03.09.2007

KLIMASCHUTZNeidische Blicke

Der neue Liebling der deutschen Politiker heißt Arnold Schwarzenegger. Alle wollen ihn treffen. Doch der Gouverneur von Kalifornien macht sich rar.
Ganz wie das Showbusiness lässt sich auch die Weltpolitik in drei Prominenz-Kategorien unterteilen. A, B und C. Frank-Walter Steinmeier, den deutschen Außenminister, könnte man mit etwas gutem Willen in die Kategorie B einreihen. Solide Mittelklasse sozusagen.
Was gibt es da Schöneres als ein kurzzeitiges Upgrade in die Klasse der A-Promis? Für Steinmeier war es am vorigen Donnerstag so weit: Im kalifornischen Sacramento saß er mit Arnold Schwarzenegger an einem Tisch.
"Sprechen Sie eigentlich noch Deutsch?", fragte Steinmeier den kalifornischen Gouverneur. "Ab und zu", antwortete der gebürtige Österreicher mit einem Akzent, der eher amerikanisch als österreichisch klang. Dann redeten die beiden eine Dreiviertelstunde lang über Klimapolitik, das Schmelzen der Polkappen und Windräder. Am Ende der Audienz wurden Fotos mit der Steinmeier-Delegation gemacht. Wer wollte, durfte sich als Souvenir eine Zigarre einstecken, auf der Schwarzeneggers Autogramm prangte.
Der Termin bei dem früheren Bodybuilder und Hollywood-Star ("Terminator") bringt Steinmeier daheim im Berliner Regierungsviertel viele neidische Blicke ein. Denn kaum ein anderer ausländischer Politiker ist derzeit bei deutschen Ministern, Abgeordneten und Landesfürsten ein so gefragter Gesprächspartner wie der "Gouvernator". Aber nur wenigen gelingt es, zu dem Mann vorzudringen, der Kalifornien mit strengen Umweltgesetzen zu einem Öko-Musterland machen will.
Edmund Stoiber (CSU), der scheidende bayerische Ministerpräsident, hat es geschafft. Ebenso Klaus Wowereit, Berlins SPD-Bürgermeister. Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) war zwar unlängst in Kalifornien. Zu einer Begegnung mit dem Mann, den viele "Arnie" nennen, kam es allerdings nicht. Und natürlich würde Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den Klimaschützer Schwarzenegger gern treffen. Doch bislang hat es sich "irgendwie noch nicht ergeben", wie es im Umweltministerium zurückhaltend heißt.
Es ist die Sehnsucht nach ein bisschen Glamour, aber auch echte Neugier, die deutsche Politiker an die amerikanische Westküste zieht. Schade nur, dass sich die Vermittlung eines Treffens mit Schwarzenegger meist schwierig gestaltet. Er sieht sich selbst auf einer Ebene mit der ersten Liga der Weltstaatsmänner. Den britischen Premier oder den französischen Präsidenten trifft er gern. Auf Palaver mit deutschen Ministern oder gar Abgeordneten hat Schwarzenegger selten Lust.
Das bekam bereits eine Gruppe von Volksvertretern aus dem Umweltausschuss des Bundestags zu spüren. Die Parlamentarier um den nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten Frank Schwabe hatten sich bei Schwarzenegger zum Besuch an-
gemeldet, die Heimatzeitungen waren bereits alarmiert. Doch dann ließ der Kali-
fornier die Deutschen kurzerhand abblitzen, die Amerika-Reise musste storniert werden. "Irgendwie" sei die Anfrage der Parlamentarier wohl "im E-Mail-Verkehr zwischen Deutschland und Kalifornien versickert", sagt der Abgeordnete Schwabe entschuldigend.
Schwierigkeiten, bei Schwarzenegger vorgelassen zu werden, hatte zunächst auch Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit. Ein Kalifornien-Besuch im Frühjahr wurde für den SPD-Mann zur Zitterpartie. Tagelang war unklar, ob Schwarzenegger nun Zeit haben würde oder nicht. In der Not ließ sich Wowereit von TV-Star Thomas Gottschalk helfen. Gottschalk vermittelte schließlich ein "ganz privates Treffen" - und sorgte via Interview dafür, dass es jeder mitbekam: Er habe Arnie gesagt, "da kommt ein guter Typ aus Berlin. Einer, der entspannt ist".
Nicht ganz einfach gestaltete sich auch der Besuch von Edmund Stoiber. Weil sein Terminwunsch lange Zeit unbeantwortet blieb, bemühte die bayerische Staatskanzlei den früheren US-Außenminister Henry Kissinger als Vermittler.
Selbst die Vorbereitung des Schwarzenegger-Besuchs von Außenminister Steinmeier war nicht frei von Komplikationen. Das deutsche Generalkonsulat in San Francisco machte Steinmeier anfangs wenig Hoffnungen. Eigentlich gebe es keine Chance für einen Termin, kabelten die Diplomaten in die Berliner Zentrale.
Doch Steinmeier ließ sich nicht abschrecken und setzte den Apparat in Bewegung. Erst schickte er seinen Planungschef zu Vorgesprächen nach Kalifornien, dann reiste der deutsche Botschafter in Washington, Klaus Scharioth, in Sacramento an, um für ein Treffen zu werben.
Schließlich war Schwarzenegger doch interessiert: Gemeinsam mit anderen US-Gouverneuren will er ein Emissionshandels-System ähnlich wie in Europa aufbauen. Steinmeier erschien ihm da als der richtige Ansprechpartner, um über eine Kooperation mit den Europäern zu reden.
So könnte sich der Kurz-Trip nach Kalifornien für den Außenminister noch als nützlich erweisen.
Der Besuch sei ein voller Erfolg gewesen, jubelt Steinmeiers Entourage. Schwarzenegger habe zugesagt, Ende Oktober zum EU-Umweltministertreffen nach Portugal zu kommen. Bei dieser Gelegenheit werde der Gouverneur womöglich auch einen Abstecher nach Deutschland machen - ein mögliches zweites Treffen mit Steinmeier inklusive.
Das wäre dann in Berlin Rekord.
RALF BESTE, ROLAND NELLES
* Mit Schwarzenegger-Freund Ralf Moeller (r.).
Von Ralf Beste und Roland Nelles

DER SPIEGEL 36/2007
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