31.12.2007

KLÜGER WERDEN MIT:Maria Emilia Santamarta

Die 51-jährige Hotelbesitzerin im nordspanischen Calzadilla de los Hermanillos über den Pilgerboom
SPIEGEL: Frau Santamarta, Ihr Hotel liegt direkt am Jakobsweg. Wie gehen die Geschäfte?
Santamarta: Dafür, dass ich erst seit August letzten Jahres dabei bin, sehr gut. Langsam wird es ruhiger, aber wir hatten bis Mitte Oktober wahnsinnig viele Gäste.
SPIEGEL: Wie kamen Sie auf die Idee ein Hotel zu bauen?
Santamarta: Meine Tochter brauchte einen Job, und in der letzten Zeit kamen immer mehr Pilger an unserem Hof vorbei und fragten nach einer Unterkunft. In unserem Dorf gab es nur eine kleine Herberge, die immerzu ausgebucht war. Da habe ich dem Pfarrer ein Grundstück abgekauft und darauf mein kleines Hotel gebaut, die "Casa el Cura".
SPIEGEL: In Deutschland ist der Jakobsweg seit einiger Zeit ein großes Thema.
Santamarta: Das kommt mir auch so vor. Wir haben immer mehr deutsche Gäste, und die sind völlig in Ordnung. Die kommen an, duschen, essen und legen sich ins Bett. Das sind mir die liebsten Gäste. Die meisten sind ja müde vom Laufen. Nur frage ich mich, ob es in Deutschland keine Suppen gibt?
SPIEGEL: Wie kommen Sie darauf?
Santamarta: Ich weiß nicht, woran das liegt, vielleicht steht das in irgendeinem Reiseführer, aber die Deutschen verlangen immer Sopa castellana. Das ist das Erste, was sie sagen beim Abendessen: Sopa castellana.
SPIEGEL: Die wollen kastilische Suppe?
Santamarta: Ja, das ist eine Brotsuppe mit Knoblauch und Eiern. Die bestellen das ständig. Ich meine, mir ist das egal, aber komisch ist das schon.
SPIEGEL: Kennen Sie eigentlich einen Mann namens Hape Kerkeling?
Santamarta: Nein, nie gehört.
SPIEGEL: Das ist Deutschlands berühmtester Pilger. Sein Buch steht seit über einem Jahr auf den Bestsellerlisten.
Santamarta: Gut, dann schicken Sie den mal vorbei - er kriegt auch eine Suppe.

DER SPIEGEL 1/2008
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