15.10.2007

SPONSORING„Testballon in Hessen“

Holger Wittenberg, 64, Marketingmanager in der Deutschland-Niederlassung des südkoreanischen Autobauers Kia, über das Sponsoring des Konzerns im Amateurfußball
SPIEGEL: Herr Wittenberg, Kia stellt rund 2100 hessischen Kreisliga-Teams Trikots mit dem Schriftzug des Unternehmens zur Verfügung. Was soll dieses Sponsoring nach dem Gießkannenprinzip bringen?
Wittenberg: Wir wollen an die Basis ran. Vor ein paar Jahren waren wir auch schon mal auf den Trikots beim Bundesligisten Hansa Rostock. Solch ein Deal bringt Aufmerksamkeit und Markenbekanntheit. Mit den hessischen Kreisligen stellen wir den direkten Kontakt zu den Kunden her. Dort, wo gekickt wird, sitzen auch unsere Händler.
SPIEGEL: Nicht alle Clubs sind bereit, in Ihren Trikots zu spielen. Die Kicker von Dynamo Windrad Kassel fühlen sich vom Verband "verraten und verkauft", andere Vereine wollen ihre alten Gönner nicht verprellen. Drohen den Widerspenstigen Strafen?
Wittenberg: Alle Vereine sind durch den hessischen Fußballverband verpflichtet, den Namen "Kia-Kreisliga" auf den Trikots zu tragen - unabhängig davon, welcher Vertragspartner auf den Trikots steht. Wer also weiter mit seinem Versicherungsfachmann auf der Brust auflaufen will, muss dafür sorgen, dass unser Logo auf dem Ärmel erkennbar ist.
SPIEGEL: Und was passiert, wenn der langjährige Mäzen des Clubs der örtliche Mercedes-Händler ist?
Wittenberg: Das ist bei nur ganz wenigen der über 2000 Mannschaften der Fall. Auch diese Teams haben Trikots mit unserem Schriftzug erhalten, müssen sie aber nicht tragen. Sie können die Hemden im Verein weitergeben.
SPIEGEL: Wird demnächst in ganz Deutschland in Kia-Kreisligen gebolzt?
Wittenberg: Für uns ist das in Hessen ein Testballon. Ist diese Art des Sponsoring erfolgreich, können wir darüber nachdenken, ob das erweiterbar ist.

DER SPIEGEL 42/2007
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