07.05.2007

TOURISMUSKontrollierte Rebellion

Eine Mülltonne brennt, in zerbrochenen Autowrackscheiben spiegelt sich die Sonne. Auf einem heruntergekommenen Hinterhof am Berliner Ostbahnhof schütteln Sprayer ihre Farbdosen vor weißen Wänden. Was sie machen, ist nicht verboten, es wird sogar teuer bezahlt: 200 Euro kosten zwei Stunden im Graffiti-Workshop "Art Berlin", es ist eine Art Selbsterfahrungstrip für ausländische Manager. Die Kunden kommen aus Frankreich, Spanien oder Dänemark, sie werden von Konzernen der Pharmaindustrie oder der Telekommunikationsbranche geschickt, ziehen Schutzanzüge über Armani-Einreiher und spielen wildes Berlin. Unterrichtet werden sie von echten Szene-Sprayern, die gern damit prahlen, "früher von der Polizei gesucht" worden zu sein, und die heute Tipps für gerade Linienführung geben - und manchmal auch für Bilder, die man sonst eher an Klowänden sieht. Im Gegenzug erwarten die Konzerne, dass ihre Angestellten ausgeglichen und inspiriert zurück an den Arbeitsplatz kommen. In Berlin im Hinterhof haben sie sich ausgetobt in kontrollierter Rebellion - jetzt zählen wieder der Profit und schwarze, schnörkellose Zahlen.

DER SPIEGEL 19/2007
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TOURISMUS:
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