16.04.2007

FRANKREICHFavorit Sarkozy

Im Endspurt zur Präsidentenwahl liegt Nicolas Sarkozy in Umfragen deutlich vor Ségolène Royal. Er kommt momentan auf 30 Prozent, Royal auf 24, der Mitte-Kandidat François Bayrou auf 18,5 Prozent und der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen auf 13,5 Prozent, gefolgt von acht chancenlosen Mitbewerbern. Sarkozy, der Kandidat der konservativen Regierungspartei UMP, wehrt sich allerdings gegen die Rolle des siegessicheren Favoriten: "Die Wahl kann noch während der letzten Tage verloren werden", warnt der ehemalige Innenminister, der auch mit einigen Fehltritten das Lager seiner Kritiker stärkte.
Nach einer rasch dementierten Aussage, Pädophile und jugendliche Depressive seien genetisch für ihre Taten und Leiden prädisponiert, sorgte er als nostalgischer Bewunderer der imperialen Vergangenheit für Aufsehen. "Frankreich hat keinen Genozid begangen. Frankreich hat nicht die Endlösung erfunden", verteidigte Sarkozy die Kolonialgeschichte seines Landes mit Blick auf das nationale Wählerspektrum: "In den Kolonien waren nicht alle Siedler Ausbeuter."
Angeblich ist Sarkozy auch einen Pakt mit Präsident Jacques Chirac eingegangen. Damit der amtierende Staatschef nach dem Abschied aus dem Elysée-Palast nicht wegen alter Affären vor Gericht gestellt werden kann, soll Sarkozy nach Informationen des Wochenblatts "Canard Enchaîné" eine Gesetzesnovelle vorbereiten, mit der die strafrechtlichen Vorwürfe gegen seinen Vorgänger verjährt wären. Das kommt einer Amnestie für Vergehen gleich, die länger als zehn Jahre zurückliegen. Chirac soll in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister in Parteispendenskandale verwickelt gewesen sein. Das Gesetz käme übrigens auch Sarkozy zugute: Er soll 1997 als Bürgermeister der Pariser Vorortgemeinde Neuilly von einem Bauunternehmer zu äußerst günstigen Konditionen ein Appartement erworben haben - auch eine Form der Korruption.

DER SPIEGEL 16/2007
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FRANKREICH:
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