11.06.2007

PHARMAINDUSTRIE„Wir brauchen Leader“

Peer Schatz, 41, Chef von Europas größtem Biotech-Unternehmen Qiagen mit Sitz in Hilden, zur geplanten Übernahme des US-Konkurrenten Digene und zur Zukunft der Branche
SPIEGEL: Die Übernahme von Digene wird Sie etwa 1,6 Milliarden Dollar kosten. Was versprechen Sie sich davon?
Schatz: Digene produziert DNA-Tests zum Nachweis von humanen Papillomaviren (HPV), die Gebärmutterkrebs verursachen können. Diese Tests sind das am stärksten wachsende Segment der Molekular-Diagnostik. Dank der Digene-Übernahme können wir weltweit Pakete mit dem HPV-Test und unseren Diagnose-Technologien anbieten.
SPIEGEL: Sie haben angekündigt, nach der Übernahme neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch in Deutschland?
Schatz: Ja, wir erwarten eine Beschleunigung des organischen Wachstums von Qiagen auf mehr als 15 Prozent pro Jahr und bis zu 100 neue Jobs in Hilden in den kommenden zwölf Monaten. Später dürften weitere Jobs hinzukommen.
SPIEGEL: Ist denn Deutschland als Standort für Sie überhaupt attraktiv?
Schatz: Ich kann nur Gutes über den Standort Deutschland sagen. Wir haben hier einzigartige, hochtalentierte Mitarbeiter, vor allem für Werkzeug-, Plattform- und Diagnose-Technologien, zur Verfügung.
SPIEGEL: Dennoch sind die deutschen Biotech-Firmen an der Börse insgesamt weniger wert als etwa die schweizerischen oder belgischen. Warum?
Schatz: Deutschland hat erst spät die Bedeutung dieser Industrie erkannt. Deshalb fehlt ihr hierzulande noch die kritische Masse. Wir brauchen Leader, mehrere Firmen, die so groß sind wie Qiagen oder noch größer. Aber wenn ich sehe, wie viele Talente wir hier haben, zerbreche ich mir nicht den Kopf über die langfristigen Perspektiven.
SPIEGEL: Fürchten Sie, bald selbst übernommen zu werden?
Schatz: Nein, unsere Strategie als Weltmarktführer für Proben- und Test-Technologien überzeugt die Aktionäre. Diese Strategie hat in den vergangenen Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum erzeugt, das sich mit der Digene-Übernahme noch beschleunigen wird.

DER SPIEGEL 24/2007
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