31.12.2007

KRIMINALITÄT„Ungekannte Menschenfeindlichkeit“

Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) über den Umgang mit jugendlichen Straftätern
SPIEGEL: Zwei jugendliche Intensivtäter haben in der Münchner U-Bahn einen Rentner fast totgeschlagen. Waren ausgerechnet die gestrengen Bayern zu milde mit polizeibekannten Tätern?
Merk: Natürlich nicht. Alle Intensivtäter werden in einer Spezialkartei gespeichert, damit wir sie schnell ermitteln und bestrafen können. Diese Täter wurden aufgrund der Handy-Daten schnell gestellt. Straftaten aber passieren überall, man kann sie trotz aller Vorkehrungen nicht vollständig verhindern.
SPIEGEL: Die Union will nun das Jugendstrafrecht verschärfen. Glauben Sie, dass die Anhebung der Höchststrafe von 10 auf 15 Jahre junge Gewalttäter tatsächlich abschreckt?
Merk: Ja. Zudem ist es wichtig, dass Täter angemessen bestraft werden können. Es gibt heute Jugendliche, die gehen mit einer bislang ungekannten kriminellen Energie und Menschenfeindlichkeit vor. Da reichen zehn Jahre nicht - auch nicht, um sie wieder auf die richtige Bahn zu bringen.
SPIEGEL: Sind die Jugendgefängnisse auf solche Täter vorbereitet?
Merk: Unsere Jugendgefängnisse leisten schon viel und werden in Zukunft noch mehr leisten. Die meisten dieser Jungkriminellen haben keinen Schulabschluss. Sie haben zu Hause weder gelernt, regelmäßig zu arbeiten, noch wissen sie, wie man sich in einer Gemeinschaft benimmt. Viele sind mit Gewalt aufgewachsen. Sie zu sozialisieren ist ein harter Job.

DER SPIEGEL 1/2008
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