22.12.2007

EUROPAZoff um Bio-Subventionen

Europas Biodiesel-Branche sucht politischen und ökonomischen Beistand gegen die übermächtige amerikanische Konkurrenz. Anfang kommenden Jahres will der Dachverband European Biodiesel Board bei der Brüsseler EU-Kommission eine Anti-Dumping-Beschwerde einreichen, weil hochsubventionierter US-Sprit heimische Kraftstoffe vom Markt verdränge. Vor allem deutsche Produzenten hätten inzwischen Anlagen abschalten oder herunterfahren müssen und seien in ihrer Existenz bedroht, denn der Preis der US-Importe liege weit unter den Herstellungskosten der heimischen Anbieter.
Dabei wird Biosprit auch in Deutschland und anderen EU-Ländern kräftig gestützt, sowohl durch Steuerabschläge als auch durch gesetzliche Vorschriften, dem herkömmlichen Treibstoff grüne Anteile beizumischen. Washington setzt freilich mit seinem "Energy Policy Act of 2005" deutlich mehr Geld ein, um der mächtigen Agrarindustrie neue Absatzkanäle, etwa für Soja und Mais, zu erschließen. Für ein "B 99" genanntes Spritzgemisch aus 99,9 Prozent Bio- und 0,1 Prozent Mineraldiesel kassieren die Hersteller drüben 99 Cents pro Gallone (4,5 Liter). Dieses "B 99" verkaufen sie dann als "reinen" Biokraftstoff, also zusätzlich steuerbegünstigt, in Europa. Gegen solche "Kampfpreise" müsse die EU mit "Ausgleichszöllen" vorgehen, fordern die hiesigen Biosprit-Mischer; das wird nicht leicht sein. Denn die US-Regierung meint, die Europäer sperrten sich nur erneut gegen den Wind des globalen Wettbewerbs. Der wird noch rauer: Auch aus Argentinien und Brasilien drängen billige subventionierte Biokraftstoffe nach Europa.

DER SPIEGEL 52/2007
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Zoff um Bio-Subventionen