10.12.2007

ISRAELReden mit dem Feind

Nach dem Friedensgipfel von Annapolis zeichnet sich in Jerusalem der Beginn einer neuen Realpolitik ab. Weil der offizielle palästinensische Verhandlungspartner, Autonomiepräsident Mahmud Abbas, lediglich das Westjordanland kontrolliert, fordern Militärs und Politiker nun Gespräche mit der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas. Es sei ein Fehler gewesen, die Islamisten nach ihrem Wahlsieg vor knapp zwei Jahren zu boykottieren, sagt der ehemalige Direktor des Nationalen Sicherheitsrats, Giora Eiland. Spätestens seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas, so Eiland, "muss Israel anerkennen, dass es im Gaza-Streifen eine De-facto-Regierung gibt". Mit ihr solle Premier Ehud Olmert über einen Waffenstillstand verhandeln. Sogar amtierende Minister widersprechen mittlerweile der offiziellen Regierungslinie, wonach Verhandlungen inakzeptabel seien. "Wenn ich einen Hamas-Mann am Grenzübergang Erez zum Gaza-Streifen treffen könnte, würde ich das tun", erklärt etwa Kabinettsmitglied Amir Perez. Hintergrund des Vorstoßes ist auch die Tatsache, dass der militärische Arm der Hamas weiterhin den israelischen Soldaten Gilad Schalit gefangen hält. Sogar in der rechtsnationalen Opposition stößt die Gesprächsbereitschaft von Regierungsmitgliedern auf ein positives Echo. Der bekannte Hamas-Gegner Jehuar Gal von der nationalreligiösen Partei Hatikva räumt offen ein: "Wir haben gar keine andere Wahl."

DER SPIEGEL 50/2007
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