05.03.2007

STASIGeheimtreff in der Villa

Ulrich Wehling, seit 1992 Sportdirektor für die Nordische Kombination beim Internationalen Skiverband (FIS) in der Schweiz, hat nach jetzt ausgewerteten Unterlagen dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) konspirativ Informationen übermittelt. Laut Martin Böttger, Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Birthler-Behörde, hat Wehling "willentlich und wissentlich mit der Stasi zusammengearbeitet und diese auch über Personen informiert". Den Akten zufolge hat Wehling (Tarnname "Springer") einem Geheimdienst-Offizier etwa über Teamkameraden und deren Westkontakte berichtet. Dafür trafen sie sich unter anderem in einem konspirativen Stasi-Objekt (Deckname "Villa") im sächsischen Annaberg. Mit drei Goldmedaillen in der Nordischen Kombination ist Wehling, 54, einer
der erfolgreichsten deutschen Olympioniken. Nach Ende seiner Sportkarriere wurde der Oberwiesenthaler 1982 Vize-Generalsekretär für Leistungssport des DDR-Skiverbands. Als der in der DDR schikanierte Langlauftrainer Henner Misersky den "von vielen gefürchteten SED-Hardliner" (Misersky) 1992 öffentlich kritisierte, distanzierte sich der Deutsche Skiverband von Wehling, der daraufhin Karriere beim internationalen Verband FIS machte. Vom SPIEGEL mit den Stasi-Vorwürfen konfrontiert, erklärte Wehling, er habe "weder in konspirativer Zusammenarbeit noch in anderer Form Informationen über Mannschaftsmitglieder dem MfS geliefert".

DER SPIEGEL 10/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 10/2007
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

STASI:
Geheimtreff in der Villa

  • Trump attackiert eigene Partei: "Die Republikaner müssen härter werden"
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Johnson droht Parlament: "Dann muss es Neuwahlen geben"
  • Dänemark: Leuchtturm wird verschoben