01.09.2008

VOLKSWAGENWiedeking unter Druck

Zwischen Porsche und VW eskalieren die Konflikte. Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch soll weiterhin daran arbeiten, Wendelin Wiedeking als Chef der Porsche Automobil Holding abzulösen. Das zumindest berichten Vertraute Piëchs. Grund: Wiedeking habe seit dem Einstieg Porsches beim VW-Konzern aus den befreundeten Unternehmen fast schon Feinde gemacht. Nicht nur die Betriebsräte streiten sich, sondern auch im VW- und Audi-Management gibt es massive Widerstände gegen Wiedeking, weil er Modelle wie den Phaeton und Marken wie Seat in Frage gestellt habe. Audi-Manager sollen die Zusammenarbeit mit den Stuttgartern deshalb oft hintertreiben, indem sie überhöhte Preise für Technik fordern, die Porsche bei ihnen einkaufen will. Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Piëch und Wiedeking ist, zeigte sich im Präsidium des VW-Aufsichtsrats. Dort wurde diskutiert, ob ein Antrag des VW-Betriebsrats abgelehnt oder die Beratung darüber vertagt werden soll. Wiedeking plädierte vehement für Ablehnung. Drei Arbeitnehmervertreter, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sowie Piëch aber setzten die Vertagung durch. Piëch soll das Ergebnis süffisant kommentiert haben, Wiedeking habe keine Mehrheit. Ablösen könnte er den Porsche-Boss aber nur mit Zustimmung der übrigen Mitglieder des Porsche-Piëch-Clans. Diese sollen aber derzeit noch fest zu Wiedeking stehen. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche attackiert unterdessen VW-Chef Martin Winterkorn. Er erwartet von ihm, dass er sich von den rüden Angriffen seines Betriebsratschefs Bernd Osterloh auf die Porsche-Führung distanziert. Wenn Winterkorn weiterhin schweige, lasse dies nur zwei Schlüsse zu: Entweder stehe er hinter den Angriffen des VW-Betriebsrats, oder er traue sich nicht, gegen ihn anzutreten.

DER SPIEGEL 36/2008
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