15.10.2007

„Was macht so einer hier?“

Das seltsame Doppelleben und der merkwürdige Tod des Dr. Uwe Barschel (Teil II)
Kiel im Dezember 1986
DER NEUE IN DER STAATSKANZLEI
Die Weihnachtsfeier für die Mitarbeiter der Staatskanzlei findet in der Landtagskantine statt. Die Sekretärinnen haben Plätzchen und Kuchen besorgt, die Tische sind zusammengestellt, traute Runde. Ein Neuer sitzt dabei, er heißt Reiner Pfeiffer, Pfeiffer mit drei f, sagt er, es ist sein Standardspruch. Er hat eine leicht glänzende Stirnglatze und trägt mit Vorliebe Sakkos mit breiten Streifen. Er fällt auf, weil er lärmend von sich und seinen Großtaten redet. Je mehr er trinkt, desto lauter wird er, und er trinkt reichlich.
Am Tisch daneben sitzt ein Mann aus der Führungsriege. Er schaut Pfeiffer zu und geht zu Hanns-Günther Hebbeln, dem Chef der Staatskanzlei. "Der passt nicht hierher", sagt er. "Was macht so einer hier?" Hebbeln antwortet: "Rühren Sie nicht dran. Der Chef will diesen Pfeiffer. Und er will ihn unter allen Umständen."
Pfeiffer ist 47 Jahre alt, er war Chefredakteur des CDU-nahen Anzeigenblattes "Weser Report" in Bremen und hatte die Auflage von 20 000 auf 280 000 gesteigert. Nach einem Zerwürfnis mit dem Verlagschef verließ er das Blatt und verdingte sich als Verkäufer in der Eisdiele seiner Frau und als Grabredner. Außerdem schrieb er 1986 dem Hochstapler Gert Postel, der Aufsehen erregte, weil er es mit gefälschten Papieren zum Amtsarzt in Flensburg brachte, als Ghostwriter ein Buch.
In die Staatskanzlei kommt Pfeiffer auf Umwegen. Eigentlich hatte ihn der Springer-Verlag für eines seiner Projekte, eine neue Tageszeitung, im Herbst 1986 angeheuert. Daraus wird jedoch nichts, die eigens engagierten Mitarbeiter werden auf andere Redaktionen verteilt. Es fügt sich, dass Uwe Barschel den Springer-Vorstandschef Peter Tamm fragen lässt, ob er denn einen Mitarbeiter empfehlen könne: als Verstärkung im heraufziehenden Wahlkampf.
Im November trifft sich Staatssekretär Gerd Behnke im Springer-Verlagshaus mit Pfeiffer. Es ist ein kurzes Bewerbungsgespräch, Behnke verlässt sich auf die Empfehlung der Springer-Leute. Der Verlag hat einen Versorgungsfall weniger und schießt zum Kieler Gehalt von 6000 Mark noch einmal 3000 Mark pro Monat hinzu.
Im Dezember fängt Pfeiffer in der Staatskanzlei an. Bald äußern sich Ministerpräsident und Staatssekretär lobend über den Novizen.
Die Affäre kann beginnen.
Kiel im Januar 1987
BARSCHEL UND PFEIFFER
Am 9. Januar führt Pfeiffer sein erstes Gespräch mit dem Ministerpräsidenten unter vier Augen. Die beiden Männer könnten gar nicht verschiedener sein: Da ist der angeberhafte, etwas windige Medienreferent, der zufällig in den Dunstkreis eines Mächtigen geraten ist. Und da ist der hölzerne Uwe Barschel, immer noch jung, 43 Jahre alt, seit vier Jahren Ministerpräsident, eine Nachwuchsgröße in der CDU.
Barschel hat es im Wahlkampf mit einem Gegner zu tun, den er fürchtet, denn Björn Engholm hat, was Barschel nicht hat: Er zieht Menschen an, er verkörpert diesen neuen Typus in der Politik, der gern pfeiferauchend über Kultur philosophiert und Nachdenklichkeit zum persönlichen Stil erhebt.
Engholm ist der Anti-Barschel.
"Uwe fand das extrem ungerecht", erinnert sich sein Freund Ulrich Matthée. "Engholm fiel all das, was ihn Schweiß und Arbeit kostete, einfach so zu." Die ersten Umfragen zeigen, dass die SPD gut im Rennen liegt, eine ungewohnte Lage für die CDU, die seit fast 40 Jahren Schleswig-Holstein regiert, beherrscht und politisch durchdringt. Pfeiffer soll helfen, das Image des Ministerpräsidenten aufzubessern. Das ist der Auftrag.
Aber was schließt der Auftrag ein? Heute gibt es zwei unterschiedliche Lesarten für die Kieler Affäre. Dass es sich um eine Affäre handelt, die der Ministerpräsident ausheckte, hat der erste Untersuchungsausschuss 1988 als Resümee festgehalten: Von Anfang an sei "Dr. Uwe Barschel an der Planung und Erstellung der Anzeige" gegen Engholm und an anderen schmutzigen Tricks beteiligt gewesen.
Im Dezember 1995 kam der zweite Untersuchungsausschuss zu einem anderen Fazit - dass "es keinerlei Beweise für eine Mittäterschaft oder Mitwisserschaft" Barschels an den Aktionen Pfeiffers gebe.
Es gibt immer alles zweifach in dieser seltsamsten aller Affären, die Deutschland je erlebte: Uwe Barschel führte ein Doppelleben. Sein Tod im Beau-Rivage lässt Zweifel daran, dass er Selbstmord beging, und nährt die Theorie, er sei Opfer eines Mordes, was die Familie Barschel immer schon für erwiesen hielt. Und die schmutzigen Tricks - gehen sie vom Chef oder vom Medienreferenten aus?
"Es ist halt nicht zu beweisen, dass Barschel einen Menschen anstellte, den er nicht kannte und dem er dann ein paar Tage später sagte: Nun lassen Sie mal den Engholm ausspionieren", sagt Bernd Buchholz (FDP), der stellvertretende Vorsitzende im zweiten Untersuchungsausschuss.
Pfeiffer behauptet, der Ministerpräsident habe ihm am 9. Januar den Auftrag erteilt, er solle Engholms Steuererklärung prüfen lassen. Am selben Tag müsste ihm Barschel auch den Auftrag zur Beschattung gegeben haben. Denn so viel steht fest: Noch am 9. Januar ruft der Medienreferent einen Polizeibeamten in Bremen an und erkundigt sich nach einer Detektei.
Am 13. Januar meldet sich Pfeiffer bei der Detektei Piel, Ende Januar engagiert er sie für 14 Tage.
Nun beginnt die erste Phase der Observation. Pfeiffer empfängt einen Detektiv im Kieler Landeshaus und stellt ihn dem Pförtner als Praktikanten vor. Der Mann sitzt mit Walkie-Talkie auf der Fensterbank in Pfeiffers Büro oder besucht die Landtagssitzung, um Engholm im Auge zu behalten.
Ansonsten fahren die Detektive ihm hinterher und stellen sich dabei ziemlich dämlich an, denn Engholm entwischt ihnen immer wieder in seinem Dienst-BMW. Die Observation wird deshalb abgebrochen und erst am 9. Februar, nach einem Anruf Pfeiffers bei Piel, wieder aufgenommen.
Außerdem diktiert Pfeiffer seiner Sekretärin Jutta Schröder die Steueranzeige. Als sie "Hemmungen zeigt, so etwas zu tun", sagt er: "Dr. Barschel wünscht das so." Die Angaben zu den Einkünften Engholms lässt sich Pfeiffer aus dem Finanzministerium geben. Zur Begründung sagt er, es liege eine Presseanfrage aus dem Bremer Raum vor.
Die Anzeige ist reichlich dilettantisch verfasst. Darin sind zum Beispiel Engholms Bezüge aus Bonner Zeiten als Bundestagsabgeordneter und Minister aufgeführt, die der Lohnsteuer unterliegen und sich zur Steuerhinterziehung nicht eignen. Einem ehemaligen Finanzminister wie Barschel - so folgerte der zweite Kieler Untersuchungsausschuss - wäre so ein Fehler kaum unterlaufen.
Pfeiffer zeigt später Notizen vor, die Barschel selbst aufgeschrieben hatte: Angaben über die Einkünfte Engholms. Das soll ein Beweis dafür sein, dass der Ministerpräsident den Auftrag für die Steueranzeige gegeben hat. Pfeiffer erzählt, Barschel habe ihm den Text für die Anzeige in Stichworten in seinem Büro diktiert und ihm geraten, er solle einen CDU-Mann finden, der das Papier unterschreibe. Als sich keiner bereitfand, habe Barschel angeordnet, sie anonym zu verschicken - mit Kopie an ihn persönlich.
Und dann inszeniert Pfeiffer noch die Anrufe bei Engholm als "Dr. Wagner" mit der Mitteilung, der SPD-Spitzenkandidat habe vielleicht Aids. Die Telefonate finden am 5. und 17. Februar 1987 statt. Damit sind drei der schmutzigen Wahlkampfaktionen schon Mitte Februar abgeschlossen. Was haben sie gebracht?
Nicht viel, die Steueranzeige verpufft wirkungslos, die Observation fördert weder bisexuelle Abenteuer noch außereheliche Affären zutage.
Der schleswig-holsteinische Wahlkampf von 1987 ist als einer der schmutzigsten und widerwärtigsten in die Geschichtsbücher eingegangen. Die CDU wirft Engholm vor, er trete für straffreien Sex mit Kindern ein, wolle Abtreibung bis zur Geburt legalisieren und blase im Übrigen "die Posaune des Ostens". Den Verlust ihres politischen Monopols vor Augen, war sich die CDU für keine Zuspitzung zu schade.
Jemand wie Pfeiffer passt da gut ins Konzept.
Aber eine Pfeiffer-Affäre? Wenn denn Barschel nichts von den Umtrieben seines Medienreferenten gewusst hätte, warum sollte er dann Mitarbeiter und Angehörige zu falschen eidesstattlichen Versicherungen anhalten?
Der stellvertretende Regierungssprecher Herwig Ahrendsen verschaffte ihm zum Beispiel das Alibi, er habe am Autotelefon mit Pfeiffer gesprochen, nicht Barschel - er habe "aus Mitleid und übertriebener Loyalität" gelogen, sagte er später. Die Alibis, gestand Barschels Sekretärin Ilona Oberstein ein, seien am Vorabend der "Ehrenwort-Pressekonferenz" "wie am Fließband produziert" worden.
Die Vorzimmerdamen mussten bezeugen, der Ministerpräsident habe nie eine Kopie der anonymen Steueranzeige erhalten. Als die Sekretärin Brigitte Eichler sich weigerte, die Falschaussage zu unterschreiben, habe Barschel sie gefragt, ob sie religiös sei. "Religiös wohl nicht", antwortete sie, "aber ich glaube an Gott." Darauf Barschel: "Ja, wollen Sie denn, dass die SPD an die Macht kommt?"
Kiel im Februar 1987
DAS NEUE PAAR
Im Februar gibt es neuen Klatsch auf den Fluren der Staatskanzlei: Reiner Pfeiffer und seine Sekretärin Jutta Schröder kommen morgens gemeinsam zur Arbeit. Sie sind jetzt ein Paar.
Pfeiffer erzählt seiner Freundin, was er in seiner Eigenschaft als Medienreferent mache, geschehe auf Anordnung des Ministerpräsidenten. Er lässt sie bei Telefongesprächen mithören. "Es gab zahlreiche Momente", sagt Schröder, "da war er wirklich glaubhaft verzweifelt, er wollte das nicht mehr mitmachen, was Barschel von ihm verlangte." Heute fragt sie sich, ob er sie eigentlich geliebt oder nur als Zeugin aufgebaut habe.
Schröder sei leicht zu beeindrucken, hat man zur Erklärung gesagt. Und Pfeiffer habe es vortrefflich verstanden, seine Erzählungen "subjektiv glaubhaft" zu machen.
Jutta Schröder pflegt gute Kontakte zu Renate Sadek, einer Sekretärin drüben in der Pressestelle der SPD. Vielleicht kommt sie deshalb auf die Idee, ihr Freund könne doch einmal mit den Sozialdemokraten reden. Aber mit wem? Pfeiffer wäre nicht Pfeiffer, wenn er nicht den Umweg über seine alte Heimat Bremen nähme. Am 22. April ruft er den Bremer Finanzsenator Claus Grobecker an. Der empfiehlt ihm Klaus Nilius, den Pressesprecher der SPD.
Nach wie vor geht Pfeiffer seinem Job nach. Am 1. Mai soll er in Barschels Privathaus nach Mölln kommen, eine Einladung, die sich vom Mittag bis in den frühen
Abend erstreckt, ein Zeichen für Vertrauen und Vertraulichkeit.
Pfeiffer behauptet später, Barschel habe viel über seine bundespolitischen Visionen geplaudert. Außerdem soll er eine neue Idee gehabt haben. "Barschel wollte sich entführen lassen, wie der CDU-Mann Lorenz damals, und an einen Baum gefesselt werden. Ich habe ihm diese Aktion dann ausgeredet."
Peter Lorenz, der Berliner Spitzenkandidat der CDU, war 1975 von Terroristen der "Bewegung 2. Juni" entführt und, nach der Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen, in einem Park in Berlin ausgesetzt worden.
Barschel wiederum erzählte seinem Parteifreund Eberhard Dall'Asta kurz nach dem Treffen, Pfeiffer habe ihm angekündigt, er wolle im nächsten Kabinett gern Innenminister werden. "Barschel hat ihm dann gesagt, das kommt überhaupt nicht in Frage, nach dem Wahlkampf ist Schluss", berichtet Dall'Asta.
Es war die letzte längere Unterhaltung zwischen Barschel und Pfeiffer unter vier Augen.
30 Tage später, am 31. Mai, überlebt der Ministerpräsident als einziger Passagier den Absturz einer Cessna Citation 501, die bei schlechter Sicht den Flughafen Lübeck-Blankensee anflog und gegen einen Sendemast prallte. Er liegt viele Wochen im Krankenhaus, erst am 10. August kehrt er in die Staatskanzlei zurück. Pfeiffer hat in diesen 71 Tagen keinen Zugang zu seinem Chef.
Der Gedanke liegt nahe, dass sein erster Kontakt zur SPD in diese Zeit fiel. Pfeiffer sagt heute, er habe den SPD-Sprecher Nilius auf jeden Fall vor dem 16. Juli getroffen - dieses Datum nennt Nilius. Sie hätten sich in einer Kneipe Richtung Heikendorf, außerhalb von Kiel, miteinander verabredet, sagt Pfeiffer, nicht im Legienhof, wie Nilius behauptet.
Wem soll man glauben? Kein wichtiger Eckpunkt in dieser Affäre kann ohne einen Rest an Zweifel rekonstruiert werden.
Reiner Pfeiffer ist heute 68 Jahre alt und seit sieben Jahren Rentner. Am Ende seiner Karriere vermittelte er Kredite für einen Finanzdienstleister; als Journalist wollte ihn niemand mehr haben. Er ist hager geworden, spricht noch immer sonor und ohne eine Miene zu verziehen über die Affäre. Reue zeigt er in Maßen: "Ich habe bereut, dass dabei ein Mensch zu Tode gekommen ist. Wäre das absehbar gewesen, hätte ich es nicht gemacht."
Was hätte er nicht gemacht? Auch heute sagt Pfeiffer, Barschel sei die treibende Kraft gewesen. Seit Februar 1987 habe er aussteigen wollen: "Von da an habe ich mir gesagt, du merkst dir alles, zeichnest auf, sammelst Beweise, damit man später alles lückenlos nachvollziehen kann."
Pfeiffer legt Spuren. Er hebt die Wegskizze zu Barschels Privathaus auf, die ihm der persönliche Referent des Ministerpräsidenten, Gerd Friedersen, auf der Rückseite einer Pressemitteilung aufzeichnet, und zeigt sie später im Untersuchungsausschuss vor. Bestimmte Telefonate führt er gezielt von bestimmten Apparaten in der Staatskanzlei. Dort werden die Gespräche registriert.
Mit Nilius korrespondiert er über das Pressefach der SPD, Jutta Schröder ist die Botin. Sie bringt mehrmals verschlossene braune Umschläge zu ihrer Kollegin Sadek, die diese ungeöffnet ihrem Chef Nilius übergeben soll.
Über dieses Kuriersystem findet auch ein bewegender Brief zur SPD. Die Mutter des tödlich verunglückten Barschel-Piloten Michael Heise schreibt ihn. Sie macht den Ministerpräsidenten für den Tod ihres Sohnes verantwortlich: "Sie haben drei Menschenleben auf dem Gewissen" - weil er darauf bestanden habe, Lübeck trotz schlechter Sicht anzufliegen. Die Vorwürfe sind haltlos.
Nilius spielt den Brief im Juli dem "Stern" zu, der ihn veröffentlicht.
Schon ab Mai kursieren in der SPD erste Gerüchte über schmutzige Tricks im Wahlkampf. Ab Mitte Juli nimmt Engholm Nachforschungen über die Steueranzeige und die Observation auf. Er ruft den inzwischen pensionierten Kriminaldirektor Schulz in Lübeck an und fragt ihn nach der Bespitzelung. Knapp zehn Tage später beauftragt er Nilius, die Vorgänge näher zu ermitteln. Am Sonntag, dem 2. August, ruft Engholm den Leiter des Lübecker Finanzamtes zu Hause an, um sich nach der anonymen Steueranzeige zu erkundigen.
Wieso fragt der SPD-Kandidat gerade jetzt intensiv nach, was es mit alldem auf sich hat? Weil er erst in jenen Tagen Hinweise auf beide Vorgänge erhalten habe, sagt Engholm heute: zum Beispiel von einer Nachbarin, die Leute vor seinem Haus beobachtete, und auch vom Finanzstaatssekretär Carl Hermann Schleifer, der ihn über die Anzeige informiert habe.
Schleifer wiederum sagt heute, Engholm habe ihn auf die Anzeige angesprochen, nicht umgekehrt.
Und wie so oft in dieser Affäre wird nur eines klar: Nur eine von beiden Versionen kann stimmen.
In der ersten Augusthälfte 1987 schaut sich der SPIEGEL-Reporter Hans-Joachim
Noack den SPD-Spitzenkandidaten im Wahlkampf an. Er will ein Porträt über ihn schreiben, er kennt ihn schon aus der Zeit als junger Minister im Kabinett Helmut Schmidts.
An einem sonnigen Sonntag, an das genaue Datum erinnert sich der Reporter nicht mehr, liest ihn Engholm in Wedel vor den Toren Hamburgs auf, und ab geht's Richtung Rendsburg. Der Kandidat ist guter Laune. Die Dinge laufen nicht schlecht, das Wetter ist fein, und da macht er den Vorschlag, in einem Landgasthof einzukehren, er könne auch eine interessante Geschichte erzählen.
Im Garten lassen sich die beiden auf einer Bank nieder. Engholm zieht zu Noacks Erstaunen Sakko samt Hemd aus und reckt den freien Oberkörper in die Sonne. Es gebe da eine konzertierte Aktion gegen ihn, beginnt er zu erzählen, der politische Gegner versuche ihm zu schaden, wo es nur gehe. Er erzählt von der Steueranzeige, von der Beschattung und auch vom Versuch, ihm homosexuelle Neigungen und Aids anzuhängen.
Der SPIEGEL-Redakteur ist baff und fragt Engholm, warum er diese ungeheuren Vorgänge nicht an die große Glocke hänge. Das führe ja zu nichts, antwortet ihm Engholm sinngemäß. Wer so etwas behaupte, ohne den Beweis antreten zu können, stehe schlecht da und sei bald mittenmang in der Schlammschlacht.
Engholm bittet Noack um Verschwiegenheit.
In der SPD, so sagen es heute etliche Genossen, habe lange Zeit die Befürchtung vorgeherrscht, Pfeiffer oder die CDU oder beide gemeinsam würden der SPD eine Falle stellen, und deshalb hätten Engholm und die anderen erst einmal nichts unternommen. "Denen stand einfach der Angstschweiß auf der Stirn", sagt einer von ihnen im Rückblick.
Kiel, 1. September 1987
PFEIFFER UND DER SPIEGEL
In der Kieler Redaktionsvertretung des SPIEGEL am Niemannsweg klingelt am 1. September das Telefon. SPIEGEL-Redakteur Manfred Ertel kennt den Anrufer gut, minutenlang bleibt das Gespräch belanglos. Dann will er wissen, ob Ertel schon von den Detektiven gehört habe, die auf Engholm angesetzt worden seien. Oder von dieser Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Da könne doch nur die CDU dahinterstecken.
Später outet sich Klaus Nilius als Anrufer.
Ertel bleibt ratlos zurück, nichts habe er gehört, sagt er. Die Landtagswahl ist am 13. September, einmal wird der SPIEGEL vorher noch erscheinen. Er ruft drei Informanten an: einen gutvernetzten Rechtsanwalt in Kiel; einen hochrangigen Offizier des Geheimdienstes MAD; einen Freund im Sicherheitsapparat eines anderen Bundeslandes. Dann fährt er nach Hamburg und informiert seinen Ressortleiter Hans Werner Kilz über den mysteriösen Anruf.
Zwei Tage später bestätigt der Freund in der Sicherheitsbehörde, dass einige Zeit zuvor Bremer Detektive in Engholms Nähe aufgefallen seien. Es gebe ein Telex, das an mehrere Landeskriminalämter gegangen sei, um Hintermänner der Aktion ausfindig zu machen, er schicke eine Kopie.
Ertel und sein Kollege Dieter Uentzelmann rufen die Detektive an, die überrumpelt wirken und die Bespitzelung bestätigen. Am Freitagnachmittag rufen sie Engholm an, der am Telefon einen Tobsuchtsanfall bekommt: Man wolle ihm die Wahl versauen, ein Artikel werde nur Barschel nutzen. Dann lenkt er ein: "Ruft Nilius an, der soll euch eine Kopie der Steueranzeige zur Verfügung stellen."
Am Montag, dem 7. September 1987, erscheint der SPIEGEL mit dem Artikel "Spitzel gegen den Spitzenmann", der die Observation, ihre Finanzierung und die anonyme Steueranzeige beschreibt. Der Name Pfeiffer findet in diesem ersten SPIEGEL-Artikel keine Erwähnung, Ertel und Uentzelmann kennen ihn zu diesem Zeitpunkt nicht. Im Stück ist aber schon die Rede "von einem hochgestellten Informanten aus dem Kieler Regierungsapparat", dem die Sozialdemokraten einen Hinweis verdankten, "der ihrer Meinung nach den Hintergrund der Spitzelaffäre erhellen könnte".
Die Äffäre in der Provinz hat jetzt einen Namen: "Waterkantgate" - er ist vom "Watergate"-Skandal entlehnt, der US-Präsident Richard Nixon 1974 zum Rücktritt gezwungen hatte.
Am Montag, dem 7. September, ruft SPD-Pressesprecher Nilius morgens den Hamburger Rechtsanwalt (und ehemaligen SPD-Bürgermeister) Peter Schulz an, um ihm mitzuteilen, der Mann von der anderen Seite wolle sich jetzt mit hochrangigen Genossen treffen. Am Abend treffen sich Nilius, Schulz und der SPD-Landesvorsitzende Günther Jansen im Lübecker Lysia-Hotel mit Pfeiffer. Pfeiffer hatte vergebens darauf gedrängt, mit Engholm zu sprechen.
Pfeiffer erzählt von den Aktionen gegen Engholm. Schulz bittet ihn, eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, Pfeiffer willigt ein und kündigt Jansen noch an diesem Abend an, es gebe einen neuen gravierenden Vorgang.
Nach dem Gespräch nimmt der Anwalt Jansen beiseite und sagt ihm, er müsse jetzt seinen Mandanten Engholm informieren. Jansen versucht ihn davon abzubringen, aber Schulz fährt nach Wedel, wo Engholm nach einer Veranstaltung übernachtet.
Spätestens seit dieser Nacht weiß also auch Engholm von Pfeiffer, aber das wird die Republik erst Jahre später erfahren.
Die Affäre nimmt nun Tempo auf. In der Nacht zum Mittwoch erhält SPIEGEL-Redakteur Ertel einen weiteren Anruf von Nilius: Der Mann, der die Aktionen für Barschel vollzogen habe, wolle reinen Tisch machen und sich dem SPIEGEL offenbaren, gegen 250 000 Mark, morgens früh um sechs Uhr könne man sich treffen. Ertel sagt, er müsse erst mit Chefredakteur Erich Böhme sprechen.
Am nächsten Morgen kommen Pfeiffer und Jutta Schröder in die Kanzlei von Peter Schulz, wo Nilius schon wartet. Pfeiffer hat einen Text formuliert mit dem abstrusen Titel "Entwurf für eine psychologischlogische Diktion einer Aussage von P. gegenüber Medien". Ein Schreiben, in dem er sich als furchtlosen Helden darstellt:
"Ich betrachte diese Enthüllung als notwendig für die nachweislich getäuschten Bürger dieses Landes."
Schulz setzt einen neuen Text auf. Er weigert sich auch, eine andere Intrige in die eidesstattliche Versicherung aufzunehmen, den angeblich neuen Plan Barschels, eine Wanze in sein eigenes Telefon einzubauen, um sich als Opfer der SPD-Umtriebe hinzustellen. Schulz hält das für abenteuerlich. Danach gehen Pfeiffer und seine Freundin zum Notar.
Zur gleichen Zeit sitzt der Redakteur Ertel bei Chefredakteur Böhme im elften Stock. "Kennst du den Kontaktmann, der dich angerufen hat?", fragt Böhme. Ertel nickt. "Ist der vertrauenswürdig?" - "Ja." - "Dann triff dich jetzt mit dem, aber rede nicht über Geld", entscheidet Böhme.
Gegen Mittag begeben sich Ertel und Uentzelmann zum Haupteingang der St.- Jacobi-Kirche, um den Informanten aus der Staatskanzlei zu treffen.
"Reiner Pfeiffer, Medienreferent in der Staatskanzlei, und Jutta Schröder, Sekretärin in der Staatskanzlei", stellen sich die beiden vor. Die vier gehen rüber zum SPIEGEL. In einem Konferenzsaal erzählt der Informant im Beisein eines SPIEGEL-Justitiars über mehrere Stunden seine Geschichte und legt handschriftliche Notizen Barschels vor. Die Schilderungen klingen schlüssig, sie passen ja auch zur gerade erschienenen SPIEGEL-Geschichte.
Aber Pfeiffer, das ist leicht zu erraten, ist eine zwielichtige Person. Seine Tricks haben, wie er es wollte, Spuren hinterlassen. Die Urheberschaft nun Barschel nachzuweisen ist ungleich schwieriger.
Die Redakteure befragen Barschels Sprecher Ahrendsen, sie sprechen mit Polizeibehörden und erneut mit den Bremer Detektiven. Sie fügen viele Wenn und Aber in ihre Titelgeschichte ein: "Wenn sämtliche Pfeiffer-Vorwürfe zutreffen", steht da, "hat kein anderer Ministerpräsident je seine politische Macht und seine dienstlichen Möglichkeiten so raffiniert und so ungeniert eingesetzt."
"Wir wollten, dass es vor der Wahl herauskommt, sonst hätten die Leser ja zu Recht gesagt, der SPIEGEL bescheißt seine Leser und enthält ihnen die Wahrheit vor. Außerdem habe ich immer die Devise gehabt: Wenn man was hat, dann muss man damit auch raus", sagt Böhme heute.
Der Redakteur Uentzelmann recherchiert in Bremen Pfeiffers Vorleben. Kollegen erzählen ihm, Pfeiffer sei ein Angeber und Aufschneider, ein unmoralischer Mensch, aber auch ein gewitzter Journalist. Die Ergebnisse dieser Recherche finden keinen Eingang in die Titelgeschichte. Später wird man dem SPIEGEL zum Vorwurf machen, er habe sich nicht genügend von seinem Informanten distanziert.
Dieser SPIEGEL mit der Titelgeschichte "Barschels schmutzige Tricks" wird unter besonderen Bedingungen auf den Markt gebracht: Entgegen den Gepflogenheiten gibt es am Samstag keine Vorabmeldungen; im Druckhaus Ahrensburg werden die Drucker beim Hinausgehen kontrolliert; als ein aufmerksamer SPIEGEL-Mann am Samstagmorgen feststellt, dass im Heft der Abdruck der handschriftlichen Notizen Barschels fehlt, werden alle Maschinen angehalten und die Ausgänge verbarrikadiert. Der Lkw mit den ersten 40 000 Exemplaren wird zurückgeholt. Drei Stunden lang stehen die Maschinen still, dann wird neu angedruckt.
Der SPIEGEL zahlt Pfeiffer 165 000 Mark. Diese Summe errechnet sich aus dessen Verdienstausfall, zusätzlich übernimmt das Blatt Anwaltskosten und Ausgaben.
Am Samstag, dem Tag vor der Landtagswahl in Kiel, verbreitet der NDR um 15.13 Uhr erstmals den Tenor der Titelgeschichte. Auf Gut Steinhorst trinkt Barschel gerade mit Journalisten Kaffee. Um 17.05 Uhr bezeichnet er die Vorwürfe als "völlig frei erfunden".
Mit 42,6 Prozent der Stimmen erreicht die CDU am Sonntag ihr schlechtestes Ergebnis seit 1954, die SPD kommt auf 45,2 Prozent.
Das Nachrichten-Magazin habe sich zu sehr auf einen einzigen Informanten verlassen, schreiben einige Blätter bald. "Ist der SPIEGEL einem zweiten Kujau aufgesessen?", fragt die "Zeit", "oder hat er abermals als ,Sturmgeschütz der Demokratie' ein Vorwerk der Verderbtheit kapitulationsreif geschossen?"
Barschel verlangt eine Gegendarstellung, der deutsche Presserat erteilt dem SPIEGEL eine Rüge, und auch Rudolf Augstein murrt aus der Ferne.
Theo Sommer, der Chefredakteur der "Zeit", fliegt an die Côte d'Azur, um Augstein zu interviewen. Der Herausgeber stellt sich im Interview vor seine Redaktion, beim anschließenden Mittagessen sagt er aber, "dass er noch nicht sicher sei, wer genau der Schurke in dem Spiel ist", erzählt Sommer heute.
Augstein hatte sich vor allem über die Titelzeile geärgert: Hinter "Barschels schmutzige Tricks" hätte ein Fragezeichen stehen müssen, sagt er seinem Chefredakteur Böhme.
Kiel, 2. Oktober 1987
JAGD AUF EINEN SCHATTEN
Uwe Barschel steht im Kieler Landtag. Soeben ist er als Ministerpräsident zurückgetreten.
Wenige Tage vorher sagte er am Telefon zu Herbert Schattke, einem Studienfreund, es sei noch nicht zu Ende. "Dahinter stehen ganz andere Mächte." Er sagt nichts Näheres, er lässt den Satz schweben.
Jetzt ist Barschel nur mehr einfacher Landtagsabgeordneter. Er schüttelt Hände. Er lächelt. Ruhig wirkt er, gefasst. Das Plenum ist fast leer. Einem Parteifreund sagt er, nun wolle er Urlaub machen, wahrscheinlich auf Sizilien.
Barschel zieht sich zurück in seine Villa in Mölln, er ist nur für wenige Menschen erreichbar. Am Sonntag, dem 4. Oktober, besucht ihn sein Hausarzt und bringt ihm eine "Reiseapotheke" mit: je zehn Tabletten Tavor, Valium und Azutranquil.
Barschel schluckt seit sieben Jahren Psychopharmaka, er ist tablettenabhängig. Jetzt beträgt die durchschnittliche Tagesdosis an Tavor fast elf Milligramm - eine enorme Menge, denn Tavor ist fünfmal stärker als Valium, es schaltet "emotionale Faktoren" wie Angst, Schmerz, Freude oder Wut weitgehend aus. In Barschels Krankenakten finden sich später Rezepte für fast 4000 Tavor-Tabletten.
Am nächsten Tag besteigen Barschels Mutter, seine vier Kinder und der Sohn der Schwester in Hamburg einen Zug nach Genf. Sie wollen die Schulferien bei Eike Barschel in Yens verbringen.
Uwe und Freya Barschel buchen einen Flug nach Gran Canaria. In Bahía Feliz besitzt ein Freund der Familie die Ferienanlage "Villas Atlánticas".
In Mölln habe es in den vergangenen Wochen immer wieder anonyme Anrufe gegeben, erzählt Barschel seiner Frau, zum Beispiel von einem Mann namens Robert Roloff. Dies sei ein falscher Name, aber der Mann biete Hilfe an, Entlastungsmaterial in der Affäre. Er wolle sich mit ihm in Deutschland treffen.
Das ominöse Treffen kommt nicht zustande. Das Ehepaar reist am Abend des 6. Oktober in den Süden, damit Barschel Kraft für die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss in Kiel sammeln kann. Einen Tag haben sie in der Ferienanlage Ruhe, weil die Telefonanlage nicht funktioniert. Dann bricht das Chaos, das in Deutschland längst herrscht, auch über sie herein. Ab Donnerstag sind die Tage gefüllt mit Telefonaten, Fernschreiben und dem Beschaffen von Medikamenten.
Aber hat Barschel an diesem Tag mit Roloff telefoniert? Am Nachmittag erzählt er seiner Frau von einem Anruf, er müsse am Samstag nach Genf fliegen, weil ihn der Informant dort treffen wolle. Dann werde er nach Hause fliegen und am Montag vor dem Untersuchungsausschuss aussagen.
Auch seiner Schwester Folke erzählt er von Roloff. Der Mann wolle von Frankfurt nach Genf fahren und nur die Benzinkosten bezahlt bekommen. Was soll er tun? Gegen Mitternacht ruft Folke ihren Bruder zurück und rät ihm dringend ab. Doch intuitiv weiß sie, dass ihr Bruder diesen Mann unbedingt sehen will.
Robert Roloff ist der Schattenmann, der Barschel bis in den Tod begleitet. Auch nach 20 Jahren beruhen die Hinweise auf seine Existenz allein auf Barschels Erzählungen. Ist er die Erfindung eines medikamentenabhängigen Politikers, der keinen Ausweg mehr wusste und seinen Freitod als Rätsel für die Nachwelt inszenierte? War Barschel schlicht einem Hochstapler aufgesessen? Oder war Roloff ein Vorwand für Mörder, die Barschel in eine Falle lockten?
Genf, 10. Oktober 1987
TOD IN GENF
Uwe Barschel sitzt in der Iberia-Maschine Flugnummer 554 von Las Palmas nach Genf auf Platz 12 C, einem Gangplatz. Schon um 7.30 Uhr hat er sich in der Ferienanlage von seiner Frau verabschiedet, ein Abschied für immer. Und noch einmal fehlen über zwei Stunden im Leben des Uwe Barschel, der sich auf offener Szene immer wieder verschwinden lässt, wie ein Magier in einer Las-Vegas-Show. Bis zum Flughafen dauert die Fahrt gut 20 Minuten, Abflug ist 10.30 Uhr.
Eine "Notiz auf Flug LPA-Genf ca. 12.00 Unterlage für UA" wird man später im Hotelzimmer bei ihm finden, geschrieben mit einem Renata-Kugelschreiber. Eine Art Kurzgeschichte, die nur von einer Figur handelt, von Robert Roloff.
Flug 554 landet pünktlich um 15.10 Uhr in Genf. Barschel besitzt ein Ticket für einen Flug nach Hamburg knapp 24 Stunden später. Er trägt nur Handgepäck bei sich, darin befinden sich auch seine Terminplaner für die Jahre 1986 und 1987. Das spricht dafür, dass Barschel Vorgänge der Vergangenheit durcharbeiten wollte: entweder mit dem angeblichen Informanten Roloff oder vor dem Kieler Untersuchungsausschuss.
In der Empfangshalle spricht ihn der Schweizer Journalist Frank Garbely, der vom "Stern" engagiert worden ist, auf Deutsch an. Barschel antwortet auf Englisch: "I don't understand. Who are you?" Er dreht ab und verschwindet in der Menge. Der Fotograf Angelo Guarino schießt das letzte Bild, das ihn lebend zeigt.
Für die letzten Stunden in Barschels Leben gibt es lediglich wenige Orientierungspunkte. Gegen 15.20 Uhr verlässt er wahrscheinlich den Flughafen. Barschel hat niemandem gesagt, wo er absteigen wird, auch nicht seiner Frau. Spätestens um 16.30 Uhr checkt er im Hotel Beau-Rivage ein. Um 18.30 Uhr bestellt er eine Flasche Beaujolais Le Chat Botté 1985 auf Zimmer 317. Der Kellner Jean-Pierre Vergori bringt den Rotwein und zwei Gläser, wie in diesem Haus üblich.
Was sich in diesen und den folgenden Stunden ereignet, lässt sich nur aus den Aufzeichnungen und Barschels Telefonaten mit der Familie erahnen - wenn Barschel bei der Wahrheit geblieben sein sollte.
Barschel setzt seine Flugzeug-Notizen fort - oder er schreibt sämtliche Notizen erst jetzt auf, wie Ermittler vermuten: "17.10 Hotel Beau Rivage" steht auf Seite fünf, Ankunft in Genf:
Bestieg Taxi, fuhr ein paar Mal um Flughafen und traf dann ungestört R.R. Er erkannte mich sofort. Gespräch dauerte ca. 20 Min. Spaziergang in Flughafennähe.
Barschel will Roloff also gleich nach der Ankunft getroffen haben.
Zwischen 17.41 Uhr und 19.08 Uhr greift Barschel viermal zum Hörer. Zunächst ruft er seine Frau auf Gran Canaria an, dann seine Schwester in Deutschland, schließlich zweimal seinen Bruder Eike in Yens. Allen dreien erzählt er im Großen und Ganzen, was in seinen Notizen steht. Es geht um Roloff, Pfeiffer und ein Foto:
Er hat Pfeiffer nur 2 o 3 x kurz gesehen. Hat ihn im Fernsehen wiedererkannt. Sein Name damals Gelsenberg. R. kennt Pfeiffer-Gelsenberg über einen "Freund". Name nennt er nicht. Der ist ausgebildeter Passfälscher. P. behauptet dieser oder weitere sind die Hintermänner Pfeiffers. Er weiß von seinem "Freund", dass Pfeiffer im Springer-Konzern sein Unwesen treiben soll. Es soll um Erpressung der Firmenleitung gegangen sein mit echten o. gefälschten Dokumenten. Daraus wurde nichts weil Pf. zur Pressestelle kam. Dann wurde Pfeiffer auf mich angesetzt.
Barschel schreibt ein neues Kapitel in seinem Krimi, die Handlung strebt dem Höhepunkt entgegen:
Da bei mir nichts zu holen war (kein Geld) "Überwechseln" zur SPD/Spiegel. Genaue Einzelheiten weiß R.R. auch nicht. Hat seine Informationen aus Gesprächen mit "Freund". Den kann er nicht nennen weil sonst selbst in Gefahr. Der hat ihn betrogen. R.R. will mir ein Bild geben, das Pfeiffer+Freund zeigt. Freund seit ca. 4 Wochen verschwunden. Will von mir nur 3-400 DM für Reisegeld. Ist mit Auto hier. Wagen hat er nicht gezeigt.
Ein konfuser Plot, den aber Barschel nicht erfunden haben muss. Seinem Bruder erzählt er am Telefon, dass die Übergabe des Fotos gegen 20 Uhr stattfinden soll. Falls es schnell geht, wolle er noch den Bruder und seine Kinder im Zirkus Knie treffen. Ansonsten, verspricht Barschel, komme er morgen bis 9.30 Uhr zum Frühstück nach Yens.
Zugleich führt er seinen Bruder auf eine falsche Spur. Auf die Frage, wo er stecke, antwortet Uwe: im Hilton.
Es ist das letzte Lebenszeichen von Uwe Barschel.
Gegen drei Uhr morgens will ein Nachtportier im Beau-Rivage etwa 20 Sekunden lang ein dumpfes Geräusch gehört haben, als ob jemand hingefallen sei. Er meint, das Gepolter sei aus dem zweiten oder dritten Stock gekommen.
Genf, 11. Oktober 1987
TATORT ZIMMER 317
Der "Stern"-Reporter Sebastian Knauer steht im Badezimmer von 317. Er drückt auf den Auslöser seiner kleinen Nikon-Kamera. Auf dem Foto steht die Uhr am Arm des toten Uwe Barschel auf 12.45 Uhr. Kurz darauf informiert Knauer, der heute beim SPIEGEL angestellt ist, den Portier über die Leiche in der Badewanne.
Um 14 Uhr trifft Polizeioffizier Jean-Claude Mossier im Hotel Beau-Rivage ein und übernimmt die Ermittlungen im Fall Barschel.
An der unverschlossenen Tür zu Zimmer 317 hängt ein Schild mit der Aufschrift "Ne pas déranger". Die Tür öffnet sich nach rechts, ein kleiner Flur führt ins Schlafzimmer, links ist der Eingang zum Bad. Hinter der Tür liegt Barschels Koffer, daneben ein Handtuch, benutzt und beschmutzt. Am Ende des Flurs, neben dem rechten Türpfosten zum Schlafzimmer, liegt Barschels rechter Schuh, fest verschnürt. Weiter links davon liegt ein Hemdknopf, auf dem beigebraun karierten Muster des Teppichbodens ist er kaum zu erkennen. Es ist der zweite Knopf von oben an dem Hemd, das Barschel trägt. Die Stelle ist ausgerissen.
Im Schlafraum ist das Fenster geschlossen, die Vorhänge sind zugezogen. Das Zimmer wirkt aufgeräumt, wie unbewohnt. An der rechten Wand steht ein Schreibtisch.
Im Badezimmer steht ein Weinglas auf dem Waschtisch. Im Papierkorb darunter liegen eine kleine, leere Flasche Whiskey, Marke "Jack Daniel's", aus der Minibar, die Plastikverpackung des Zahnputzbechers und ein zerbrochenes Weinglas. Der Fußboden ist trocken, der Badewannenvorleger leicht verrutscht, darauf Verfärbungen und ein Schuhabdruck. Am Rand liegt Barschels linker Schuh, ungeschnürt.
Barschel trägt Anzughose, Hemd und Krawatte. Die rechte Hand ragt aus dem Wasser, sie ist mit einem Handtuch umwickelt, darauf ruht der Kopf des Toten.
Im Zimmer gibt es nur wenige Hinweise, welche die Ermittler an Mörder oder an einen Todeskampf denken lassen: der Hemdknopf, das Paar Schuhe, ein verrutschter Vorleger, ein zerbrochenes Glas und ein achtlos hingeworfenes Handtuch.
Und dann fehlt ja etwas, die Flasche Rotwein.
Die Ermittler machen sich an die Arbeit. Sie gehen schlampig vor.
Der Polizeifotograf wählt die falsche Blitzlichteinstellung an seiner Kamera, das Ergebnis: grünflaue Bilder ohne Wert. Die Kriminaltechniker lassen das Badewasser ab, ohne die Temperatur zu messen. So lässt sich nicht mehr der genaue Todeszeitpunkt Barschels feststellen.
Bei der Obduktion der Leiche finden die Mediziner am und im Körper keine Zeichen von Gewalteinwirkung. Allein auf der rechten Seite der Stirn entdecken sie einen blauen Fleck. Barschel kann sich gestoßen, aber auch einen Schlag abbekommen haben; doch keinesfalls reichte die Wucht, dass er die Besinnung verlor.
Dafür finden die Toxikologen im Körper alle möglichen chemischen Substanzen. Der Cocktail aus Tranquilizern rührt von Barschels Medikamentenmissbrauch, aber er hat ihn nicht umgebracht.
Am Ende machen die Mediziner vier Wirkstoffe für den Tod verantwortlich: Cyclobarbital wird als Schlafmittel verwandt; Diphenhydramin ist ein Antiallergikum, Perazin ein Neuroleptikum; das Schlafmittel
Pyrithyldion ist 1987 außer in Dänemark nirgendwo in Westeuropa im Handel.
Es sind allerdings Unmengen an Tabletten, die Barschel genommen haben muss, wenn er denn Selbstmord beging. Allein für den Wirkstoff Diphenhydramin errechnen die Pharmakologen 25 bis 50 Stück. Die dazugehörigen Tablettenschachteln aber werden in Zimmer 317 nicht gefunden; ein weiteres Rätsel.
Die Familie Barschel misstraut den Ermittlern, denen in der Schweiz und denen in Deutschland. Bruder Eike organisiert eilig am Montag, dem 12. Oktober, eine Pressekonferenz im Genfer Intercontinental, um der Welt gemeinsam mit der Witwe Freya zu sagen: "Es war Mord."
Karlsruhe, 22. Dezember 1994
DREI PLUS EINS
In Karlsruhe tritt der Bundesgerichtshof zusammen. Die Richter haben darüber zu entscheiden, ob es im Fall Uwe Barschel doch noch Mordermittlungen in Deutschland geben soll. Sieben Jahre sind seit dem Tod vergangen, für Ermittlungen eine Ewigkeit, denn heiße Spuren glühen rasch aus.
Die Staatsanwaltschaft Lübeck hatte am 12. Oktober 1987 ein "Todesermittlungsverfahren" eröffnet - es diente allerdings nur der Rechtshilfe für die Schweiz. Dann aber ist es eine Expertise, die daraus ein echtes Verfahren macht. Es geht um den tödlichen Medikamentenmix in Barschels Körper. Auf Drängen der Familie fertigt der Schweizer Toxikologe Hans Brandenberger 1994 ein Gutachten an. Darin kommt er zu dem Ergebnis, dass Barschel die vier Präparate nicht zeitgleich genommen haben kann. Die Schlussfolgerung: Es sei unwahrscheinlich, dass Barschel noch handlungsfähig war, als er Cyclobarbital einnahm.
"Drei plus Eins" heißt fortan die Theorie. Danach müsste Barschel zunächst durch "dämpfende" Medikamente betäubt worden sein, bevor ihm ein oder mehrere Mörder die tödliche Giftdosis verabreichten - etwa durch einen Schlauch in die Speiseröhre.
Ob Mord, Selbstmord oder assistierter Suizid: Barschels Tod wurde jedenfalls durch eine komplizierte Methode ausgelöst. Bei der Obduktion entdeckten Gerichtsmediziner eine Lungenentzündung, die auf eine "mehrstündige Überlebenszeit" im kühlen Badewasser schließen lässt.
Mittlerweile ist Heinrich Wille für den Fall zuständig. Der Leitende Oberstaatsanwalt beantragt am 19. Dezember 1994 beim Generalbundesanwalt zu prüfen, welche deutsche Staatsanwaltschaft für eine Mordermittlung in Sachen Barschel zuständig wäre. Drei Tage später überträgt der Bundesgerichtshof die Zuständigkeit an die Staatsanwaltschaft Lübeck. Fortan wird gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Mord ermittelt.
Die "Drei plus Eins"-Theorie ist umstritten. Vier weitere Gutachten kommen zu einem anderen Ergebnis.
Einig sind sich alle Experten, dass Barschel an einer schweren Medikamentenvergiftung starb. In seinem Körper fanden sie mehrere "zentral dämpfende" Wirkstoffe und zwei Schlafmittel in "hochtoxischer Konzentration". Der Streit entzündet sich an der eklatant abweichenden Konzentration der verschiedenen Wirkstoffe in Organen, Blut, Mageninhalt und Urin.
Die meisten Gutachter argumentieren, man könne einen Mord zwar nicht völlig ausschließen, aber die Reihenfolge der Medikamente lasse sich nicht mehr rekonstruieren. Brandenberger dagegen beharrt darauf, dass ein Wirkstoff deutlich später in den Körper gelangt sei. Allerdings schränkt auch er heute ein: "Nicht mehr handlungsfähig" meine, Barschel sei zum Zeitpunkt der Einnahme von Cyclobarbital so sediert gewesen , dass er beim letzten Medikament nicht mehr gewusst habe, "was er tat oder was mit ihm geschah".
Der Münchner Toxikologe Ludwig von Meyer findet bei einer Nachuntersuchung den Wirkstoff Methyprylon, ein Mittel, das sich in der kriminellen Szene großer Beliebtheit als K.-o.-Tropfen erfreut. Meyer räumt ein, der Befund sei "grundsätzlich geeignet", die Mordtheorie zu stützen.
Aber was könnte das Mordmotiv sein?
Über einen Mangel an Zuträgern kann sich Oberstaatsanwalt Wille nicht beschweren. Am Ende gibt es Hinweise auf ein Dutzend Nachrichtendienste, die Barschel getötet haben sollen, darunter der Mossad, das KGB, die angebliche Nato-Geheimtruppe "Gladio" oder Agenten aus Nordkorea. Als Täter kommen laut Ermittlungsakte auch gedungene Mörder und die Mafia in Frage.
Am 26. April 1995 vernehmen die Ermittler in München einen Mann namens Josef Messerer. Der Geschäftsmann erzählt eine wilde Geschichte: Er sei am 9. Oktober in Genf gewesen. In seinem Kalender steht ein Treffen mit einer Reihe prominenter Waffenhändler, darunter mit Ahmed Chomeini, dem Sohn des Ajatollah.
Der Ministerpräsident Barschel, erzählt Messerer, habe all die Jahre Waffengeschäfte gemacht. In Genf habe er sich mit Nordkoreanern und Iranern getroffen. Zehn Millionen Dollar habe er von seinen Geschäftspartnern verlangt.
Allerdings habe Barschel nach der Kieler Affäre als unzuverlässig gegolten. Deshalb, so Messerer, hätten ihn zwei Nordkoreaner und zwei Iraner in seinem Zimmer ermordet
und alles auf Schmalfilm aufgenommen: das Geld auf dem Bett; wie die Rotweinflasche und eine kleine Whiskeyflasche mit Medikamenten präpariert werden; wie sie Barschel in die Badewanne legen.
Der Zeuge hat einen zweifelhaften Ruf. Dennoch lässt Wille die kleine Whiskeyflasche aus dem Hotelzimmer untersuchen. Tatsächlich enthält sie Spuren von Diphenhydramin, das ist einer der Wirkstoffe, die zu Barschels Tod führten.
Zudem liegt den Ermittlern eine ähnliche Aussage eines seriöseren Zeugen vor.
Der ehemalige iranische Staatspräsident Abol Hassan Banisadr lebt in Versailles in einer Zwölf-Zimmer-Villa mit bröckelndem Putz und wildem Vorgarten. Der schmächtige Mann mit den wachen Augen verfügt auch im Exil über ein solides Netzwerk an Zuträgern in seiner Heimat. So will er erfahren haben - und zwar schon vor dem Tod Uwe Barschels, darauf legt er Wert -, dass der Ministerpräsident in Waffengeschäfte mit dem Chomeini-Sohn Ahmed verwickelt gewesen sei.
Barschel habe Waffenverkäufe nach Teheran organisiert und regelmäßig an Treffen in der Schweiz teilgenommen. "Nach seinem Tod", sagt Banisadr, "haben wir dann erfahren, dass er versucht hat, die Gegenseite zu erpressen."
Mehr kann er nicht zu den Abläufen der Nacht in Genf beitragen.
Es ist eine Spur, die wieder im Sand verläuft, wie so viele andere Spuren. Etwa das Foto, auf dem Barschel mit Oliver North zu sehen sein soll, dem Drahtzieher der Iran/Contra-Affäre, eines Dreiecksgeschäfts mit Waffen zwischen den USA, Iran und Israel, das 1986 aufflog. Das Bild können die Staatsanwälte nie finden.
Von Februar bis Oktober 1986 hielt sich North mindestens fünfmal in Deutschland auf, um Geschäftspartner in Sachen Iran zu treffen. An einigen dieser Tage ist auch Barschel in Deutschland unterwegs.
Am 27. April 1998 schreibt Oberstaatsanwalt Wille den Abschlussbericht zum Ermittlungsverfahren. Er gibt keinen Aufschluss über Barschels Schuld oder Unschuld, er klärt nicht die Frage von Selbstmord oder Mord.
Spätsommer 2007
RÜCKBLICK AUF EINE AFFÄRE
Normalerweise haben Affären Sieger und Verlierer. Die Kieler Affäre aber ragt heraus, weil sie nur Verlierer kennt.
Erst war Engholm das Unschuldslamm, ein Opfer der Machenschaften aus der Staatskanzlei. Dann musste er zurücktreten als Ministerpräsident, Kanzler-Kandidat und SPD-Bundesvorsitzender, weil herauskam, dass er früher als zugegeben von schmutzigen Tricks wusste. Oder Günther Jansen, der Mr Ehrenwert der Kieler SPD: In einer Schublade hätten er und seine Frau Geld gesammelt, an die 50 000 Mark, das sagt er bis heute. Es gibt aber etliche Hinweise darauf, dass der - inzwischen verstorbene - Ahrensburger Verleger Ernst Naumann, der auch sonst für SPD und Arbeiterwohlfahrt spendete, große Teile des Geldes oder auch die ganze Summe gegeben habe.
Jansens Version führte zum zweiten Untersuchungsausschuss und damit zur partiellen Rehabilitierung Barschels.
Selbstzerstörung ist ein Kennzeichen dieser Affäre. Uwe Barschel fällt darunter genauso wie die Mitarbeiter, die für ihn falsche Aussagen machten. Karrieren brachen ab, Beamte wurden degradiert.
Lügen sind ein fester Bestandteil aller Affären. Irgendwann aber kommt die Wahrheit heraus, das ist auch eine Regel. Die Kieler Affäre nahm den umgekehrten Verlauf: Erst war alles klar, Barschel der Schurke, Pfeiffer sein Werkzeug, Engholm das Objekt ihrer Schandtaten. Heute ist alles viel weniger klar.
Im Spätsommer 2007 sitzt ein silberhaariger Mann auf der Terrasse eines großen Gartengrundstücks in Lübeck. Wenn er nach rechts schaut, blickt er aufs Wasser, blickt er geradeaus, sieht er vor sich die Wohnung, die er gerade bezogen hat.
Wie sein Leben ohne die Affäre verlaufen wäre? Björn Engholm zögert, legt die Pfeife aus der Hand, endlich sagt er: "Ich vermute unangenehmer. Dann hätte ich irgendwann mit ganz harten Bandagen kämpfen müssen. Vielleicht hätte ich Kanzler sein können, aber der Weg dorthin wäre mir schwerlich gelungen. Ich habe nicht die Machart von Helmut Kohl und auch nicht die eines Gerhard Schröder oder Oskar Lafontaine."
Er hätte das vorher wissen können, sagt Engholm, aber erst die Affäre habe ihn zur Einsicht geführt. Jetzt kümmert er sich um Kultur, um Stiftungen, um Dinge, die ihm Spaß machen. Ein angenehmeres Leben.
Freya Barschel wohnt noch in jenem Haus, das sie in jungen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann gekauft hat. Auf der Kommode steht ein Schwarzweißbild in dunklem Holzrahmen, ein Porträt des smarten, agilen Uwe Barschel. Im Kampf um den Ruf ihres Mannes ist sie gewachsen, ohne verbittert zu wirken. "Meine größte Sorge nach 20 Jahren ist es, dass man alles vergisst", sagt sie. "Ich möchte, dass alles lebendig gehalten wird und meinem Mann Gerechtigkeit widerfährt."
Für Gerechtigkeit soll ihr Anwalt Justus Warburg sorgen. Er hält ein engbedrucktes Blatt Papier in die Luft: "Staatsräson" steht darauf, er hat sich die Definition im Internet-Lexikon Wikipedia ausgedruckt. "Es war Mord aus Staatsräson", sagt er, und seine Stimme wird um einige Dezibel lauter. Warburg ist 82, er könnte von der Affäre lassen, aber das gehe nicht, sagt er, er gebe nicht auf.
Die Affäre geht weiter.
MARKUS DETTMER, SVEN RÖBEL,
BRITTA SANDBERG

DIE SEKRETÄRIN
Jutta Schröder
Sie arbeitete in der Pressestelle der Kieler Staatskanzlei und wurde Pfeiffers Geliebte. In seinem Auftrag tippte sie die Steueranzeige gegen Engholm und brachte verschlossene braune Umschläge zu einer Kollegin bei der SPD. Sie galt als verschwiegen und zuverlässig.

DER KONTAKTMANN
Klaus Nilius
Er war Pressesprecher der Kieler SPD und traf sich mehrmals mit Reiner Pfeiffer unter konspirativen Umständen. Später übergab er ihm 50 000 Mark.

DER ANWALT
Justus Warburg
Er vertritt die Familie Barschel seit 20 Jahren und ist der Überzeugung, dass Uwe Barschel aus Gründen der "Staatsräson" sterben musste.

DER TOXIKOLOGE
Hans Brandenberger
Von dem Schweizer Wissenschaftler stammt die "Drei plus Eins"-Theorie: Sie besagt, Uwe Barschel könne nicht mehr handlungsfähig gewesen sein, als die letzte der tödlichen Substanzen in seinen Körper gelangte. Sein Gutachten löste im Jahr 1994 neue Ermittlungen aus.
* Oben: in Bremen; unten: am 9. September 1987 mit den SPIEGEL-Redakteuren Jochen Bölsche, Manfred Ertel und Dieter Uentzelmann in Hamburg.
Von Markus Dettmer, Sven Röbel und Britta Sandberg

DER SPIEGEL 42/2007
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