Worte fallen in das Getriebe der Welt, uneinholbar."

DER SPIEGEL 4/2007
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