03.09.2007

IRAK„Freier Zugang zu Waffen“

Adil Abd al-Mahdi, 65, vertritt den Hohen Islamischen Rat, die größte Schiitenpartei im Parlament, und gilt als einer der Nachfolgekandidaten für Premierminister Nuri al-Maliki.
SPIEGEL: Mehr als 50 Menschen sind bei Gefechten unter Schiiten in der Pilgerstadt Kerbela ums Leben gekommen. Wer ist schuld an dieser Eskalation?
Abd al-Mahdi: Die bewaffneten Kräfte, die ohne staatliche Autorität vorgehen. Diese Probleme werden andauern, solange Waffen in unserem Land frei im Umlauf sind - unabhängig davon, ob unter den politischen Blöcken Spannungen bestehen oder nicht.
SPIEGEL: Schiitenführer Muktada al-Sadr will seine Mahdi-Armee nun für ein halbes Jahr zurückziehen. Was halten Sie davon?
Abd al-Mahdi: Das ist eine gute Entscheidung. Sie zeigt, dass Seine Eminenz jetzt eingesehen hat, dass der freie Zugang zu Waffen nur Probleme macht.
SPIEGEL: Kurdische und schiitische Parteien haben gerade eine "Allianz der Moderaten" gegründet. Ist nationale Versöhnung aber ohne die Sadr-Gruppe und ohne die arabischen Sunniten möglich?
Abd al-Mahdi: Nein. Bislang haben wir lediglich eine Initiative gestartet, und wir arbeiten hart daran, auch die sunnitische Islamische Partei daran zu beteiligen. Wir sind für alle politischen Kräfte offen.
SPIEGEL: Auch für Sadr?
Abd al-Mahdi: Ja. Wir müssen alle Kräfte bündeln, die 25 Jahre lang gegen das Regime von Saddam Hussein gekämpft haben, und sie auf einen gemeinsamen Boden stellen.
SPIEGEL: Abd al-Asis al-Hakim, der Führer des schiitischen Hohen Islamischen Rates, leidet an Lungenkrebs und ist zur Behandlung in Teheran.
Abd al-Mahdi: Ich habe erst gestern mit ihm telefoniert, es geht ihm gut. Die Behandlung wird noch einige Wochen dauern.
SPIEGEL: Die Hakim-Familie und der Hohe Islamische Rat sind in einer einzigartigen Position: Sie haben gute Beziehungen zu Washington und zu Teheran.
Abd al-Mahdi: Wir tun unser Bestes, zwischen den USA und Iran zu vermitteln. Dass es in Bagdad zu zwei Treffen auf Botschafter-Ebene kam, geht auch auf unseren Einfluss zurück.
SPIEGEL: Ein Report des US-Kongresses stellt fest, dass die Zahl der tödlichen Anschläge im Irak seit März nahezu unverändert geblieben ist; die Kampfstärke der irakischen Armee-Divisionen sei sogar gesunken.
Abd al-Mahdi: Statistiken sind trügerisch. Brutale Anschläge wie zuletzt im Nordirak wird es weiterhin geben. Terroristen wählen "weiche" Ziele, die Zahlen werden also immer wieder in die Höhe schnellen. Entscheidend ist, dass man heute in die Provinzen Anbar oder Dijala fahren kann, was vor wenigen Monaten unmöglich war.

DER SPIEGEL 36/2007
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