16.06.2008

KUBAAbwendung von Chávez

Die Regierung unter Präsident Raúl Castro will die wirtschaftliche Abhängigkeit der Inselnation von Venezuela verringern. Kubanische Spitzenpolitiker umwerben seit kurzem vor allem Brasilien als künftigen "Wirtschaftspartner Nummer eins". Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat signalisiert, dass Unternehmen seines Landes an Investitionen auf Kuba interessiert seien - vor allem in der Agroindustrie und im Energiesektor. Bislang erhält Kuba aus Venezuela Erdöl zu stark verbilligten Preisen, im Gegenzug entsendet Havanna Ärzte und Lehrer nach Caracas. Der Grund für den Kurswechsel ist offenbar, dass Raúl Castro fürchtet, Kuba könnte bei einem vorzeitigen Sturz seines venezolanischen Amtskollegen Hugo Chávez plötzlich von der Versorgung mit Öl und Devisen abgeschnitten werden. Chávez' Amtszeit endet 2012, aber Experten schließen auch einen vorzeitigen Machtverlust nicht aus - und die Opposition hat bereits angekündigt, dass sie dann die großzügige Wirtschaftshilfe für Kuba einstellen würde. Dazu kommt, dass auch das Verhältnis zwischen den beiden Regierungschefs nicht das beste zu sein scheint: Chávez pflegt zwar exzellente Beziehungen zu seinem Freund und Idol Fidel Castro, versteht sich aber offenbar weniger gut mit dessen Bruder, der eine wirtschaftliche Öffnung Kubas nach chinesischem Vorbild anstrebt. Das lässt sich einer E-Mail auf dem Laptop des getöteten Kommandeurs der kolumbianischen Guerilla Farc, Raúl Reyes, entnehmen, die dem SPIEGEL vorliegt. Chávez sei "ein großer Freund von Fidel, aber er hat seine Vorbehalte gegenüber anderen Anführern", schrieb der Farc-Kommandeur Iván Márquez, der sich mehrmals mit Chávez in Caracas traf.

DER SPIEGEL 25/2008
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