01.09.2008

REALITY-TV„Currywurst ist klassenlos“

Wirt Olaf Bernhardt, 44, über seine Imbissbude „Curry 54“ in Magdeburg, die Kabel eins zum Schauplatz einer täglichen Sendung macht
SPIEGEL: Das Leben in und an Ihrer Currywurstbude wird bald im Internet und auch im Fernsehen live zu sehen sein. Was wird das genau?
Bernhardt: Na ja, wir haben von elf Uhr morgens bis zwei Uhr nachts geöffnet. Alles, was passiert, wird ab Mitte September live im Internet zu sehen sein. Dazu kommt dann später täglich eine halbe Stunde auf Kabel eins - als Zusammenfassung des Tages und auch mit einer Live-Schalte in die Bude.
SPIEGEL: Zurzeit bauen Techniker Kameras und Mikrofone in Ihren Imbiss. Wie reagieren die Gäste?
Bernhardt: Die meisten sind neugierig. Ein paar drohen auch, sie kommen dann nicht mehr. Aber warum? Im Restaurant, da wäre Öffentlichkeit natürlich gefährlich. Wenn da der Chef mit seiner Sekretärin heimlich essen geht ... Aber in einer Currywurstbude, da gibt es keine Geheimnisse.
SPIEGEL: Werden Sie nicht ständig Leute anziehen, die bei Ihnen wie Olli Dittrich im Bademantel den Dittsche geben wollen, um aufzufallen?
Bernhardt: Sicherlich wird es da auch solche Dummköpfe geben, die in die Kamera winken wollen. Oder die sich für witzig halten und das ausleben wollen. Aber das wird nicht so schlimm und erschöpft sich ja schnell, denke ich.
SPIEGEL: Was ist so reizvoll an einer Pommesbude?
Bernhardt: Die Currywurst ist klassenlos. In unseren Laden kommen Leute aus allen Schichten, vom Straßenkehrer bis zum Minister. Das wird nie langweilig. Aber man muss das mögen. Wer da im fettigen T-Shirt steht und genervt die Wurst rüberreicht, der ist falsch.
SPIEGEL: Bekommen Sie Honorar, oder müssen Sie Geld an den Sender zahlen, weil es so gute Werbung ist?
Bernhardt: Weder noch. Wer das für Geld machen wollte, ist auf der falschen Spur. Dann würde ich eine Rolle spielen, für die ich eine Gage bekomme, und würde mich anstrengen, besonders witzig zu sein oder so. Aber dann hätte das mit Alltag ja nichts mehr zu tun.

DER SPIEGEL 36/2008
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