31.12.2007

FALL MARCOJunge, komm bald wieder

Im März flog der Schüler Marco Weiss aus Uelzen mit einem Ferienflieger nach Antalya, als einer von zwei Millionen Deutschen, die sich jedes Jahr an der türkischen Riviera sonnen. Erst am 15. Dezember kehrte er im exklusiv für ihn gecharterten Privatjet zurück, als bekanntester Jugendlicher Deutschlands. Dazwischen lagen 247 Tage Untersuchungshaft im Gefängnis von Antalya, weil Weiss, 17, auf einem Hotelzimmer versucht haben soll, die 13-jährige Engländerin Charlotte M. zu vergewaltigen. Einen zwingenden Beweis für den Vorwurf gab es nie, nur die Behauptung des Mädchens und die Tatsache, dass es zu einem vorzeitigen Samenerguss gekommen war, dem Jungen zufolge bei einvernehmlichen Zärtlichkeiten. Der Fall entwickelte sich zu einem türkisch-britischdeutschen Justizdrama, mit einem äußerst schwerfälligen türkischen Gericht, mit einem angeblichen Opfer in England, das sich von den Anwälten des Beschuldigten nicht befragen lassen wollte, und mit einer aufgeputschten deutschen Öffentlichkeit, erregt bis in die Spitzen der Politik. Selbst der EU-Beitritt der Türkei wurde mit dem Ausgang des Verfahrens in Antalya verknüpft. Das Ende der Haft kam überraschend, der Prozess hingegen, so zeichnet sich ab, wird noch Monate dauern. Diese Zeit wollte das Gericht Marco
Weiss dann doch nicht mehr im Gefängnis zumuten - nach einer skandalös langen U-Haft eine rechtsstaatliche Entscheidung.

DER SPIEGEL 1/2008
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