22.12.2007

IRANTaktisches Spiel?

Für Geschäftspartner Teherans - darunter viele deutsche Firmen - brechen harte Zeiten an: Die iranische Führung hat in einer bisher geheim gehaltenen Direktive beschlossen, ihren in Europa arbeitenden Banken den Geldhahn zuzudrehen und ausstehende Schulden nicht mehr zu begleichen. Die Institute Sepah, Melli und Saderat, die zu 100 Prozent von der staatlich kontrollierten Zentralbank Irans (CBI) abhängig sind, haben in den vergangenen Wochen ihre internationalen Devisen im Verborgenen zurück in die Heimat transferiert, um die Teheraner CBI-Reserven aufzustocken und im Inland liquide zu bleiben. Die ausländischen Zweigstellen könnten bald Insolvenz anmelden, die Außenstände europäischer Geschäftspartner werden dann in die Hunderte Millionen Euro gehen. Was vor allem Unternehmen aus Deutschland bekümmert, dürfte von US-Politikern bejubelt werden: Washington ist davon überzeugt, dass die iranischen Aktionen auf die im Oktober ausgeweiteten US-Sanktionen gegen Teheran zurückzuführen sind, die Europäer glauben mehr an ein taktisches Spiel der Mullahs. Die Bush-Regierung versucht jetzt, Mehrheiten im Uno-Sicherheitsrat für eine Verschärfung der "extrem erfolgreichen" Strafmaßnahmen zu erreichen. Russen und Chinesen aber sehen die "Geschäftsgrundlage" für verschärfte Sanktionen entfallen. Iran hat sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 eingestellt - so die neuesten Erkenntnisse der US-Geheimdienste.

DER SPIEGEL 52/2007
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IRAN:
Taktisches Spiel?