03.09.2007

GESTORBENRaymond Barre

Raymond Barre , 83. Er sei der "beste Ökonom Frankreichs", so stellte Präsident Valéry Giscard d'Estaing ihn 1976 als neuen Premierminister der Öffentlichkeit vor. Der bis dahin weitgehend unbekannte Technokrat erwies sich als untypischer Politiker und Querdenker. "Lieber unpopulär als verantwortungslos" lautete die Devise, mit der er fünf Jahre lang harte Sparmaßnahmen gegen Inflation und Arbeitslosigkeit durchsetzte, ohne sich dabei um sinkende Popularitätswerte zu kümmern. Schon als Universitätsprofessor hatte der passionierte Europäer, der nie einer Partei beitrat, mit "Économie politique" ein Standardwerk verfasst, das zur Pflichtlektüre für Wirtschaftsstudenten wurde. Sein Ruf als Weiser und Mahner, als der er sich bis zuletzt gern ins politische Geschehen mischte, wurde durch antisemitische Äußerungen, etwa über die "jüdische Lobby" oder die Bezeichnung von Nazi-Kollaborateur Maurice Papon als "gutem Staatsdiener", eingetrübt. Raymond Barre starb am 25. August in Paris.

DER SPIEGEL 36/2007
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