22.12.2007

Verse für Krieg und Frieden

Kaum ein Werk wird so verehrt, gefürchtet und missbraucht wie der Koran. An Gottes Offenbarungen für den Propheten Mohammed scheiden sich die Geister: Ist die heilige Schrift des Islam nur ein archaischer Gesetzestext, oder lässt er sich wie die Bibel auch modern deuten?
Unter all den Menschen, die an diesem Montagmorgen durch den Bahnhof von Leiden strömen, ist Nasr Hamid Abu Seid leicht zu übersehen. Er trägt eine blaue Schiebermütze, ein kleines Bäuchlein und eine Aktentasche. Wie ein braver Angestellter auf dem Weg zur Arbeit tritt der Professor aus der Bahnhofshalle.
Sein Ziel ist die älteste und renommierteste Universität der Niederlande. An der einstigen Rijksuniversiteit Leiden wird er heute wieder eine seiner geschliffenen Vorlesungen über "Islamische Theologie" halten, für die er von seinen Studenten geschätzt und geachtet wird - und von islamischen Fanatikern in aller Welt leidenschaftlich gehasst. Ohne Hast und ohne sich umzuschauen, spaziert der Ägypter, der vor gut zwölf Jahren ins beschauliche Holland fliehen musste, an den schmucken Grachten und spitzgiebeligen Patrizierhäusern seiner neuen Heimat vorbei. Es ist schneidend kalt, Abu Seid, 64, schmiegt sich fest in den grauen Anorak.
Daheim, in Kairo, kann sich der Professor schon lange nicht mehr frei bewegen. Wann immer er es wagt, seine Familie am Nil zu besuchen, muss er seine Ankunft beim Polizeichef melden. Der stellt ihm dann zwei Leibwächter und einen Polizeioffizier zur Seite. Nur mit Mühe konnte Abu Seid die niederländischen Behörden davon abbringen, ihm auch im Exil Personenschutz zu geben.
"Ich hab mich daran gewöhnt, mit dem Tod zu leben", sagt er und blinzelt freundlich durch dicke Brillengläser. "Wenn es Zeit ist zu sterben, ist es eben Zeit." Sein Verbrechen? Ähnlich wie der britischindische
Schriftsteller Salman Rushdie mit seinen "Satanischen Versen" hat sich Abu Seid an einem Werk vergriffen, das in der Welt des Islam als überirdisch und unantastbar gilt: am Koran, dem heiligen Buch der Muslime, der letzten Botschaft des einen und allmächtigen Gottes an die Menschheit, offenbart im 7. Jahrhundert dem Propheten Mohammed in Mekka und Medina.
Während die meisten der weltweit 1,3 Milliarden Muslime jede Zeile in den 114 Kapiteln des Koran, den Suren, wortwörtlich nehmen, ist Abu Seid davon überzeugt, dass "Gott zu Mohammed in Bildern gesprochen hat, in Metaphern, die wir auf unsere heutige Zeit übertragen müssen". Nur so könne sich der Islam "für die Aufklärung öffnen und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen".
Für seine konservativen Gegner - allen voran die Professoren und Scheichs der Azhar-Universität in Kairo - sind solche Gedanken pure Ketzerei. Denn die Gelehrten sehen den Koran als Gottes unwandelbares Vermächtnis, als ewig und erhaben über alle Versuche von Sterblichen, den Versen neuen Sinn zu geben.
"Dhalika al-kitab la reiba fihi hudan lilmuttakin", lautet Vers 2 der 2. Sure: "Dies ist das Buch, an dem nicht zu zweifeln ist, geoffenbart als Rechtleitung für die Gottesfürchtigen."
Ein Bannstrahl der Azhar-Universität verhindert es, dass der ägyptische Reformer in seiner Heimat vor größerem Publikum sprechen kann - doch ein Unbekannter ist Abu Seid auch dort nicht mehr. Die Thesen des "Ketzers von Kairo" werden in Internet-Foren und Uni-Seminaren diskutiert, sein Buch zur "Kritik des religiösen Diskurses" erörtert. Der Bonner Islamwissenschaftler Stefan Wild erkennt darin Anzeichen, "dass die vom Westen ersehnte Reformdebatte innerhalb des Islam durchaus stattfindet, nur sehr viel
leiser und langsamer, als wir uns das wünschen - und mit ungewissem Ausgang".
Der Diskurs kann Folgen für die Reformer haben. Im schlimmsten Fall werden sie verbannt oder ermordet - wie Farag Foda, ein ägyptischer Schriftsteller, der extremistischen Predigern Volksverdummung vorgeworfen hatte und in Kairo auf offener Straße erschossen wurde.
Der Diskurs kann aber auch Hoffnung wecken. Die Reformer setzen auf den Faktor Zeit, weil sie wissen, dass weder die orthodoxe Auslegung der heiligen Schriften noch Terror die Probleme der islamischen Welt lösen können. "Die Muslime dürfen sich nicht von der Zukunft ausschließen", mahnen Politiker wie der marokkanische Religionsminister Ahmed Taoufiq - und dafür müssen Tabus fallen.
So sind sie denn, wenn auch leise, durchaus zu hören, die Stimmen, die Mut machen: Gelehrte wie der iranische Philosoph Abdolkarim Sorusch, der gegen die Geiselnahme des Koran durch die Mullahs aufbegehrt, oder der in Beirut lebende Islamwissenschaftler Ridwan al-Sajjid, der gegen das Deutungsmonopol der islamistischen Hisbollah ankämpft. Nicht anders die aus der laizistischen Türkei stammenden Vordenker der sogenannten Ankaraner Schule wie Mehmet Paçaci und Ömer Özsoy, die für eine zeitgemäße Sicht der Offenbarung plädieren.
Und es sind die Frauen, die aufbegehren, eine Revolution in der Revolution. Sie wenden sich, wie die iranische Rechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, gegen die "schlechte und falsche Interpretation" des Koran durch "patriarchalische" Theologen. Sie drängen, wie die marokkanische Soziologin Fatima Mernissi, auf eine gleichberechtigte Auslegung der Offenbarung. Sie fordern, wie die in Ägypten geborene Frauenrechtlerin Nahed Selim: "Nehmt den Männern den Koran!"
Aber was ist das für ein Werk, von dem der gläubige Muslim Abu Seid sagt, es sei das "schönste und zugleich gefährlichste Buch der Welt"?
Der Koran ist wohl das widersprüchlichste, das umstrittenste und zugleich geheimnisvollste Buch der Welt. Er ist ein Füllhorn an Poesie und Prosa und ein Werk voller ungelöster Rätsel. Mal tolerant, dann wieder streng, bald nachsichtig und bald erbarmungslos. Ein ebenso gewaltiges wie gewalthaltiges Buch, für die Gläubigen die einzig gültige Übersetzung des göttlichen Willens, das vollkommene Werk des Schöpfers.
Während die Bibel mit Geschichten und Gleichnissen voller Wunder und Gnadenbezeugungen, aber auch mit Intrigen und Verbrechen lockt, ist der Koran eher ein Reigen aus Erkenntnissen und Verordnungen, deren Abfolge - verwirrend genug - nicht chronologisch, sondern durch die Länge der Suren bestimmt wird - wobei die langen zuerst stehen, mit einer Ausnahme: der Eröffnungssure.
Es ist ein Buch, das mal durch gewaltige, dunkle Sprachbilder, mal durch die Schlichtheit präziser Alltagsvorschriften hervorsticht, eines, das noch kleinste Details im Leben der Gläubigen regelt: von der Aufteilung des Erbes bis hin zu Stillzeiten für Scheidungskinder. Ein Buch, das Bodenständige wie Schwärmer gleichermaßen bezaubert, in dem aber auch rätselhafte Buchstaben auftauchen, deren Bedeutung niemand kennt, aus denen sich aber die "unsichtbare Wirklichkeit Gottes" ablesen lasse, wie islamische Mystiker, die Sufis, behaupten.
Zugleich ist der Koran wohl das mächtigste Buch der Welt. Mit seinen Regeln, Ermahnungen und Erkenntnissen ist er die ständig gegenwärtige Richtschnur für fast ein Fünftel der Menschheit, viel umfassender und strenger als das heilige Buch der Christen.
"Und lobpreise deinen Herrn vor dem Aufgang und vor dem Untergang der Sonne! Und preise zu gewissen Zeiten der Nacht und an den Enden des Tages", schreibt zum Beispiel Sure 20, Vers 130, dem Gläubigen regelmäßige Gebete vor.
Bemüht um Gottgefälligkeit, verneigen sich so Muslime vom Senegal bis Sumatra, von Somalia bis Xinjiang gen Mekka und sprechen zu Beginn ihres Gebets die Fatiha, die Eröffnungssure des Koran: "Bismillah al-rahman al-rahim, al-hamdu lillah rabb al-alamin ..." - "Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gnädigen, Lob sei Gott, dem Herrn der Welten."
Zwar hält die Bibel den Rekord als das meistgedruckte Werk der Welt: fast 400 Millionen Neue und Alte Testamente wurden 2006 verbreitet. Aber der Koran holt auf. Dies lässt sich erahnen, wenn die saudi-arabische König-Fahd-Druckerei stolz verkündet, allein sie produziere jährlich weit über acht Millionen Korane, und jeder Mekka-Wallfahrer erhalte ein Gratisexemplar.
Obwohl der Koran nur auf Arabisch, der Sprache der Offenbarung, rezitiert werden darf, gibt es inzwischen Dutzende Übersetzungen. Schließlich wollen immer mehr Muslime außerhalb der arabischen Welt, aber auch Nichtmuslime im Westen wissen, was Gott zu Mohammed gesagt haben soll.
Vor allem aber trägt die Dynamik der jüngsten Weltreligion
zum Anstieg der Koranauflagen bei. Zum Gürtel des Islam gehören reiche Länder wie das Sultanat Brunei oder die Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch extrem arme wie Bangladesch oder Mauretanien. In Westeuropa bestimmt die Religion, die in der Wüste geboren wurde, den Alltag von etwa 15 Millionen Einwanderern und Konvertiten, keine Glaubensgemeinschaft wächst hier schneller und gebärdet sich ähnlich selbstbewusst.
Als Zeichen von Gottesfürchtigkeit wird der Koran in Washington im Kapitol ebenso geehrt wie auf dem Schafott in Bagdad. Im Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten legte Keith Ellison, Demokrat aus Minnesota und Amerikas erster muslimischer Abgeordneter, am 4. Januar 2007 seinen Amtseid ab. Dass der Koran, den Ellison in Händen hielt, so alt ist wie das Kapitol, dass das Buch aus dem persönlichen Nachlass des US-Gründervaters Thomas Jefferson stammt, sollte ein Zeichen setzen: Die USA müssen keine Angst vor dem Islam haben. Und die Muslime keine Angst vor Amerika.
An den gleichen Text klammerte sich in Bagdad Saddam Hussein, während die Schlinge um seinen Hals gelegt wurde. Ein grüner, in Leder gebundener Koran war die letzte Habe des einst so mächtigen wie reichen Diktators. Am 30. Dezember 2006, dem Tag seiner Hinrichtung, diktiert er dem Richter seinen letzten Wunsch: Man möge sein Exemplar einem Freund übergeben, der es in Ehren halten werde.
Die gewaltige Symbolkraft des Werkes ist unbestritten. Die Auslegung des Koran entscheidet mitunter über Krieg und Frieden, Konflikt oder Aussöhnung.
Mal dienen die Offenbarungen den Attentätern von Hamas, Dschihad und al-Qaida als Legitimation ihres Terrors: "Bekämpfe die Ungläubigen und die Heuchler und behandle sie hart", rezitieren Islamisten in Bagdad, Gaza oder Kabul auf ihren Bekennervideos aus der neunten Sure; oft berufen sie sich auch auf einen Vers aus der vierten, der ihnen das Paradies verspricht: "Wer auf dem Weg Gottes kämpft und wird getötet - oder siegt -, dem werden wir gewaltigen Lohn geben."
So haben sie ihren Lohn gesucht, die Selbstmordattentäter von New York und Washington 2001, von Bali 2002, von Madrid 2004, von London 2005. Auf einmal verwandeln sich junge Muslime in verheerende Sprengkörper, jagen Hochhäuser und Discotheken, vollbesetzte Züge und U-Bahnen in die Luft und reißen Hunderte Menschen mit in den Tod. Was für eine düstere Religion muss das sein, auf die sich diese Attentäter berufen? Was für ein grauenhaftes Drehbuch muss dieser Koran liefern?
Inzwischen wollen Strategen im Westen das heilige Buch selbst als Waffe nutzen und haben es zur Pflichtlektüre erklärt. Um "auf dem Schlachtfeld des Verstands zu siegen", liest Generalmajor Douglas Stone, Chef des Gefangenenprogramms der US-Armee im Irak, jeden Tag im Koran und verordnet Gleiches seinen Häftlingen - in der Hoffnung, dass sie die versöhnlichen Passagen im Buch entdecken, die es eben auch gibt. Der Mörder eines Unschuldigen, so lehrt der Koran, müsse behandelt werden, "als habe er die gesamte Menschheit ermordet".
Mal schlachtet der Westen den Koran aber auch als Psychowaffe aus, etwa wenn
es darum geht, Terrorverdächtige im US-Hochsicherheitslager Guantanamo vor Verhören einzuschüchtern und ihren Willen zu brechen. Amerikanische Soldaten sollen das Gotteswort mit Füßen getreten und durch die Toilette gespült haben. Als die Anschuldigungen bekannt wurden, gingen Muslime in Nordafrika, Pakistan und Indonesien auf die Straße.
Der holländische Filmemacher Theo van Gogh zahlte mit seinem Leben dafür, dass er den Koran öffentlich in den Schmutz zog. Sein Kurzfilm "Submission" zeigt eine Muslimin nackt unter einem transparenten schwarzen Schleier: ihr Körper gezeichnet von Peitschenstriemen, kalligrafiert mit Koranversen über die Keuschheit. Zwei Monate nach der TV-Ausstrahlung des Streifens schoss im November 2004 ein marokkanischstämmiger Niederländer van Gogh nieder. An die Leiche heftete er mit einem Messer eine mit Koranversen gespickte Morddrohung gegen Ayaan Hirsi Ali - die gebürtige Somalierin hatte das Drehbuch verfasst und gehört zu den schärfsten Kritikern der Lehre Mohammeds.
Den Christenmenschen war die heilige Schrift der Muslime nie ganz geheuer. Weil im Koran Mose, Abraham und auch Jesus und Maria auftauchen, wurde er in Europa jahrhundertelang als "Türkenbibel" verachtet. Wer dennoch in den Offenbarungen las, sah sich wie Voltaire in seinem Unbehagen gegenüber den Muselmanen eher noch bestätigt. Der Koran, so schrieb der französische Aufklärer, sei "ein unverständliches Buch, das den gesunden Verstand auf jeder Seite erschauern lässt".
Der Islamfreund Johann Wolfgang von Goethe klagte über "grenzenlose Tautologien und Wiederholungen" und zeigte sich "so oft wir auch daran gehen, immer von neuem angewidert". Aber der Dichterfürst, der den Koran für seinen "West-östlichen Divan" studierte, gestand auch, dass ihn das Buch zugleich "anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt".
In der islamischen Welt wird dem Werk meist bedingungslose Verehrung entgegengebracht. "Al-Koran al-karim", der "ehrwürdige", der "kostbare" Koran ist die übliche Bezeichnung der Gläubigen. Denn den Muslimen gilt nicht nur der Inhalt, sondern auch das Buch, der Gegenstand an sich, als heilig, als Inkarnation Gottes. Wer aus ihm rezitiert, wer seinen Worten lauscht, so heißt es, könne den Allmächtigen hören, sehen und spüren.
Religionswissenschaftler vergleichen die Bedeutung des Koran für die Muslime mit dem Stellenwert, der Jesus unter Christen zukommt: Bei den einen verkörpere sich Gott in einem Menschen, bei den anderen in einem Buch.
Der Princeton-Professor Michael Cook hat Beispiele gesammelt, wie überrascht Europäer von jeher auf den Umgang der Muslime mit ihrer heiligen Schrift reagierten. "Sie achten darauf, ihren Koran niemals so zu halten, dass er unter der Gürtellinie hängt", notierte ein englischer Orientalist, der im 19. Jahrhundert Ägypten bereiste. 300 Jahre zuvor bemerkte ein anderer Europäer erstaunt, dass es für die Türken "ein furchtbares Vergehen ist, wenn sich jemand, und sei es auch unwissentlich, auf dem Koran niederlässt".
In einer Kultur, in der die Menschen traditionell auf dem Boden sitzen, musste das heilige Buch auch optisch erhöht werden, um seine Autorität zu betonen: So wurde der Koran in der Moschee auf ein kleines Podest gelegt, den sogenannten Kursi. Noch heute achten viele Muslime darauf, dass der Koran in einem Bücherstapel stets an oberster Stelle liegt.
Anders als die Bibel in Deutschland, die oft ungelesen in Bücherregalen verstaubt, ist der Koran in den meisten Ländern des Orients allgegenwärtig. Gläubige werden immerfort und mit allen Sinnen an die göttliche Botschaft erinnert: Kaum ein Kairo-Besucher entgeht der religiösen Dauerbeschallung im Taxi. Kassetten und CDs mit den schönsten Rezitationen werden an jeder Straßenecke angepriesen, noch im dichtesten Verkehr murmeln Autofahrer ihre Lieblingspassagen zur Beruhigung. Muslimische Großmütter flüstern bettlägerigen Kindern manchmal Verse ins Ohr, was die Genesung vorantreiben soll. Die Fibel "Gesundbeten mit dem Koran" ist ein Verkaufsschlager auf Kairos internationaler Buchmesse. Koranverse als Klingelton allgegenwärtiger Handys gingen dagegen den sunnitischen Glaubenswächtern der Azhar-Universität zu weit.
Den Schiiten, Anhängern der zweiten großen Glaubensrichtung des Islam und für Devotionalien besonders empfänglich, ist der Koran regelrecht zum Kultobjekt geworden: Eine iranische Firma verkauft Mini-Korane als Schlüsselanhänger. Im Teheraner TV wird dafür geworben, die übliche Warteschleifenmelodie im Telefon durch Koranverse zu ersetzen: Zum Runterladen muss man nur die Zahl der Suren im Koran wählen: 114.
Wann und wo nahm das alles seinen Anfang? Gab es immer nur diesen einen Koran, so wie wir ihn heute kennen? Und wer war eigentlich dieser Mohammed, der
Allahs Offenbarung aus der Wüste unter die Menschen gebracht hat?
Der Prophet wurde um das Jahr 570 in Mekka in eher bescheidenen Verhältnissen geboren. Die arabischen Quellen zum Leben Mohammeds (der "Gepriesene") füllen zwar "Tausende von Seiten", sagt der Göttinger Arabist Tilman Nagel, der an einer umfassenden Biografie über den Propheten arbeitet, aber die muslimischen Berichte seien "vielfach verklärende Literatur, ganz darauf zugeschrieben, Mohammed mit seinem Denken, Reden und Handeln schon von Kindesbeinen an als von Gott legitimiertes Vorbild für die Menschen erscheinen zu lassen". Bereits 70 Jahre nach dem Tod des historischen Mohammed sei das "hagiografische Konzept" vom Auserwählten Gottes nahezu vollendet gewesen.
Es ist vor allem ein Werk des muslimischen Gelehrten Ibn Ishaq, auf das Mohammeds Bild bei den Gläubigen zurückgeht. Nach dieser ersten Propheten-Biografie aus dem 8. Jahrhundert war der Gottesgesandte ein gutsituierter, glücklich verheirateter Kaufmann und Karawanenführer aus der arabischen Stadt Mekka, bevor Gott ihn im Alter von 40 Jahren mit einer außergewöhnlichen Mission betraute. "Aus Mitleid mit der Welt", so Ibn Ishaq, wählte ihn der Allmächtige "zum Verkünder für alle Menschen".
Mohammed hatte zu diesem Zeitpunkt die Einsamkeit schätzen gelernt; in einer Art Midlife-Crisis zog er sich in die Berge zurück, um zu meditieren. Eines Nachts erschien ihm der Erzengel Gabriel im Schlaf. Er trug ein Tuch wie aus Brokat, worauf etwas in arabischen Lettern geschrieben
stand. "Lies", forderte er Mohammed auf. "Ich kann nicht lesen", erwiderte dieser. Darauf würgte ihn Gabriel mit dem Tuch fast zu Tode und befahl: "Lies im Namen deines Herrn, des Schöpfers, der den Menschen schuf aus geronnenem Blut. Lies, und der Edelmütigste ist dein Herr, er, der das Schreibrohr zu gebrauchen lehrte, der die Menschen lehrte, was sie nicht wussten."
Mohammed wiederholte die Sätze - die später als Anfang der Sure 96 Eingang in den Koran fanden. Als er aufwachte, war es, als seien ihm "die Worte ins Herz geschrieben".
Noch heute gedenken Muslime jener ersten Offenbarung, die sich im neunten Monat des Mondjahres, im Ramadan, zugetragen haben soll. Jedes Jahr sollen die Gläubigen seither im gleichen Monat fasten und unbeschwert von Völlerei den Koran studieren.
Dem Propheten erschien Gabriel von nun an regelmäßig, um die Worte Gottes zu überbringen. Mohammed, zunächst erschrocken und an seiner Wahrnehmung zweifelnd, empfing die Offenbarungen alsbald unter einer Decke, allein, angstvoll und schweißgebadet, wie Ibn Ishaq berichtet.
Nicht jedem gefällt, was er zu sagen hat. Vor allem mit seinen Landsleuten aus Mekka, die einer hedonistischen Vielgötterei frönen, geht der Prophet scharf ins Gericht. Aber auch Christen und Juden werden kritisiert - für ihre Verwässerung biblischer Gebote. Sie werden zwar fortan als "Buchbesitzer" akzeptiert, aber als zu laxe Gottesdiener gescholten.
Die heidnischen Herrscher in Mekka verspotteten und bedrohten Mohammed. Sie befürchteten, dass er mit seinem neuen Glauben an den einen Gott ihr Geschäft mit jenen Pilgern verderben würde, die für
andere Götter nach Mekka pilgerten. Schon damals existierte die Kaaba, jener schwarze Kubus, der heute als das wichtigste Heiligtum der Muslime siebenmal umrundet werden muss.
Der Bedrohte musste mit seinen Gefährten in eine Oase namens Medina fliehen. Dort vergrößerte sich seine Gemeinschaft.
Anders als in Mekka drehen sich die Offenbarungen in Medina immer öfter um das rechte Leben im Alltag. Während der Koran in den "mekkanischen Suren" vom metaphysischen Wunder Gottes spricht, nimmt er in den "medinensischen Suren" auch Bezug auf gottesfürchtige Lebensführung, auf Kriegs- und Friedensrecht sowie den Umgang mit Andersgläubigen. Der Prophet empfängt jetzt jene Worte, die heute zwischen Fundamentalisten und Reformern besonders umstritten sind.
Als sei der Koran ein Lehrbuch für Widersprüche, sagt er etwa zum Umgang mit Alkohol gleich dreierlei: Wird Wein in Sure 16,67 noch zu den guten Gaben Gottes gezählt ("ein Rauschgetränk und Nahrung schön"), liegt darin in Sure 2,219 schon "schwere Sünde, auch Nutzen"; erst in Sure 5,90 ist er dann ein "Greuel und des Satans Werk".
Auch pendelt das Buch zwischen Aufrufen zur Gewalt und Ermahnungen zur Toleranz. Da gibt es die Aufforderungen zur Tötung von Ungläubigen, etwa Sure 4,89: "Wenn sie sich abkehren, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet." Oder grausame Höllenstrafen für die Ungläubigen im Jenseits: "Und wenn sie um Hilfe rufen, wird ihnen mit Wasser wie mit geschmolzenem Erz geholfen" (Sure 18,29). Aber es gibt auch Botschaften von universeller Barmherzigkeit. Gott selbst ist die Güte: "Rahman", der Barmherzige, und "Rahim", der Gnädige, sind die gebräuchlichsten Gottesnamen im Koran.
Zugleich ruft der Koran immer wieder zum "Dschihad" auf. Selbst für vorsichtige Kommentatoren wie den Erlanger Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin steht fest, dass mit diesem "Bemühen auf dem Wege Gottes" - so die wörtliche Übersetzung - "vor allem der Kampf im Sinne einer kriegerischen Auseinandersetzung gemeint ist". Parallel dazu warnt der Koran vor einer selbstvernichtenden Opferbereitschaft, die heute islamistische Selbstmordattentäter antreibt: "Stürzt euch nicht mit eigenen Händen ins Verderben" (Sure 2,195).
Über die Andersgläubigen, Christen und Juden, lässt sich der Koran einmal respektvoll als über "Leute der Schrift" aus, dann wieder als über "diejenigen, die Gott verflucht hat und denen er zürnt und von denen er einige zu Affen und Schweinen und Götzendienern gemacht hat".
Die Widersprüche erklären muslimische Rechtsgelehrte mit den jeweiligen Umständen, in denen sich die junge Gemeinde Mohammeds gerade befand: hier im Kampf, dort im Frieden, immer darauf bedacht, die eigene Machtsphäre zu erweitern und zu vertiefen.
Wie zum Beweis seiner Vollkommenheit offeriert der Koran auch für den Umgang mit seinen Widersprüchen eine Lösung. "Wenn wir einen Vers tilgen oder in Vergessenheit geraten lassen, bringen wir einen besseren oder einen, der ihm gleich ist", heißt es in Sure 2. "Weißt du denn nicht, dass Gott zu allem die Macht hat?" Auf die daraus entwickelte Lehre von der Abrogation, der Aufhebung früher Verse durch nachfolgende, berufen sich die Fundamentalisten bei der Durchsetzung ihres rigiden Islam - schließlich gehen die späteren Offenbarungen mit Wein, Weib und Ungläubigen härter ins Gericht.
Bis der Prophet Mohammed seine allerletzte Offenbarung empfing, vergingen 22 Jahre. Die zentrale Botschaft seiner aufopfernden Mission bleibt ein radikaler Monotheismus.
Dass sich Gott in seinen Offenbarungen bei der Bibel und der Tora bedient, störte Mohammed und dessen Anhänger nicht. So kennen die Muslime Adam und den Sündenfall ebenso wie Noahs Arche, Mose und auch Jesus - der im Koran allerdings nicht Sohn Gottes ist, sondern nur einer von vielen Propheten. Solche Ähnlichkeiten belegen für Muslime nur die Richtigkeit des Koran. Und so lernen sie die Suren auswendig und sprechen sie nach. Mit der mündlichen Überlieferung scheint Gottes Botschaft gesichert.
Über erste schriftliche Fassungen des Textes ist wenig bekannt. Die wohl ältesten Koranfragmente retteten im Jemen ausgerechnet Nichtmuslime für die Wissenschaft. Als in der Großen Moschee von Sanaa, einem der ältesten islamischen Gebetshäuser der Welt, das zu Lebzeiten Mohammeds gebaut wurde, im Sommer 1973 bei Renovierungsarbeiten in der Zwischendecke ein sogenanntes Papiergrab entdeckt wurde, ahnte noch niemand die Sensation. Solche Hohlräume dienten häufig zur Entsorgung religiöser Schriftstücke, denn die Vernichtung heiliger Texte ist verboten. Die zerfallenen, von Insekten zerfressenen Fragmente mit Koranversen landeten in Kartoffelsäcken, achtlos am Fuß einer Wendeltreppe abgestellt.
Erst deutsche Koranforscher erkannten den Wert der Pergamente. Mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung rekonstruierten die Orientalisten Albrecht Noth und Gerd-Rüdiger Puin in jahrelanger Puzzlearbeit die Koranfetzen. Nach vielfältigen Untersuchungen geht Puin heute davon aus, "dass einige Fragmente etwa im Jahre 700 entstanden sein müssten".
Die dunklen Anfänge der Koranaufzeichnungen - Palmenblätter, Steine und
sogar Knochen mit Notizen - sind idealer Nährboden für allerlei Legenden und Spekulationen. Gab es vielleicht sogar gewisse Verse, die der Zensur zum Opfer fielen, weil sie sich mit der späteren, reinen Lehre nicht in Einklang bringen ließen? Berühmt, ja berüchtigt ist jene Überlieferung, wonach nicht nur der Erzengel Gabriel, sondern auch Satan dem Propheten ein oder zwei Verse einflüsterte.
So sollen in den Offenbarungen die drei heidnischen Göttinnen al-Lat, al-Ussa und Manat zunächst als "hochfliegende Kraniche" bezeichnet worden sein, deren Fürsprache bei Gott erwünscht sei. Die Einwohner von Mekka - hocherfreut, dass der Prophet ihre Lokalgottheiten derart würdigt - seien daraufhin seinem Aufruf gefolgt, sich vor Gott niederzuwerfen. Später habe Mohammed jedoch vom Erzengel Gabriel erfahren, dass dies keine göttlichen, sondern eben "satanische Verse" waren.
Die Legende von diesen Versen - die Salman Rushdie 1988 als Hintergrund für seinen hochumstrittenen Roman benutzte - liefert noch heute Stoff für Disput: Die meisten muslimischen Gelehrten streiten die Geschichte seit Jahrhunderten ab. Doch manche westliche Islamwissenschaftler sind geneigt, sie für wahr zu halten: Eine Episode, die Mohammed in derart unvorteilhaftem Licht erscheinen lasse, könne unmöglich erfunden sein. Wahrscheinlicher sei daher, dass die"satanischen Verse" Mohammeds vorübergehenden Versuch widerspiegelten, die Mekkaner durch Schmeicheleien für ihre drei Göttinnen schneller von der Großmut Allahs zu überzeugen.
Mohammed, mehr Pragmatiker als Prophet? Für Muslime ein äußerst ketzerischer Gedanke. Dass aus der Sammlung von Aufzeichnungen und Überlieferungen schließlich der Koran wurde, ein geschlossenes Buch, so wie es Gläubige in aller Welt verehren, ist das Verdienst des Kalifen Osman.
Der dritte Nachfolger Mohammeds soll um die Mitte des 7. Jahrhunderts eine schriftliche Fassung der Offenbarungen verfügt haben. Auf sein Geheiß wurden alle Dokumente zusammengetragen, er ließ die vertrauenswürdigsten Rezitatoren vorladen und schließlich die Suren edieren. Warum sie der Länge nach geordnet wurden, zählt auch fast 1400 Jahre nach der Redaktion des Koran zu den ungelösten Rätseln.
An der Osman-Fassung wurde nicht mehr gerüttelt. Allein dass die Kairoer Azhar-Universität in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Versen der Ordnung halber Nummern voranstellte, löste massive Proteste von Eiferern aus. Nur weil die Neuerung von der höchsten theologischen Autorität kam, wurde sie schließlich von der muslimischen Gemeinde weltweit akzeptiert.
Seither steht fest, was im Koran steht - ob es nun angeblich der größte Koran ist (über einen Meter hoch und 130 Kilogramm schwer), den die atheistischen Herrscher in Peking aufbewahren sollen, oder der älteste (aus dem Jahr 1000), den das Regime von Baschar al-Assad in Damaskus hütet, oder der vielleicht spektakulärste - jener, den Saddam Hussein in Auftrag gab und der mit dem Blut des "Größten aller Iraker" geschrieben ist. Über 20 Liter seines Lebenssaftes will der Despot dafür geopfert haben.
Über jede Silbe wachen die Experten der Azhar-Universität. Zumindest für strenggläubige Sunniten hat "die Leuchtende" nicht nur Vorbildcharakter, sondern sie hat auch so etwas wie ein theologisches Weisungsrecht und gilt als unfehlbar.
Inmitten Kairos quirliger, verkehrsdurchtoster Altstadt steht das Doppelminarett der Azhar, Sinnbild für die Einheit von Glaube und Wissen, aber auch für die Durchsetzung knallharter Dogmen. Ein Student verteilt vor der Hauptpforte der Moschee islamische Werbe-CDs mit schlichten Titeln wie "Das Leben des Propheten", "Frauen im Islam" oder "Wissenschaft und Koran". Männer in Anzügen, Jeans oder langen weißen Dschalabijas gehen an ihm vorbei, mit gesenktem Haupt steigen sie über die hölzerne Schwelle, schlüpfen aus ihren Schuhen und betreten die Marmorfliesen des Innenhofs.
Längst wurde der reguläre Studienbetrieb an eine moderne Massenuniversität verlegt, doch noch immer zieht es viele Koranschüler an diesen Ort, wo alles begann. Im Schneidersitz lauschen sie dem Unterricht zumeist blinder Scheichs, würdiger alter Herren, die an eine Säule gelehnt, den geöffneten Koran im Schoß,
Gottes Worte rezitieren - ein jahrhundertealtes Ritual. "Wer den Koran nicht lesen kann, sollte ihn hören", sagen die Gläubigen; auch ihn zu berühren gilt vielen schon als Weg, Gott näherzukommen.
Geradezu hypnotisch sind manche Koranrezitationen, ihr wohlklingender Vortrag gilt als eigene Kunst: die "Kiraa". Endlos und peinigend kann deren Studium sein, in dem selbst kleinste Details der Aussprache geübt werden müssen: ein A besonders tief und kraftvoll, ein I besonders vibrierend. Der Koran, schreibt der Islamwissenschaftler Navid Kermani in seinem Buch "Gott ist schön", habe eine ästhetische Kraft, die auch Nichtgläubige verzaubern könne.
In der Welt der Azhar-Universität ist das Memorieren des Koran allerdings nur aller Anfang: Es folgen arbeitsreiche Jahre mit Studien der Exegese, der islamischen Rechtsordnung oder islamischen Kulturgeschichte. Auch wer säkulare Fächer wie Medizin oder Naturwissenschaften lernt, muss religiöse Pflichtkurse belegen.
Mit der Moderne haben sich die Hüter des Glaubens auf ihre Weise abgefunden: So soll ein Online-Archiv alle verfügbaren Manuskripte der Azhar-Bibliothek ins Internet stellen. Und ein in Dubai entworfenes "islamisches Handy", das von jedem Ort der Welt die Richtung gen Mekka weist und fünfmal am Tag zum Gebet ruft, hat ebenfalls den Segen der Azhar erhalten.
Kritische Fragen zur Entstehung des Koran gelten dagegen als Frevel. Für die Zensur religiös unerwünschter Schriften sind die Azhariten berüchtigt. Großscheich Mohammed Sajjid Tantawi ist das Oberhaupt der Azhar, ein Mann des politischen Ausgleichs, von Staatspräsident Husni Mubarak persönlich ins Amt berufen. Er bleibt hart, wenn es um den Kern des Glaubens geht: "Reformer" sind für ihn Hitzköpfe, nicht weniger schädlich als jene Extremisten, von denen sich die Universität abzugrenzen sucht.
Wer gegen die tausend Jahre alte Macht der Azhar aufbegehrt, muss, wie der exilierte Literaturprofessor Abu Seid, mit dem Schlimmsten rechnen. Auf Drängen islamistischer Eiferer wurde er zum Apostaten erklärt. Ein Gericht in Kairo verfügte 1995 die Zwangsscheidung des "Ketzers" von seiner Frau Ibtihal Junis. Die Azhar half der Anklage - mit einem religiösen Rechtsgutachten.
Im Westen hingegen wird Abu Seid seither als "Speerspitze eines liberalen Islam" ("Neue Zürcher Zeitung") gefeiert und mit Ehrungen überhäuft. Er erhielt die amerikanische Roosevelt-Medaille für Religionsfreiheit und den Frankfurter Ibn-Rushd-Preis für die Förderung der Demokratie in der arabischen Welt. Kenner wie der Hamburger Islamwissenschaftler Gernot Rotter und der Bonner Arabist Wild sehen in ihm so etwas wie eine "historische Figur", eine, "von der wir noch in 100 Jahren sprechen werden".
Wenn er auf die Bedeutung seines Werkes für die Geschichte des Islam angesprochen wird, weicht der Professor aus. Ein melancholisches Lächeln huscht dann über das runde Gesicht. In seiner Leidener Klause türmen sich die Korankommentare und Sammlungen der Prophetensprüche, tausend Zettel lassen die dicken Bände von Tabari und Buchari aufquellen, mit Textmarkern und Anstreichungen sind die Werke von Sartre und Kant versehen. Dazwischen stapeln sich Seminararbeiten neben Magazinen zu Linguistik und Philosophie; die private Post ist seit Wochen unbeantwortet, der Koran hat Vorrang.
Der Koran, sagt er mit leiser Stimme, sei das Buch, das ihn seit seiner Kindheit begleite, ihn, den Bauernjungen aus dem Nildelta; es seien die sinnlichen Erinnerungen, die er noch immer mit sich trage - den Moscheebesuch an der Hand seines Vaters, die eindringliche Stimme des Dorfscheichs. Solcher Zauber veranlasste Abu Seid in frühen Jahren, die heilige Schrift zu memorieren, dann, nach dem Tod des Vaters, drängte es den jungen Mann an weltliche Schulen. "An Grundsätzen zu zweifeln", so Abu Seid, "ist keine Sünde. Wer zweifelt, gebraucht seinen Verstand. Und Gott will, dass wir unseren Verstand benutzen."
Aus der westlichen Literaturwissenschaft übernahm Abu Seid die Methode, Texte historisch zu lesen - zu begreifen, wie ein Gebot damals aufgeschrieben worden ist, damit die Gläubigen es verstanden. "Der Koran im frühen 7. Jahrhundert brauchte einen angemessenen Sprachcode", sagt er. Dass sich Gott heute, 14 Jahrhunderte später, eine andere Ausdrucksweise zurechtgelegt hätte, steht für ihn außer Frage. "Alles andere wäre doch geradezu blasphemisch, eine Beleidigung für die Intelligenz Gottes!"
Abu Seid steht längst nicht mehr allein, die Zahl seiner Verbündeten wächst.
Auch bei den Schiiten gibt es Theologen, die sich auflehnen gegen orthodoxe Schriftgelehrte, gegen scheinbar übermächtige Autoritäten. Einer von ihnen ist Abdolkarim Sorusch. So wie Abu Seid gegen die Scheichs der Azhar streitet, streitet Sorusch gegen die Mullahs in Teheran.
Die Turbanträger begründen ihre Macht auf die von Revolutionsführer Ruhollah Ajatollah Chomeini 1979 eingeführte "Welajat-e Fakih", die Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten. Nach ihr dürfen sich Irans religiöse Führer als irdische Stellvertreter jenes zwölften Imams fühlen, der im neunten Jahrhundert spurlos verschwand und seither in der Verborgenheit ausharrt. Mit seiner
ersehnten Wiederkehr verbinden die Schiiten das jüngste Gericht und die Einkehr der Gerechtigkeit auf Erden.
Die von den Mullahs damit beanspruchte Unfehlbarkeit kommt für Sorusch religiöser Despotie gleich. Auch für ihn besitzt Gottes Offenbarung ewige Gültigkeit, nicht jedoch die Schlussfolgerungen, die sich daraus ableiten lassen. In seinen Aufsätzen und Büchern propagiert er die "Wandelbarkeit der religiösen Erkenntnis". Theologen, so Sorusch, seien nicht wie Gott oder der Prophet. Was sie verkünden, sei "menschliche, unheilige Erkenntnis - behaftet mit aller Fehlbarkeit des menschlichen Geistes".
Solche Anmaßungen dulden die Chomeini-Erben nicht. Der einstige Vordenker der Islamischen Republik verlor in den neunziger Jahren seinen Lehrstuhl an der Universität Teheran, er erhielt Morddrohungen und wagte seitdem kaum noch öffentliche Auftritte. Unter dem gegenwärtigen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad ist Sorusch erst recht Persona non grata.
Dass er noch nicht mit einem ähnlichen Bann belegt wurde wie Abu Seid in Kairo, verdankt er seinen immer noch guten Beziehungen ins religiöse Establishment. In den siebziger Jahren war er ein glühender Verfechter der Revolution gewesen, 1979 kehrte er aus dem englischen Exil zurück nach Iran.
Unter aufgeklärten Muslimen gilt Sorusch als Lichtgestalt. "Er befreit den Islam vom Ballast der Vergangenheit und versöhnt ihn mit der Moderne", jubelte die inzwischen verbotene Oppositionszeitschrift "Kijan". "Niemand beschäftigt sich mit modernem, liberalem Islam, ohne sich mit Sorusch auseinanderzusetzen", so Harvard-Professor Roy Mottahedeh.
Manche, wie die amerikanische Journalistin Robin Wright, sehen in Sorusch gar einen "iranischen Luther". Einen, der wie der deutsche Reformator im 16. Jahrhundert das Deutungsmonopol des herrschenden Klerus brechen könnte.
Den Mönch aus Eisleben und den Professor aus Teheran verbindet die Betonung der spirituellen und mystischen Seite des Glaubens. In der islamischen Variante der Mystik, dem Sufismus, sieht Sorusch ein Potential für die Herausforderungen der Moderne; hier sei der Glaube stets auf der Suche, stets fragend, nie selbstsicher - ein Gegenpol zum autoritären Rechtsislam, wie ihn die Mullahs predigen.
Zurück zu den Wurzeln, zurück in die Frühgeschichte des Islam, zurück ins achte und neunte Jahrhundert, lautet die Devise der Reformer. Hier, in der Blütezeit ihrer Religion, sehen beide Vordenker - der Sunnit Abu Seid und der Schiit Sorusch - einen Schatz, den es auszugraben gilt.
Damals, keine 150 Jahre nach dem Tod des Propheten, hatte in Bagdad die Dynastie der Abbasiden die Macht übernommen, ein der Wissenschaft zugeneigtes Herrschergeschlecht. In der von Legenden umwobenen, prächtigen Kalifenresidenz am Tigris stritten die Gelehrten leidenschaftlich um die rechte Art, den Koran zu lesen.
Besonders vernunftbetont waren die sogenannten Mutasiliten (arabisch für: "jene, die sich absondern"). Sie orientierten sich an der griechischen Philosophie. Es heißt, ihr großer Förderer, der Kalif al-Mamun, habe eines Nachts von Aristoteles geträumt und kurz darauf befohlen, an jeder Ecke Bagdads eine Akademie, eine Sternwarte oder eine Bibliothek zu bauen.
Die Mutasiliten kritisierten das Wiederkäuen orthodoxer Lehren, sie verlangten, die islamischen Quellen eigenständig zu interpretieren; eine Praxis, die in der islamischen Tradition "Idschtihad" heißt, "Anstrengung".
Der heikelste Punkt ihrer Theologie aber war, den Koran nicht als "ewiges", sondern als "geschaffenes Werk" zu betrachten. Ewig, lehrten sie, sei nur Gott selbst. Und wäre es nicht vermessen, Gott eine zweite ewige Instanz zur Seite zu stellen?
Nur ein knappes Jahrhundert währte die Blütephase der Freigeister, dann schlug die Orthodoxie zurück.
Es folgte geistige Verkrustung. Allein das goldene Zeitalter der Mauren von Andalusien, die im 11. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel Kunst und Wissenschaften aufblühen ließen, konnte noch einmal an die Ära der Mutasiliten anknüpfen.
Während in Deutschland Seuchen und Hungersnöte die Menschen dahinrafften, richteten die Kalifen von "al-Andalus" Apotheken und Krankenhäuser ein, wurde in Córdoba und Toledo gedichtet, geforscht und philosophiert. Es ist jene Epoche, die bei vielen Muslimen von heute noch immer starke Sehnsüchte weckt - setzte doch mit ihrem Ende, mit der Vertreibung der letzten Araber aus Europa, der Niedergang der islamischen Welt ein.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erreichte das Ansehen der Weltreligion einen neuen Tiefstand. Die Anschläge von New York, Madrid und London verengten - in den
Augen verängstigter säkularer Europäer und Amerikaner - das Bild des Islam auf den Terrorismus seiner Extremisten.
Scheinbar unaufhaltsam verbreitet sich der Terror nicht nur in der Welt der Ungläubigen, sondern vor allem in den islamischen Ländern: im Irak, in Afghanistan, Pakistan, Algerien oder Palästina. Hier grassiert, was der tunesischstämmige Intellektuelle Abdelwahab Meddeb die "Krankheit des Islam" nennt - der Rekurs auf Gewalt und Selbstzerstörung, der besonders auf frustrierte junge Männer so anziehend wirkt, weil er vermeintlich hilft, die beständigen Unterlegenheitsgefühle, politische Ohnmacht und wirtschaftliche Ausgrenzung zu überwinden.
Das Instrument für den Terror heißt "Takfir" (arabisch für: "jemanden für ungläubig erklären"). Es bietet seinen Anhängern die Rechtfertigung, sich zu Herren über Leben und Tod aufzuschwingen. Nach einem vielzitierten Satz des Propheten darf das Blut von Muslimen nur als Strafe für Mord, für Ehebruch sowie für den Abfall vom Islam vergossen werden. Für Takfiristen gilt demnach: Todeswürdig ist jeder, der auch nur einen Hauch von ihrer strengen Koranauffassung abweicht, denn er gilt als vom Islam abgefallen. Es ist dabei egal, ob er wählen geht - schließlich kann nur Gott, nicht aber ein gewählter Politiker Gesetze erlassen - oder einfach nur als Sportler kurze Hosen trägt - was gegen Sitte, Anstand und Gottes Willen verstößt. Er muss sterben.
Dennoch glauben die beiden deutschen Islamwissenschaftler Katajun Amirpur und Ludwig Ammann, dass der Islam seit den Anschlägen vom 11. September 2001 "an einem Wendepunkt" angelangt sei. Als hätte der islamistische Overkill die liberalen Geister in den eigenen Reihen wachgerüttelt, sei in der islamischen Welt eine "unendliche Vervielfältigung der Standpunkte" zu beobachten. Ein Blick ins Internet und in populäre Diskussionsforen wie "futureislam.com" reiche aus, um zu erkennen, dass unzählige Muslime den Stillstand überwinden wollen - und dass der Begriff "Reform" nicht tabu sei.
Protagonisten dieses Wandels gibt es überall. Wie weit Islam und Moderne miteinander vereinbar sind, zeigt der bislang größte Feldversuch direkt vor den Toren Europas: in der Türkei. In kaum einem Land treffen Orient und Okzident, der Islam und die Werte des Westens, so stark aufeinander wie bei dem EU-Anwärter und Nato-Partner. In keinem anderen Land wurde dem Islam allerdings auch so viel Weltlichkeit abverlangt wie in der 1923 von Mustafa Kemal, genannt Atatürk ("Vater der Türken"), begründeten Republik.
Auf den Trümmern des Osmanischen Reiches setzte der überzeugte Europäer eine Revolution von oben durch, die das zurückgebliebene Anatolien wirtschaftlich und gesellschaftlich in die Moderne führen sollte - Zwangssäkularisierung zur Befreiung von den Fesseln der Religion eingeschlossen. Atatürk schaffte das Kalifat ab, in dem der Sultan der Gebieter über Reich und Religion war; er verbot den Männern den Fes, den rotwollenen Hut mit Quastenbehang, und den Frauen das Kopftuch; er verfügte die Abschaffung der Scharia-Gerichte, und er verbannte die Religion ins Private.
Um die Moscheen von rückwärtsgewandtem Gedankengut frei zu halten, richtete Atatürk eigens das Präsidium für religiöse Angelegenheiten ein, das Diyanet Isleri Baskanligi. Die Behörde mit inzwischen mehr als 100 000 Mitarbeitern beaufsichtigt die Ausbildung der Imame, und sie bestimmt auch, was gepredigt wird; ihr Vorsitzender Ali Bardakoglu ist der mächtigste Vertreter des Islam in der Türkei und ein erklärter Reformtheologe. "Die islamische Welt muss für Kritik von allen Seiten offen sein und in sich das objektive Denken, die Vernunft, fortentwickeln", sagt der Behördenchef, der im vergangenen Jahr Papst Benedikt XVI. zum "Dialog der Religionen" empfing.
Das Rüstzeug für die Debatte mit den Fundamentalisten kommt aus nächster Nachbarschaft: von der Universität Ankara.
Die Hochschule gilt als Keimzelle aller religiösen Reformanstöße in der Türkei. Und sie ist neuerdings sogar in Deutschland
mit einem Lehrstuhl vertreten. Ömer Özsoy, 44, einer ihrer renommiertesten Vertreter, hielt im November an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main seine Antrittsvorlesung über moderne Interpretationsformen des Koran. Den Lehrstuhl, eingegliedert in den Fachbereich Evangelische Theologie, finanziert Badakoglus türkische Religionsbehörde.
Für Özsoy steht nur ein Bruchteil dessen, was die Offenbarung den Menschen vermitteln will, wörtlich im Koran; der Großteil der wahren Aussagen erschließt sich erst durch das Studium der historischen Umstände vor rund 1400 Jahren und deren Interpretation für die Gegenwart. Weil die Anpassung des Koranverständnisses an die Aktualität so lange schon verpönt sei, fehlten "den Muslimen die Antworten auf die Fragen der Moderne". Lakonisch resümiert Özsoy: "Wir Muslime sind zurückgeblieben."
Aktuelle Ereignisse geben ihm recht: Vor allem für die Frauen erweist sich der Islam als Instrument ihrer Unterdrückung. Im Sudan drohte einer Grundschullehrerin die öffentliche Auspeitschung, nur weil sie zuließ, dass ein Kind seinen Teddybär Mohammed nannte. Und in Saudi-Arabien sollte eine Frau, die Opfer einer Massenvergewaltigung wurde, mit 200 Peitschenhieben bestraft werden. Der Grund: Sie war in einem Auto mit einem Mann unterwegs, der nicht zur Familie gehörte. Beide Frauen wurden schließlich begnadigt.
Über weniger tragische Alltagserlebnisse schreibt die Ägypterin Nahed Selim. Sie fuhr im Sommer 1968 mit ihrem Onkel im Zug von Alexandria ins Nildelta. Sie war 15 und trug einen Minirock, wie es damals auch in Ägypten Mode war, zumindest in den Großstädten. Die Blicke der Mitreisenden hefteten sich an ihre nackten Oberschenkel. Verärgert zischte ihr schließlich der Onkel zu, sie möge gefälligst die Beine bedecken - wie es Sitte, Anstand und vor allem Religion verlangten.
35 Jahre später erinnerte sich Selim, mittlerweile Journalistin und niederländische Staatsbürgerin, an die Episode im Zug und schrieb sie auf als Prolog zu ihrem Buch "Nehmt den Männern den Koran".
Mit Wehmut schildert die gläubige Muslimin darin, wie in ihrem Heimatland westliche Mode verschwand und islamische Kleidung Einzug hielt - vom Kopftuch bis hin zur schwarzen Ganzkörperverschleierung. Der Zwang, sich zu verhüllen, sei ein Beleg dafür, wie die Botschaft des Koran zuungunsten der Frauen ausgelegt werde.
Der Koran ist wie so oft auch hier uneindeutig: Da lassen sich Verse finden, die als Befreiung von Unmündigkeit verstanden werden müssen, aber auch andere, die Frauen dem Mann untertan erklären. In der Wirklichkeit haben sich zumeist die alten Stammestraditionen der Araber durchgesetzt, wonach die Frau als Besitz der Familie betrachtet wird. Frauen erben in den meisten islamischen Ländern nur die Hälfte dessen, was ein männlicher Verwandter vom Nachlass erhält. Auch zählt ihre Aussage vor Gericht nur halb so viel wie die Aussage eines Mannes.
Der Zwang zum Kopftuch wird beispielsweise mit Auszügen aus Sure 24 begründet: "Und sag den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken und dass sie ihre Scham bewahren sollen, und dass sie ihren Schal sich um den Ausschnitt schlagen." Ein Beweis für die Pflicht, Kopftuch zu tragen? Nein, sagt die Autorin Selim; vielmehr ein Hinweis dafür, wie sich Frauen damals vor sexueller Belästigung schützen konnten.
Niemand sei verdammt, sich vor der Welt zu verstecken, meint Selim, denn preise nicht gerade auch der Koran die universelle Schönheit des Menschen? So heißt es in Sure 95: "Bei der Feige und der Olive und dem Berge Sinai und dieser sicheren Stadt: Wahrlich, Wir erschufen den Menschen in schönster Gestalt."
In ihrem Plädoyer, den Koran "weiblich" zu lesen, streitet die Niederländerin keineswegs auf einsamer Flur. "Wir erleben weltweit einen Diskurs von Musliminnen, die sich in ihrem Kampf um Emanzipation auf den Koran berufen", sagt die Historikerin Margot Badran von der Washingtoner Georgetown-Universität. "Islamischer Feminismus", ein eher widersprüchlich anmutender Terminus, ist im Kommen.
Auf Dauer kann sich der Islam wohl kaum von den Zumutungen der Moderne abschotten, zumal in der globalisierten Welt. Internet und Satellitensender haben Vielstimmigkeit im islamischen Raum erzeugt und zugleich die Suche nach Orientierung und Autorität verstärkt. Die neue Vielfalt dürfte nur schwer einzudämmen sein.
Für Nasr Hamid Abu Seid, den ins Exil Verbannten, ist das ein gutes Zeichen. An eine Rückkehr nach Ägypten glaubt der "Ketzer aus Kairo" allerdings nicht. Noch immer betrachten ihn viele in seiner Heimat als vogelfrei, noch immer führt er in den Augen der Obrigkeit als ein "vom Glauben abgefallener" Muslim eine illegale Ehe mit seiner muslimischen Frau.
Der kleine Professor mit dem grauen Anorak und der abgewetzten Aktentasche lebt in einem unauffälligen Reihenhaus in einer niederländischen Kleinstadt. Er pendelt weiterhin nach Leiden, er spricht auf Konferenzen, er schreibt Bücher. Er wirbt weiter dafür, dieses schöne, gefährliche Buch richtig zu lesen. DIETER BEDNARZ,
DANIEL STEINVORTH
* In diesem Gebäude befand sich bis in die Neuzeit die im 10. Jahrhundert gegründete Azhar-Universität.
* Eines der Vereinigten Arabischen Emirate.
Von Dieter Bednarz und Daniel Steinvorth

DER SPIEGEL 52/2007
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