07.04.2007

GESTORBENPaul Watzlawick

Paul Watzlawick , 85. Zu Beginn der fünfziger Jahre ließ sich der österreichische Sohn einer Italienerin in Zürich am Carl-Gustav-Jung-Institut zum Psychotherapeuten ausbilden. Doch bald brach er mit der klassischen Psychoanalyse. "Jahrelang habe ich versucht, Menschen damit zu helfen, aber es hat nicht besonders gut geklappt", begründete Watzlawick den Sinneswandel. Er entwickelte sich zum radikalen Konstruktivisten und baute die Lehre dieser Denkschule konsequent in seine therapeutische Arbeit ein. Statt in endlosen Sitzungsreihen die Vergangenheit seiner Patienten aufzuarbeiten, setzte Watzlawick auf rasche Linderung durch kurztherapeutische Interventionen und praktische Tipps. Von Zank zermürbten Ehepartnern riet er etwa, die Betten umzustellen. Nebenbei prägte der populäre Psychologe Begriffe wie "self-fulfilling prophecy" und "feed-back", die längst zum sprachlichen Allgemeingut geworden sind. Mit der "Anleitung zum Unglücklichsein" gelang ihm 1983 eine Parodie auf die Glück versprechende Ratgeberliteratur und ein Bestseller, der sich allein im deutschsprachigen Raum mehr als eine Million Mal verkaufte. Wie glücklich der Therapeut und Kommunikationsexperte selbst war, lässt sich kaum sagen: Sein Privatleben schottete er konsequent von der Öffentlichkeit ab. Paul Watzlawick starb am 31. März in Palo Alto, Kalifornien.

DER SPIEGEL 15/2007
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