09.06.2008

DÄNEMARKGeheimdienst warnt vor neuer Gewalt

Nach dem Bombenattentat auf die dänische Botschaft im pakistanischen Islamabad wächst nicht nur in Kopenhagen die Sorge vor weiteren Anschlägen. Auch der nördliche Nachbar Norwegen hält sechs seiner diplomatischen Vertretungen für besonders gefährdet. Dazu gehören nach einer internen Liste des Osloer Außenministeriums die Mission in Pakistan, die vorübergehend geschlossen und evakuiert wurde, die Botschaften in Afghanistan, Sudan, Sri Lanka und Algerien sowie die Vertretung in Ostjerusalem. Erschwerend kommt hinzu, dass nun auch ein norwegisches Magazin erneut umstrittene Mohammed-Karikaturen nachdruckte. Als Motiv für die blutige Attacke von Islamabad hatte die Terrororganisation al-Qaida die Veröffentlichung ebendieser Zeichnungen in Dänemark genannt; sie kündigte "weitere Anschläge" an. Der dänische Geheimdienst PET sieht sein Land "im Fadenkreuz führender militanter Extremisten" und bestätigt Hinweise auf neue Drohungen gegen "dänische Staatsbürger und dänische Interessen im Ausland". Premier Anders Fogh Rasmussen sprach von einem "Angriff auf Dänemark" und provozierte damit vorige Woche eine heftige innenpolitische Auseinandersetzung. Die Vorsitzende der oppositionellen Radikalliberalen, Margrethe Vestager, kritisierte Foghs "aggressive Außenpolitik" und warnte davor, dass Dänemark in puncto Terrorgefahr zum "Israel des Nordens" werde. Die Grünen-nahe Sozialistische Volkspartei sekundierte mit der Feststellung, die fremdenfeindliche Politik sei "außer Kontrolle geraten". Die Stimmung wird nicht nur im Parlament nervöser; auch zu Übergriffen auf offener Straße kam es vorige Woche. Der prominente Imam Kasem Said Ahmad, früher Sprecher der Muslime in Dänemark, wurde von Unbekannten angegriffen. Er kam mit leichten Verletzungen davon, weil Passanten die Täter in die Flucht schlugen. Vor einer Moschee in Kopenhagens Stadtteil Ørebro bedrohten drei maskierte Männer zwei verschleierte muslimische Frauen. Währenddessen stellt sich die Wirtschaft auf weitere Umsatzeinbußen ein. Nach der erneuten Veröffentlichung einer Mohammed-Karikatur in 17 Zeitungen im Februar - eine Geste der Solidarität mit dem bedrohten Zeichner Kurt Westergaard - war es in einigen islamischen Ländern zu einem weiteren Einbruch beim Absatz dänischer Lebensmittel und Pharmaprodukte gekommen. Diese zweite Boykottwelle drohe "langfristiger und nachhaltiger" zu werden, heißt es im Außenministerium, weil sie von den Verbrauchern selbst und nicht von politischen oder religiösen Anführern getragen werde.

DER SPIEGEL 24/2008
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DÄNEMARK:
Geheimdienst warnt vor neuer Gewalt

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