01.09.2008

THAILANDMachtlose Regierung

In Bangkok gerät Premier Samak Sundaravej, dessen Amtssitz Demonstranten besetzt halten, zunehmend in Bedrängnis. Als Polizisten am vorigen Freitag die Räumung durchsetzen wollten, kam es zu Handgreiflichkeiten mit den Demonstranten, worauf sich die Ordnungsmacht unverrichteter Dinge wieder zurückzog. Andernorts gab es dagegen schwerste Ausschreitungen mit knapp 2000 Verletzten. Die Demonstranten blockierten Flughäfen unter anderem in Bangkok und dem Urlaubsparadies Phuket. Sie fordern den Rücktritt des Ministerpräsidenten. "Sie wollen ein Blutbad anrichten", behauptet der erst im Dezember 2007 gewählte Samak. Er ist unbeliebt, weil er als Handpuppe des früheren Premiers Thaksin Shinawatra gilt, der vom Militär 2006 abgesetzt wurde, unter Korruptionsverdacht steht und ins Exil nach London gegangen ist. Die Proteste werden von der People's Alliance for Democracy organisiert, einer Art Bürgerrechtsbewegung, die sich vor drei Jahren gegen Thaksin bildete. Nach einer Großkundgebung stürmten die Demonstranten einen Fernsehsender und Ministerien und durchbrachen dann sogar den Polizeikordon vor dem Government House. Tausende Regierungsgegner halten seither dort die Stellung. Sie haben sich mit selbstgebastelten Waffen eingedeckt, wozu Bambusstöcke und Golfschläger gehören. Als ein Gericht die Festnahme von neun Rädelsführern anordnete, war die Polizei machtlos gegenüber den rund 30 000 Demonstranten, die herbeigeeilt waren, um das besetzte Regierungsgebäude zu schützen. Premier Samak verschanzte sich inzwischen in einer Militärakademie. Diese Lage ähnelt der im Jahr 2006 im Machtkampf mit Thaksin, der noch immer einflussreichen Figur in Thailand: Auch er stand vor seinem Sturz wochenlang unter Belagerung. Den Ausschlag gab damals die Armee mit ihrem Putsch.

DER SPIEGEL 36/2008
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