03.09.2007

GRIECHENLANDTrauerspiel nach der Tragödie

Am vergangenen Freitag waren die verheerenden Waldbrände, die eine Fläche von der Größe Luxemburgs verwüsteten und mindestens 4000 Menschen obdachlos machten, weitgehend unter Kontrolle. Die vorläufige Bilanz des Feuers: 64 Menschen sind umgekommen, 60 000 Schafe und Ziegen verendet, 4,5 Millionen Olivenbäume verbrannt - fünf Milliarden Euro soll der Schaden nach Schätzungen betragen.
Nun streiten der konservative Regierungschef Kostas Karamanlis und sein Herausforderer Georgios Papandreou über die politische Verantwortung für das Unglück - am 16. September sind Neuwahlen. In Umfragen liegen die Regierungspartei Neue Demokratie und die sozialistische Pasok zurzeit Kopf an Kopf; vor den Waldbränden hatten die Konservativen einen deutlichen Vorsprung gehabt, Regierungschef Karamanlis galt damals schon fast als Wahlsieger.
Die Opposition wirft der Regierung schwere Versäumnisse bei der Ausrüstung der Feuerwehr und chaotisches Krisenmanagement vor. Tausende demonstrierten in Athen, Umweltverbände machen Bodenspekulanten verantwortlich, Karamanlis dagegen orakelt von Brandstiftungen in großem Stil und einer "asymmetrischen Bedrohung"; für die Ergreifung der Täter setzte die Regierung Belohnungen von bis zu einer Million Euro aus. Außenministerin Dora Bakogianni behauptete gar, die Anarchistenszene habe die Feuer gelegt, um das Land zu destabilisieren, und beschuldigte damit indirekt den politischen Gegner. "Asymmetrischer Unsinn", erwiderte Papandreou. Um die Griechen zu besänftigen, lässt die Regierung nun jedem Opfer der Brände 3000 Euro auszahlen - geprüft werden sollen die Ansprüche später. Bis Freitag hatten die Banken schon gut 72 Millionen Euro an rund 20 000 Personen ausgegeben. Verschiedene Zeitungen berichteten von Betrügereien - manche angebliche Opfer waren Hunderte Kilometer weit gefahren, um sich bei den Banken anzustellen. Eine Karikatur in der Mitte-rechts-Zeitung "Kathimerini" zeigte einen Helikopter, der über einer verwüsteten Gegend Kübel voller Geldscheine abwirft, während der Pilot sagt: "Ja, Herr Premierminister, wie besprochen: Wir werfen Hundert-Euro-Scheine ab, damit die Landschaft wieder grün wird."

DER SPIEGEL 36/2007
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GRIECHENLAND:
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