10.12.2007

FRANKREICHSarkozys langes Schweigen

Mit der Affäre um Schmiergeldzahlungen des französischen Metallarbeitgeberverbandes UIMM wird nun auch der Name von Staatspräsident Nicolas Sarkozy verknüpft. Der hatte - damals noch Finanzminister - seit 2004 anscheinend Kenntnis von den dubiosen Geschäften und schwarzen Kassen der UIMM. Von den Konten des Metallverbands waren vom Jahr 2000 an knapp 20 Millionen Euro in bar abgehoben worden. Zumindest mit einem Teil wurden laut jetzigem Ermittlungsstand Gewerkschafter bestochen. Kofferweise soll der gerade zurückgetretene Verbandschef Denis Gautier-Sauvagnac über Jahre hinweg das Geld aus der Bank getragen haben - mal in Tranchen von 700 000 Euro, mal waren es nur 300 000, so im Mai 2004. Zu genau diesem Zeitpunkt wurde die Anti-Geldwäsche-Behörde Tracfin auf die dubiosen Abhebungen aufmerksam. Wenige Tage später informierte sie mündlich Sarkozys Finanzministerium. Im September folgte eine erste schriftliche Mitteilung an den Minister mit der Bitte, den Fall an die Justiz übergeben zu dürfen. Wenige Wochen später jedoch erhielt die Behörde das Schreiben mit einer handschriftlichen Notiz zurück, die Angelegenheit erst einmal nicht weiterzuverfolgen. Mittlerweile ermitteln die Pariser Staatsanwaltschaft und die Finanzbrigade. Das Elysée verweigerte jeden Kommentar zu den Enthüllungen, ein Dementi aber gab es auch nicht.

DER SPIEGEL 50/2007
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