22.12.2007

AUSSTELLUNGENEndlich befreit

Wie Heimkehrer aus langer Geiselhaft werden derzeit in Rom 68 antike Statuen, Masken und Keramiken gefeiert. "Nostoi" (griech. Rückkehr) heißt die jetzt eröffnete Ausstellung im Quirinalspalast (bis 2. März), zusammengestellt aus Meisterwerken, die Italien nach jahrelangem Ringen amerikanischen Museen entreißen konnte. Darunter eine Marmorstatue der Kaiserin Vibia Sabina aus dem 2. Jahrhundert, ein Fresko im Stil von Pompeji und ein herrlich bemalter Asteas-Kelch (um 350 v. Chr.). Von einer "Epochenwende" sprach Kulturminister Francesco Rutelli. Erstmals konnte sich ein Herkunftsland in großem Stil gegenüber mächtigen ausländischen Institutionen durchsetzen und die Rückgabe heimlich ausgeführter Kunstgegenstände erreichen. Italien hatte gedroht, andernfalls die Zusammenarbeit mit den US-Sammlungen einzustellen. Zu den Betroffenen gehören das Metropolitan Museum in New York, das Bostoner Museum of Fine Arts und die Getty-Sammlung in Malibu, Letztere mit allein 43 Werken. Dem illegalen Handel mit Antiquitäten, die unter ungeklärten Umständen ausgegraben wurden, so Minister Rutelli, sei ein Schlag versetzt worden: "Eine wahre Odyssee für diese Meisterwerke ist jetzt zu Ende." Das habe nichts mit Nationalismus zu tun, antike Kunst gehöre aber in ihren kulturellen Zusammenhang. Als Trost sind den Museen langfristige Leihgaben und Grabungsgenehmigungen zugesagt worden. Die Rückführungsaktion ist noch nicht abgeschlossen: Im Januar wird sich die Glyptothek in Kopenhagen von ihrem etruskischen Paradewagen trennen. Über Exponate aus München, Tokio und Cleveland wird noch verhandelt.

DER SPIEGEL 52/2007
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