03.09.2007

KUNSTMARKTBrillanter Schädel

Der Mann hat den Markt für Diamanten nahezu leergekauft und mit den erworbenen 8601 Steinen einen alten Totenschädel gespickt. Allein die Materialkosten lagen bei 15 Millionen Euro. Noch bevor der Glitzerschädel mit dem Titel "For the Love of God" vollendet war, war er als das absehbar teuerste Werk der Gegenwartskunst ein Mythos. Nun wurde das hochkarätige Stück des legendär originellen Briten Damien Hirst, 42, von der Londoner Galerie White Cube für 75 Millionen Euro verkauft. Erworben hat es eine Investmentgruppe. Ihr gehöre, so mutmaßen britische Zeitungen, der Geschäftsmann Nat Rothschild an. Hirst ist der vermögendste Künstler der Welt, angeblich hat er selbst Anteile an seinem Werk erworben; so dürfte er ein Mitspracherecht ausüben, etwa wenn es um einen Weiterverkauf geht. Seit der Totenkopf im Juni in der Galerie präsentiert wurde, rätselte die Kunstwelt darüber, wer zugreifen würde. Wegen der Nachfrage musste sich der Künstler nie sorgen: Zu seinen Fans zählen der Londoner Sammler Charles Saatchi, der Franzose François Pinault, dem Gucci und Christie's gehören, auch Milliardäre aus den USA, Asien und Russland. Der clevere Hirst gibt dem spekulativen Markt, wonach er lechzt: eine brillante Trophäe, ein Symbol der Gier. Das wird dem Durchschnittspublikum bald in einer Ausstellung dargeboten.

DER SPIEGEL 36/2007
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