16.06.2008

INTERNET„Das Schlimmste verhindert“

Springer-Chef Mathias Döpfner, 45, über den politischen Kompromiss zur Online-Expansion von ARD und ZDF
SPIEGEL: Die Ministerpräsidenten haben ARD und ZDF für ihr Internet-Geschäft engere Grenzen gezogen als erwartet. Eine "elektronische Presse", die privaten Angeboten Konkurrenz macht, soll es nicht geben. Ziehen die Verlage demnach als Sieger aus der Schlacht?
Döpfner: Die Entscheidung war gut und hat das Schlimmste verhindert. Aber das war nur ein erster Schritt. Wenn der Rauch verzogen ist, müssen wir einen langfristig haltbaren Kompromiss finden.
SPIEGEL: Sie trauen dem Frieden nicht?
Döpfner: Es ist lebensfremd, wenn man eine neu entstehende multimediale Welt durch Überwachungsgremien und Abmahnungen regulieren will. Am Ende wird nicht wirklich zu kontrollieren sein, ob etwa ein Beitrag von ARD und ZDF im Netz die definierten Grenzen einhält. Und die Öffentlich-Rechtlichen werden inhaltlich beschränkt. Neue Medien aber brauchen mehr Kreativität und Freiheit, nicht Beschränkung. Das entspräche nicht meinem Verständnis von Pressefreiheit.
SPIEGEL: Sie ergreifen Partei für die Online-Expansion von ARD und ZDF?
Döpfner: Ich glaube, es gibt nur einen ordnungspolitisch sauberen und vor der EU-Kommission vertretbaren Weg: ARD und ZDF dürfen im Internet inhaltlich tun und lassen, was sie wollen - und verzichten dafür im Netz, aber auch im TV und allen anderen Kanälen auf Werbung, Sponsoring oder E-Commerce und finanzieren sich nur aus Gebühren.
SPIEGEL: ARD und ZDF haben nicht mal 500 Millionen Euro Werbeerlöse, aber gut sieben Milliarden Gebühren. Ein Werbeverzicht würde nichts daran ändern, dass sie mit Gebührenhilfe Nutzer auf ihre Internet-Angebote locken und den Privaten das Geschäft erschweren.
Döpfner: Es mag sein, dass die digitale Reichweite der Öffentlich-Rechtlichen extrem hoch wäre, aber sie könnte nicht monetarisiert werden. Einem Werbekunden würde die Reichweite von ARD und ZDF gar nichts nutzen, einem privaten Verleger also auch nicht schaden. Wenn wir das jetzt nicht sauber regeln, werden die Öffentlich-Rechtlichen versuchen, sich über crossmediale Umwege im Netz weiterzuentwickeln und dort eben doch Geld zu verdienen. Da käme es immer wieder zu Verwischungen.
SPIEGEL: Sie fallen damit der bisherigen Linie der Verleger in den Rücken.
Döpfner: Es ist im Interesse der Verleger, eine Lösung zu finden, die nicht umgangen und durchkreuzt wird. Wir haben uns alle auf den 12. Juni fixiert, alles andere hätte Verwirrung gestiftet. Aber wir müssen weitergehen. Mit einer klaren, freiheitlichen Lösung könnten wir uns um die echten Herausforderungen kümmern. Das sind nicht ARD und ZDF, sondern Google und Yahoo.
SPIEGEL: Also Journalismus den Öffentlich-Rechtlichen, Geschäft den Privaten?
Döpfner: ARD und ZDF finanzieren Journalismus mit Gebühren, die Privaten mit dem Geld der Werbekunden und Leser. Nur: Wenn einer beides darf, ist das Wettbewerbsverzerrung.

DER SPIEGEL 25/2008
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