26.05.2007

KUNSTMoskauer Zoll-Zensur

Jesus stellt einen kleinen Bierbauch zur Schau, trägt ein ordinäres Silberkettchen und hält in der Hand eine Kerze, angezündet vom russischen Nationaldichter Alexander Puschkin und vor Wind und Unbill abgeschirmt durch die Hand von Präsident Wladimir Putin. Die Parodie auf die neue russische Dreifaltigkeit aus Kreml, Kunst und Kirche hat den Moskauer Zoll so gestört, dass die Grenzbeamten in vorauseilendem Gehorsam die Ausfuhr des Kunstwerks der Gruppe "Blaue Nasen" nach Deutschland stoppten. Die Darstellung könne zu "internationalen Zwistigkeiten" führen, hieß es gegenüber der Städtischen Galerie in Dresden. Dort musste die Ausstellung "Learning from Moscow", die zeitgenössischer Avantgarde-Kunst gewidmet ist, auf insgesamt sechs Exponate verzichten, die keine Gnade vor den Augen der Zensoren vom Zoll fanden - darunter auch eine verschleierte Tschetschenin, die ein Minarett in Phallusform streichelt. Für den Dresdner Kurator Johannes Schmidt zeigt der Vorfall, dass "in Russland nun auch für Künstler die Schrauben angezogen werden".

DER SPIEGEL 22/2007
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